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Die Welt · 1911-11-17 · 46 (17.11.1911) · page 11

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
46 (17.11.1911)
Date
1911-11-17
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Mr. 46 blES^ELT 1229 Graz. In der Zeit;voiru7.—10. Dezember findet das dreißig- .emestrige Stiftungsfest (der jüd.-akad. Verbindung „Cha- : it a s" in Graz statt. Die Chariten erwarten aus diesem Anlasse den Besuch sämtlicher befreundeten jüd.-nat. Verbindungen Oesterreichs und Deutschlands. Das Programm umfaßt einen Begrüßungsabend, Kommers, Kränzchen usw. In den Kreisen der Grazer Kultusgemeinde zeigt sich ein lebhaftes Interesse für diese in großem Stile zu veranstaltende Feier. Die jüd.-akad. Verbindung „Charitas" bittet alle jene Verbindungen, die bisher die von ihnen delegierten Herren noch nicht nominiert haben, dies im Laufe dieser Woche nachzuholen. Briefadresse: Jüd.-Akad. Verbindung „Charitas", Graz, Cafe „Oesterr. Hof". Aussig. Auf Veranlassung des Jüdischen Volksvereins Th. Herz! hielt am 28. Oktober vor einem zahlreich erschienenen Publikum Herr Dr. Emil Margulies sein mit großem Beifall aufgenommenes Kongreßreferat, mit welchem er in gewohnter markanter Weise den Zuhörern ein anschauliches Bild des jüdischen Volksparlaments in Basel entwarf und mit warmer Begeisterung namentlich jenes denkwürdigen Sitzungstages gedachte, an welchem die Verhandlungen nur in hebräischer Sprache geführt wurden. Die Sammlung für den N. F. ergab einen größeren Betrag, und wurden auf den Namen des Vortragenden 2 Oelbäume gespendet. Nach einer kurzen Aufklärung über die P. L. D. C. wurden 14 Aktien derselben voll gezeichnet. Zagreb. Unter reger Beteiligung fand am 22. v. M. hierorts die diesjährige Konferenz der Delegierten der südlichen Länder der Monarchie statt. Der Verlauf war ein würdeoller und zufriedenstellender. Zum Präsidenten der Landesorganisation wurde wieder Dr. Hugo Spitzer (Esseg) gewählt, zum Vizepräsidenten Dr. Hans Jakobi (Zagreb), und in den Ausschuß die Herren: L)r. Bogad, Dr. Horn, Fräulein Klara Jakobi, Dr. Alex. Licht, Erwin Kraus, Samuel Pinto für Kroatien und Slavonien; Natan Landau, Gustav Seidemann, Albert üzm'O, Dr. Otto Horovitz für Bosnien, Herzegovina und Dal'matien. Sarajewo. Am 4. November hielt Se. Ehrwürden Herr Oberabbiner Dr. Samuel Weßel im Jüdischen Nationalverein einen interessanten Vortrag über „hebräische Poesie", welcher gut besucht war. Der mit zahlreichen Zitaten geschmückte Vortrag fand reichen Beifall. Dem Zeitgeiste der jüdischen Nationalbewegung folgend, hat der jüdische Nationalverein beschlossen, in allerkürzester Zeit für seine Mitglieder kostenlos einen hebräischen Sprachkus in seinen Vereinslokalitäten zu eröffnen. Herr Oberrabbiner Dr. Weßel hat sich freundlichst bereit erklärt, diesen Kurs zu leiten. — Nachdem sich ein reges Interesse für den hebräischen Sprachgebrauch bemerkbar macht, können wir auf eine ziemlich große Teilnahme rechnen. — Zionistische Kulturarbeit Brief aus Wien (Von unserem Berichterstatter.) Dr. Egon Zweig Dnser ausgezeichneter Gesinnungsgenosse, Dr. Egon Zweig, beging Sonntag, den 12. November, das Fest seiner Vermählung. Aus diesem Anlasse können es sich die österreichischen Zionisten nicht versagen, dem schlichten, aufopfernden, unentwegten Varkäm'pfer der zionistischen Bewegung brüderlichen Dank abzustatten. Seit September 1907 ist Dr. Egon Zweig Obmann der Nationalfondskommission für Oesterreich und hat bekanntlich im Dienste dieser unserer volkstümlichsten und segensreichsten Institution ganz Hervorragendes geleistet. Die mustergiltige Organisation der Nationalfondspropaganda in allen Teilen des Reiches, die stets wachsende Arbeitsfreude der Landessammelstellen, Distrikts- und Ortskommissäre und das gewaltige Anschwellen der Eingänge — der Monatsdurchschnitt stieg innerhalb zweier Jahre um mehr als das Doppelte — sind Dr. Zweigs Werk. Möge diesem treuen Unbedingten an der Seite seiner verehrten Lebensgefährtin, die wir als eine unserer besten schätzen, das reinste Glück beschieden sein. Die berühmte hebräische Debatte am