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Die Welt · 1911-11-10 · 45 (10.11.1911) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
45 (10.11.1911)
Date
1911-11-10
Page
– (sequence 12)
Language
German
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folgendes Resultat: Jur. Robert We lisch, Obmann; ing. carid. Paul Grün berger, Obmann-Stellvertreter; techn. Artur Engländer, jur. Felix Seidemann, jur. Josef Wien, Ausschußmitglieder. Tarnow. Sonntag, den 8. November, fand im Saale des Hotel Soldingen in Tarnow der X. Distrikttag der zionistischenOrganisati'OnWestgaliziens statt. Die Konferenz wurde vom Vorsitzenden des Westgalizischen D. K., Gg. Dr. Wahrhaftig, mit einer hebräischen und polnischen Ansprache eröffnet. Ins Präsidium wurden die Gg. Dr. Salz (Tarnow), Dr. Silbermann (Neu-Sandez), Ing. G o 1 d w a s s e r (Krakau) und Fett (Debica) gewählt. Gg. Dr. Wahrhaftig und Dr. Leser erstatten den Rechenschafts- und Kassenbericht des des abtretenden D. K. .Im Namen des galizischen Zentral-Komitees begrüßt der stellvertretende Vorsitzende, Gg. Dr. Michael Ringel, die Konferenz. Der Redner verweist auf die Arbeit, die unser nach dem X. Zionistenkongreß harrt, und fordert die Zusammenfassung aller Arbeitskräfte für die Palästinaarbeit. In der darauffolgenden Diskussion kritisierten verschiedene Redner die bisherige Arbeit des D. K. und unterbreiteten Vorschläge für die künftige D. K.-Leitung. In der Nachmittagssitzung referierten die Gg. Dr. F e 1 d b 1 u m und Dr. Leser über die nächsten Aufgaben der Distriktsorganisation. Nach erschöpfender Diskussion wurden die Resolutionen der Referenten einstimmig genehmigt. Eine der Resolutionen lautet: „Der Distriktstag nimmt mit Befriedigung die Ergebnisse der Beratungen des X. Kongresses zur Kenntnis und spricht der neuen Parteileitung sein vollstes Vertrauen aus." In das neue D. K. wurden gewählt: Dr. F e 1 d b 1 u rn (Vorsitzender), Dr. Zimmermann (Stellvertreter), Dr. Isidor K r e n g e 1 (Sekretär), Dr. Leser (Kassierer). Mitglieder: Dr. Osias Thon, Dr. Wahrhaft! g und Ch. H. L e i s t n e r. Abends sprach vor einem zahlreichen Publikum Dr. Osias Thon über „Die Fortschritte der Palästinaarbeit und die jetzige Lage im Zionismus". Die meisterhaften Ausführungen des Redners fanden lebhaften Beifall. Amerika New York. Die Federation of American Zionisis veranstaltete am 12. Oktober eine große öffentliche Versammlung im Gebäude der Educational Alliance, um die amerikanischen Delegierten des 10. Zionistenkongresses zu begrüßen'und ihre Berichte entgegenzunehmen. Dr. J. L. Magnes führte den Vorsitz, der Hauptredner war Professor Rieh. Gott he iL Der Vorsitzende führte aus, daß auf dem letzten Kongreß dem Baseler Programm eine neue Auslegung in autoritativer Weise verliehen worden sei. Viele Gegner des Zionismus haben ihre Gegnerschaft darauf begründet, daß unsere Bewegung angeblich den politischen Interessen des ottomanischen Reiches widerspreche. Demgegenüber weise er auf die Eröffnungsrede des Herrn Wolffsohn hin, der erklärte, daß die zionistische Bewegung kein anderes Ziel verfolge, als die Schaffung eines blühenden jüdischen Volkslebens in einem blühenden ottomanischen Reiche. Der Kongreß habe keine neuen Institutionen gegründet, sondern beschlossen, die Energien der Zionisten auf die bestehenden Institutionen zu konzentrieren, namentlich auf die P. L. D. C, die die Aufgabe verfolgt, Ländereien anzukaufen, zu parzellieren und zu ameliorieren. Prof. Gott heil polemisierte ferner gegen eine jüdische Zeitung in West-Amerika, die von Anfang an den Zionismus bekämpft hat, jetzt aber der Bewegung ihre Unterstützung anbietet, unter der Voraussetzung, daß der Herzische Zionismus t,ot sei. Diese Voraussetzung sei ein großer Irrtum; der Zionismus Theodor Herzls ist ebensowenig tot wie die zionistische Organisation selber. Richtig sei nur, daß wir jetzt den veränderten Umständen gemäß andere Mittel zur Verwirklichung unserer Ziele anwenden müßten. Herzl selber wäre der erste gewesen, einen solchen Wandel zu begrüßen. Der Versuch, das Endziel des Zionismus mittels eines Charters! zu erreichen, sei aufgegeben. Aber diese Methode war nur eine von vielen Möglichkeiten, und weder Herzl noch irgendein anderer maßgebender Führer hat diesen Weg je als den einzigen betrachtet. Prof. Gottheil wies schließlich darauf hin, daß die Stimmung in maßgebenden Kreisen der Türkei dem Zionismus gegenüber günstiger geworden