Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 51 (22.12.1911)
- Date
- 1911-12-22
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3315709-3316458-3316512--55410-3349236- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
DIE^ELT 1395 Nr. 51 Köln. Am 16. Dezember hielt Herr Max Gold reich unter Vorführung der vom Nationalfonds herausgegebenen Lichtbilder vor zahlreich erschienenem Publikum einen Vortrag über „Jüdische Volksarbeit im Lande Israel". England English Zionist Federation Mittwoch, den 30. November fand eine Sitzung des Komitees der English Zionist Federation statt. Es waren anwesend: Mr. Joseph Cowen, als Vorsitzender, Mrs. Liebster, und die Herren L. Eisen, M. Epstein, Paul Goodman, B. Grad, M. Gunzburg, S. B. Rubenstein, Leon Simon und L. J. Stein. Herr L. J. Stein legte den Bericht des Palästina-Komitees vor, aus dem hervorgeht, daß das Komitee beschlossen hat, die Förderung der zionistischen Palästinaarbeit auf den Verkauf von Anteilen der Palestine Land Development Co. und auf Sammlungen für die Landspende des Jüdischen Nationalfonds zu konzentrieren. Eine Liste von 12 zionistischen Propaganda-Zentren in London und den Provinzen wurde für die Zwecke der Palästinaarbeit aufgestellt. Eine Flugschrift zugunsten der beiden genannten Institutionen soll demnächst herausgegeben werden. Es wurde auch eine Liste von Propagandarednern vorgelegt. Die Vorschläge des Palästina-Komitees wurden angenommen. Es wurde beschlossen, die nächste Jahreskonferenz Sonntag, den 11, Februar 1912 abzuhalten. Manchester. Mr. S. S a f f e r hielt vor kurzem in einer vom Verein Daughters of Zion in der Zion Hall veranstalteten Versammlung einen Vortrag über „Das jüdische Golus". Die Zionistischen Jugendvereine werden am nächsten Mittwoch in der Zion Hall eine Chanukafeier abhalten. Leeds. Rev. Dr. Strauß aus Bradford hielt in der Zionist and Hebrew Literary Association einen Vortrag über „Ein jüdisches Parlament". Ein am Sonntag von der Young Men's Zionist Association veranstalteter Whistabend war von gutem Erfolg begleitet. Ein Chanuka-Festabend wird am nächsten Sonntag stattfinden, wobei Rabbiner Hurwitz eine Ansprache halten wird. Bradford. Dr. B. Mossinsohn, Lehrer am hebräischen Gymnasium in Jaffa, hielt in einer von der Montefiore Zionist Society veranstalteten Versammlung im Jewish Institue letzte Woche einen Vortrag in deutscher Sprache. Swansea. Am Sonntag fand eine Versammlung der Daughters of Zion statt. Am Sonntag war auch die Jahresversammlung der Zionist Society in Siddels Building. Rabbiner Rabbinowitch eröffnete die Versammlung mit einer Ansprache. Die Bilanz wurde vorgelegt und folgende Wahlen vorgenommen: Die Herren F o n e r, Präsident; S. Goodman, Schatzmeister; P. V. Tobias, Schriftführer; ferner ein weiterer Ausschuß. Bradford. Herr Dr. Mossinsohn vom hebräischen Gymnasium in Jaffa hielt einen Vortrag über ,,Das jüdische Leben in Palästina". Südafrika Südafrikanische Palästina-Kolonie. Ein Sonderausschuß des Exekutiv-Cornites der südafrikanischen Landesorganisation beschloß, Gutachten über die Möglichkeit von Koloniegründungen einzuholen und einen Plan für die Errichtung einer südafrikanischen Palästinakolonie auszuarbeiten. Prätoria. In der Generalversammlung der Zionistischen Vereinigung, die zahlreich besucht war, wurde ein Bericht erstattet, aus dem sich ergibt, daß der Zionismus in Prätoria ein wichtiger Faktor im jüdischen Leben der Stadt geworden ist. Alle Institutionen wurden gefördert. Für den Nationalfonds wurden mehr als £ 10€ abgeliefert; es wurden 300 Schekel gesammelt. Kapstadt. Am 19. Oktober fand ein großer Ball statt, der von ungewöhnlichem propagandistischem Erfolg war. Clocolan, O. F. S. Es wurde beschlossen, hier eine zionistische Ortsgruppe zu gründen. Senekal. Am 1. Oktober fand die 1. Jahresversammlung des Zionistischen Vereins statt. Grahamstown. Es wurde ein zionistischer Verein gegründet. Queenstown. Am 11. November fand