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Die Welt · 1911-11-24 · 47 (24.11.1911) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
47 (24.11.1911)
Date
1911-11-24
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1262 DIE3§£ELT Nr. 47 Die Einweihung des Konstantinopeleij Logenheims Am Sonntag-, den 12. November, ist hier in außerordentlich feierlicher Weise die Einweihung des neugegründeten Logenheimes der „Bene Berith" begangen worden. Zu Beginn der Festsitzung wurden 40 neue Mitglieder in die Loge eingeführt, deren Zahl somit das erste Hundert überstiegen hat. Der Präsident hielt eine eindrucksvolle Rede, sodann wurde eine religiöse Einweihungszeremonie vollzogen und die Menorah angezündet. Die eingehenden Berichte des Sekretärs und der Kommissionen über die bisherige Tätigkeit der Loge bewiesen die hervorragende Bedeutung, die schon jetzt, nach wenigen Monaten des Bestandes, die Loge im jüdischen Leben der Hauptstadt gewonnen hat. Die angesehensten jüdischen Bürger gehören ihr bereits an oder haben ihre Mitwirkung in Aussicht gestellt. Bei der Hilfsaktion nach dem Balater Brande hat die Loge die Hauptarbeit geleistet; auch zur Linderung der Choleranot sind Mitglieder der Loge eingetreten. Es soll eine ernste soziale und kulturelle Hilfsarbeit eingeleitet werden. Eine Bibliothek und Lesehalle ist bereits begründet, die zwar einstweilen nur den Mitgliedern zugänglich ist, später aber nach gehörigem Ausbau für jedermann geöffnet sein wird. Am Abend des Einweihungstages fand ein Festbankett statt, auf dem 12 000 Frs. zur Deckung der Kosten der Einrichtung des Lokales gezeichnet wurden. Aus Chicago traf ein Telegramm ein, das die Ueberweisung des Restbestandes der Logensamrnlungen für die Balater Abgebrannten im Betrage von 3500 Frs. ankündigte. Hiermit sind im ganzen von den Bene Berith-Logen Amerikas 23 500 Frs. für die durch die Feuersbrunst Geschädigten eingegangen. — Es verdient ganz besonders hervorgehoben zu werden, daß in der Konstantinopeler Loge Sefardim und Aschkenasim in vorzüglicher Harmonie zusammenarbeiten, und daß die Loge es ist, die den allgemeinen Frieden in der hiesigen Judenheit herzustellen verspricht, wenn nicht alle Zeichen trügen. Die Sesamernte in Ekron PALASTINA 75^ Von den Jaffaer jüdischen Schulanstalten Mit dem 1. Marcheschwan beginnt in den Jaffaer jüdischen Schulen das neue Schuljahr. In diesem Jahre wurde der Unterricht in den meisten Schulen durch eine öffentliche Feier eingeleitet. Im hebräischen Gymnasium wurde die 7. Klasse eröffnet. Die Gesamtzahl der Schüler des Gymnasiums beträgt zurzeit etwa 300. Die hebräische Mittelschule „Tachkemoni" zählt 196, die Talmud Thora 110, die Volksschule des Hilfsvereins und die Alliance-Schule je 140 Schüler. Die Tachkemoni-Schule hat neue Lokalitäten im Stadtviertel „Neweh Zedek" gemietet und in der Person des Herrn Haus, früheren Leiters der Jaffaer jüdischen Bibliothek, eine neue Lehrkraft engagiert. Der neugewählte Chachambaschi von Jaffa, Rabbi Benzion U s i e 1, stattete einige Tage nach seinem Amtsantritt dem hebräischen Gymnasium, der Tachkemonischule und der Talmud-Thora längere Besuche ab. Ein Sanatorium für Lungenleidende in Jaffa Vor kurzem erwarb ein jüdischer Arzt, Herr Dr. Auerbach aus Rowno (Rußland), ein größeres Grundstück in der Nähe von Tel-Awiw, auf dem er eine Heilstätte für Lungenkranke errichten will. Die Jaffaer Behörden verhalten sich dem Plan gegenüber sehr wohlwollend und haben das Konzessionsgesuch Dr. Auerbachs bei der Zentralregierung wärmstens empfohlen. Wiedereröffnung der Bibliothek in Pethach-Tikwah Die öffentliche Bibliothek und Lesehalle in Petlach-Tikwah, die aus Mangel an Mitteln vor einiger Zeit geschlossen werden mußte, wird demnächst wieder