sei, nachdem der Landwirtschaftsminister einen Bericht über die landwirtschaftlichen Verhältnisse in Palästina veröffentlicht hat, worin die jüdische Kolonisation befürwortet wird. --- In der Diskussion ergriffen u. a. Frau Dr. G o 11 h e i I und die Herren L. Zolotkoft, Joseph Barondeß und A. H. Fromenson das Wort. Brief aus Konstantinopel (Von unserem Berichterstatter.) Die Türkei geht aufwärts Der gewissenhafte Chroniker, der schweren Ernstes die trübe Situation festzustellen hatte, in der sich die Türkei in den letzten Wochen befand, hat heute von der bedeutenden Wendung zum Besseren zu berichten, die erfreulicherweise die Siege der mohammedanischen Helden von Tripolis für das Reich des Kalifen herbeigeführt haben. Diese Wendung spiegelt sich nicht nur in der merkbaren Lösung der Spannungen in der inneren Politik, die der Hebung der allgemeinen Seelenstimmung der Massen zu verdanken ist, sondern in der unvergleichlich verbesserten internationalen Stellung der Türkei vor allen Dingen. Während man vor einigen Wochen noch schwere Befürchtungen wegen allgemeiner Balkanwirren hegen und jeden Tag erwarten mußte, das irgendeiner der aufgeregt rüstenden Nachbarn über die Türkei herfallen würde, gleich Italien, sieht heute Konstantinopel mit dem Gleichmut der geachteten Kraft, der Entwicklung der Dinge entgegen. War schon Said Paschas Ankündigung, daß das ottomanische Reich seine Politik zu ändern und in eines der Diplomaten, der plötzlich den Bündniswert der Türkei in den Augen der europäischen Kabinette zu verdoppeln schien, so haben die Waffentaten der vereinigten Türken und Araber in Tripolis und Benghasi diesen Wert noch in außerordentlicher Weise erhöht. Man hatte sich in Europa bereits wieder daran gewöhnt, in der Türkei den verendenden, bereits in voller Auflösung begriffenen Staatsorganismus zu erblicken, aus dessen Resten sich jeder rechtzeitig ein Stück als eigene Beute sichern müßte. Nun aber beginnt man wieder umzudenken und das Reich, das so merkwürdige Kräfte aufweist, als Lebendiges, Ganzes, als Machtfaktor in die politische Berechnung einzustellen, und hie und da scheint ein Interesse an dem Fortbestande der Türkei erwacht zu sein, wo früher nur das Gegenteil dessen existierte. Wir, die zionistisch denkenden Juden, haben in dieser Beziehung nichts umzulernen. Wir sahen und sehen nach wie vor in dem Bestände der Türkei den besten Boden für unsere eigene Volksexistenz und Konsolidierung. Wir freuen uns aufrichtig der steigenden Achtung, die das ottomanische Volk sich durch seine ritterliche, tapfere und zugleich humane Kriegsführung erwirbt, und begrüßen seine Erfolge als Ausdruck der immanenten historischen Gerechtigkeit, der auch w i r noch eines Tages, trotz allem, teilhaftig zu werden hoffen. Die tripolitanischen Juden und der Krieg Die italienisch-offiziöse „Agenzia Stefani" brachte die Mitteilung, daß der Großrabbiner von Tripolis nach Rom telegraphiert habe, er begrüße die Okkupation durch die Italiener. Diese Meldung beruht nach abso-lut zuverlässigen Informationen auf freier Erfindung. Der Großrabbiner der Türkei erklärt in einem an die- Presse versandten Communique, daß die Meldung schon deshalb völlig unzutreffend sei, weil es weder in Tripolis noch in Benghasi einen Großrabbiner gibt. Diese Posten sind seit langer Zeit unbesetzt. Es fanden in der letzten Zeit Verhandlungen zwischen den jüdischen Gemeinden dieser beiden Städte und dem Großrabbinat über die Besetzung beider Rabbinate statt. Aber diese Verhandlungen haben noch kein Ergebnis gezeitigt. Wenn es wahr ist, daß der Präsident der jüdischen Gemeinde in Rom ein derartiges Telegramm erhalten hat, wie die „Agenzia Stefani" behauptet, so kann es sich nur um das Werk eines Fälschers handeln. Kein Rabbiner, fügt Rabbi Haim Nahum hinzu, würde eine solche Schändlichkeit begehen, selbst wenn sein Leben bedroht wäre, da er wissen müßte, daß er nach unserem religiösen Gesetz mit dem Bann belegt werden würde. Der Medschlis dschismani sandte gleichfalls der Presse ein Communique zu, das im gleichen Sinne gehalten ist und in folgendem Passus gipfelt: „Angenommen selbst, daß irgendein Privatmann, sei es aus persönlichem Interesse, sei es unter der Pression der Italiener, so gehandelt haben sollte, so ist es natürlich, daß ein solcher Akt mit Verachtung von allen ottonianischen Juden angesehen werden wird. Der Laienrat beeilt sich, mit Stolz

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