Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 52 (29.12.1911)
- Date
- 1911-12-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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1420' D IE 2 telegramm abgesandt, in welchem dem Wunsche Ausdruck gegeben wird, daß alle zionistischen Organisationen Oesterreichs zum Wohle des österreichischen Zionismus wirken mögen. Dem hierauf erstatteten Berichte des Zentralkomitees entnehmen wir folgendes: Beim derzeitigen Stande der Organisation konnte das Zentralkomitee nur Anregungen geben und eine vermittelnde sowie überwachende Tätigkeit entfalten. Eine wirkliche Oberbeliörde konnte es nicht sein. Seine wichtigsten Leistungen lagen auf dem Gebiete der Ideenpropaganda und der Palästina arbeit (Propaganda für das Werk Z o 1 Is ch ans, Uebernahme und Weiterführung der Zeitschrift „Palästina44, tiefgreifende hebräische Propaganda). Insbesondere ist die Arbeit des dem Z. K. unterstehenden Palästinai n f o r m a t i o n s b u r e a u s in Wien (Filiale in T r i e s t) hervorzuheben, das ansehnliches geleistet hat. Schließlich liebt der Bericht die fruchtbare Tätigkeit in den Distrikten und einzelnen Vereinen hervor und bemerkt, daß in Westösterreich ein gewisser Aufschwung des zionistischen Lebens zu verzeichnen sei, der sich z. B. in dem wiederholt durch Zuwendungen bekundeten großen Interesse nichtzionistischer Kreise für Palästina dokumentiere. Auf Antrag Dr. W o I f m a n n wurde ohne Debatte über den Bericht, der gedruckt vorlag, dem Zentralkomitee für seine unter überaus schwierigen Verhältnissen geleistete Arbeit Dank,und Anerkennung ausgedrückt. (Lang anhaltender Beifall.) Hierauf erstattete Dr. Emil M a r g u 1 i e s das Referat über den von ihm ausgearbeiteten Entwurf des neuen Organisation s s t a t u t e s. Er entwickelte überaus klar und streng sachlich die Grundprinzipien, die zur Aenderung des gegenwärtigen organisatorischen Zustandes zwingen. Vom Standpunkte des neuen Organisationsstatutes, das als Legislative einer Landsmannschaft nur souveräne Gesamtparteitage anerkenne, müsse das Zentralkomitee wirklich e Machtbefugnisse erhalten. Es sei jenes System der Zentralisierung wieder herzustellen, das vor dem seit der Lostrennung Galiziens entstandenen anarchischen Uebergangsstadiuin tatsächlich in Kraft war. (Seine Ausführungen decken sich im Wesen mit den Darlegungen des Gg. Adolf Böhm, die in der Nr. 50 der „Welt" ausführlich veröffentlicht wurden.) In einer sechsstündigen, mitunter sehr heftigen Debatte wurde eine Diskussion über die Notwendigkeit einer Organisationsänderung und über die mit dieser Frage unlösbar ver- [ELT Nr. 52 bundenen Probleme der innerpolitischen und nationaljüdischen Betätigung geführt. Gegen die Aenderung der Organisation sprachen die Delegierten Dr. Friedmann, Prof. Dr. Engel, Fleischer, Dr. Reach, Wittmann, Prof. Dr. L i e b e n; f ü r die Aenderung: Dr. Stein, Ob.-Ing. Stricker, Low, Waldmann, Schwarz, Dr. A b e 1 e s. Adolf Böhm nahm Gelegenheit, aufklärend zu wirken und in einer längeren Rede zu zeigen, dafi der gegenwärtige Zustand tatsächlich die Gesamtentwicklung hemme. Nach einer einstündigen Pause, in welcher eine Konferenz der Provinzführer unter Leitung des Mitgliedes des E. A. C. Dr. Hantke stattfand, teilte Adolf Böhm zu Beginn der Nachtsitzung unter endlosem Jubel mit, daß in der Organisationsfrage eine vollkommene Einigung erzielt worden sei. Das Eingreifen des Vertreters der Weltorganisation hat sich als überaus glücklich erwiesen. Es wurden Kautelen geschaffen, daß die Arbeitsautonornie der Distrikte durch die Statutenänderung nicht tangiert erscheint, sowie daß jeder Zweifel über die Z vv e i - t e i 1 u n g von zionistischer und politischer Organisation ausgeschlossen ist. Der nunmehr in obigem Sinne geänderte Statutenentwurt wird hierauf per Akklamation genehmigt. Dr. Hantke drückte seine besondere Befriedigung über das schöne Gelingen aus. Jetzt sei die Schale geschaffen. Es sei nunmehr die Pflicht der Tagung, sie mit dem lerforderlichen Inhalte zu füllen. Es erfolgten noch die Wahlen in das neue Zentralkomitee, die folgendes Ergebnis hatten: Mitglieder des Z. K. sind: für Niederösterreich: Böhm, Dr. Ehrlich, Dr. Stein, Ob.