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Die Welt · 1911-11-24 · 47 (24.11.1911) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
47 (24.11.1911)
Date
1911-11-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 47 DIE3§BsLT 1257 rationsarbeiten und Hausbau können zahlreiche Hände beschäftigen, und eine Organisation, die solche Arbeiten in großem Maßstabe ausführen läßt, wäre ein Arbeitgeber ersten Ranges. Bei dem neuen Schwung, der angesichts so großer Möglichkeiten in das Ansiedelungswerk käme, würde ja für viele Tausende alles Erforderliche vorzuarbeiten sein. Es würde sich nicht mehr um einzelne kleine Landstücke, sondern um recht große Gebietsstücke in verschiedenen Teilen des Landes handeln, wo ganze Kolonien und kleine Städte anzulegen sein würden. Es würden Straßenbauten, Staudämme und andere Bewässerungswerke, Baumpflanzungen in größtem Maßstabe, Hausbauten für private und Gemeindezwecke usw. auszuführen sein, und eine solche Gesellschaft hätte damit Arbeiten zu vergeben, deren Umfang denen der Ministerien für öffentliche Arbeiten in wohleingeriditeten Ländern gleich käme. Ein besonderer Vorteil dieser Art von Beschäftigung, die sdion allein viele Tausende dauernd ernähren würde, liegt darin, daß hier der Einwanderer gar keine Mittel mitzubringen hat, und daß auch viel „ungelernte Arbeit" dabei verwendet werden kann, so daß in gewissem Ausmaß, das nach dem Umfang der Bewegung wachsen wird, viele Tausende Beschäftigung fänden, die nicht mehr mitbringen als ihre Arbeitsfähigkeit. — Damit hätten wir innerhalb dieser neuen Organisationsform schon von allem Anfang an auch einem Teil derer Arbeitsmöglichkeiten nachgewiesen, deren Mittel eben nur zur Uebersiedelung reichen, während es schon eine außerordentliche und. nach den bisherigen Erfahrungen fast unglaubliche Feststellung gewesen wäre, wenn wir nur gezeigt hätten, daß innerhalb der heute für Ueberfahrtsgelder nach Amerika gezahlten bloßen Reisekosten die Möglichkeit einer dauernden Installierung von Hunderttausenden im nahen Orient liegen. Schließlich ist im obigen auch bewiesen worden, daß die Massenkolonisation, die nach den falschen und übertriebenen Ideen eines früheren Stadiums so vollständig fallen gelassen wurde, nur einer vernünftigen Organisationsform bedarf, um im vollsten Umfange früherer Träume zu einer tatsächlichen und unbestreitbaren Möglichkeit — nicht einer fernen Zukunft, sondern des morgigen Tages — zu werden! Grund genug, um mit der öffentlichen Diskussion dieser Möglichkeiten und ihrer organisierten Durchführung keinen Augenblick länger zu warten, um so mehr als wir hierzu nicht unbedingt auf die Mithilfe irgendwelcher anderer Faktoren angewiesen sind (so willkommen uns eine solche auch sein würde), sondern innerhalb der bereits bestehenden Einrichtungen und innerhalb unserer heutigen Gefolgschaft den Grund legen können zu einer im besten Sinne zionistischen Lösung des ganzen heutigen Emigrations¬ und Kolonisationsproblems. Notizbuch Im Zeichen des Verkehrs. Auf allen Punkten der Erde wird dem Dampfroß der Weg geebnet, und die in den modernen Verbindungsstraßen bisher am längsten zurückgebliebenen „alten'4' Weltteile Asien und Afrika sind gegenwärtig der Schauplatz weitumfassender Bauten und noch weitergehender Pläne. In China, Japan, Siam und Birma werden weite Gebiete durch neue Bahnen dem Handel und