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Die Welt · 1911-12-22 · 51 (22.12.1911) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
51 (22.12.1911)
Date
1911-12-22
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1398 DIETOELT: Nr. 51 PALASTINA oo o || sn& Eine wertvolle Schenkung für den „Bezalei" Ein junger jüdischer Landmesser, namens B. Fabrikant, der vor kurzem seine Studien in der Schweiz beendet hat und sich in Palästina niederlassen will, hat der Kunstgewerbeschule „Bezalei" seine überaus reichhaltige Sammlung kunstgewerblicher und kunstgeschichtlicher Schriften sowie verschiedene Kunstwerke hervorragender Meister zum Geschenk gemacht. Die Sammlung repräsentiert einen Wert von über 10 000 Francs. Sie wird als besondere Abteilung im Museum des Bezalel Aufstellung finden und den Namen des Spenders tragen. Von der hebräischen Mittelschule „Tachkemoni" An der letzten Sitzung des Tachkemoni- Schulkomitees in Frankfurt a. M. nahmen auch Herr S. M e i s e 1, Mitglied des Jaffaer Lokalkomitees der Anstalt und das Komiteemitglied Herr Ch. N. K a h a n aus Charkow teil. Auf Grund der Berichte des Herrn Meisel wurde mit Befriedigung konstatiert, daß die hebräische Mittelschule „Tachkemoni" trotz der geringen Mittel, die dem Komitee zur Verfügung stehen, sich in fortschreitender Entwicklung befindet. Es wurde beschlossen, weitere zwei europäisch gebildete Lehrkräfte anzustellen, und — sobald die erforderlichen Mittel vorhanden sind — unverzüglich an die Errichtung eines eigenen Schulgebäudes zu schreiten. Herr C h. Nk K a h a n spendete aus diesem Anlaß für den in Angriff zu nehmenden Schulbau den. Betrag von "10 000 Francs. Vom Grabmal Raheis Der Jaffaer Oberabbiner A. J. Kuk veröffentlicht in der jüdischen Presse einen Aufruf, in dem er darauf hinweist, daß ein in unmittelbarer Nähe des Grabmals Raheis bei Bethlehem befindliches Grundstück seit einiger Zeit zum Verkauf steht. Rabbiner Kuk regt nun an, das betreffende Terrain sollte von jüdischer Seite erworben werden, um darauf eine Thora-Lehranstalt zu errichten. Späterhin könnte dort durch Zukaut geeigneter Ländereien eine neue jüdische Kolonie gegründet werden. Aus den galiläischen Kolonien Die Ica hat auf der Farm Sedjera die Bestellung von 3000 Dunam Ackerland einer Gruppe von 7 jüdischen Arbeitern übertragen, die zur Hälfte an dem Reinertrag des Gutes partizipieren, abgesehen von dem Lohnfixum, das sie beziehen. In M e r c h a w j a h ist die Bearbeitung von 3500 Dunam Boden einer Genossenschaft von 13 jüdischen Arbeitern übertragen worden. Außerdem arbeiten dort weitere 30 jüdische Landarbeiter als Kooperativgenossenschaft. Vor kurzem ist in Merchawjah der Bau des zweiten Arbeiterhauses vollendet worden, das wie das erste Haus 8 Wohnräume für Arbeiter und Stallungen enthält. o /P- O ^v □□□□□□_^o FEUILLETON o Ii O O <U o Kuriose Judentypen Von Dr. A. Coralnik. II. Ein südslawischer Apostel. Es war „da unten", wie man in Oesterreich sagt, in einer südslawischen Landeshauptstadt, wohin mich mein Schicksal verschlagen hatte. Ein kühler, regnerischer, aschgrauer Novembertag. Ueber die Stadt tröpfelte die Langeweile und schlich sich in mein Herz. Im Banne dieser verzehrenden Langeweile, der unbestimmten Sehnsucht, schlenderte ich in den Straßen umher, ziellos, otjne etwas sehen und wahrnehmen zu wollen, abgestumpft gegen alles um mich herum. Das Fremde hat für mich längst den Reiz verloren. Man gewöhnt sich auch an das bunte Vielerlei der Abwechslung und des Unerwarteten. Erst im Irren und Wandern kommt über einen die Sehnsucht nach der Heimat, nach Festgesessensein, nach Wurzelhaftigkeit. Und ich erinnerte mich der Verse Mickiewicz': „Nur der liebt sein Vaterland, wer es verloren." Wo ist aber mein „Vaterland", das ich lieben, nach dem ich mich sehnen könnte? Etwa dort, irn düsteren „Ansiedlungsrayon" Rußlands, wo Himmel und Erde meiner Seele fremd sind? ... So kam ich, in Gedanken versunken, in eine der Hauptstraßen, wo die schmucke, halb im Renaissance- und halb im maurischen Stil gebaute Synagoge steht. Goldene hebräische Lettern leuchteten mir vom Giebel entgegen. Sie heimelten mich an. Ich war bisher an diesem Hause immer achtlos vorbeigegangen. Es war mir fremdartig, diese neue, slawische Adaptation und Biegung des Judentums zu sehen. Vielleicht waren es nur die unauslöschlichen Spuren des Kinderglaubens, der sich das Judentum gar nicht anders vorstellen konnte, als in der traditionellen jüdisch-deutschen Form. Offen gestanden, war mir diese neue jüdische Spielart, die ich hier im südslavischen Lande kennen gelernt, seelisch viel fremder als das ureigentliche südslavische Milieu. Zu diesem stand ich im Verhältnis des bloßen Zuschauers, des Beobachters — den Juden gegenüber aber fühlte ich das peinliche Gefühl der unüberbrückbaren Fremdheit. Diesmal aber leuchteten die goldenen hebräischen Lettern vom Tempel so freundlich, so feierlich, so verheißend mir entgegen. Als Band zwischen mir und der Umwelt, als Gruß aus der Ferne ... Ja, sie winkten mir zu, wie Genossen im Exil. Wie ich nun da stand und mit den schimmernden, weithin sichtbaren Buchstaben Zwiesprache hielt, überraschte mich ein herannahender, immer stärker werdender Lärm, wie von einer sich heranwälzenden Volksmenge. Und in der Tat — vom großen Stadtplatz her kam eine große Schar von Männern und Jünglingen, in Reih und Glied, wie im militärischen Aufmarsch geordnet, voran Musikanten. Alle mit Abzeichen in nationalen Farben. Man sah gleich, daß es sich da um irgendeine nationale, parteipolitische Demonstration handelte. Es war nämlich gerade Wahltag. In einem der Wahlbezirke der Stadt trug ein ultranationalistischer Kandidat, ein Christlichsozialer mit slavisch-nationaler Färbung, den Sieg davon über seinen etwas gemäßigteren Gegner. Und nun bereiteten die Parteigänger des Siegers eine Ovation und eine Demonstration vor. Aber wem? Denn vor dem Demonstrationszuge sah ich den neugewühlten Abgeordneten selbst und sonstige Parteigrößen marschieren — und zwar in der Richtung der Synagoge. Ich blieb nun stehen und harrte der kommenden Dinge. Endlich hielt der lange, schier unübersehbare Zug. Aller Verkehr mußte eingestellt werden, Polizei zu Fuß und zu Pferde stand bereit. Neugierige drängten sich auf den engen Bürgersteig, alle Fenster öffneten sich, auf den Balkons der Häuser ringsumher standen Zuschauer. Vor der Synagoge blieb die christlichsoziale Schar mit ihren Fanfaren

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