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Die Welt · 1911-12-01 · 48 (1.12.1911) · page 11

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
48 (1.12.1911)
Date
1911-12-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 48 DIE^ELT 1289 Nachdem in der Debatte insbesondere auch Herr Ernst Bechert-Teplitz sich rückhaltlos für den Antrag Dr. Margulies ausgesprochen hatte, wurde die Referentenresolution angenommen. Sie lautet: „Die am nordböhmischen Zionistentag versammelten Delegierten erklären ihre volle Uebereinstimmung mit der Resolution 11 des Zentralkomitees vom 22. Oktober 1911." Prag. Die Mitgliederversammlung der Freien Zionistischen Vereinigung für Böhmen hat am 23. November den Entwurf eines neuen Statuts für die westösterreichische zionistische Organisation durchberaten und ist einstimmig zu folgender Ansicht gelangt: Es liegt kein triftiger Grund vor, durch ein neues Statut das bisher bestehende, kaum vier Jahre alte Statut, zu ersetzen und dadurch eine Konsolidierung der Organisation zu verhindern. Wenn das Zentralkomitee die initiative zu einer tatsächlichen zionistischen Arbeit ergreifen würde, so läge das auch auf Grund des alten Statuts im Bereiche der Möglichkeit. Wenn jedoch die Majorität der Zionisten eine Stärkung der Autorität des Z. K. für nötig halten sollte, so geben wir unseren Delegierten die Erlaubnis, auf dem Brünner Zionistentag bezüglich des materiellen Inhaltes des § 20 des neuen Entwurfes entgegenzukommen, wenn ausreichende Garantien dafür geboten werden, daß das neue Z. K. in seiner Zusammensetzung den Anforderungen einer gedeihlichen zionistischen Arbeit im Sinne des Baseler Programines vollauf Genüge leisten wird. Bosnien Sarajewo. Am 10. November hielt Herr Dr. Isidor Schwarz im Jüdischen Nationalverein einen gut besuchten Vortrag. Der zionistische Mädchenvereiii Moriah veranstaltete ein von über 600 Personen besuchtes Fest, dessen Reingewinn zur Hälfte der Vereinsbibliothek, zur anderen Hälfte dem Nalionalfonds zufallen soll. England Liverpool. Die erste Versammlung des Mount Hennan Lodge des Ordens of Ancient Maccabaear.s in der neuen Saison wurde vorigen Sonntag in der Zionist Hall, unter dem Vorsitz des Herrn M. Isaacson, abgehalten. Herr Sol Cohen sprach über das Thema: „Die Maccabaeans und ihre Pflicht gegenüber dem A. C." Er beschrieb die zionistische Tätigkeit des Maccabaean Ordens seit seiner Gründung im jähre 1898 bis heutzutage und gab der Hoffnung Ausdruck, daß es ihm nach seiner Anerkennung als Sonderverband gelingen werde, jeden Juden in England, der an der Schaffung einer jüdischen Zukunft in Palästina Anteil zu nehmen wünsche, für den Zionismus zu gewinnen. Der Redner verbreitete sich dann über die Mitglieder der neuen Leitung, und betonte, daß man das vollste Vertrauen zu ihnen iiaben könne, und daß sie die zionistische Arbeit in größerem Maßstabe fortsetzen werden, wenn sie die genügende Unterstützung erhielten. Es sei die Pili cht und Schuldigkeit der Maccabae er-Vereine, ein Beispiel zu geben, indem sie dem A. C. eine größere Unterstützung als den Schekel gewährten, der durchaus nicht genüge, die Ausgaben einer Weltorganisation zu decken. Herr A. G. Auerbach schloß sich diesen Ausführungen an. Sodann wurde einstimmig beschlossen, einen festen Jahresbeitrag von einer Mark pro Mitglied für den Zentralfond des A. C. zu erheben, wie auch freiwillige Jahresbeiträge für denselben Zweck. Die anwesenden /VAitglieder versprachen sofort, freiwillige Beiträge von insgesamt mehr als 200 M. zu zahlen, und die Versammlung schloß mit den üblichen Zeremonien des Ordens. Schweden Göteborg. Am 12. November fand eine Versammlung statt, in der Herr Dr. L. Turitz, der Vorsitzende des Zionistenvereins in Stockholm, einen Vortrag hielt. Nach kurzer Diskussion wurde die Gründung einer Ortsgruppe beschlossen und ein interimistischer Vorstand, bestehend aus den Herren H. G, Turitz, L. Jacobsson, G. Jacobssou und S. Austrinsky, gewählt. Es traten sogleich 45 Mitglieder bei. Der Gemeinde-Rabbiner