eröffnet. Die Bibliothek wird nunmehr den Namen des kürzlich verstorbenen Vizedirektors der Anglo-Palestine Company, E. Saphir, tragen. Zum Bibliothekar ist Herr Jechiel Cohen, vormals Leiter der jüdischen Bibliothek in Haifa, bestellt worden. Die Sesamernte in Palästina ist in diesem Jahre besonders gut ausgefallen. In Ekron werden jetzt täglich etwa zwanzig Fuhren Sesam nach Jaffa verladen. Man schätzt die diesjährige Gesamtausfuhr dieser Kolonie auf mehr als tausend Säcke von 70—80 Pfund. Die Sesamproduktion in Ekron wächst von Jahr zu Jahr und gestaltet sich immer lohnender. Eine Seifen- und Öifabrik in Moza Demnächst wird in der jüdischen Kolonie M o z a bei Jerusalem eine neue Seifen- und Olivenölfabrik unter dem Namen „Hermon" eröffnet werden. Besitzer der Fabrik ist der Chemiker K 1 i m k e r. Als Geschäftsführer fungiert Herr Baruch Streit aus Pethach-Tikwah. Rußland Kampf der russischen Bureaukratie gegen kranke und tote Juden Die der jüdischen Bevölkerung so wohlgesinnte russische Verwaltung dehnt ihre Fürsorge neuerdings auch auf kranke und tote Juden aus. In Charkow hat der Gouverneur dem Semstwoamt aufgetragen, von den Juden, die sich um Aufnahme in das dortige Krankenhaus bewerben, den Nachweis des allgemeinen Wohnprivilegs zu fordern und die Gesuchsteller, die diesen Nachweis nicht führen können, unnachsichtlich abzuweisen. Noch schöner gehts in der Gouvernementsstadt Witebsk zu. Dort sind sogar schon die Toten heimatlos. Seit vielen Jahren ist der alte jüdische Friedhof überfüllt, und in zahllosen Eingaben an den Gouverneur bat die jüdische Gemeinde um die Erlaubnis zur Anlage eines neuen Friedhofs. Allein die Gouvernementsverwaltung bleibt unbeugsam. Bekanntlich haben die Juden in Rußland kein Recht, außerhalb der Städte und Flecken Boden zu erwerben, folglich ist ihnen »jch die Anlegung von Begräbnisplätzen ohne spezielle behördliche Genehmigung verwehrt. Und nun bildet unter den Juden von Witebsk jeder neue Sterbefall eine Quelle von Verlegenheiten peinlichster Art, da auf dem Friedhof jedes kleinste Plätzchen belegt ist. Alle Vorstellungen an den Gouverneur blieben bisher fruchtlos, und die Juden werden sich schließlich gezwungen sehen, ihre Toten nach anderen Städten überzuführen, vorausgesetzt, daß die Verwaltung nicht etwa auch diesem letzten Auskunftsmittel Hindernisse entgegenstellen wird . . . Die Enquete in Angelegenheit des jüdischen Heeresdienstes Wie „Woschod" erfährt, hat die vom Kriegsministerium veranstaltete Enquete betreffs des Militärdienstes der Juden ergeben, daß die jüdischen Soldaten vom politischen Gesichtspunkte nicht schädlich für die Armee sind, ihr vielmehr Vorteil bringen. Andererseits liefert aber die En- Enquete viel tendenziös bearbeitetes Material gegen die Juden, so daß der Gesamteindruck recht ungünstig für die Juden erscheint. „Woschod" hält demgegenüber die Veranstaltung einer besonderen jüdischen Enquete für dringend geboten und meint, wenn es auch schon zu spät wäre, das Material, daß eine solche Rundfrage beibringen würde, der Reichsduma zu unterbreiten, so könnte es doch noch rechtzeitig dem Reichsrat vorgelegt werden. Versammlung des Neuen Jüdischen Gemeindevereins in Berlin Der Neue Jüdische Gemeindevereiii veranstaltete eine große Massenversammlung, in der Dr. Th. Z 1 o c i s t i über „Pogrome in Rußland. Lehren und Mahnungen für die Gegenwart" referierte. In unserem Schrifttum würde uns oft ein „Gedenke (Sochaur) des Leids" zugerufen, als hätten die Ahnen gewüßt, daß der Jude Leid schnell vergißt. Wir gedächten beinahe schon jetzt nicht mehr der furchtbaren Verfolgungen in Rußland, die noch vor wenigen Jahren uns das Blut in den Adern erstarren machten.

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