Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 45 (10.11.1911)
- Date
- 1911-11-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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lichkeit" gibt: Das Recht auf die eigene Nation. Die Anerkennung der bewußt-jüdischen Fraktion Galiziens, die schließlich nicht ausbleiben konnte, wurde jahrelang von der jüdischen Parteileitung mit den häßlichsten Repressalien hintangehalten. Die Sucht, die jüdische Abstammung zu verbergen, hat die Herren von der „Arbeiter-Zeitung" immer wieder zu spöttischen, ja judenfeindlichen Aeußerungen verleitet, die in christlichsozialen Blättern gute Unterkunft gefunden hätten, und es ist noch in frischer Erinnerung, daß das Zentralorgan die Muttersprache der östlichen jüdischen Proletarier, die offizielle Parteisprache des großen jüdischen Arbeiterbundes in Rußland als „Budapester Orpheumdeutsch" verhöhnte, also mit dem Idiom jenes Tingel-Tangels verglich, in welchem im Kaijargon die ekligsten Witze gerissen werden, der Jude als Hahnrei, Zutreiber, Feigling und Wucherer dargestellt wird. . . . Wenn die arischen Genossen, die natürlich für den Widerwillen der Adler und Konsorten gegen das Bewußtjüdische kein Verständnis hatten, der national-jüdischen Bewegung zustimmten, fuhren die jüdischen Parteileiter dazwischen, als wäre man ihnen an den Leib gegangen und als Pernerstorf er, der nationaldeutsche Genosse, dem bewußten. Judentume seine Sympathie ausdruckte, soll es einen Parteirüffler gegeben haben. Ganz außer Rand und Band gerieten aber die Herren, als ein Broschüre des arischen Genossen Dr. Karl Schalk erschien, die sich „Die Judenfrage in der Sozialdemokratie" betitelte und unter anderem ausführte: „Der sozialdemokratisch-jüdische Mensch muß sich vor allem zu einer jüdischen Arbeiterpartei separat organisieren, nicht aber sich in andere nationale Parteien hineinschmuggeln. Das ist ein unwürdiges, national-ehrloses Treiben, um so mehr, als der Jude der nationalste Mensch ist, den es gib t." Der starke Tabak wurde seitens der Parteiregierung mit einem prompten Hinauswurf aus der Organisation quittiert, obwohl man den Autor kurz vorher als Reichsratskandidaten aufgestellt hatte. Inzwischen war die Nationalisierung der Sozialdemokratie unaufhaltsam fortgeschritten, es kam zum Bruche zwischen den „Wiener Diktatoren" und den tschechischen Separatisten, man sah bald in der roten Internationale den lustigsten Nationalitätenstreit entbrennen und es traten arge Erscheinungen zutage. Wenn zum Exempel in Brünn, dem österreichischen Manchester, dieser Kampf zwischen tschechischer und deutscher Fraktion am heftigsten tobte, ja zu leidenschaftlicher Erbitterung ausartete, so muß man wissen, daß der größere Teil dieser deutschen Organisation aus Juden — Intelligenzlern und Handlungsgehilfen — besteht. Auch der jüdische Kreis um Adler und A u s t e rlitz machte eine böse Wandlung durch. Solange die Internationalität wenigstens formell gewahrt blieb, waren die volksentfremdeten jüdischen Parteigötter dem Judentume zumindest nicht in dem Sinne schädlich, daß sie sich am wirtschaftlichen Boykott mitschuldig gemacht hätten. Seitdem aber die nationale Gliederung erfolgt ist, stehen die Herren an der Spitze der deutschen Sozialdemokratie, haben sich ganz bedenklich ins Nationale hineingelebt — und das könnten unsere Massen leicht büßen. Der Innsbrucker Parteitag liefert merkwürdige Pröbchen. Genosse A u s t e r 1 i t z legte dar, wie sehr er von deutschem Wesen erfüllt sei und daß „man" der Verbreitung deutscher Kultur die halbe Lebensarbeit widme. Der verbissenste Internationalist, Dr. Adler, betonte, daß er „der letzte ist, der es mit dem deutschen Proletariat als deutsches Proletariat leicht nimmt". Dr. Hartmann gar tadelte die nationale Nachlässigkeit der deutschen Partei. Sein nationales Pflichtgefühl drängt ihn zu der Forderung, daß die Assimilierung der tschechischen Minoritätenin deutschen Gebietenganzenergisch durchgeführt werde. Diese Aeußerung aus dem Munde eines Juden zur Zeit der Vergewaltigung der Wiener Tschechen ist ganz unverantwortlich, und man sieht, daß die jüdischen Führer unseren Oekonomen, Kaufleuten, Händlern und Hausierern draußen in den tschechischen Provinzen nicht minder gefährlich werden könnten, als die Judenstämmlinge Dr. Licht und Dr. Redlich, die im deutschen Nationalverband sitzen. * Während die jüdischen Genossen Adler, Austerlitz, Ellenbogen und Hartmann mit soviel Elan den Weg vom Internationalismus zum nationalen Deutschtum gefunden haben, hat sich der gesunde moderne Nationalismus im jüdischen Volke großartig entwickelt. Bei der letzten Volkszählung haben sich in Russisch-Polen 95 o/o der dort lebenden Juden zu ihrer Nation bekannt, in Lithauen sogar 99,4 o/o. In Galizien und der Bukowina gibt es — mit Ausnahme einer dünnen Schicht von Begüterten und Abhängigen — nur nationale Juden und auch in Wien — Genosse Austerlitz hat es bei den jüngsten Reichsrats wählen erfahren — will die Judenheit von einem jüdischen Kandidaten, der „von deutschem Wesen erfüllt ist", nichts wissen. Und da auch die Andersnationalen den jüdischen Nationalismus verstehen und im Interesse der friedlichen Entwicklung wünschen, könnte es eines Tages geschehen, daß die jüdischen Führer mit der nationaldeutschen Gebärde jener „Budapester Orpheumsgesellschaft" ähnlich werden, mit welcher sie die jüdische Arbeiterschaft verhöhnten. Ein Erfolg des Weinbauernsyndikats in Rischon Eine Deputation der judäischen Kolonien unter Leitung' des Herrn G 1 u s k i n, des Geschäftsführers des Weinbauern- Syndikates (Agudath Hakormim) weilt zurzeit in Paris, um Herrn Baron E. v. Rothschild einen Scheck über 400 000 Frcs. als erste Rückzahlungsrate zu übergeben. Als vor einigen Jahren Baron Rothschild die Verwaltung des Rischoner und Sichroner Weinkellers den Kolonisten übergab, übergab er ihnen damit zugleich ein Kapital von 1 600 000 Frcs. und Forderungen der Kellereien bei verschiedenen Kreditoren in Höhe von über 2 Millionen Frcs. Diese Forderungen sollten im Laufe der Zeit liquidiert und dem Baron zurückgezahlt werden. Der Betrag von 1600 000 Frcs. wurde der Verwaltung der Kellereien als ständiges Betriebskapital überlassen. Dies war noch der beste Ausweg für die frühere Administration der Weinkeller, die mit einem jährlichen Defizit von einer halben Million Frcs. gearbeitet hatte. Die von den Kolonien eingesetzte Verwaltung des Weinbauern-Syndikats hat von den ihr vom Baron zur Verfügung gestellten Oelde 900 000 Frcs. für die Abfindung jener Kolonisten verwendet, welche auf Beschluß des Syndikats ihre Rebenpflanzungen vernichten mußten, um die Ueberproduktion des Weins zu beseitigen. Ebenso hat sie Monopolinhaber in verschiedenen