X. Zionistenkongresse beginnt auch in Wien Früchte zu zeitigen. Das innerösterreichische Distriktskomitee, das die Organisation des hebräischen Unterrichts in die Hand genommen hat, sah sich genötigt, drei neue Kurse zu eröffnen, um den zahlreichen Anmeldungen gerecht zu werden, die sich unter dem Eindruck der Mossinsohn-Woche verdoppelt haben. Sehr bemerkenswert ist der erfreuliche Umstand, daß nicht nur Intellektuelle, sondern zahlreiche Arbeiter und Handwerker (z. B. Schriftsetzer, Tischler, Goldarbeiter) am Unterrichte teilnehmen. Die akademischen Vereine „Kadima h" und „Theodor Herzl" halten Separatkurse ab und den Bemühungen der Gg. Fräulein stud. phil. Waltuch ist es gelungen, einen Lehrkurs für jüdische Bürgerschülerinnen zu organisieren, der sehr gut besucht ist. Die Lehrkräfte werden vom akademischen Verein „Hatc h i j a h" beigestellt. Der Unterricht erfolgt nach dem Prinzip des „i b r i t h b 1 i b r i t h" — das Hebräische wird in hebräischer Sprache gelehrt — ein System, das sich erfahrungsgemäß trefflich bewährt. Vorbereitungen zum westösterreichischen Zionisten tage Der westösterreichische Zionistentag wird am 24. und 25. Dezember in Brünn abgehalten werden. Das Hauptproblem der Tagung wird voraussichtlich die Organisationsfrage bilden, die nach dem X. Zionistenkongresse akut geworden ist. Das zionistische Zentralkomitee für Westösterreich hat seinen Vizepräsidenten Dr. Emil Margulies mit der Ausarbeitung eines neuen Entwurfes betraut. Dr. Margulies hat bereits das Elaborat auf Grund des neuen Statutes für die Weltorganisation fertiggestellt. Der Zionistentag wird mit großem Ernste vorbereitet. Die Distriktsleitungen, ja sogar zahlreiche Kreisleitungen haben außerordentliche Besprechungen ausgeschrieben, um bindende Aufträge der ihnen unterstehenden Vereine entgegenzunehmen. Gemäß einem Beschlüsse der jüngsten Z. K.-Sitzung wird am Zionistentage auch ein Referat über die „nationale n Aufgaben der österreichischen Juden" gehalten werden, für welches der Obmann des ,,Jüdischen Nationalvereins für Oesterreich", Qg. Dr. Jakob Ehrlich, designiert ist. Massenversammlung in der Leopoldstadt Der junge „Jüdische Volksverein für die Leopoldstadt" veranstaltete am 6. d. M. seine erste, große Volksversammlung, die geradezu massenhaft besucht war. Der Obmannstellvertreter des „Jüdischen Nationalvereins für Oesterreich", Gg. Ing. Stricker, sprach über die politische Lage. Die gegenwärtige politische Situation habe sich ohne Mitwirkung der Juden gebildet. Dies sei eine Anklage. Es wirke wohl eine stattliche Zahl von Juden in der politischen Oeffentlichkeit. Diesen von jüdischen Bezirken entsendeten Vertretern stünde aber alles näher, als das Wohl und Wehe des jüdischen Volkes. Der Abgeordnete der Leopoldstadt, Dr. O f n e r, fabriziere Theatergesetze, anstatt es sich angelegen sein zu lassen, daß die „wiedereroberte" Stadt, in welcher 200 000 Volksgenossen wohnen, Jude n anstelle. Redner bespricht die Vorgänge im Abgeordnetenhause und konstatiert, daß das Haus über die blutigen Drohobyczer Reichsrat s vv a h 1 e n , denen 40 jüdische Menschenleben zum Opfer fielen, zur Tagesordnungübergegangen sei. Unter Entrüstungsrufen brandmarkt er das Vorgehen der sozialdemokratischen Partei, die in der Drohobyczer Angelegenheit denselben Dr. Diamant zum Referenten bestellte, der bei den Wahlen mit dem Initiator der traurigen Ereignisse, dem berüchtigten Dr. L ö w e n s t e i n paktiert hatte. Tatsächlich habe Genosse Diamant in seinem famosen Referate den Namen L ö vv e n s t e i n s überhaupt nicht erwähnt. Redner legt dar, daß eine moderne bewußt-jüdische Politik nicht nur im Interesse der Juden, sondern auch im Interesse des österreichischen Staates gelegen sei. Er bekennt sich als Anhänger der nationalen Autonomie, die von den Juden im Bunde mit den Modernen der anderen Reichsvölker für alle österreichischen Nationen angestrebt werden müsse. Dr. Plaschkes entwickelte das Programm des neuen Vereins und hebt mit Nachdruck hervor, daß die Gründer keineswegs kleinliche Bezirksmeierei nach dem Muster

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