Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 46 (17.11.1911)
- Date
- 1911-11-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3315709-3316458-3316507--55254-3349075- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
m W ' w frfyi 1224 DIEIqKELT Nr. 46 i^-i s >A 1! >L ' H'\ . <?m weniger sogar dürfte sie in der Befürchtung eines von vornherein überwiegenden Einflusses der Zionisten zustande kommen. — Aber wenn sie schon da wäre, so bliebe es äu!3erst zweifelhaft, ob sie ganz oder auch nur zum wesentlichen Teil sich auf den Standpunkt unserer Lösung stellen und uns mit der Durchführung der auf den Orient bezüglichen Arbeiten betrauen würde. Unter solchen Umständen, und da die Sache wirklich keinen Aufschub verträgt, sollten wir nicht auf die anderen warten, sondern das, was wir selbst tun können, unverzüglich tun. Der letzte Kongreß, der sich mit der Frage der Beteiligung an einer allgemeinen Organisation befaßt hat, nahm zwar meinen Antrag auf Schaffung eines zionistischen Einigrationsamtes nicht an. Neben anderen, nicht in der Sache begründeten Erwägungen, die freilich nicht offizieller Art waren, soll die Kostenfrage für diese Stellungnahme entscheidend gewesen sein, ohne daß über die Höhe dieser Kosten auch nur ein Wort gefallen wäre. Nun ist es klar, daß ein wohlausgebauter Dienst dieser Art Mittel erfordern würde, die zu bewilligen dem Kongreß nicht angestanden hätte. Aber von einer allen Erfordernissen entsprechenden Organisation sind wir ja noch weit entfernt und Vorarbeiten können innerhalb jeder — auch der kleinsten — Bewilligung geleistet werden. Hat doch die freiwillige Vorarbeit mancher die Mittel der zionistischen Organisation bisher in keiner Weise in Anspruch genommen. Und die recht wichtige Vorbereitung, die etwa durch eine Reihe aufklärender Artikel in unseren Preßorganen zu leisten wäre, würde ebenfalls die Organisation nichts kosten, sondern innerhalb der bisherigen Budgets den Inhalt unserer Zeitungen in praktischer Hinsicht wertvoller gestalten. Die Haltung des Kongresses, der aus Furcht vor Kosten, von denen gar nicht die Rede war, auch einen Beschluß verweigerte, der sein moralisches Interesse an der Frage kundgetan hat, und möglicherweise auch zur anderweitigen Beschaffung von Mitteln hätte dienen können, ist entschieden zu beklagen. Auch deshalb, weil ja selbst eine Bewilligung von Mitteln nach längst geübter Praxis nur bindend war für den Fall, daß die Mittel eben eingekommen wären, und weil andererseits bei vorhandenen Mitteln eine bessere Verwendung im Sinne der Partei gar nicht gefunden werden kann! Denn das sollte nachgerade klar sein, daß wir nicht nur aus Interesse an Palästina, sondern wegen des Zustandes der Nation uns im Zionismus zusammengefunden haben, so daß bei unserer Lösung, die Volk und Land vereinigen will, doch das Volk absolut den Zweck und das Land nur das vornehmste Mittel darstellt. . * Immerhin: die Nichtannahme des Vorschlages durch den Kongreß war mit dem Mangel an Mitteln begründet und ist keinesfalls als prinzipielle Ablehnung aufzufassen gewesen. Wenn es daher gelingt, Möglichkeiten zu zeigen — sei es durch den Nachweis von Mitteln oder sei es dadurch, daß gezeigt wird, wie auch ohne Mittel eine wertvolle Arbeit geleistet werden könne — so ist die Leitung der Organisation durchaus berechtigt, selbständige Entschlüsse in dieser Richtung zu fassen. Wir wollen weiterhin versuchen, in den beiden genannten Richtungen Möglichkeiten zu zeigen. Neue Quellen zur jüdischen Geschichte Von Rudolf Leszynsky. Was bisher Ausgrabungen und glückliche Funde im Orient an Inschriften zutage gefördert hatten, w:ar der jüdischen Geschichte meist nur sehr indirekt zugute gekommen. In Aegypten und Babylonien sind ganze Kulturen neu entdeckt, die Sitten und Gebräuche, Religionen und Verfassungen jener alten Völker, die Taten ihrer Könige und die Geschichte ihrer Städte kennen wir zum Teil besser als manche Perioden der Weltgeschichte, die uns zeitlich weit näher stehen, aber die jüdische Wissenschaft hatte doch den geringsten Vorteilt aus der Fülle dieser neuen Erkenntnisse gehabt. Die Parallelen zwischen dem Glauben der Israeliten und den Anschauungen heidnischer Völker, die man gefunden hat, haben leider nur in den seltensten Fällen zu einer Erklärung der Bibel geführt, wie etwa die lehrreichen Vergleiche zwischen dem babylonischen Schöpfungsmythos und dem biblischen Schöpfungsbericht oder zwischen dem uralten Gesetzeskodex Hammurabis und manchen Vorschriften des Pentateuch. In den weitaus meisten Fällen dagegen hat man Parallelen gesucht, wo mit dem besten Willen keine zu finden w&ren, hat dann zu phantastischen badenlosen Hypothesen gegriffen, um das, was das Werk des israelitischen Genies und der Volksbegabung war, als Produkt fremden Geistes und sklavische Entlehnung und Angleichung hinzustellen. Man denke nur an den großen literarischen Streit „Bibel und Babel" und die babylonische Verwirrung, die er in den Köpfen mancher Bibelforscher angerichtet hat. Nur einige wenige Inschriften bezogen sich wirklich klar und deutlich auf die Israeliten und ihre Geschichte. Unsicher ist es noch, ob die Chabiri, die um 1400 vor der üblichen Zeitrechnung in Palästina einfielen und die dortigen Stadtkönige zu flehentlichen Bittbriefen an den Pharao veranlaßten, wirklich die Hebräer sind. Erst eine Siegesinschrift des Pharao Merenpta (1250—1240) nennt Israel sicher als eine der besiegten Völkerschaften. Der berühmte „Mesastein", eines der wertvollsten, noch nicht gestohlenen Stücke des Louvre in Paris, erzählt von den Taten dieses Moabiterkönigs, der (um 900) nach dem Berichte der Bibel von den Israeliten besiegt wurde. Eine kleine hebräische Inschrift, die jetzt das Museum in Konstantinopel schmückt, berichtet von einem Wunderwerk altjüdischer Technik, dem Durchstich des 500 Meter langen Siloa-Tunnels, der von zwei Seiten her in Angriff genoimmen war, wahrscheinlich unter dem Könige Hiskia (um 700). Eine griechische Inschrift, die sich einst im zweiten Tempel befand, verbietet den Heiden bei Todesstrafe weiter als bis zu diesem Steine vorzutreten, und nehmen wir zu diesen berühmten Denkmälern etwa noch einen kleinen Siegelring hinzu, der einst einem Knechte des Jerobeam gehörte, ein paar Siegesberichte assyrischer Könige und ein paar Scherben, die man in Samarien gefunden hat, dann hätte man so ziemlich alles, was die Berichte der zahlreichen und kostspieligen Ausgrabungen über die Juden zu sagen wußten. In den letzten Jahren hat sich nun plötzlich dieses Bild geändert. Von einer Stelle, wo wir es gar nicht erwartet hätten, aus Aegypten, bekommen wir eine Reihe von Nachrichten über die Juden des Altertums, eine immer überraschender und wunderbarer als die andere, unbekannte Menschen und Begebenheiten treten in unseren Gesichtskreis, neue Namen,