Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 49 (8.12.1911)
- Date
- 1911-12-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1314 durch eine Chaussee (die Nabluser Landstraße), welche aber sehr schlecht ist, so daß die Wagen bei trockenem Wetter diese Landstraße lieber meiden und über die Felder fahren. Von der Landstraße ablenkend, führt aber der Weg durch holprigen Sandboden; die Passagiere müssen öfters absteigen und ein Stück zu Fuß gehen. Bei Regenwetter ist der Stellwagenverkehr sehr erschwert, der Wagen bleibt stecken, und es dauert oft lange, bis er weiterfahren kann. Pethach-Tikwah zählt ca. 2200 Einwohner und beschäftigt außerdem ständig SOÜ bis 1600 Arbeiter. Das zur Kolonie gehörende Absatzgebiet erstreckt sich auf 3000 Hektar inklusive des nahegelegenen K. Sabah, zum größten Teil Orangegärten. Die Ernte liefert gegenwärtig^ ca. 100 000 Kisten Orangen, doch ist in den nächsten Jahren ein viel größerer Ertrag zu erwarten. Die Bäume sind nämlich noch jung, und die schon angelegten Gärten können IQ 16 ca. 300 000 Kisten Orangen abwerfen. Der zweitwichtigste Artikel, den die Kolonie produziert, sind Mandeln, und man erwartet von den bereits bestehenden Pflanzungen in 3 bis -I Jahren eine Ernte von 250 000 bis 330 000 Kilogramm. W a r e n v e rk e h r. Man schätzt den Verkehr von Bau- und Konsumartikeln von Jaffa nach der Kolonie und von Produkten der Kolonie nach Jaffa jetzt schon auf 6000 bis 7000 Tonnen pro Jahr; davon entfallen ca. 3000 Tonnen auf Orangen, 1000 Tonnen auf andere Produkte der Kolonie und ca. 2500 bis 3000 Tonnen kommen auf Waren, welche von Jaffa nach der Kolonie gebracht werden. Mit der Zunahme der Einwohnerzahl, der Erweiterung des Terrains, resp. Kolonisierung in der Nähe steigt die Produktion und der Konsum. Transportverhaltnis sc. Der Transport von und nach der Kolonie wird teils durch Kamele, teils aber auch /u Wagen besorgt. Die Spesen stellen sich pro Tonne durchschnittlich auf S bis 15 Franken, je nach Artikel und Wetter. Orangen bezahlen den billigsten Satz, und zwar 25 Centimes pro Kiste von 33 bis 34 Kilo. III. Der Landbereich. Wir haben in unserem letzten Aufsatz das Gebiet der anzustrebenden Konzentration näher bezeichnet als das eigentliche Palästina, den Nachbarländerkreis und weitere Gebiete des türkischen Reiches. Wenn nun auch eine Konzentration der jüdischen Auswanderung im Orient -- und noch mehr in den türkischen Teilen des Orients — jeder Art von Zerstreuung gegenüber schon einen erheblichen Vorteil bedeutet, so wollen wir doch im Folgenden dartun, wie wenig etwa eine Verteilung der Einwanderung über das gesamte Gebiet der Türkei für absehbare Zeit in unseren Intentionen liegen kann. Das Landgebiet, das wir ins Auge fassen, stellt vielmehr nur einen verhältnismäßig geringen Teil des türkischen Reiches dar, so daß auch in unserer weitesten Fassung schon eine viel größere Konzentration liegt als die in der Beschränkung auf das türkische Reich dokumentierte. Wir haben in dieser Untersuchung Palästina als „eine Kategorie' für sich" bezeichnet, und in der Tat hat schon die bisherige Entwicklung der orientalischen Judeneinwanderungen gezeigt, in wie viel höherem Maße dieses eine kleine Land jüdische Einwanderer an sich zu ziehen geeignet ist .als der ganze Rest des Orients. In gewissem Sinne (und mit einigen Einschränkungen) wird das wohl auch weiter so bleiben, und abgesehen *) S. „Welt" Nr. 46 und 47. Nr. 49 Personenverkehr. Hin und zurück gehen täglich 4 bis 6 Stellwagen ä 9 bis 10 Personen. Die Wagen sind imnier komplett und manchmal sitzen außerdem 1 