Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 49 (8.12.1911)
- Date
- 1911-12-08
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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1328 DIES^ELT Nr. 49 Eine jüdische Musikschule in Jerusalem Am 15. Nov. wurde in Jerusalem eine jüdische Musikschule eröffnet, die bereits eine beträchtliche Schülerzahl aufweist. Damit besteht in Paliistina die zweite jüdische Musikschule. Bekanntlich gibt es seit zwei Jahren auch in Jaffa eine solche Anstalt, die unter der Leitung von Frau Dr. R u p p i n steht. Synngogeneinweihung in Haifa Die neuerbaute Synagoge der Haifaer Aschkenasirngemeinde wurde dieser Tage feierlich eingeweiht. Bekanntlich verfügte die jüdische Bevölkerung von Haifa bisher nicht über eine eigene Synagoge, und der Gottesdienst wurde in verschiedenen Mietsräumen abgehalten. Durch den Bau der Synagoge ist also einem seit längerer Zeit fühlbaren Mangel abgeholfen worden. Bemerkenswert ist, daß die neue Synagoge nicht aus den Mittein der hier ansässigen Aschkenasim erbaut worden ist, sondern ihre Existenz der Stiftung eines Warschauer Palästinafreundes, des Herrn M. D. Bier bäum, verdankt. Eine neue Jeschibah in Hebron Der bekannte Chassidirnrabbi von Lubawitsch (Rußland), Rabbi S. D. Schneersohn, gründet eine neue Talmud-Lehranstalt in Hebron, deren Zöglinge und Lehrkräfte er aus den Reihen der von ihm geleiteten Jeschibah in Lubawitsch entnimmt. Die erste Gruppe dieser Jeschibahjünger ist bereits in Jerusalem eingetroffen und wird in den nächsten Tagen in Hebron erwartet, wo ihr von seiten der jüdischen Bevölkerung ein festlicher Empfang bereitet werden wird. fs^ NACHRICHTEN j?] Alliance Israelite Universelle Die Generalversammlung der Alliance-Mitgiieder findet Sonntag, den 17. Dezember, 2 Uhr nachmittags, in dem großen Saale des israelitischen Konsistoriums, 44, rue de la Victoire in Paris statt. Tagesordnung: 1. Bericht über das Werk der Alliance. 2. Finanzieller Bericht. 3. Ansprache des Herrn Rabbiner Israel L e v i über seine Orientreise. 4. Satzungsä nderung. * Wie uns aus Zürich berichtet wird, erklärte der dortige Rabbiner Dr. L i 11 m a n n nach einem Referate des Herrn Dr. Ca m ille Levy (Biel), daß er nicht nur sein Amt als Präsident des Lokalkomitees der Alliance Israelite Universelle niederlegen, sondern auch aus der Alliance austreten müsse, wenn der Wahl r e c h t s r a u b des Pariser Zentralkomitees gelingen sollte. Es ist anzunehmen, daß der Antrag auf Kooptation in der „Generalversammlung44 eine Majorität findet, womit die Frage im Sinne der Pariser Leitung entschieden wäre. In letzter Stunde hat die deutsche Konferenzgemeinschaft noch einen Versuch gemacht, zu einer friedlichen Verständigung zu gelangen. Aber dieser Versuch scheiterte an der intransigenten Haltung der Pariser, die in einer kürzlich stattgefundenenj Sitzung des Zentralkomitees nicht nur erneut für die Kooptation stimmten, sondern sogar beschlossen, die Kooptation der französischen Komiteemitglieder ausschließlich durch die in Paris wohnhaften Mitglieder des Zentralkomitees vornehmen zu lassen. Den ausländischen Gruppen der Alliance bleibt nur das platonische Vorschlagsrecht für die nichtfranzösischen Mitglieder des Zentralkomitees. Die Tendenz ist klar. Nach der oben angekündigten „Generalversammlung" wird es keine Alliance Israelite Universelle mehr geben. Was übrig bleibt, ist ein Komitee von Pariser Juden, die weder das Judentum noch die Juden h e i t repräsentieren. Sehr viel mehr war die Alliance ja schon lange nicht — nun wollen die Herren auch nicht mehr sein. Die alte stolze Devise „Kol Israel Chaverim44 ■ ist gegenstandslos geworden. Es empfiehlt sich, sie nunmehr durch Heinrich Heines Gedicht vom Wanzerich44 zu ersetzen: Auch er sitzt zufrieden auf seinen Geldsack ,,Und trommelt siegreich den Dessauer Marsch." Hilfsverein der Deutschen Juden In der letzten Sitzung des Geschäftsführenden Ausschusses des Hilfsvereins der Deutschen Juden gedachte der Vorsitzende Herr