Verkehr erschlossen; im schwarzen Erdteil, in dein seit drei Jahrzehnten ein Wettlauf der fremden Nationen stattfindet, und wo es jetzt so furchtbar gärt und so blutig gekämpft wird, wurde auch der Eisenbahnbau nicht vernachlässigt, obwohl er dort mit größeren Schwierigkeiten als anderswo zu kämpfen hat. Von Norden und Süden, von Osten und Westen werden Schienen in den Leib der afrikanischen Sphinx gelegt. In Algier sind die Franzosen bis in die Sahara mit der Lokomotive vorgedrungen; am Senegal besitzen sie Bahnen, der Kongostaat hat ein weites Bahnennetz, im portugiesischen Angola bestehen Bahnlinien, Deutsch-Südwestafrika besitzt eine Bahn zu den Otavi-Minen, vom Kap der guten Hoffnung erstrecken sich die Schienenverbindungen bis nach Prätoria in Transvaal, das auch von Durban in Natal und von der portugiesischen Delagoabai aus erreicht ist. Aegypten, das älteste Kulturland des Weltteiles, wird von einem Bahnennetz förmlich durchkreuzt. Ist es nun nicht selbstverständlich, daß diese Entwicklung auch in Palästina große Fortschritte macht? Der Bau von Eisenbahnen begann in Palästina im Jahre 1892 unter der Regierung Abdul Hamids. Die Linie Jaffa—Jerusalem wurde 1892 unter Hamid feierlich eröffnet. Es folgte darauf 1894 die Linie Damaskus—Muserib, 1895 Beirut—Damaskus, 1898 Beirut—Maamilten, 1902 Rajak—Horns, 1902 Damaskus—Der'at, 1903 Der'at—Ammon, 1904 Haifa Beisan. In dieses System greift seit 5—6 Jahren der von der türkischen Regierung betriebene Bau der Mekkabahn ein. Ueber dieses Kulturwerk hat der ausgezeichnete Orientkenner, Herr Professor Hartmann, in der Asiatischen Gesellschaft einen Vortrag gehalten, der in populärer Form die Ergebnisse gewissenhafter und gründlicher Studien darbot. Reich an Inhalt und formvollendet, war dieser Vortrag geeignet, viele Vorurteile zu zerstreuen und einen klaren Begriff von all dem zu geben, was jetzt in der Türkei vorgeht. Im Lichte dieser Forschungen erschien auch der Bahnbau nach Mekka nicht wie eine Sache für Pilger, sondern wie eine Kulturschöpfung. Uns, die Söhne eines durch und durch geschichtlich denkenden Zeitalters, treibt ein unwiderstehlicher Drang, die Stätten kennen zu lernen, an denen große Ereignisse sich vollzogen haben; mag die Natur und die Kunst einen solchen Ort vollständig vernachlässigt haben, wir durchwandeln ihn mit dem Bewußtsein, uns dem Geiste der Vergangenheit näher zu fühlen, wenn wir den Schauplatz der Vergangenheit betreten. Wir atmen dort geschichtliche Luft Gleichgültig bleibt eine solche Berührung mit den Resten alter Zeiten, wenn nicht die großen und wahren Gedanken, die diese vergangenen Zeiten hervorgebracht haben, in uns wieder lebendig geworden sind. Wichtiger als die Aufsuchung heiliger Stätten ist die Wiederaufsuchung der weltbewegenden Gedanken, die an diesen Stätten zum ersten Male in das Leben traten. Wichtiger als die Bahnen aufzusuchen, in denen einst das jüdische Volk wandelte, ist es, die Bahnen zu suchen, die ihm seine Geschichte für seine neue Auferstehung gewiesen hat. So wird die Mekkabahn nicht den Fanatismus fördern, sondern Kultur und Gesittung unter den Nomadenstämmen verbreiten. Auch dem Islam ist durch die Kulturarbeit seiner Bekenner eine bessere Zukunft beschieden; nur muß das große europäische Kapital und die europäische Intelligenz mithelfen.

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