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Die Welt · 1911-12-01 · 48 (1.12.1911) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
48 (1.12.1911)
Date
1911-12-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 48 DIE^ELT 1281 Das große Meeting. Zu Ehren unserer teuren Gäste, der Herren Dr. Schmarja L e w i n und Kurt Blumenfeld, fand zwei Stunden später in demselben Saal das angekündigte Meeting statt, an dem über 2000 Menschen teilnahmen. Doppelt so viele belagerten den Eingang und mußten.abziehen. Das Meeting eröffnete Oesinnungsgenosse Adolf Stand, der in kurzer herzlicher Ansprache im Namen des zionistischen Central-Comites die lieben Gäste willkommen hieß, der Feier des Tages gedachte und Herrn Kurt Blumenfeld das Wort erteilte. Die ausgezeichneten Ausführungen unseres verehrten Gastes fanden bei den Versammelten das richtige Verständnis. Ganz besonders interessierte sich das Publikum für jenen Teil der Rede, in dem Herr Blumenfeld an dem Entwicklungsgang der deutschen Judenheit die Sinnlosigkeit und Nichtswürdigkeit der Assimilation bewies. Seine Rede wurde durch gespannte Aufmerksamkeit und reichen Beifall belohnt. — In Dr. Schmarja Lewin begrüßte die Versammlung mit frenetischem Jubel ihren Repräsentanten, die Verkörperung und Verbildlichung aller Kräfte, die in dieser jüdischen Masse leben und weben. Er sprach ihre Sprache, und mochte er noch so tief und wissenschaftlich sprechen, ihn verstehen unsere juden, wie er sie begreift und kennt. — Dr. Schmarja Levvin beleuchtete in seiner prachtvollen eindringlichen Art die seelischen Quellen, aus denen unser Zionismus entspringt, malte den Leidensweg der Assimilation in schmerzlicher Deutlichkeit, führte uns vom Ghetto durch die Assimilation bis zu jener Wand, vor der alle Juden stehen bleiben und sich entscheiden müssen, ob sie untergehen oder zurückkehren wollen. Er ging mit uns zurück, nicht ins Ghetto, sondern in die alte Heimat zurück und schloß mit der Schilderung des jetzigen jüdischen Lebens in Palästina und mit einem Ausblick in die Zukunft, die glanzvolle Zukunft in einer eigenen Heimat. — Selten haben wir solch eine herrliche Stunde verbracht. Nach ihm sprach Dr. Thon ernst und tief über die Begründung des Zionismus, scharf und witzig gegen die Assimilation. Zum Schlüsse danl^e Adolf Stand den Gästen für ihre treue Arbeit und schloß die Versammlung, welche dem historischen Tage einen wahrhaft glänzenden Abschluß verlieh. Der zweite Tag. Der zweite Tag war praktischen Fragen des hebräischen Schulwesens in Galizien und der Bukowina gewidmet. Am 20. November, um <) Uhr vormittags, wurde im Saale der Toynbeehalle die Konferenz des hebräischen Schul- Comites, an welcher 62 Bevollmächtigte von 32 Schulen teilnahmen, eröffnet. Zum Vorsitzenden wurde Dr. Philipp Korn grün gewählt. Als erster sprach über den jetzigen Stand der hebräischen Schulen Dr. David Kling Ii ofer, der auf Grund reichhaltigen statistischen Materials die Ergebnisse einer vom hebräischen Schulvereine veranstalteten Enquete auseinandersetzte, aus denen vor allem die Tatsache erhellt, daß wir trotz ungeheurer Schwierigkeiten fast ohne alle materiellen Mittel, ohne Unterstützung, gegen den Willen der Behörden über etwa 40 Schulen verfügen, in denen 4000 Kindern hebräischer Unterricht nach der natürlichen Methode erteilt wird. — Redner wies auf alle Mängel unserer Schuleinrichtungen hin, konnte aber nicht umhin, der Opferfreudigkeit unserer jüdischen Bürger seine vollste Anerkennung zu zollen. Die Resultate seiner Betrachtungen gipfelten in dem Losungsworte: Erobert die Chadarim und Talmud-Thoras. Ueber die praktischen Vorschläge der Leitung des hebräischen Schuivereins referierte in klassischem Hebräisch Dr. Moses Eeuermann (Lemberg), der auf die Gewinnung der zionistischen offiziellen Kreise, wie auch der Kultusgemeinde für die hebräische Kulturarbeit hinwies. Als Dritter referierte der Präsident des hebräischen Lehrerverbandes, Raphael S ofer mann, über ,,hebräische Kindergärten und hebräische Lehrerkurse". In der darauffolgenden Debatte, an welcher fast alle Delegierten lebhaften Anteil nahmen, wurde vorerst die erfreuliche Tatsache festgestellt, daß es nicht notwendig sei, sich einer anderen Sprache als des Hebräischen zu bedienen. Alle sprachen mehr oder weniger korrekt, aber lebhaft und fließend. Nach mehrstündiger Debatte wurden die Anträge der Referenten zum Beschlüsse