Dr. James Simon zunächst "in warmen Worten dier seit der vorigen Tagung dahingeschiedenen Mitglieder des Zentralkomitees des Hilfsvereins, der Herren Geh. Med iz i n a 1 r a t Professor Dr. Senator, R a b b i n e r JJ r. Vogelstein-Stettin und Emil Wassermann-Barnb e r g. Die Organisation des Hilfsvereins erfuhr durch Zu^ wähl hervorragender, spezilell für soziale Fürsorge sich interessierender Persönlichkeiten eine wertvolle Stärkung. Herr Ludwig Schiff-Frankfurt a. M. und Frau Direktor May-Berlin als erste Damle wurden in das Z e n t ra 1k o m i t e e ko o p t i e rt. Herr Rabbiner Dr. Nobel-Frankfurt a. M. wurde in die Schulkominission gewählt. Die Beratung galt im wesentlichen den Budgets für d a s S c h u 1 w e r k, die eine erhebliche Steigerung gegen das Vorjahr erfahren haben. Die Mehrkosten erwuchsen insbesondere durch den weiteren Ausbau einer Anzahl Institute des Hilfsvereins in Jerusalem, Jaffa, Haifa und Saloniki, umfassende organisatorische Verbesserungen, Heranziehung neuer tüchtiger Lehrkräfte, Einführung des Handfertigkeitsunterrichts in Palästina usw. Das Gesamtbudget für das Schul werk beläuft sich für das Schuljahr 1911.12 auf rund 200 000 M., wovon ca. 155 000 Mark auf Palästina und ca. 45 000 M. auf die europäische Türkei, Bulgarien, Rumänien, G a - 1 i z i e n entfallen. Schließlich wurde noch über das Hilfswerk zugunsten der Opfer der Brandkatastrophe in Ko n s t a n t i n o p e 1 und die weitere Gestaltung des russischen Hilfswerks, speziell der Aus w andererf ürsorge, beraten. Statistisches von den jüdischen Farmern in Nordamerika Die zahlreichen und ausgedehnten Siedelungen jüdischer Landwirte in den Vereinigten Staaten von Nordamerika sind in Europa verhältnismäßig Wenig bekannt. Eigentliche jüdische Ackerbau k o 1 o n i e n , d. h. geschlossene Dorfsiedelungen, wie sie z. B. in Palästina, Südrußland und Argentinien bestehen, gibt es in Nordamerika nur in kleiner Anzahl. Sie befinden sich meist im Staate New Jersey, und die bekanntesten unter ihnen sind die Kolonien Woodbine, Alliance, Rosen hain und K a r rn e 1. Woodbine wurde im Jahre 1891 gegründet, schwang sich rasch zu ansehnlichem Wohlstand empor und macht heute den Eindruck eines kleinen, freundlichen Landstädtcheiis, etwa wie Pethach-Tikwah oder Rischon-Lezion in Palästina. Alliance, Rosenhain und Karrnel existieren schon seit dem Anfang der achtziger Jahre und haben sich ebenfalls sehr gut entwickelt. Neben diesen größeren Kolonien gibt es aber, über das ganze Gebiet der Union zerstreut, eine große Menge landwirtschaftlicher Einzelsiedelungen, sogenannte Farmen, die früher keinerlei Zusammenhang untereinander hatten, vor einigen Jahren jedoch in der Jewish Agrieultural and Industrial Aid Society eine Zentralstelle erhalten haben. Diese überaus segensreich wirkende Organisation geht den einzelnen Farmern mit billigem, langfristigem Kredit, mit fachmännischen Ratschlägen für die rationelle Bodenbewirtschaftung, mit Vermittlung von Bodenkäufen sowie mit der Einrichtung von Schulen, Bibliotheken und Lesehallen an die Hand. Eine einigermaßen vollständige Statistik der jüdischen Farmer in Amerika gibt es zurzeit noch nicht, doch hat die obengenannte Ai'd Society immerhin umfassendes statistisches Material gesammelt, von dem nachstehend eine kurze Zusammenfassung mitgeteilt sei. Es gibt in den einzelnen Staaten der nordamerikanischen Union an jüdischen Farmerfamilien: New-York 975, New Jersey 726, Connecticut 598, Nord-Dacota 250, Massachusetts 185, Ohio 85, Michigan 83, Pennsylvania 63, Süd-Dacota 50, Wyoming 31, Wisconsin 29, Jowa "25, Indiana 24, Washington 22, Louisiana 22, Illinois 19, Maryland 18, Colorado 16, Nebraska 15, Missouri 11, andere Staaten 29, zusammen 3339. Diese Aufstellung ist jedoch, wie bereits oben bemerkt, recht unvollständig. In Wirklichkeit dürfte die Zahl der jüdischen Farmerfamilien nach Schätzungen des Vorstandes der Aid Society ungefähr das doppelte der obigen Ziffer betragen. Berechnet man nun die einezlne Familie zu fünf