Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1911-12-15 · 50 (15.12.1911) · page 28

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
50 (15.12.1911)
Date
1911-12-15
Page
– (sequence 28)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3315709-3316458-3316511--55392-3349217
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

1374 DIEMKE LT Nr. 50 keit. Der Hilfsverein hat die Vorbereitung auf das praktische Leben durch Gründung von Handfertigkeitschulen, eines Lehrerseminars, Technikums, einer kaufmännischen Lehranstalt gefördert und ist auch fernerhin bestrebt, den veränderten Zeitverhältnissen durch Gründung neuer Bildungsstätten zu genügen. Dazu bedarf es aber reicher Hilfsmittel, die Redner durch einen warmen Appell an die Zuhörer sowie an die deutschen Juden überhaupt zu erlangen hofft. Reicher Beifall lohnte auch ihm. Der Erfolg des Abends zeigte sich in zahlreichen Beitrittserklärungen der Anwesenden. Timendorfer Stiftung Die bei der Großloge für Deutschland VIII U. O. B. B. bestehende Timendorfer-Stiftung hat von den angesammelten Zinsen 1000 .Mark zu vergeben. Die Timendorfer-Stiftung bezweckt die Förderung wissenschaftlicher Fortbildung begabter Akademiker, vornehmlich solcher, die die Wissenschaft des Judentums in einer Universitätsstadt zu lehren bereit sind. Geeignete Bewerber wollen ihre Anträge, mit Referenzen versehen, an das Bure a u d e r G r o ß 1 o g e , Berlin W. 62, Kleists t r a 1) e 12, richten. Ein jüdisches Museum in Toledo Ein Menschenalter lang war eines der herrlichsten Bauwerke Toledos, die einstige Synagoge des Samuel Ben "Aeir Halevi, die dann zur Kirche umgewandelt wurde und ,,Sa. .Maria del Transite" hieß, von einem umfangreichen < ieriist umgeben. Dies Gerüst ist nun gefallen, die Restauration ist im wesentlichen beendet, und man kann die eigenartige Dekoration dieses Raumes endlich wieder in rechter Weise bewundern. Die Arbeiten, die lange geruht hatten, wurden durch das energische Eingreifen des Marques de i a V e g a wieder aufgenommen, der hier eine Art j ü d i s c h c s Vi u s e u m unterbringen will. Während der Restaurationsarbeiten fand man eine sehr gut erhaltene, künstlerisch höchst wertvolle Dekoration, zum Teil in Holz, zum Teil in Stuck ausgeführt. Der wundervolle Raum wird möglichst die Gestalt wieder erhalten, die er als Synagoge besaß, und dann sollen hier alte hebräische Manuskripte und Miniaturen sowie Photographien nach alten jüdisch-spanischen Codices ausgestellt werden. Die Eröffnung des neuen Museums wird voraussichtlich noch im Dezember in Anwesenheit des Königs stattfinden. Ch. N. Bialik in polnischer Übersetzung Der junge jüdische Schriftsteller M. C h m i e In i ck i veröffentlicht in der Oktobernummer der polnischen Monatshefte für jüdische Geschichte, Literatur und \Wissenschaft „Moriah" eine Uebersetzung der Dichtung von Ch. N. Bialik „Das letzte Wort." Demnächst gedenkt Chmielnicki eine Anthologie der modernen jüdischen Lyrik in polnischer Sprache herauszugeben. ^^^Tf ~ "y^^^ |g°^f SPRECHSAAL ^°g] Von der Palästina- Reise -Gesellschaft e. V. in Hamburg erhalten wir folgende Zuschrift: Auf die Zuschrift des Herrn A. J. R. im „Sprechsaal41 der Nr. 49 Ihres geschätzten Blattes bemerken wir, daß dem Vorschlage des Einsenders, dem Gewinner ein Reisebillett nach Jaffa zu geben und den Restbetrag an das Palästina-Amt anzuweisen, nötigenfalls voraussichtlich nichts im Wege stehen wird. Auch ohne Statutenänderung würde man z. B. durch Gewährung eines Vorschusses einem nichtbemittelten Gewinner die sofortige Reise ermöglichen können. Die Fassung des betreffenden Paragraphen ist im Hinblick auf das Lotteriegesetz erforderlich gewesen. Bei dieser Gelegenheit bitten wir die Gesinnungsgenossen, eine lebhafte Propaganda für die Palästina-Reise-Gesellschaft zu entfalten, damit wir am Cholhamoed-Pessach 1912 eine recht große Anzahl Reisende auf den Weg nach dem Lande unserer Zukunft schicken können. Die Chance eines Gewinnes auf 50 Mitglieder ist doch wirklich verhältnismäßig groß. Aber auch die nicht gewinnenden 