Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 46 (17.11.1911)
- Date
- 1911-11-17
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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1228 DIE^ELT Nr. 46 schlag der Gegenwart richtig beobachtet und die neueren Wendlingen einer jüdischen Entwicklung feinfühlig erkannt. Das Suchen und Sehnen, das Träumen und Hoffen, das in den Tiefen der jüdischen Volksseele rauscht, kann nicht in Ziffern festgehalten werden, aber es ist vorhanden. Es ist ein Nebelland von Empfindungen, solange wir nicht Altneuland haben. Und das ist im großen und ganzen die Zukunft der Juden. Wo Ii ige merkt, im großen und ganzen. Wie sich dort die Dinge gestalten werden, das können wir nicht voraussehen, aber daß dort ein Stammland entsteht, das scheint sicher. Bezüglich der anderen Länder sind die Prophezeiungen wertloser Plunder. Wir haben «die Zuversicht, daß wir auch in der Zukunft viele andere Nationen überleben werden, wie dies in der Vergangenheit mehrfach geschehen ist, wenn wir eine so gewaltige Zentralkraft haben, wie wir sie lange hatten. Wir sind die Schmiede unserer Zukunft. N. S. o o o o o o O |j (c- ~ o o o o o o o AUS DER BEWEGUNG O O O O O O O -S\ D o o o o o o o Donnerstag, den 9. November, veranstaltete die Berliner Zionistische Vereinigung eine große öffentliche Versammlung im Tiergartenhof, in der die Mitglieder des Engeren Actions-Comites über die Arbeit der Zionistischen Weltorganisation sprachen. Die Versammlung war überfüllt; fast 1500 Menschen drängten sich in dem Saal, und Hunderte mußten am Eingang wieder umkehren. Von stürmischem Beifall begrüßt, sprach der Vorsitzende des A.C., Prof. Warburg, über die Palästinaarbeit und ihre Aussichten für die Zukunft. N. S o k o 1 o w sprach über die geistigen Aufgaben des Zionismus, Dr. Jacobson über die Entwicklung der Türkei und deren Bedeutung für den Zionismus, Dr. Hantke über die Organisation, Dr. Kat- / e n e 1 s o n über unsere Banken, Dr. L e v i n über die (iesamtaufgaben der Bewegung. Dr. H e y m a n n , der Vorsitzende der Berliner Zionistischen Vereinigung, schloß die Versammlung mit einem Appell an die Arbeitsfreudigkeit der Berliner Zionisten. Deutschland Palästina-Reise-Gesellschaft. In der letzten Sitzung des A. C. hat Herr Protf. Warburg auf die Wichtigkeit zionistischer Palästinareisen hingewiesen. Die Palästina-Reisegesellschaft in Hamburg erläßt .nunmehr folgenden Aufruf: Gesinnungsgenossen! Nicht mit einer Bitte, mit einem Geschenk kommen wir heute zu Euch. Nicht jedem ist es vergönnt, im Land unserer Väter zu wohnen. So sollt Ihr wenigstens als Reisende heute kennen lernen, was dereinst, so hoffen wir, die bleibende Stätte unseres Volkes sein wird. Als Kundschafter gleichsam senden wir Euch voraus. Den Boden der Heimat sollt Ihr mit Euren Füßen berühren, um Kraft zum Harren, zum Kampf und Sieg daraus zu ziehen. Unsere^ Palästina-Reise-Gesellschaft, e. V., in Hamburg (Adr. für Zuschriften Dr. A. Chwolles, Hamburg-Bahrenfeld, Mozartstraße 34) gibt Euch die Möglichkeit, um den jährlichen Mitgliedsbeitrag von 10 M. nach Erez Israel zu reisen und wiederkehrend dem Gedanken der Erneuerung des jüdischen Volkes neue Freunde zu werben. Tretet unserer Gesellschaft bei! Der Zionismus wird es Euch danken! Palästina-Reise-Gesellschaft, e. V., in Hamburg. Rechtsanwalt Dr. Bruno T a n n e n w a 1 d , Vorsitzender; 1 >r. A. C h w olles, Leopold Landau. Die Parteiblätter werden um Abdruck ersucht. Aus den Statuten des Vereins: >; 7. Der Jahresbeitrag betragt 10 M. Es steht jedoch den Mitgliedern frei, ein Vielfaches des Jahresbeitrages zu zahlen, wodurch sie das Recht zur mehrfachen Teilnahme an den Verlosungen erwerben. Wer