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Die Welt · 1911-12-22 · 51 (22.12.1911) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
51 (22.12.1911)
Date
1911-12-22
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Vaterland", so stellte dieser das Glaubensdogma auf — „Gott und die Südslaven!" . . . Möglicherweise wäre diese eigenartige, konfuse Partei im Laufe der Zeit aus den Fugen gegangen — wenn nicht im entscheidenden Augenblick ein Mann eingesprungen wäre, der alle Qualitäten eines politischen Führers und Demagogen hatte. Und das war — ich möchte beinahe sagen selbstverständlich — unser jüdischer Advokat aus Oesterreich. Er nahm die Sache in seine Regie, pachtete den südslavischen Patriotismus samt Kirchen und Zubehör, verdrängte allmählich den alten Gründer der Partei und wurde schließlich Chef und sogar Namengeber dieser Bewegung. Und das Merkwürdigste geschah — die nationalste, chauvinistischste Partei des slavischen Landes wurde nach einem Juden benannt. Man denke sich bloß, — um an Deutschland zu illustrieren — die alldeutsche, ultrakonservative, kirchliche Partei der Heydebrandt und Lattmann und Zedlitz, an deren Spitze sagen wir Herr Cohn stehen würde! Die Cohn-Partei als „Highchurch"- partei! Die Ironie des Schicksals ist eben unerschöpflich ... Der schlaue Jude tat noch ein übriges. Um seine Machtstellung zu behaupten, trieb er einen Keil in die Bevölkerung ein, benutzte die vorhandenen latenten konfessionellen Gegensätze, um die slavische Bevölkerung in zwei feindliche getrennte Lager zu scheiden. Es gibt nämlich in diesem Lande zwei konfessionelle Gruppen — Katholiken und Griechisch-Orthodoxe. Beide wahren sie ängstlich ihre Traditionen, die zugleich einen nationalen Charakter tragen. Es sind eigentlich nicht so sehr zwei Konfessionen, sondern zwei Nationen, die sich allerdings voneinander weder in Sprache noch in Lebensführung unterscheiden. Diesen Gegensatz haben die österreichisch-ungarischen Machthaber sich zunutze zu machen gewußt. Sie vertieften ihn, bauschten die geringen Differenzen, die sonst gar nicht zum Bewußtsein gekommen wären, auf und spalteten die Nationen entzwei. Und ihr tätigstes Werkzeug war unser Slavenapostel aus Judas Stamm. Vielleicht war es bei ihm auch ehrlich gemeinter Assimilationsfanatismus. Der assimilierte Jude ist meistenteils der größte Chauvinist und Nationalist — der adoptierten Nation. Die meisten ,,Revanchisten" in Frankreich sind Juden. Ich erinnere mich an folgende Geschichte, die mir diese Tatsache sozusagen ad oculos führte. Vor einigen Jahren machte ich in Paris die Bekanntschaft zweier Künstler. Der eine war der bekannte Zeichner Grandjean, ein echter Sohn des Bretagne, der zweite war ein Literat, der unter einem sehr französischen Namen, sogar mit einem vorgesetzten „de" schrieb. In der Wirklichkeit aber trug er einen überschwenglich biblischalttestamentarischen Namen und sah auch ungemein orientalisch aus. Die beiden hatten den Plan, eine Reise nach Rußland zu machen, um gemeinschaftlich ein Buch über dieses Land zu veröffentlichen. Auf dieser Grundlage begann also unsere nähere Bekanntschaft. Der MMonsieux de la usw." entpuppte sich nun als ein enragierter Derouledianer und Revanchist. „La revanche" rollte er - und das „R" wälzte sich und rollte und donnerte in seinem Munde. Es war gar fürchterlich. Sogar ein Moltke wäre in Angstschweiß geraten. Nun fragte ich den braven, sympathischen Bretagner, was er über die „Rrrevanche" denke. „Et moi, je m'en ficlle", war die unnachahmlich drollige Antwort dieses starken, lustigen, durch und durch wahrhaften Menschenkindes... Das ist es eben. Die Sehnsucht