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Die Welt · 1911-11-17 · 46 (17.11.1911) · page 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
46 (17.11.1911)
Date
1911-11-17
Page
– (sequence 16)
Language
German
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DIEX^ELT Nr. 46 1234 - Frühregen in Palästina Ende Okiober ging in Judäa der erste Herbstregen nieder. In einigen Kolonien wie auch in Jerusalem gab es heftige Regengüsse. In P e t Ii a c h - T i k w a h haben mehrere Kolonisten nach dem Regen bereits mit dem P f 1 ii g e-n und der Aussaat begonnen. Eine Abordnung aus Rischon-Lezion beim Pascha von Jerusalem Dieser Tage sprachen einige Mitglieder des Waad (Gemeindevorstandes) von R i s c h o n beim Pascha von Jerusalem vor, den sie namens der dortigen Bevölkerung ersuchten, recht bald die wiederholt in Aussicht gestellten Schutzmaßnahmen im Interesse der jüdischen Kolonien zu treffen. In Rischon- Lezion sind in letzter Zeit zahlreiche Diebstähle und Ueberfälle vorgekommen, ohne daß bisher durch wirksame behördliche Vorkehrungen dem Treiben des lichtscheuen Gesindels Einhalt geboten worden wäre. Der Pascha empfing die Deputation sehr freundlich und versprach, ihrem Wunsche in vollem Umfange zu entsprechen. Ermordung eines Juden in der Nähe von Sarona Unweit der deutschen Templerkolonie Sarona wurde am 20. Oktober ein grusinischer Jude aus P e t h a c h - T i k w a h von unbekannten Tätern ermordet. Der Ermordete hatte sich auf dem Heimweg von Jaffa nach Pethach-Tikwah befunden. Er führte einen Geldbetrag von 2000 Frcs. mit sich, den die Mörder sich aneigneten. Die von der Polizei angestellten Nachforschungen haben bis jetzt zu keinerlei Ergebnis geführt, in Jaffa unef Pethach-Tikwah herrscht große Erregung über diesen Vorfall. Aus Safed Einige christliche Bewohner von Safed, die auch schon bei früherer Gelegenheit ihren Haß gegen die Juden kundgegeben hatten, verbreiteten vor einiger Zeit die Nachricht, die tripolitanischen und sonstigen Juden stünden im gegenwärtigen Kriege auf Seiten Italiens und warteten sehnsüchtig auf die Eroberung Tripolitaniens durch die Italiener. Infolge dieser nichtswürdigen Ausstreuungen bemächtigte sich der leicht erregbaren mohammedanischen Menge große Aufregung und Erbitterung gegen die jüdische Bevölkerung. Der judenfreundliche Kairnakam von Safed, Hussein E f f e n d i AI h a d ä b , beschwichtigte jedoch in überaus anerkennenswerter Weise die aufgeregte Menge und empfahl dem Vorstande der jüdischen Gemeinde als wirksamstes Mittel gegen die Weiterverbreitung der Lügennachrichten die Abhaltung eines patriotischen Bittgottesdienstes, der denn auch im Beisein des Kaimakams und der arabischen Notabeln von Safed in der großen Synagoge stattfand. Chachambaschi Alfandari hielt eine schwungvolle patriotische Rede, in hebräischer Sprache. Hierauf sprach Herr Me'ir Abu arabisch. Der Kairnakam sprach der jüdischen Gemeinde im Namen der Regierung den Dank aus für diese Kundgebung wie überhaupt für die treue Anhänglichkeit an das ottomanische Reich, die die jüdischen Bürger allzeit bekundet haben. Nach dem Gottesdienst versammelte sich der Vorstand der aschkenasischen und der sephardischen Gemeinde zu einer gemeinsamen Sitzung, in der beschlossen wurde, aus den Gemeindekassen den Betrag von 100 türkischen Pfund zu den Kriegskosten beizusteuern. Von der Handwerkerschule Darke-Chajim in Jerusalem Die von der deutsch-holländischen Chalukka-Verwaitung in J e r u s a 1 e m unterhaltene Handwerkerschule „Darke- Chajim" ist im Begriffe, ihre Tätigkeit auf festerer Grundlage auszugestalten. Es soll der Anfang mit der Fabrikation von Eisenmöbeln, Gebrauchsartikeln usw. gemacht werden. Die Palästinaverwaltung hofft, daß diese Artikel im Lande selbst und in den Nachbarländern genügenden Absatz finden werden, um eine größere Zahl von fachlich herangebildeten Arbeitern beschäftigen zu können. Trotz aller Bemühungen ist es der Verwaltung bisher noch nicht gelungen, einen geeigneten europäisch gebildeten Meister zur Leitung der Schule resp. der Werkstätten zu finden. Es wurde deswegen beschlossen, die Schlosserabteilung