-Ing. Stricker, Dr. Z w e i g , Ersatzmänner: K r a m m e r, Dr. L a n z e r. Für Mähren: S ü ß m a n d 1, Dr. Reach, Dr. Eckstein, Dr. F r i e d m a n n , Dr. S c h ö n ii o f. Ersatzmänner: Krieger, Dr. Wagner. Für Böhmen: Bechert, Dr. M a r g u 1 i e s, Frau Perutz, Soudek, Dr. Singer. Ersatzmänner: Dr. Hirsch, Kuttenberg. Adolf Böhm wurde unter großem Jubel mm Präsidenten gewählt. — lieber die Verhandlungen des zweiten Tages werden wir in nächster Nummer berichten. X. Landeskonferenz der galizischen Zionisten in Stanislau (Vorläufig Die Konferenz wird am Sonntag, den 24. Dezember, 10 Uhr früh, durch Herrn Adolt Stand eröffnet. Es sind 193 Delegierte aus hundert Städten anwesend. Das Zentralkomitee ist vollzählig vertreten. Herr Stand erörtert in seiner Eröffnungsrede die allgemeine Lage der Weltorganisation, insbesondere die Situation nach dem X. Kongreß. Er spricht der neuen Zentralleitung das vollste Vertrauen der galizischen Zionisten aus und weist auf die Notwendigkeit hin, die Leitung durch Sammlungen für den Zentralfonds zu unterstützen. Er begrüßt die gleichzeitig in Brünn tagende Konferenz der westösterreichischen Zionisten, und wendet sich in einem Ueberblick der Entwicklung zu, die die zionistische Beweg'ung in Galizien seit der ersten Landeskonferenz genommen hat. Die galizischen Zionisten müssen auf allen Gebieten der Parteiarbeit für die Weiterentwicklung des bisher Erreichten wirken, sowohl auf dem Gebiet der Palästinaarbeit wie auf dem der Kulturbestrebungen. Aber auch die Landespolitik sei unbedingte Notwendigkeit, doch müsse sie richtig verstanden werden. Die heutige Konferenz sei eine Jubiläurnskonferenz. Genau vor 10 Jahren sei der Jüdische Nationalfonds gegründet worden, und ebenso tage jetzt die Landesversammlung der galizischen Zionisten zum zehntennial. Es solle eine Friedenskonferenz werden, und keine persönlichen Differenzen dürften platzgreifen, denn die Männer wechseln, aber die Idee bleibt immer die gleiche. (Stürmischer Beifall.) er Bericht.) Dr. Jonas begrüßt die Konferenz im Namen der zionistischen Körperschaften von Stanislau. Hierauf wird Herr Adolt Stand zum Präsidenten und die Herren Dr. Osias Thon, Hermann Tr opp, Dr. Gerson Zi p p e r, Dr. David Malz zu Vizepräsidenten gewählt. Vorsitzender Stand widmet hierauf dem verstorbenen Reichstagsabgeordneten Dr. Heinrich Gabel Worte des Gedenkens. Dr. Ringel erstattet den Bericht des Zentralkomitees und weist darin auf die Notwendigkeit der Neuorganisation in Galizien hin. In der Berichtszeit wurde eifrig gearbeitet. In den größeren Städten wurden Palästina-Kommissionen eingesetzt, die eine lebhafte Tätigkeit insbesondere für die P. L. D. C. entfalteten. Es fanden mehrere Bezalel-Ausstellungen statt. Die galizische Organisation hat ein Dr. Gabel-Stipendium im Bezalel geschaffen, für das bis jetzt 1400 Kronen gesammelt sind. Die Reise des Herrn Dr. Levin war von größtem Wert für die Agitation. Auch Dr. Jacob Thon und Frau Dr. Thon haben für die Palästinaarbeit erfolgreich agitiert. Es wurden im Berichtsjahre 6530 Schekel gesammelt. Die galizische Organisation war auf dem Kongresse durch 31 Delegierte vertreten. Für den Nationalfonds wurden in Galizien vom 1. April 1910 bis 10. Dezember 1911 über 60 000 Kronen und für andere Palästinazwecke etwa 13 000 Kronen gesammelt, abgesehen von weiteren 20 000 Kronen, die direkt durch das galizische Zentralkomitee an die entsprechenden Palästinagesell-