Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 50 (15.12.1911)
- Date
- 1911-12-15
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3315709-3316458-3316511--55391-3349216- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 50 ELT 1373 Von der Bibliothek „Schaare Zion" in Jaffa Die Jaffaer öffentliche Bibliothek „Schaare iZion" 'hat im abgelaufemen Jahre (5671) 6658 Bände verliehen. Durchschnittlich wurden 65 Bücher täglich ausgegeben. Die Lesehalle wies täglich im Durchschnitt 40 Besucher auf; an einzelnen Tagen stieg die Zahl der Besucher bis zu 80 Personen. Der gegenwärtige Bücherbestand der Bibliothek setzt sich, nach Sprachen gruppiert, wie folgt zusammen: Hebräisch 3500 Bände, Jargon 100, französisch 450, ^deutsch 850, russisch 1650, andere Sprachen 100 Bände. Die Einnahmen der Bibliothek bestanden im letzten. Jahre aus folgenden Posten: Mitgliedsbeiträge ca. 700 Frs., verschiedene Zuwendungen 130 Frs., Ausleihgebühren 225 Frs., Gebühren für Lektüre von Zeitschriften 71 Frs., Ertrag des Festabends 280 Frs., Subvention des Odessaer Palästinakomitees 960 Frs. Die Zahl der Mitglieder beläuft sich aut 150. Kulturbilder aus Syrien In einer vom Hauptbureau des J. N. F. in Köln veranstalteten Versammlung sprach der kürzlich von einer längeren Studienreise in Palästina zurückgekehrte Direktor Hubert Auhagen über „Alte und neue Kulturbilder aus Syrien." Der Redner, selbst Landwirt und durch seine Tätigkeit in der inneren Kolonisation in Preußen bekannt, hat vor einiger Zeit einen längeren Bericht an das deutsche Auswärtige Amt erstattet, in dessen Auftrag er die palästinensischen Kolonien besichtigt hat. Es kann kein Zweifel darüber sein — führte der Vortragende aus — daß mit der Zeit' und günstigen Umständen — Geld, Sicherheit und stellenweise Wasseranlagen — Syrien viele Millionen Menschen aufnehmen und ihnen ein gutes Auskommen gewähren kann. Herr Auhagen verwies auf die Leistungen aus der Römerzeit, wo die Kultur sich bis weit nach Osten in die Steppe erstreckte und zeigte an einer Anzahl von Lichtbildern, wie das öde, von Beduinen verwüstete und von Fellachen in Raubwirtschaft ausgerodete Land der Kultur zugeführt werden kann. Da nach dem Regenfall allein ein Anbau unternommen werden kann und das Grundwasser in lehmigem Boden auch den Nutzpflanzen mit nicht sehr tiefen Wurzeln während der neun trockenen Monate Leben und Gedeihen bietet, handelt es sich um Verhältnisse, die in Südwestafrika nur auf beschränkten Flächen ähnlich günstig liegen. Die in dieses alte Küstenland meist aus Rußland versetzten Juden gedeihen vortrefflich; die Zahl der Kolonisten beträgt schon 10 000. Ihr Wohlstand ergibt sich daraus, daß z. B. ein Dorf, Pethach-Tikwah, eine Roheinnahme von 1 Million Franken verzeichnet, was für den türkischen Staatsschatz eine Ertragssteuer von 126 000 Franken bedeutet. Prof. Auhagen gedenkt über das gleiche Thema in nächster Zeit einen größeren Vortrag vor weiteren Kreisen in Köln sowie in anderen deutschen Großstädten zu halten. Rußland und die amerikanischen Juden Präsident Taft teilte in seiner Botschaft vom 7. Dezember dem Washingtoner Kongreß mit, daß in Petersburg Besprechungen bezüglich der Paßfrage begonnen hätten. Es seien " 'erhandlungen im Gange, um eine klare, den Interessen Amerikas und seiner jüdischen Bürger entsprechende Auslegung des Vertrages von 1832 zu erzielen. Ich glaube, fügte der Präsident hinzu, daß eine hinlänglicher Fortschritt erzielt worden ist, um die Fortsetzung der Konferenzen zu ermöglichen in der Hoffnung, daß diese die Beschwerden über Vertragsverletzungen von russischer Seite aus dem Weg räumen werden. Organisation für hebräische Sprache Die Berliner Ortsgruppe der Organisation für hebräische Sprache und Kultur veranstaltet Montag, den 18. Dezember, 8V2 Uhr abends, im Restaurant Logenheim, Friedrichstraße 131c, eine öffentliche hebräische Versammlung, in der Herr N. Sokolow über das Thema: „Der jüdisch-nationale Gedanke in der neuhebräischen Literatur" sprechen wird. Im Anschluß daran findet eine Diskussion statt. Gäste, Damen und Herren, stets herzlich willkommen. Um pünktliches Erscheinen wird gebeten. Beim Berliner Zentralkomitee der „Organisation für hebräische Sprachen und Kultur" („Histadruth Ibrith") sind seit dem Beginn des Jahres 5672 folgende Organisationsbeiträge eingegangen: Heinrich Bord, durch Dr. S. Rappaport, Lemberg 50 JL Justizrat Dzialoszynski, Berlin........10 „ M. Feldstein, Warschau...........100 „ S. Hurwitz, Berlin............. 