Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 48 (1.12.1911)
- Date
- 1911-12-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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An die Nationalfondskommissare und Vertrauensmänner in Galizien Wir beabsichtigen, an die jüdischen Banken in Galizien bei Jahresabschluß mit der Bitte um eine Subvention für den J.N.F. heranzutreten. Wir fordern euch daher auf, uns baldmöglichst die Adressen der jüdischen Kreditanstalten und Banken in eurem Orte anzugeben, damit wir das Adresseuinaterial vorbereitet haben. Mit Zionsgruß: L a n d e s s a m m e 1 s t e 11 e d. J.N.F. f ü r O e s t e r r e i c h Wien IX, Türkenstraße 9. Deutschland Berlin. Am 27. September fand die Generalversammlung der Berliner Z i o n i s t i s c h e n V e r e i n i g u n g statt, die am 1. November fortgesetzt wurde. Der bisherige Vorstand trat zurück. Der neue Vorstand bestellt aus den Herren Dr. H. (i. H e y m a n n (1. Vorsitzender), R. L i c h t h e i m , Dr. F. Rosenblüth (1. und 2. stellvertr. Vorsitzender), Referendar Cohn (Schriftführer), Dr. Schwarz (Kassierer), Kurt B 1 u m c n f e i d , Justizrat D z i a 1 o s z y n s k y , Goslar, Rechtsanwalt Stein i t z , T r i e t s c h , j. Ii. W a g n e r. Die ( ieneraiversuminlung der zionistischen Ortsgruppe Charlottenhurg, wählte Herrn Julius Berg er zum 1. Vorsitzenden. Ferner gehören dem Vorstand die Herren Trietsch, Dr. J. B e c k e r , Architekt L e v y , J a cobs o n und B r ü n n an. Frankfurt a. M. Am 23. November sprach in der Zionistischen Vereinigung Herr Dr. Rudolf Leszynsky aus Berlin über Jüdische Kultur in Palästina". Der Abend gestaltete sich zu einem äußerst genußreichen und hat insbesondere auch auf die anwesenden Nichtzionishm einen guten E: in druck gemacht. Herr Dr. Leszynsky, der aus eigener Anschauung berichten konnte, verbreitete sich eingehend über Land und Leute, indem er insbesondere die jüdisch-kulturellen Einrichtungen, wie das Schulwesen, die Landwirtschaft, die Tätigkeit des Nationalfonds, des Bezalel und der zionistischen Banken besprach. Der Vortrag war dadurch besonders instruktiv, da!) er von zahlreichen Lichtbildern hegleitet war, die der Vortragende selbst im Lande aufgenommen hatte. Was man bisher von der jüdischen und speziell von der zionistischen Tätigkeit in Palästina nur vom Hörensagen kannte, sah man hier mit plastischer Deutlichkeit vor Augen. Insbesondere interessierten die vorzüglichen Bilder aus den jüdischen Kolonien und den Nationa!fondsbcsitzimgen. Für den Nationalfonds wurden im Anschluß an den Vortrag 100 M. gespendet. Frankfurt a. M. Monläg, den 2i). November, sprach Herr Oberlehrer Ta chaucr in der Zionistischen Jugendgruppe über „Die historischen Grundlage:- der modernen Bewegung im Judentum.'1 Cöln. Am 25. November hielt Herr!>V. Emil Cohn (Kiel) in der Ortsgruppe, vor etwa .]{){) Zuhörern, einen Vortrag über ,,Erziehungsprobieme im Juden tum Nürnberg. Am 10. November tagte in Nürnberg der (irnppenverband der bayrischen Zionisten, auf dnn die bayrischen Ortsgruppen München, Erlangen, Bamberg, Würz bürg, Regensburg und HüUenbach vertreten waren. Nach der Begrüßimg durch Herrn Zahnarzt Singer, dem Vorsitzenden der Nürnherg-Eürther Ortsgruppe, wurde Herr Rechtsanwalt Dr. S t r a u ß , München, zum Vorsitzenden der Tagung gewählt. Das erste Referat hielt Herr Zahnarzt Singer über die Entwicklung der zionistischen Bewegung in Hävern. Danach sprach Herr Reich, München, über Agitation in Rayern und die Methoden, die dafür nötig seien. Herr Rechtsanwalt Dr. Stroits sprach über ,,Zionismus und jüdische Geuieindepolitik \v. Bayern". Herr Rechtsanwalt Dr. Münz berichtete über das von ihm ausgearbeitete Statut des Gruppenverbandes. Auf Grund desselben wurde Nürnberg für die nächsten drei Jahre als Sitz des (omppenverbanues bestimmt. Für Zwecke der zionistischen Agitation wurden 1S00 Mk. gezeichnet, und zur Eintragung der verstorbenen Gesinnungsgenossiii Sara Wechsler ins Goldene Buch ein ansehnlicher Retrag gespendet. Halle a. S. Am ld. November sprach, in der zionistischen Ortsgruppe Herr Isaac E e u e r r i n g über Entwicklung des Kulturzionismus." Siegburg. Im Saale des Gemeindehauses hielt Herr M. Goldreich, Cöln, einen Agitationsvortrag über den X. Kongreß. 