bis zur Gewinnung eines geeigneten Meisters vorläufig zu suspendieren. Die in Jaffa befindliche Handwerkerschule „Schaare-Zion" hat sich an die deutsch-holländische Chalukka-Verwaitung in Jerusalem mit der Bitte gewandt, die Werkstätte der Jaffaer Schule unter ihren pekuniären Schutz zu nehmen. Die Verwaltung steht dem Ersuchen freundlich gegenüber. Vielleicht wird es möglich sein, die Schlosserwerkstätte der Jaffaer Schule mit der beabsichtigten Reorganisation des industriellen Projektes von Darke-Chajim zu verbinden. NACHRICHTEN-^] „ludentum und Kapitalismus4' Ein Vorlrag Dr. Franz Oppenheimers Um zu dem Sombartschen Buch Stellung zu nehmen, hatte der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens für Donnerstag, den 2. November, eine Versammlung einberufen. Als Referent wurde Dr. Franz Oppenheimer gewonnen. Der rege Besuch, den diese Veranstaltung aufwies, zeigte, ein wie hohes Maß allgemeinen Interesses dieser Materie entgegengebracht wird. Ausgehend von dem Grundprinzip der ganzen Frage, der kollektivistischen und egoistischen Geschichtsauffassung, ging Oppenheimer an die Analyse der Ursachen, aus denen heraus die große Anteilnahme der Juden an der Ausbildung des Kapitalismus zu erklären ist und untersuchte sie im Anschluß an Sombart in objektiver und subjektiver Hinsicht. Zu den objektiven Gründen führte er aus, daß diese vor allern in dem Milieu zu suchen seien. Die Juden waren in der Zerstreuung auf den Waren- und Geldhandel verwiesen, da sie als Fremde von allen anderen Berufen ausgeschlossen gewesen seien. Die Ausbildung der Institutionen des Kapitalismus, der Wertpapiere, besonders der Inhaberpapiere, habe sich ebenfalls aus einer Zwangslage ergeben, indem sie gehalten waren, Mittel und Wege zu finden, ihre Vermögenswerte bei den ihnen jederzeit drohenden Verfolgungen zu bergen. Zu den objektiven Ursachen übergehend, bestritt Oppenheimer im Gegensatz zu Sombart, daß die Juden durch eigentümliche Rasseeigenschaften zum Kapitalismus prädisponiert seien. Vielmehr sei als wirksamster Grund für die Befähigung der Juden zum Kapitalismus ihre Erziehung anzusehen. Die Juden seien eine Herrenklasse und von altersher Kaufherren gewesen, die nicht von ihrer Hände Arbeit lebten. Das Milieu, in das sie hineingekommen seien, ihr Wohnen in den Städten und das der Entwicklung des Kapitalismus überaus günstige Manchestertum haben zu dieser Erziehung wesentlich beigetragen. In der Diskussion wandte sich Werner Sombart selbst gegen den Oppenheimerschen Standpunkt, nach welchem es eine jüdische Eigenart überhaupt nicht gebe und führte aus, daß doch gewisse Sondereigenschaften vorhanden gewesen sein mußten, wenn die Juden in ihrem Milieu einen so großen Anteil am Kapitalismus nehmen konnten. Das sei eben der Handelsgeist gewesen, der objektive Grundlagen haben mußte. Dr. Ignatz Z o 11 s c h a n , der nach Sombart das Wort ergriff, stellte sich dem Standpunkt Oppenheimers wie dem Sombarts entgegen. Eine spezifische Begabungsart, die nur zum Handelsgeist qualifiziere, gebe es nicht. Oppenheimer habe recht, wenn er nur eine Stufen- und Klassenpsychologie, aber keine Rassenpsychologie anerkenne, und deshalb sei die von Sombart gebrachte Erklärung des kapitalistischen Wirkens der Juden nicht richtig. Aber Oppenheimer habe insofern unrecht, als das Wirken der einzelnen doch sehr verschieden sei, je nach der Rasse, aus der sie stammen. Die Begabungsgröße der Juden sei infolge der hohen kulturellen Tätigkeit ihrer Vorfahren eine größere und deshalb die Bedeutung ihres Wirkens. In seinem Schlußwort erklärte Oppenheimer die höheren Leistungen der Juden damit, daß sie zu solchen gezwungen seien, wenn sie sich behaupten wollten. An der Diskussion beteiligten sich ferner Rechtsanwalt Dr. Alexander und Dr. Ehrlich, von denen ersterer sich scharf gegen die Sombartsche Auffassung wandte, daß die jüdische Religion „auf den Kapitalismus zugeschnitten" sei. Ein Kongreß der jüdischen Jugend in Italien In Florenz fand dieser Tage ein zahlreich beschickter Kongress der jüdischen Jugend Italiens statt. Der Kongress er-

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