eine Versammlung der Zionisten statt, in der Herr Rev. Feldmann über Sukkoth sprach. Dortrecht. Am 11. November veranstaltete der Zionistische Verein einen Ball. Durban. Am 29. Oktober fand eine sehr gut besuchte Versammlung statt. ßethal. Die führenden Mitglieder der jüdischen Gemeinde beschlossen, einen zionistischen Verein zu gründen. Brief aus Wien (Von unserem Berichterstatter.) Die Makkabäerfeier Die diesjährige Makkabäerfeier der Wiener Zionisten, die im größten Festsaale der Residenz stattfand, erhielt ihr besonderes Gepräge durch die Teilnahme eines Mitgliedes der Leitung unserer Weltorganisation, Dr. Sc h mar ja Levins. Mehr als 2000 Personen füllten die Sophiensäle. Die Vereinsvorstände hatten ihre Logen mit Fahnen und Vereinsemblemen geschmückt, und von der Stirnseite grüßte, in Lichtglanz getaucht, das Bildnis Theodor Herzls. In der Begrüßungsansprache, die den Makkabäern und der Bedeutung unseres Festes galt, gab der Obmann des innerösterreichischen Distriktes, Dr. J. H. Körner, der Freude Ausdruck, dem Ehrengaste eine derart imposante Heerschau über die Wiener Gesinnungsgenossen bieten zu können. Stürmisch begrüßt, ergriff hierauf Dr. Schmarja Levin das Wort zur Festrede, die das Problem der jüdischen Erneuerung von der tiefsten und edelsten Seite erfaßte. Man wurde an die Worte Martin Bubers gemahnt, der einmal sagte, daß die Befreiung, die der Zionismus meint, an das große Symbol der Erlösung rühre. Levin führte aus: Nur allzu häufig bemühe man sich, am Chanuka-Abend nachzuweisen, daß die Hellenen der Welt die Kunst gaben, das jüdische Volk hingegen die Moral. Dies sei eine Banalität. Das alte Judenvolk habe hervorragend künstlerisch gewirkt. Ein Volk, welches das Wort zu solch überragender Vollkommenheit ausgebildet hat, wie Israel in seiner Bibel, gab der Welt nicht nur Ethik, sondern auch Kunst. Ja, die Juden waren geradezu die Träger einer überaus erlesenen Kunstgattung — der kostbaren architektonischen Kunst des menschlichen Gesellschaftsbaues. Moses war ein großer Künstler. „Er baute Pyramiden aus Menschenmaterial und aus der Knechtschaft hat er das Geschmeide der Freiheit geschmiedet." Der Unterschied gegenüber den Hellenen sei nur der, daß die jüdische Kunst die Innenwelt betraf, die hellenische hingegen die Außenwelt. Aber gerade in der jüdischen Ethik gebe es tausendfache Beziehungen zur Kunst, wie überhaupt diese beiden Gebiete eng verbunden seien. Denn „Ethik ist die Aesthetik der Seele — Aesthetik ist die Ethik der Kunst". Das Judentum in der Zerstreuung wurde aus einem Künstler ein Handwerker. Es schafft Duplikate, und deshalb ist sein Leben so häßlich geworden. Wenn man sagte, die Juden haben einst die Moral geschaffen — die Moral ist aber heute keine gerade gangbare Ware —, mit der Kunst hingegen hätten sie nichts zu tun, so sprach man ein Todesurteil. Die jüdische Renaissance und ihre reifste Frucht, der Zionismus, haben die Revision des Todesurteils erzwungen. Der Redner beleuchtete nun das erneute, schöpferische Wirken des Semitismus in den letzten 25 Jahren und schloß mit einer wundervollen, lebenatmenden Schilderung des Palästinawerkes. Die subtile, tiefsinnige Rede Levins, die jede agitatorische Phrase mied, hat alle bereichert. Die neuen, vortrefflichen Lichtbilder aus Palästina wirkten nach Levins Worten doppelt auf das Auditorium. Auch die andern Darbietungen des Abends standen auf der Höhe. Hofburgschauspieler Konrad L ö w-e razitierte eindrucksvoll aus der Bibel, Opernsängerin Frl. Vika Engel sang wunderschön und das Mitglied der Jarnobühne, Regisseur Egon Brecher, ein hervorragender, ernster Künstler und ausgezeichneter Sprecher, gab B i a l i k s Prophetensang „Das letzte Wort" meisterhaft wieder. Einen sinnigen Abschluß des Festprogrammes der Makkabäerfeier bildeten die Vorführungen einer Musterriege des „I, Wiener jüdischen Turnvereins", unter Leitung des Herrn Popper, die geradezu bejubelt wurden. An die Feier schloß