der Juden nach Assimilation hat ungemein tiefe Wurzeln. Es ist nicht immer bloß Karrierejagd. Es ist auch das seelische Bedürfnisnach etwas Ganzem, Starkem, nach Totalität. Der ihm innewohnende fanatische Glaube, der Drang, an etwas zu hängen, sich ganz hinzugeben, das ist beim Juden der letzte Grund der Assimilation. Und der monistische Zug. Wenn der fromme Jude iiechad", „der Eine" sagt — so schließt er ekstatisch-inbrünstig die Augen, wie wenn er in dieser Einheit restlos aufgehen möchte. Vielleicht ist auch dies das Rätsel des großen Einflusses, den Lassalle und Marx, den die jüdischen Revolutionsführer in Rußland, wie z. B. Qerschuni, ausübten. Guglielmo Ferrero hat (in seinem Jugendbuche „L'Europa Giovane") treffend gesagt, Karl Marx wäre nie der Gründen der internationalen Sozialdemokratie, der gehaßteste und beliebteste Mensch des Jahrhunderts geworden, wenn er kein Jude gewesen wäre. Für den Juden ist die Kluft zwischen Leben und Lehre, Theorie und Praxis nicht vorhanden. „Das ist die Lehre, daß man für sie sterbe." Und für sie lebe . . . Dieser jüdische Einheitszug führt selbstverständlich oft auf Ab- und Irrwege. Wie es z. B. in diesem Falle unseres kuriosen Slavenapostels der Fall war. Die Inkronguenz zwischen Sein und Wollen, zwischen Streben und Wirklichkeit rächte sich ja bald. Der gescheite jüdische Advokat konnte sich nicht lange im Traum wiegen, es sei die seelische Metarmorphose wirklich gelungen. Der Verstand begann bald über die Einbildung zu spotten — und der seelische Zwiespalt begann sich bald auch in Taten umzusetzen. Die Politik, die dieser Parteiführer nun machte, war eine sehr zweideutige. Er verstand es, der Regierung willfährig zu sein und zugleich in strenger Opposition zu verharren. Er wurde geschäftig. Er spann Fäden nach Wien und nach Budapest — und geriet auf schiefe Bahnen. Man kann auch wohl denken, welch' ein Fressen dieses Gehaben für seine Gegner war! Der „Judas", der ,,Shylock", der „Cifut" (das stärkste Schimpfwort für einen Juden in diesen Gegenden), keines dieser bekannten Judenepitheta wurde ihm versagt, keinen Augenblick ließ man ihn vergessen, daß er ein Jude sei. Nichts hat ihm geholfen, weder die Taufe, noch die völlige Verzichtleistung auf jüdischen Verkehr, auch nicht der Klerikalismus, den er zur Schau trug. Er wurde seinen eigenen Parteigenossen und Anhängern verekelt. Bis der tragische Augenblick kam, an dem die Partei, die er aus dem Nichts gezogen, erzogen und zu einer Macht erhoben hatte, ihm den Laufpaß gab, ihn hinausdrängte. Das Ständchen und der Fackelzug, dessen Zeuge ich war, war nur eine formale Huldigung, sozusagen eine Anstandssache. Es war aber auch zugleich der Abschied. Das wußte der alte Mann ganz genau und fühlte wohl am besten, wie inhaltlos, wie bar an Bedeutung diese „pater patriae"-Phrasen seien. Er kannte seine Leutchen. Denn er hat sie selbst in die Höhe gebracht. Nun mußte ihm erst die ganze Lüge seines Lebens zum Bewußtsein kommen. Und indem er automatisch' seine alte Phrase „Gott und die Slaven" hersagte, fühlte er, daß er nie, aber nie diesen Worten einen Gefühlsinhalt unterlegte, daß sie für ihn nur eine demagogische Redensart seien. Das slavische Volk wird ihm wenig Dank wissen. Die Geschichte des Landes wird sein Lebenswerk mit Schweigen übergehen. Fremde Gärten hat er gehütet — solange es Nacht war. Als aber der Tag kam, da jagte ihn der Eigentümer des Gartens davon . . . Ich hatte einige Zeit darauf Gelegenheit, diesen merkwürdigen Mann persönlich kennen zu lernen. Wir sprachen ein wenig über Politik, die jüdische Frage berührten

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