Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 45 (10.11.1911)
- Date
- 1911-11-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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folge. Herr Co wen, der Vorsitzende der English Zionist Federation widerspricht dem Antrage des Orders, weil er die Interessen des englischen Zionismus schädige und weil der Order gar keine eigenen Anschauungen vertrete. Dr. H a n t k e erklärt, der Order müsse anerkannt werden, da er tatsächlich fast alle Befugnisse besitzt, die einer Föderation zukommen und man einen schon längst anerkannten Zustand nicht willkürlich ändern könne. Eine definitive Regelung sei unbedingt notwendig. Es werden von verschiedenen Seiten Bedenken gegen die Anerkennung erhoben, weil noch nicht feststehe, ob der Order tatsächlich eigene Anschauungen vertrete. Insbesondere betonen die Herren Motzkin und Fischer, daß in der zionistischen Organisation keine Föderation anerkannt werden könne, deren Statut nicht öffentlich sei, und dies scheine bei dem Order vorzuliegen. Herr Fischer gibt eine Anfrage zu Protokoll, ob nach dem Statut der zionistischen Organisation derartige Gesellschaften anerkannt werden können. Die Debatte über diesen Punkt wird vertagt, da das nötige Material zur Entscheidung der Frage nicht vorhanden ist. Die überwiegende Mehrheit des A. C. ist der Ansicht, der sich das E. A. C. anschließt, daß eine freundliche Zusammenarbeit der nun einmal bestehenden beiden Gruppen im englischen Zionismus erstrebt werden müsse. Es gelangt daher folgender Antrag zur Annahme: Der O. o. A. M. soll als Föderation anerkannt werden, sobald dem E. A. C. sowohl von dem Order, wie von der English Zionist Federation die schriftliche Erklärung zugegangen ist, daß beide sich einen gemeinsamen Council bilden werden. Dieser gemeinsame Council soll der Organisation gegenüber den englischen Zionismus vertreten, und das E. A. C. soll mit ihm verkehren. Die Frage der Anerkennung des Orders Knights of Zion wird gemäß dem Antrage des E. A. C. vertagt, da das notwendige Material zur Klärung der Sachlage erst beschafft werden muß. Das E. A. C. beantragt, das Große A. C. möge ihm Vollmacht erteilen, für das Ehrengericht der Organisation ein Statut festzustellen. Das A. C. stimmt diesem Antrag zu. Zur Frage der Organisation und Propaganda werden eine Reihe von Anregungen vorgebracht. Herr Motzk i n begründet die Notwendigkeit, die Organisation für hebräische Sprache und Kultur zu unterstützen. Das E. A. C. teilt mit, welche Pläne es in der nächsten Zeit für die Ausdehnung der Propaganda durchzuführen gedenkt. Das russische Zentralkomitee wünscht, daß der „Haolam" nach Berlin übernommen wird. Das A. C. beschließt, für die Zwecke der Ausbreitung der hebräischen Sprache 2000 M. auszusetzen. Ueber die Modalitäten der Verwendung entscheidet das E. A. C. Dienstag abend &y2 Uhr wird die Sitzung mit einer Schlußrede des Vorsitzenden Prof. Warburg geschlossen. Rote Ass Von Dr. Otto Man hat längst verlernt, den modernen Nationalismus auf das Konto grüner Jugendeselei, chauvinistischer Beschränktheit oder des berechnenden Demagogentums zu setzen. Kein Einsichtiger wird beispielsweise den Nationalitätenkampf Oesterreichs als vorübergehende reaktionäre Bewegung werten, die in Szene gesetzt wurde, um etwa die wirtschaftlichen Klassengegensätze oder das Anziehen der Steuerschraube zu verdecken. Der Hader um Straßentafeln, das Gebaren der Herren Sch ö n e r e r , Malik und Klofac, die Sucht der Exaltados, den fremdnationalen Nachbar die Lernfreiheit oder — wie es jüngst in Prag geschah — gar die Lehrfreiheit zu rauben, sind kein Maßstab für den Sinn und die Bedeutung der nationalen Bevvegungen der Gegenwart. Was sich vor unseren Augen abspielt, ist kein politischer Schwindel, keine Farce, kein ideologischer Sport, sondern ein großartiger Prozeß, den miterlebt zu haben uns spätere Generationen neiden werden. Die nationale Gestaltung der Völkerindividuen liegt auf der Linie der Evolution. Das Sturmjahr 1848 hat die konstitutionellen Bürgschaften erstritten, damit sich die einzelnen Nationen aus dem Völkerbrei des vormärzlichen Feudalstaates zur politischen Mündigkeit erlösen können, zum Heile der Gesamtentwicklung. An Stelle des Durcheinander und des Gegeneinander muß das Nebeneinander treten. In diesem Sinne ist der jüdische Nationalismus eine historische Notwendigkeit und das Streben nach Repatriierung, der Zionismus, seine eiserne Konsequenz. Wir wirken am Fortschritt, wenn wir uns als Juden railiieren und wir erleichtern das Versöhnungswerk zwischen den anderen Völkern, wenn wir nicht mehr Abeles, Wien. in ihren Lagern Unterschlupf suchen, sondern uns ihnen als gleichwertig zur Seite stellen. Die Nationalisierung der Judenheit ist uns Zionisten aber auch die dringendste Gegenwartsarbeit, weil — wie dies Herr Dr. Arthur Ruppin ausführte*) — „die Kolonisation und ein jüdisches Gemeinwesen in Palästina auf viele Jahrzehnte hinaus nur dann bestehen kann, wenn es an einem geschlossenen jüdischen Volke in Europa einen Rückhalt hat." * Diese prinzipielle Darlegung — heute schon billige Dutzendweisheit — wurde vorausgeschickt, um zu begründen, daß der Kampf gegen diejenigen Juden, die in fremdnationalen Lagern Führer sind, unsere Zusammengehörigkeit negieren und unseren Zusammenschluß zu behindern suchen, ein notwendiger, ein unausweichlicher Kampf ist, um so mehr, als sie nicht nur uns entgegenwirken, sondern durch ihre Politik die vorhandenen jüdischen Kräfte dezimieren. So ist es auch anläßlich der Innsbrucker Tagung der deutsch-österreichischen So - zialdemokrotie zeitgemäß und dringend nötig, auf das Gehaben unserer jüdischen „Genossen" hinzuweisen. Die verlogene, durchaus unwürdige Haltung der jüdischen Führer der Sozialdemokratie Oesterreichs in der Judenfrage ist viel verdammenswerter als die Tätigkeit der Assimilanten im bürgerlichen Lager. Aus persönlichen Gründen der Bequemlichkeit und — Nützlichkeit wird dem jüdischen Arbeiter ein geheiligtes Recht geraubt, ohne das es keine „Freiheit, Gleichheit, Brüder- *) „Die Stimme der Wahrheit/' Jahrbuch für wissenschaftlichen Zionismus, Würzburg 1905.