Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 51 (22.12.1911)
- Date
- 1911-12-22
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3315709-3316458-3316512--55416-3349242- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 51 DIEÄELT 1401 wir gar nicht. Aber was seine Lippen verschwiegen, sagten seine Augen, diese unendlich traurigen, sehnsüchtigen, klugen Augen eines alten Juden. Ich versuchte, mit ihm über die slavische Politik, über seine Politik zu sprechen. Er blickte mir aber tief in die Augen und brach nach einigen nichtssagenden Worten ab. Denn wir fühlten uns gegenseitig als Augurenpaar, die einander durchschauen. Vor dem letzten Worte, vor der letzten Wahrheit hatte er aber noch Angst. Ob er sich je noch in der Einsamkeit des Alters zu dieser Wahrheit durchringen wird? . . . Wozu ich all dies schreibe? Wozu ich diese so manchem Leser uninteressante Details aus einem kleinen fernen Lande erzähle, wozu ich dieses Einzelschicksal zum Gegenstande meiner Betrachtung gewählt habe? . . . Ja nun, ich bin der Ansicht, daß es an der Zeit ist, aus eigner Kraft, aus unserer eigenen Perspektive eine „Psychologie des Wir", wie B onald einst sagte, zu schaffen. Diese Arbeit müssen wir den anderen abnehmen. Psychologie kann man nur introspektiv machen, auf Grund eigner und analoger Erlebnisse. Nur ein tiefbohrender Jude kann die Judenpsyche verstehen. Um aber zur „Psychologie des Wir" zu gelangen, müssen wir die Differenzialpsychblogie ausbilden, müssen wir den Einzeljuden in all seinen Variationen und Aberrationen kennen lernen. Und als Beitrag dazu sind auch diese meine Studien über jüdische „Kuriosa" gedacht . . . Büchereinlauf Der Goldene Spiegel. Von Jacob Wassermann, Berlin 1911, S. Fischer Verlag. Mitteilungen zur Jüdischen Volkskunde. Herausgegeben von Dr. M. Grund wald, 14. Jahrgang, 4. Heft, Wien 1911. Usmnaste Spranwozdanie Roczne. Wydzialu Towarz. Akademickieg'O „Osgnisko" we Lwowie za rok administracyjny 1910/11. Lemberg 1911. Jüdische Geschichte von der Zerstörung des II. Tempels bis zur Gegenwart, in Charakterbildern dargestellt. Von S. Müller, Stuttgart, I. B. Metzlersche Buchhandlung 1911. Geschichte der spanischen Inquisition. Von Henry Charles Lea, Deutsch bearbeitet von Prosper M ü 11 e n d o r f f. Leipzig, Dyksche Buchhandlung, 1911. The Passport Question. Reprint from The American Jewish Year Book 5672. The American Jewish Comittee, 356 Second Avenue, New York 1911. The United States Passport And Russia, By Hon. Rufus B. Smith. A Paper read before the Teniple Club of Congregation Bene Israel Cincinnati, April 5/th, 1911, and printed by resolution of the Club. 1911. The Passport Question, Some recent expressions of The American Press. The American Jewish Comittee, 356 Second Avenue, New York. 1911. Der neue Jude. Von Georg Hecht. Gustav Engel Verlag, Leipzig 1911. Persönliches Unser geschätzter Gesinnungsgenosse, Herr Dr. A. Eliasb e r g, Berlin, hat sich mit Frl. Dorothea Weißbrem aus Königsberg i. Pr. vermählt. Wir sprechen den Neuvermählten unsere herzlichsten Glückwünsche aus. Schluß des redaktionellen Teiles Die Königsberger Molkereigenossenschaft und die Bedeutung guter einwandsfreier Exportmilcli für unsere Tropen. Die Neuerwerbungen von Kolonien bieten u. a. auch der deutschen Landwittschaft Gelegenheit, auf dem Gebiete eines ihrer wichtigsten Erzeugnisse sich Absatzmöglichkeiten zu schaffen. Ein bekannter Afrika-Forscher soll resigniert den Ausspruch getan haben: , Wo Afrika gesund, da ist es unfruchtbar, und wo es fruchtbar ist, da ist es ungesund.4. Dieser schrieb, Ayie man es damals noch gewohnt war, die schlechten Gesundheitsverhältuisse Afrikas eben dem Klima zu. Unsere Autoritäten in der Tropenhygiene haben aber den Nachweis gebracht, dass dies nur insofern seine Richtigkeit habe, als die mehr für sich als direkte Einwirkung: von Wärme und Kalle, Regen und Nebel usw. auf den menschlichen Organismus in Betracht kommt, dass die sogen. Akklimationskrankheiten aber mit dem Klima nichts zu tun haben. Darum betrachtet die heutige Tropenhygiene die Assanierung des Bodens nur als Nebenprodukt und geht den tropischen Infektionskrankheiten hauptsächsich mit prophylaktischen Mitteln zu Leibe. Aber auch diese können ihr nicht einen vollen Erfolg sichern, wenn ihr nicht gesunde Nahrungsmittel zur Verfügung stehen. Eines unserer wichtigsten Nahrungsmittel ist unzweifelhaft