bis zum 1. März eines jeden Jahres seinen Beitrag nicht entrichtet hat, nimmt an der Verlosung nicht teil. 12. Jährlich, möglichst in den Halbfeiertagen des Pes-;,achtestes, soll die Generalversammlung stattfinden. Auf derselben ist außer den anderen Vereinsgeschäften die Verlosung vorzunehmen. § 18. Die Reisebeihilfen werden in Anteilen von je 500 'M. unter die Mitglieder verlost. Dasjenige Mitglied, welches durch das Los das Recht auf die Reisebeihilfe erworben hat, ist verpflichtet, die Reise nach Palästina spätestens innerhalb 2 Jahren nach der Verlosung zu unternehmen. Im Behinderungsfalle kann es sein Recht auf die Beihilfe an ein anderes Mitglied, welches bereits vor der Verlosung Mitglied des Vereins war, übertragen. Anderenfalls fällt der Anteil an den Verein zwecks Vornahme einer neuen Verlosung zurück. Die Reisebeihilfe wird dem Gewinner vom Vorstande in bar ausgezahlt, nachdem der Gewinner durch Bescheinigung des Palastinaamtes in Jaffa nachgewiesen hat, daß er die Reise unternommen und sich dort zwecks Ausstellung dieser Bescheinigung persönlich vorgestellt hat. Nürnberg-Fürth. In einer am 8. d. Mts. abgehaltenen Mitglieder-Versammlung der Misrachi-Ortsgruppe Nürnberg- Fürth ist ein Antrag auf Auflösung derselben abgelehnt, dagegen deren Fortbestand mit einer erheblichen Stimmenmehrheit beschlossen worden. Es steht zu erwarten, daß durch die der Föderation gemachten Zusagen die in der letzten Zeit leider sehr getrübte Arbeitsfreudigkeit wieder einsetzen und so der Misrachi im ganzen wie in seinen einzelnen Ortsgruppen einen wichtigen und gewichtigen Teil der zionistischen Organisation darstellen wird. Wenn auch sehr schätzenswerte Mitglieder zu unserem großen Bedauern ausgetreten sind, so zeigt sich doch, daß das uns vorschwebende gemeinsame Ideal genügend Werbekraft besitzt, um die weitaus größte Zahl der Mitglieder unentwegt um die Fahne des Zionismus zu scharen. Frankfurt a. M. Die Frankfurter Zionistische Ortsgruppe veranstaltete am 13. November einen Diskussionsabend für ihre Mitglieder, der recht gut besucht war. Rechtsanwalt Dr. Siegfried Schwarzschild referierte über den Zionismus nach dem zehnten Kongreß. Er besprach die verschiedenen Tagungen jüdischer Organisationen, welche in der letzten Zeit stattgefunden haben (Verband der deutschen Juden, Alliancetag, Weltverband der Orthodoxen) und schilderte das Verhältnis des Zionismus zu diesen Verbänden. Eingehend verbreitete sich der Redner 'über die erste Tagung des Großen Actions-Comites. Nach Ansicht des Redners hat diese Tagung gezeigt, daß die vom Kongresse geschaffene Neuorganisation sich jetzt schon bewährt hat und daß man zur neuen Leitung das vollste Vertrauen haben müsse. Die Regelung des Verhältnisses der Kulturkommission zum Misrachi zeige, wie die Leitung jedem Zionisten gerecht zu werden suche, und die sonst gefaßten Beschlüsse bewiesen, daß die neue Leitung die bisherige politische und praktische Tätigkeit planmäßig fortsetzen werde. Die Versammlung stimmte den Ausführungen des Redners bei, insbesondere äußerten sich die Herren Sali Geis und Dr. Tachauer in ähnlichem Sinne. Der Rest des Abends war der Besprechung interner Vereinsangelegenheiten gewidmet. Österreich Wien. Am 28. Oktober ds. Js. veranstaltete die J ü d. A k a d. Verb. „I v r i a", Wien einen Festkommers zu Ehren des Herrn Dr. Ben-Zion Mossinsohn, der einen unsere Palästinaarbeit im höchsten Grade fördernden Verlauf hatte. Begeisterungsstürme erweckte Dr. Mossinsohn durch seinen Appell an die Studentenschaft, die zionistische Arbeit in Palästina tatkräftig zu unterstützen. Für dieses Jahr ist die Abhaltung eines hebräischen Sprachkursus für die Mitglieder der Verbindung geplant.