500 „ Dr. Hans Gideon Heymann, Berlin......30 „ Dr. S. Rappaport, Lemberg.........50 „ Leon Scheinhaus, Memel..........100 „ Dr. S. Schwarzschild, Frankfurt a. M......100 „ Dr. Isak Straus, München.........20 „ Dr. Witkowsky, Berlin ..........10 „ Dr. Zlocisti, Berlin............ 5 „ Geldsendungen sind zu adressieren an Herrn S. Hur w i t z , Berlin W., Kurfürstendamm 51. Jüdischer Volksliederabend in Berlin Die Redaktion der Zeitschrift „Ost und West" veranstaltete Sonntag, den 10. d. M., einen jüdischen Volksliederabend im Festsaal der Gesellschaft der Freunde. Die Veranstaltung nahm einen glänzenden Verlauf. Die stimmungsvolle Wiedergabe jüdischer Volkslieder durch den Tenoristen Leo G o 11 a n i n und Frl. Bella Falk entfesselte wahre Beifallsstürme der zahlreichen Zuhörerschaft. Auch der Cellist Gottfried Szkolny, der die Liedervorträge begleitete, erntete vielen Beifall. Ein Teil der Volkslieder war durch Bogumil Z e p 1 e r und Arno Holz in ein neues rhythmisches Gewand gekleidet worden, das auch dem westeuropäischen Teil des Publikums die Reize dieser eigenartigen Volkskunst voll erschloß. | Dr. Baruch Levy | Unter beispielloser Beteiligung aus allen Schichten der Hamburger jüdischen Bevölkerung und zahlloser auswärtiger Freunde wurde am 11. Dezember er. Dr. med. Baruch Levy zu Grabe getragen. Der Verstorbene, dessen sich die Gesinnungsgenossen noch vom Hamburger IX. Zionistenkongreß her erinnern werden, welchen er als Vorsitzender des Deutsch- Israelitischen Synagogen-Verbandes begrüßte, nahm als Verwaltungsmitglied zahlreicher Wohltätigkeits-Institute und milder Stiftungen, sowie der Talmud-Tora-Schule eine ganz hervorragende Stellung im jüdischen Leben Hamburgs ein, das in ihm eine seiner beliebtesten und markantesten Persönlichkeiten verliert. Das Actions-Comite war bei der Beerdigung durch Dr. Georg H a 1 p e r n vertreten. Hilfsverein der Deutschen Juden In der Versammlung des Hilfsvereins der Deutschen Juden in Posen lauschten etwa 1200 Zuhörer den Ausführungen der Leiter der Vereinigung, der Herren Dr. James Simon und Dr. Paul Nathan aus Berlin. Ersterer sprach ausführlich über das Hilfswerk in den osteuropäischen Ländern, namentlich in Galizien, Rumänien und Rußland. Er schilderte die traurige Lage in den östlichen Ländern und teilte mit, daß der Hilfsverein der Deutschen Juden für das Auswanderungswerk 4 Millionen Mark verausgabt hat, die ein unvergängliches Denkmal für den Edelsinn und die Opferwilligkeit der deutschen Juden bedeuten. Nachdem der Beifall, der in reichem Maße dem Redner gespendet wurde, sich gelegt hatte, ergriff Dr. Paul Nathan das Wort zu seinem Vortrage über „Die Juden und der Orient". Der Redner schilderte die Verhältnisse in den ottomanischen Ländern in überaus fesselnder Weise. In der Türkei und ihren Schutzgebieten ist eine antisemitische Anschauung und Bewegung so gut wie unbekannt; deswegen wird den philanthropischen Bestrebungen auswärtiger Hilfsvereine nicht nur kein Hindernis in den Weg gelegt, sondern direkte Unterstützung seitens der zuständigen Behörden zuteil. Allerdings ist Palästina heute nicht mehr das in dep Bibel geschilderte Land, in dem Milch und Honig fließt; in harter Arbeit muß dem steinigen Boden sein kärglicher Ertrag entrissen werden. Bei den orientalischen Juden genügt es durchaus nicht, ihnen materielle Unterstützung zu gewähren, sondern es ist vor allem danach zu streben, den geistigen Standpunkt des Volkes zu heben, zu erweitern und zu vertiefen. Der erzieherischen Einwirkung wird schon im zartesten Alter der Kinder durch Gründung von Kindergärten Rechnung getragen. Knaben- und Mädchenschulen ermöglichen die Gewöhnung an Fleiß, Ordnung, Sauber-