18 Herren, darunter der Vorstand der Gemeinde, schlössen sich der Organisation an. Essen. Am 13. November sprach in der zionistischen Ortsgruppe Herr Dr. Rosen f cid über Religiöses und nationales Judentum.44 Bedburg. Am 15. November hielt Herr Julius Kauf ■ m a n n, Eschweiler, den ersten zionistischen Vortrag in Bedburg. Eschweiier. Am IQ. November fand in der Zweiggruppe Höngen ein Vortrag des Herrn Referendar M eyer über „Die Sprachen der Juden'*' statt. Wiesbaden. Am 12. November fand eine Mitgliederversammlung statt, die Herrn Lehrer S. Jacob Rosenberg zum Vorsitzenden wählte. Beuthen O.-S. Am 11. November sprach Herr Dr. W. Steinitz, Breslau, über" ,,Die Rasse als Kulturfaktor1'. Rybnik. Am 13. November fand die Generalversammlung der Ortsgruppe statt, die den bisherigen Vorstand wiederwählte. Osterreich Der nordböhmische Zionistentag in Aussig 26. November 1911. Der erste nordböhmische Zionistentag, ursprünglich als zwanglose und harmlose Zusammenkunft der nord- und westböhmischen Zionisten gedacht, gestaltete sich unter dem Druck der gegenwärtig in der westösterreichischen Organisation aktuellen Fragen zu einem wichtigen und bedeutsamen Ereignis, das auf die Verhandlungen des bevorstehenden Distriktstages in Prag und des Parteitages in Brünn nicht ohne wesentlichen Einfluß sein wird, wenngleich die Tagung selbst keine eigentlichen Beschlüsse zu fassen berufen war. Es ist von großer, beweisender Kraft, daß der geistige Urheber der jetzt so lebhaft diskutierten Neuordnung der österreichischen Partei, Z.-K.-Präsident A d o 1 f Bö h m , die Tagung in einem sehr herzlich gehalteneu Schreiben begrüßte, worin er den Irrtum zurückwies, als ob er eine Uniformierung der zionistischen Arbeit im Sinne habe. Im Gegenteil, er freue sich über die zweckdienliche Differenzierung in der Partei, da nichts anderes sein Ideal sei, als eben möglichst reiche, fruchtbare Differenzierung einer durch kräftige Zentralorgane fest zusammengehaltenen Organisation. Ganz entsprechend diesen Leitgedanken sprach sich dann auch der Zionistentag einhellig für die Durchführung einer kräftigeren Zentralisierung im Sinne des Z.-K. aus. Der Tag hat so einen guten Schritt vorwärts in der Entwicklung unserer Organisation bedeutet, und es ist begründete Hoffnung vorhanden, daß auf den noch bevorstehenden Versammlungen der eingeschlagene Weg zum Heile und im Interesse unserer großen Bewegung entschieden weiter verfolgt werden "wird. An den Beratungen nahmen außer dem Vizepräsidenten des westösterreichischen Z.-K., Dr. Emil M a r g u 1 i e s-Leitmeritz, und drei Mitgliedern des böhm. D.-K. Vertreter folgender elf Orte teil: Aussig, B.-Leipa, Brüx, Du\, Gablonz a. N., Karlsbad, Komotau, Königinhof a. E., Nachod, Teplitz-Schönau, Trauten au, insgesamt 32 Delegierte. Den Vorsitz führten die Herren Ernst B e c h e r t - Teplitz, Ing. H. PoIIaczek- Trautenau und Louis S c h i f f - Aussig. Nach dem Referat des Herrn El. B i r n b a u m , dem eine längere Diskussion folgte, wurde folgende Resolution angenommen: „Der erste nordböhmische Zionistentag in Aussig erklärt seine volle Webereinstimumiig mit der Resolution I des Z.-K. vorn 22. Oktober 1911 über die Notwendigkeit einer strafferen Zentralisierung der westösterreichischen Organisation. (Einstimmig.) - IE Er billigt die Prinzipien, auf denen der von Dr. Margulies ausgearbeitete Statutenentwurf aufgebaut ist/4 (Mit mehr als Zweidrittelniajorität.) Angenommen wurde ferner eine Zusatzresolutjon des Herrn Dr. Marguiies: „Die Autonomie der Distrikte soll nach Möglichkeit gewahrt werden", und z.vei Zusatzresolutionen des Herrn Ernst Bechert: „Es soll je ein Vertreter jedes D.-K. Sitz und Stimme im Z.-K. haben", und: ,,Die Gelder werden nach Wien abgeliefert, von wo die Schekel nach Berlin und die Landessteuer an die Distrikte zurückbezahlt werden." Zum zweiten Punkte der Tagesordnung (Resolution II des Z.-K.) hielt Herr Dr. Emil Margulies-Leitrneritz das Referat.