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Die Welt · 1911-11-10 · 45 (10.11.1911) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
45 (10.11.1911)
Date
1911-11-10
Page
– (sequence 13)
Language
German
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No. 45 DI EHIELT 1199 die Ergebenheit aller ottomanischen Juden an das Vaterland laut zu proklamieren und schon jetzt das vereinzelte Individuum, das etwa einen solchen Akt begehen konnte, nach Gebühr zu geißeln." Außer diesen Dementis sind Proteste von den Vorstehern sämtlicher Gemeinden der Konstantinopler Stadtteile, von Vereinen und Korporationen, von Studenten aller Fakultäten und von Einzelnen der Presse zugegangen, besonders dem „Tanin", auf dessen Haltung die jüdische Welt offenbar das meiste Gewicht legt. Zu allgemeiner Genugtuung hat denn auch der „Tanin" nicht nur alle diese Einsendungen registriert, sondern auch in judenfreundlicher W*eise mit seinem Kommentar versehen. Niemals, schrieb er, habe er an der Anhänglichkeit der Juden an ihr Vaterland gezweifelt, und seine Bemerkung vorigen Tages nur gemacht, weil er eben des Eindruckes sicher gewesen sei, der sich nun manifestiere. Er sei glücklich, so beredte Zeichen von Patriotismus zu konstatieren in der Entrüstung, mit der nicht nur die offiziellen Kreise, sondern die ganze hauptstädtische Gemeinde den durch die Depesche bezeichneten Akt gegeißelt haben. Auch andere Blätter haben das Dementi des Chacharnbaschi reproduziert, sogar der „Ikdam", wogegen der „Alemdar", das radikale Oppositionsorgan, und — der „Osmanische Lloyd" merkwürdigerweise ebenfalls, keinerlei Notiz davon genommen und so die ottomanischen Juden unter der Wucht des sie schwer schädigenden Verdachtes gelassen haben. Wie gefährlich die Verbreitung von Nachrichten über angebliche Untreue der Juden in türkischen Landen werden kann, zeigen die Vorgänge in S a f e d, wo es sich die christlichen Antisemiten angelegen sein ließen, die Massen gegen die Juden aufzuhetzen, weil sie, wie verleumderisch behauptet wurde, den Italienern günstig gesinnt sein sollten. Wer weiß, zu welchen Vorgängen es da gekommen wäre, wenn nicht der Kaimakam der Stadt sich als so aufgeklärter Judenfreund erwiesen hätte. Ueber die großen patriotischen Demonstrationen der Juden von Safed und derer von Jaffa ist Ihnen zweifellos .aus Palästina berichtet worden. An dieser Stelle sei nur der ausgezeichnete Eindruck hervorgehoben, den hier das patriotische Hervortreten gerade der palästinensischen Juden gemacht hat, sowie die Einleitung von Sammlungen für vaterländische Zwecke, die auch der „Tanin" gebührend registriert hat. „Die Palästinenser unter den ottomanischen Juden voran!" ist eine glückliche Devise. . In Konstantinopel scheint man jetzt auch dem Beispiel Palästinas zu folgen. Im „Jeune Türe" fordert heute der Präsident der Gemeinde von Bujukdere am Bosporus, der zugleich Mitglied des Komitees „Union et Progres" ist, in einem beredten Appell alle ottomanischen Juden auf, Spenden auf den Altar des Vaterlandes niederzulegen. — Günstigen Eindruck hat hier ein Telegramm aus New York gemacht, dem zufolge der frühere hiesige Botschafter Oscar Straus in seinem Lande darauf hinarbeitet, daß die Regierung der Vereinigten Staaten zugunsten der Türkei Stellung nehme und insbesondere gegen die vom den Italienern in Tripolis begangenen Grausamkeiten auftrete. Das Turnfest des Makkabi Das Turnfest des Makkabi in Kurbali-Dere bei Haidar- Pascha nahm einen sehr schönen Verlauf. Am Nachmittage des 15. Oktober versammelten sich sämtliche Knaben-, Jünglings-, Herren-, Mädchen- und Frauenriegen der Sektionen Pera, Hasköj, Balat und Ortaköj auf dem Turnhofe in Pera. Ungefähr 250 aktive Turner waren zur Stelle. Gemeinsam marschierte man zur Brücke und setzte über den Bosporus! nach Haidar-Pascha hinüber, von wo der Marsch nach Kurbali-Dere fortgesetzt wurde. Die Sektion Kusgundschuk mit weiteren 60 aktiven Turnern war über Skutari direkt dorthin gewandert. Auf der großen Wiese, die in Blumenschmuck und Rasengrün prangte wie im herrlichsten Frühling, fand unter großem Jubel die Begegnung statt, der ein gemeinsamer Aufmarsch folgte. Eine ungeheure Menschenmenge, teils Angehörige der Turner, teils Zuschauer, umrahmte den Festplatz. Sie hatte bereits den ganzen Weg den großen Zug begleitet und brach wiederholt in Beifallsstürme und Schalomrufe aus. Nach dem Aufmarsche wurde zu den Freiübungen angetreten. Es war ein wunderbarer Anblick, als alles wie mit einem Schlage