Dr. Koch verhielt sich ablehnend und verweigerte sogar die Mitteilung der Adressen der Gemeindemitglieder, die zu den weiteren Veranstaltungen eingeladen werden sollten. Brief aus London (Von unserem Berichterstatter.) Der Board of Deputies Die öffentliche Meinung hat sich seit längerer Zeit mit der Gemeindepolitik des Board of Deputies beschäftigt. Der Board of Deputies, dessen Gründung von der Mitte des IS. Jahrhunderts datien, ist als einzige repräsentative Körperschaft der englischen judenheit verpflichtet, die jüdischen Interessen im Lande wahrzunehmen. Es soll dahingestellt bleiben, in wiefern der Board -of Deputies seiner Aufgabe je gerecht wurde, aber in den letzten Jahren sind Schwierigkeiten aufgetaucht, die sich nicht beilegen lassen. Es ist noch in aller Erinnerung, wie von vielen Seilen, besonders von Dr. M. Gaster, dem Chachani der spanisch-portugiesischen Gemeinde, der Standpunkt des Board of Deputies in der heiklen „Get"-Frage verurteilt worden ist, und die Stellung des Board zur Schechita- Parlamentsbiil, sowie die Brüskierung Dr. Gasters in dieser Sache hat die öffentliche Meinung besonders aufgeregt. Der Board of Deputies hat sieh auch in anderen wichtigen Punkten, so bei der Behandlung des Sonntagsrullegesetzes, zu schwerfällig und bureaiikratisch gezeigt, als da Ii seine Anwaltschaft jüdischer Interessen als befriedigend betrachtet werden könnte. Dies Kritik ist von einem jugendlichen Mitglied des XBoard, W. S. R o s e n b a u m , in einem Mißtrauensvotum gegen den Präsidenten, königlichen Rat Davis L. Alexander, zusammengefaßt worden, aber die Debatte, die unter Vorsitz des Vize-Präsidenten, Leopold Rothschild, stattfand, gestaltete sich zu einer persönlichen Kundgebung für den Präsidenten, indem das Mißtrauensvotuni mit beinahe 60 Stimmen gegen 2 abgelehnt wurde. Es wäre jedoch ganz verfehlt, dies als ein Vertrauensvotum an den Board of Deputies seitens der jüdischen Gemeinde zu betrachten. Es war eine falsche Taktik, den Präsidenten persönlich für die Fehltritte und Versäumnisse des Board verantwortlich zu machen. Mr. Alexander ist ein alter Herr, der sich ganz den Geschäften des Board of Deputies widmet, und meint es wohl sehr gut. Aber der Geist, der in der veralteten Verwaltung des Board of Deputies herrscht, hat endlich eine Krise heraufbeschworen, und die ein/ige Rettung ist wohi von einer Erziehung der Gemeinden zu erwarten, die die Mitglieder des Board wählen. in dieser Hinsicht wird hoffentlich die Debatte nicht ohne Wirkung auf die Zukunft bleiben. Zionistische Propagandaarbeit Die English Zionist Eederation ist nicht nur gewillt, dem Beschluß des G. A. C. über das Zusammenarbeiten mit dem Order of Aneient Maccabeans in jeder Hinsicht Folge zu leisten, sondern beide Organisationen veranstalten diesen Sonnabend Abend eine gemeinschaftliche Massenversammlung zu Ehren Dr. M o s s i n s o h n s in dem Jewisch Working Men's Club, in demselben Saale, wo Herzl zum ersten iMai seine Idee einem größeren Publikum entwickelte. Diese Versammlung, sowie auch die im Jews* College am Sonntag Abend unter dem Vorsitz Francis M o n t e f i o r es , waren neuhehräische Demonstrationen, wie wir sie hier selten haben. Es steht zu hoffen, daß das nicht nur dem Jaffaer Gymnasium, sondern auch unserer hebräischen Reuaissancebewegung zu Gute kommen wird. Die zionistische Propagandaarbeit hat rüsüg eingesetzt, und die materiellen Erfolge werden bei anhaltender Werbearbeit auch nicht ausbleiben. In den Provinzstädten sind die zionistischen Vereine Sammelpunkte jüdischgeistigen Lebens. Die Anziehungskraft ist bedeutend, vv;c der zionistische Gedanke echt und recht zum' Ausdruck gebracht wird. So war der Saal im Westen Londons, wo Norman Beut wich einen Vortrag über seine Eindrücke aus Palästina hielt, überfüllt, und die begeisternden Worte des Vorsitzenden, Dr. G a s t e r , machten diese Versammlung zu einer der erfolgreichsten, die wir in den letzten Zeiten gehabt haben.

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