oder 2 Personen beim Kutscher. Die Gebühr ist Uv Beschik pro Person, das ist c<l 84 Centimes. Das ist täglich, mit Ausnahme der Samstage und jüdischen Feiertage, ca. 100 Franken. Außerdem fahren Touristen, Beamte und reichere Leute, Angehörige der Mittelklasse im Notfalle zu Wagen, welcher 10—15 Franken, je nach dem Wetter, kostet, und man kann wöchentlich fj—10 Wagen annehmen. Dann reiten auch manche auf gemieteten Eseln und Pferden. Man kann also mit ziemlicher Sicherheit annehmen, daß für den Produkten- und Warentransport ()ü 000- 65 000 und für den Personenverkehr 30 000 bis 32 000 Franken jährlich verausgabt werden. Sollte aber der Tramwayverkehr eingeführt werden, so unterliegt es keinem Zweifel, daß der Personenverkehr bedeutend steigen wird, denn von dem großen Touristenzug in Palästina besuchen nur sehr wenige auch die. Kolonien, obwohl sie eine große Anziehungskraft ausüben. Von diesen Touristen würde ein großer Teil auch die Kolonie besuchen, wenn ein billiges, bequemes und rasches Verkehrsmittel bestünde. Ebenso würde das Publikum des Landes eine Tramway lebhaft frequentieren (der Ausgangspunkt Jaffa hat über 50 000 Einwohner), während man heute nur, wenn es unbedingt notwendig ist, einen teueren Wagen nimmt und sich der strapaziösen und mit Zeitverlust verbundenen Fahrt im Stell wagen ungerne unterzieht. Es ist selbstverständlich, daß sich nicht gleich der ganze Verkehr auf die Tramway beschränken wird. Was aber den Transport von der Kolonie nach Jaffa betrifft, so würden sich die Kolonisten korporativ verpflichten, sowohl den Transport ihrer Produkte wie den Personenverkehr, welchen auch jetzt die Unternehmer kontraktlich mit der Kolonieverwaltung besorgen, auf die Tramwraygesellschaft allein zu übertragen. Die Kolonie könnte eine jährliche Verfrachtung von mindestens 50 000 Franken brutto garantieren, ebenso könnten laut Bericht unseres Vertrauensmannes daselbst Aktien bis zur Höhe von 200 000 bis 250 000 Franken plaziert werden/' (Schluß.) von allen Gefühlsmornenten und auch von der automatischen Wirkung, die jede Ansammlung von Einwanderern auf eine im Fluß befindliche Auswanderung ausübt, werden wir aus Gründen der jüdischen Entwicklung auch trachten müssen, dieser engeren Konzentration in Palästina weiterhin den Vorzug zu geben. Wenn wir aber außer Palästina den Nachbarländerkreis und „andere Gebiete des türkischen Reiches" für die Zwecke der orientalischen Auswanderung in Betracht gezogen haben, so wird es am Platze sein, das Gebiet näher zu definieren, das für eine absehbare Zukunft als engeres Arbeitsfeld in Frage kommt. Zunächst einiges Prinzipielle. Wenn wir daran festhalten, Palästina als das Kernland dieser neuen Konzentration anzusehen, so haben wir doch bei der Betrachtung anderer Gebiete in erster Linie nicht nur die Nähe zu Palästina, sondern in Verbindung damit auch die leichte Erreichbarkeit in Frage zu ziehen. Diejenigen, die beispielsweise Mesopotamien als Nachbarland Palästinas proklamieren wollten, sind damit durchaus auf einem Irrwege. Zwischen Palästina und Mesopotamien ist eine Entfernung, die mit den heutigen Transportmitteln eine Reise von ca. vier Wochen beansprucht und die auch mit den besten Verbindungen, die in einiger Zukunft zu erwarten wären, der Entfernung von Berlin nach London und einer Reisedauer entsprechen würde wie von Berlin nach Nordafrika! Wie sehr solche „Nachbarländer", wie Mesopotamien, aus dem Kreis jeder praktischen Erwägung für irgendwelche Gegenwart auszuschalten sind, wird kaum besser illu- DIE3§KLT Organisation der Emigration*) Von Davis Trietsch