die Straßenkostüme abwarf, und die dreihundert jugendlichen Turner in schneeweißen Hosen und Flanells mit dem blaugestickten Magen David, das die Inschrift „Makkabi" trägt, umgürtet von blutrjoten Binden, wie aus Eisen gegossen auf der Wiese standen. Der Turn wart der Pera-Abteilung, der Sepharadi Jacques B a r z i 1 a i' führte die verschiedenen Uebungen vor, die tadellose Ausführung fanden. Hierauf formierten sich die Turner zu einem riesigen Kreise, in dessen Mitte Herr Turnlehrer Julius Hirsch eine kräftige Ansprache in französischer Sprache hielt. Er sprach in bewegten Worten seinen Dank: aus für die herzliche Liebe, die ihm in Konstantinopel die ganzen zwei Jahre hindurch entgegengebracht worden war, erteilte Ratschläge für die Zukunft an die Turner und besonders an die Vorturner und Turnwarte, schilderte die unendlichen Schwierigkeiten, die sich dem Aufblühen des „Makkabi" entgegengestellt, aber doch seinen Sieg nicht aufgehalten hatten und feuerte die wackere nationale Jugend an, treu und tapfer weiter für die hohen Jdeale des „Makkabi" zu kämpfen. Nachdem er geendet hatte, nahm der Präsident des Zentralvorstandes, Herr Abramo witsch, seinen Platz ein. Er rühmte die großen Verdienste, die der Scheidende sich erworben habe und überreichte ihm unter allgemeiner Bewegung eine große goldene Medaille mit hebräischer Inschrift. Es folgen dann die Leiter aller einzelnen Sektionen, die alle Worte des innigsten Dankes für die große Arbeit üjs Herrn Hirsch fanden und ihm wertvolle Andenken überreichten. Pera stiftete eine goldene Kette mit Magen-David- Medaillon und hebräischer Inschrift, Kusgundschuk eine goldene Uhr, ebenfalls mit hebräischer Widmung in wundervoller Ausführung, Hasköj eine goldene Kravattennadel in Magen- David-Form und Balat ein goldenes Schaddai-Berlocke. Außerdem hielten Herr Kretschmar, Redakteur des „Hamewasser", in Hebräisch und Herr Naftali Behar, Ex-Sekretär des Rustschuker makkabistischen Zentralkomitees, in Spaniolisch •Ansprachen an die Turner. Fräulein Biwas, die Leiterin der Damenabteilung zu Balat, sprach für ihre Gruppe Worte des Abschieds. Zum Schlüsse hielt Turnwart Barzilai eine feurige patriotische Ansprache an die zukünftigen jüdischen Rekruten. Er wünschte den Truppen in Tripolis vollen Waffenerfolg und endete mit dem Ausrufe, es möge den Makkabisten, die darauf brennen, für das Vaterland ihre Pflicht zu tun, bald beschert sein, die heldenhaften Kämpfer von Tripolis abzulösen. Die jugendliche Begeisterung hatte nun ihren Höhepunkt erreicht. Herr Hirsch wurde von kräftigen Armen emporgehoben und im Triumph umhergetragen. Darauf formierte sich wieder der Zug und eine ungeheure Menschenmenge begleitete ihn zum Hafen. Vor dem Abmärsche sang man den vaterländischen Marsch „Watan" und die ,,Hatikwalr\ Weiterhin marschierte jedoch alles durch die Straßen in tiefster Ruhe, da mian mit Rücksicht auf die politische Situation lärmende Demonstrationen vermeiden wollte. — — Die Abreise des Herrn Hirsch am folgenden Montag rief eine große bewegte Schar auf dem Bahnhof zusammen. Es war eine sehr schwere Trennung. Beifallsalven und Schalomrufe hallten hinter dem Zuge drein, der den Braven davonführte, welcher seiner Rührung nicht mehr Herr zu bleiben vermochte. — — Für den „Makkabi" geht mit den zwei Jahren der Tätigkeit des Herrn Hirsch eine große Zeit des Sturmes und Dranges zu Ende. Jahre des Ausbaues müssen folgen. Der Verein hat seine Dispositionen dahin getroffen, daß künftig zwei Turnlehrer das Werk des Abgereisten fortführen sollen. Der eine derselben wird dieser Tage hier erwartet. Brief aus Frankfurt a. M. Trotzdem erst kürze Zeit seit dem Beginn der Wintersaison verflossen ist, haben doch bereits zwei wichtige Ereignisse, deren Bedeutung weit über Frankfurts Mauern hinausreicht, stattgefunden: Sonntag, den 22. Oktober, fand dl: Generalversammlungdes „Vereins zur Abwehr des Antisemitismus" statt, und Sonntag, dea 29. Oktober, tagte hier eine Konferenz zwecks Gründung eines Weltverbandes der Orthodoxie, der „Agudath Israel". Die Generalversammlung des Abwehrvereins, die recht stark besucht war und die führende Persönlichkeiten der hiesigen Judenheit unter ihren Teilnehmern aufwies, trug denselben Stempel wie die ganze mehrjährige Tätigkeit des Vereins: guten Willen, der über platonische Erklärungen, löbliche Vorsätze und kraftlose Versuche nicht hinauskommt. Es wurden zwei Ref erate von recht angesehenen Politikern

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