49 Mitglieder haben die Genugtuung, daß sie mit dazu beigetragen haben, einen Gesinnungsgenossen nach Palästina zu schicken, von dessen Reise möglicherweise neue Anknüpfungspunkte und Arbeitsmöglichkeiten gewonnen und neuer Mut und Begeisterung geschöpft werden für die weitere Arbeit. Wer weiß, ob nicht der eine oder andere unserer Palästina- Pilger nach persönlicher Kenntnisnahme der Verhältnisse und Aussichten die .Möglichkeit zur dauernden Niederlassung in Palästina findet und so einen neuen Kristallisationspunkt für die weitere Arbeit im Lande selbst bildet. Palästina-Reise-Gesellschaft e. V. in Hamburg. Mitgliedsanmeldungen und Zuschriften zu richten an Dr. A. C h w o lies, Hamburg-Bahrenfeld, Mozartstr. 34. Bücherbesprechungen Neue Jargonlieder Neben der Renaissance des jüdischen Volksliedes macht sich in den letzten Jahren auch eine, wenn auch vorläufig im Anfangsstadium sich befindende Kunstmusik bemerkbar, eine Musik, die sich bis jetzt nur in Kunstliedern erkennen ließ. Letztere sind meistenteils auf in verschiedenen europäischen Sprachen geschriebene Texte komponiert. Dagegen sind Kunstlieder mit Jargontexten (nicht zu verwechseln mit Jargon vo 1 k s liedern) eine Seltenheit. Die Gesänge, welche in den jüdischen Theatern zu Gehör gebracht werden, können als K u n s t musik nicht betrachtet werden, wenn sie auch einen spezifisch-jüdischen Styl aufweisen. Diese Tatsache läßt sich vielleicht dadurch erklären, daß unsere Komponisten mit der Jargonliteratur nicht vertraut sind und für dieselbe daher kein besonderes Interesse bekunden. Herr Jacob Dymont hat den Versuch gemacht, diesem Mangel abzuhelfen, indem er drei Lieder für Texte des berühmten Jargondichters Morris Rosenfeld, der auch den deutschlesenden Juden durch die ausgezeichnete Uebersetzung von Berthold Feiwel bekannt sein dürfte, veröffentlichte: ,,lch sing var ihr"; „A Trähr aufn Eisen"; „Golus-Marsch". Naturgemäß müssen Jargonlieder, die doch hauptsächlich für das jüdisch sprechende Publikum bestimmt sind, ganz schlicht bearbeitet sein und eine volkstümliche Melodik aufweisen. Herr Dymont hat diese Tendenz in den vorliegenden Liedern auch geschmackvoll durchgeführt. Seine Melodik ist empfunden, schlicht, volkstümlich, und läßt den spezifischjüdischen Styl leicht erkennen. Auch die Klavierbegleitung ist leicht spielbar und stimmungsvoll. Leider sind im Liede „Golus-Marsch" einige Druckfehler vorhanden, welche die Spielleichtigkeit der Begleitung beeinträchtigen. Wie wir hören, beabsichtigt Herr D. noch einige weitere Jargonlieder zu veröffentlichen. Wir sehen denselben gern entgegen. Jacob Beimel. Die jüdische Emigrations-Politik. Von B. Boruchow. Verlag „Bildung", Stanislau, 1911. Der Verfasser nimmt in dieser Broschüre, die in jüdischer Sprache erschienen ist, zum projektierten Emigrationskongreß Stellung. In vier Kapiteln behandelt er die jüdische Emigrationsfrage und macht Vorschläge, wie die jüdische Auswanderung geregelt werden könnte. Die Einberufung des Kongresses hält er für verfrüht, weil nur durch die Zusammenarbeit alier maßgebenden Kreise praktische Arbeit geleistet werden könnte. Die jüdischen Philanthropen empfinden noch zu wenig national, und eine starke demokratisch-jüdische Partei, die bei geeigneter Heranziehung der Finanzkreise wirklich imstande wäre, den jüdischen Auswandererstrom zu regulieren, existiert heute noch nicht. Der Verfasser warnt davor, auf den Kongreß unter den gegenwärtigen Umständen große Hoffnungen zu setzen, denn die assimilatorischen Kreise, die dort das große Wort führen werden, stehen den Bedürfnissen der jüdischen Volksmassen fremd und verständnislos gegenüber. Die Einberufung des jüdischen Emigrationskongresses sollte daher nach Ansicht des Verfassers auf einen späteren, günstigeren Zeitpunkt verschoben werden. Berlin. Hermann Blumenthal. Druckfehlerberichtigung Das in Nr. 47 der „Welt" besprochene Buch „Skizzen und Studien zur Geschichte der Juden in Pole n" von Dr. Majer B a 1 a b a n ist im Verlage Louis

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.