erhoben und die Vormittagssitzung geschlossen. Bei derselben wie auch bei der folgenden Nachmittagssitzung war der Saal mit Gästen und Neugierigen gefüllt. Man bemerkte bekannte Assimilanten und verbissene Chassidim. Besonders erfreulich war die Anwesenheit der Mittelschuljugend, deren reines Hebräisch mit sephardischer Aussprache eine gute Vorbedeutung für die nächste Zukunft darstellt. — Um 5 Uhr nachmittags ergriff Dr. Philipp Korngrün das Wort zum „Rechenschaftsbericht über die Tätigkeit des hebräischen Schuivereins im Jahre 1<)11", den er in einer anderthalbstündigen hebräischen Rede erstattete. — Die Versammlung, welche sich als Generalversammlung des Hebräischen Schulvereins konstituierte, gab nach Anhörung des Berichtes ohne Debatte ihrer Leitung Decharge und das Vertrauensvotum. Nach vorgenommenen Neuwahlen wurde die letzte Sitzung des Hebräertages unter stürmischer Begeisterung feierlich geschlossen. — Das Bankett. Am Abend des 20. November veranstaltete das zionistische Central-Comite Galizi&ns zu Ehren der Herren Dr. Schmarja Lewin und Kurt Blumenfeld ein Festbankett, an dem alle Honoratioren unserer Bewegung und über 150 Gäste in animierter Stimmung einige fröhliche Stunden in freundschaftlicher Zusammenkunft verbrachten. Es sprach im Namen des Central-Comites Adolf Stand, im Namen der zionistischen Jugends Dr. Schmorak, namens der Poale-Zion Dr. Schipper, für die hebräischen Lehrer Herr Scharfstein, für den hebräischen Schulverein Dr. Israel Rath, für die Histadruth Dr. Osias Thon. Herr Kurt Blumenfeld dankte für den Empfang, dann erfreute, belehrte und begeisterte uns Dr. Schmarja Lewin, indem er in einer längeren Rede die Zeit pries, in welcher wir kämpfen und unseren Freunden Ausblicke in eine noch herrlichere Zukunft gewährte. — Das Festbankett endigte mit einer Kneipe, welche die hiesige Verbindung Hasmonäa Dr. Schmarja Lewin, ihrem Ehrenmitgliede, veranstaltete. Beschlüsse des Hebräertages Der Hebräertag faßte eine Reihe von Beschlüssen, "deren wichtigste wir erwähnen: 1. Die erste Versammlung der Hebräer Galiziens und der Bukowina erblickt die Auferstehung des jüdischen Volkes in der Wiederbelebung seines Landes und seiner Sprache. Er erkennt die hebräische Sprache als einzige jüdische Nationalsprache an. Der I. Hebräertag beschließt die Schaffung einer einheitlichen Organisation aller Hebräer für Galizien und die Bukowina, die sich der bestehenden Histadruth lasafa welatarbuth anschließt. 2. Der Hebräertag soll zu einer ständigen Institution gemacht werden. 3. Der hebräische Schulvereiri übernimmt im nächsten Jahre die Erledigung der Arbeiten der Histadruth lasafa welatarbuth, soweit dieselben in Lemberg zu erledigen sind. 4. Der Hebräertag beschließt die Bildung eines Schulfonds. 5. Der hebräische Schulverein wird beauftragt, in Lemberg eine Zentralverkaufsstelle für hebräische Bücher und Zeitungen einzurichten. 6. Der hebräische Schulverein soll versuchen, in Lemberg einen Kindergarten und eine Schule zur Ausbildung von Lehrern zu gründen. 7. Zu dem gleichen Zwecke sollen in Lemberg pädagogische Kurse eingerichtet werden. 8. Der hebräische Schulverein soll sich an alle jüdischen Gelehrten und Lehrer wenden und eine pädagogische Kommission bilden, deren Aufgabe die Feststellung des Lehrplans und die Prüfung der Lehrer sein soll. 9. Der Schulverein soll die Vorarbeiten für die Schaffung eines hebräischen Tageblattes für Galizien und die Bukowina übernehmen. 10. Für das Jahr 1912 soll die Herausgabe des Wochenblattes Hamicpe durch die hebräische Organisation erfolgen. 11. Das Präsidium der Histadruth lasafa welatarbuth für Galizien besteht aus folgenden Herren: Dr. Osias Thon, Krakau, Vorsitzender, Dr. Philipp Korngrün, Lemberg, stellvertr. Vorsitzender. Dr. Moses Feuermann, Lemberg, Sekretär. Ferner gehören ihm an die Herren: Meyer Chartiner (Tarnopol), Dr. Israel Rath (Lemberg), Dr. David Klinghof e r (Gliniani), Dr. Abraham Sonne (Przemysl), Dr. Cteaim Tartakower (Drohobycz), N. Apfelbaum (Rzeszow), Rafael Sofermann (Brody), M. Gelb (Boryslaw), Zwi Scharfstein (Tarnow). 12. Das Präsidium des hebräischen Schulvereins besteht aus den Herren: Dr. Philipp Korngrün (Vorsitzender), Dr. Wer fei,. Dr. Israel Rath, Dr. Moses Feuermann, Moses Laub, Zwi N a g e 1 b e r g. Zum Ausschuß gehört eine große Zahl treuer Mitarbeiter aus allen Städten Galiziens.

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