die Kuhmilch. Auch in unseren Tropen "breitet sich die Kenntnis vom Werte der M'lch als menschliches Nahrungsmittel immer mehr aus. Dieser Wert ist darin bigründet, als die Milch die für den Menschen nötigen Nährstoffe und diese in sehr leicht verdaulicher Form enthält, dass sie deshalb den Hunger, wegen ihres hohen Wassergehaltes aber auch den Durst stillt, da sie meistens sehr preiswüidig ist, und dass sie keine erhitzenden oder das Nervensystem ungünstig beeinflussenden Eigenschaften hat. Schon Herz sagte deshalb in seinen vortrefflichen kurzen Ausführungen über „Die Milch als Nahrungsmittel" sehr richtig: „Die Milch ist zugleich Speise und Trank, Fleisch und Brot, Erquickung und Labsal für Jung und Alt, Gesunde und Kranke/4 Ein Liter Milch entspricht ungefähr 200 Gramm Kalbfleisch. Sie besitzt 10 mal soviel Nährwert wie Bier und enthält keinerlei schädliche Stoffe. Ausserdem ist sie stets erfrischend. Diese Tatsachen sind oft durch Sachverständige festgestellt worden und es dürfte daher nicht Wunder nehmen, wenn die Bedeutung dieses v ahrungsmitUls anch für unsere Kolonien eine immer grössere wird. Die grossen Entfernungen nach unseren Kolonien bringer. es mit sich, dass der Milchindustrie in den letzten Jahren wichtige Aufgaben gestellt wurden. Es handelt sich darum Milch nicht nur nach den Kolonien zu exportieren, sondern ein s lches Produkt, welehes nicht gesundheitsschädlich ist und möglichst im Naturzustände nach den Kolonien gelangt. Man hat versucht, die Milch in fester Form zu exportieren, was sich aber gerade für unsere Tropen am wenigsten eignet, da es bekanntlich an vielen Stellen an Wasser mangelt. Mit grosser Freude darf daher ein Verfahren begrüsst werden, welches nach langjährigen Erfahrungen gelungen ist, in den Dienst der Milchindustrie zu stellen. Es handelt sich um das von der Königsberger Molkereigenossenschaft angewandte Verfahren, Milch tropensicher zu pioduziercn, ohne die Milch irgendwie zu koeservieren oder ihr andere Zusätze beizulügen. Zahlreiche Autoritäten auf dem Gebiete der Milchindustrie haben fast einstimmig bekundet, dass durch das von der Königsberger Molkereigenossenschaft angewandte Verfahren, das Rätsel „Milch steril 7u erhaltet?, ohne sie abzukochen und gleichzeitig die in der Milch erhaltenen Keime zu töten", als gelöst zu betrachten sei. und dass dasselbe einen Umschwung auf dem Gebiete der Exporimilch-Erzeugung bedeutet Die Königsberger Molkereigenossenschaft in Königsberg i. Pr. ist eine unserer modernst eingerichteten Molkereien in Deutschland. Die he rlichen Weideanlagen in Ostpreussen — besonders des Samlandes — bringen es mit sich, dass die dort gewonnene Milch viel fettreicher, als die aus anderen Gegenden stammende Kuhvollmilch ist. Es ist daher auch erklärlich, dass die aus dortiger Gegend kommende Milch selbst ^chweizermilch übertrifft. Bacno-Milch hat sich nicht nur für Gesunde sondern auch für Kranke, die sonst rohe Milch nicht vertragen können, als vorzüglich bekömmlich erwiesen. Ihre Haltbarkeit ist eine unbegrenzte, was auch auf der Internationalen Hygiene-Ausstellung in Dresden I911 bewiesen werden konnte. Es war dort Milch ausgestellt, die bereits 15 Monate lang auf Flaschen gefüllt war, und von frischer Milch nicht unterschieden werden konnte. Wir haben also in der Bacno-Mikh ein für unsere Kolonien sehr wichtiges Nahrungsmittel zu erblicken, dem mit der Zunahme unserer Interessen in den Kolonien eine grosse Zukunft bevorsteht. Sie wird im Notfälle auch gesunden Menschen den Mangel an sonstigen Speisen in unseren Kolonien ersetzen können und somit an erster Stelle zur Verbesserung der Gesundheitsverhältnisse in unseren Kolonien beilragen, so dass der Ausspruch des Physikus Dr. Nocht auf dem Deutschen Kolonialkongress 1902 S' ine baldige Lösung finden wird: „Mögen unsere tropischen Kolonien zum Teil ungesund sein, uns sind die allgemeinen Grundsülze und Mittel bekannt, mit denen sie gesund gemacht werden können. Erfolge dürfen zwar nicht im Handumdrehen erwartet werden, aber doch in verhältnismässig kurzer Zeit und mit verhältnismässig geringem Geldaufwand. Wir können unsere Kolonien gesund machen und darum sollen und messen sie gesund gemacht werden." KONFITÜREN S-i PACKUNG für Pralin6s, Katzenzungen, Mokkabohnen Ueberau zu haben SCHOKOLADEN M— N —V Milch Nuss Vanille Die Drei Neuen Edelschokoladen BERLIN Dresden 1911: Kgl. Säche. .S!aatspre;s