Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 45 (10.11.1911)
- Date
- 1911-11-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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( I j M >p ■? at!1 .,-.43 1188 DIEMKE LT No. 45 ^i'/i^i E. A. C. erklärte sich bereit, jegliche Information zu geben, um die künftigen Debatten immer ausführlicher vorzubereiten und ihnen so jene ruhige Sachlichkeit zu verleihen, die aus genauer Kenntnis der Dinge folgt. Allseitig wurde die große Bedeutung der Vorschläge anerkannt, die das E. A. C. für den Beginn der Kulturarbeit entworfen hatte. Das Abkommen mit dem Misrachi wurde genehmigt und so der Frieden in der Organisation hergestellt. Die gefaßten Beschlüsse weisen der Parteileitung die Wege, die sie nunmehr beschreiten wird. Großzügige Agitation soll eingeleitet, die Palästinaarbeit in erster Linie durch Anregung der Privatinitiative und durch Stärkung der P. L. D. C. gefördert werden. Die Schekelzahl muß wachsen, die Organisation muß stärker, unsere Position in Palästina immer weiter ausgebaut werden. Das sind die Aufgaben, die die Leitung der zionistischen Organisation sich im Rahmen einer klugen Realpolitik gesetzt hat, an deren Lösung sie nach den Ergebnissen dieser Sitzung mit frischem Mute arbeiten wird. Bericht über die Sitzung des Großen Actions-Comites zu Berlin vom 4.—7. November 1911 Erste Sitzung vom Sonnabend, den 4. November, abends 6 Uhr Anwesend sind die fünf Mitglieder des E. A. C, Professor Warburg, Dr. Jacobson, Dr. Hantke, Dr. L e v i n und S o k o 1 o \v. Vom Großen A. C. sind fast sämtliche Mitglieder erschienen: Dr. Boden heim er, Böhm, Fischer, Dr. Friede mann, B. G o 1 d b e r g , Dr. H a 1 p e r n , Dr. Hausmann, Idelsohn, Kann, Dr. Klee, Dr. Marmorek, Motzkin, Podiisch ewski, Rosoff, Rosen bäum, Schein, S i m o n , S t a n d , Tschlenow, Ussischkin, Professor Weizmann und Wolffsohn; die Herren Keßler, Krem enezky und N a i d i t s c h haben ihr Fernbleiben entschuldigt. Ferner nahmen an der Sitzung die Direktoren des J. C. T. Dr. Katze nelson, Co wen und Feldstein, ferner der Vorsitzende der Misrachi-Föderation, Dr. Franck, und Herr Bezalel Joffe aus Palästina teil. Der Vorsitzende, Professor War bürg, erinnert in seiner Eröffnungsansprache daran, daß dies die erste Sitzung des Actions-Comites nach dem Kongreß sei, die an dem Sitz der neugewählten Leitung stattfindet. Er begrüßt die Mitglieder des Actions-Comites und spricht den Wunsch aus, daß sie sich immer wieder gern zu gemeinsamer Arbeit am Orte der Leitung zusammenfinden mögen. Das A. C. ehrt das Andenken des Herrn Saphir, des Subdirektors des A. P. C, und des Herrn Azaria durch Erheben von den Sitzen. Hierauf erstatteten die Herren S o k o 1 o \v und Dr. Jacobson einen ausführlichen Bericht über die politische Lage, an den sich eine lange Diskussion anknüpft. Diese Diskussion wird auch am Sonntag nachmittag fortgesetzt, wobei alle prinzipiellen Fragen politischer Natur sowie die gegenwärtige politische Lage ausführlich erörtert wurden. Die vom E. A. C. zu diesem Punkt der Tagesordnung gestellten oder empfohlenen Anträge werden angenommen. Sitzung vom Sonntag, den 5. und Montag, den 6. November, vormittags 10 Uhr Die Sitzung beginnt mit dem Referat über die Paläst i n a a r b e i t , das Professor Warburg erstattet. Er weist in dem Bericht darauf hin, daß die prinzipiellen Richtlinien unserer Palästinaarbeit festgestellt werden müßten. Manche Tätigkeitsgebiete werden von anderen Organisationen bearbeitet, doch gibt es wiederum Spezialgebiete, denen wir uns vorwiegend zuwenden müssen. Als erster Punkt wäre die Erforschung Palästinas zu "nennen, für die jetzt von Fall zu Fall Erforschungsarbeiten angestellt werden, so oft eine Frage wirtschaftlicher Natur an uns herantritt. Die Ideen-Propaganda leisten wir hauptsächlich durch die Presse. Aber auch durch interne Konferenzen wird propagandistisch viel erreicht, wie die Erfahrungen der letzten Jahre bewiesen haben. Von größter Wichtigkeit sind Palästinareisen unserer Gesinnungsgenossen. Unser Hauptinteresse richtet sich naturgemäß vor allem auf die Schaffung größerer agrikultureller Institutionen. Wir müssen einen Landkauf- und einen Okkupationsfonds haben. Ersteren brauchen wir, um Landkäufe durchzuführen, sobald sich Kaufmöglichkeiten bieten. Letzterer muß die Kredite gewähren, die nötig sind, um das Land sofort zu bewirtschaften. Für die Zwecke der Parzellierung haben wir die Palestine Land Development Co., die aber in ihrer Entwicklung sehr gehemmt ist, weil ihr kleines Kapital in der Farm Kinereth festliegt und daher für die Parzellierung größerer Ländereien auf den Kredit des J. N.-F. angewiesen ist. Dieser Kredit kann aber nicht sehr hoch bemessen werden, da das eigene Kapital der Gesellschaft zu gering ist, auch fehlt es ihr an dem nötigen Okkupationsfonds. Daher muß die P. L. D. C. ganz anders gestellt und mit viel größeren Kapitalien ausgestattet werden, um ihre hochwichtige Aufgabe durchführen zu können. Die Wichtigkeit des Agrar-Kredits ist allgemein anerkannt, wir brauchen neben dem langfristigen Agrarkredit für die ärmeren Ansiedler auch einen Betriebskredit, der nicht für lange Jahre festliegt. Von den gemeinnützigen Unternehmungen, die wir fördern müssen, ist der Bezalel, der Verband Jüdischer Frauen, sowie die geplante Gartenstadt zu nennen. Ferner gehören hierzu die ländlichen gemeinnützigen Institutionen, hauptsächlich die Siedlungsgenossenschaft. Da die Mittel des Nationalfonds großenteils bereits festliegen, so müssen wir für die vielseitigen Aufgaben der Kolonisation neue Mittel schaffen, und zwar durch Heranziehung von Privatkapital und Verkauf der Anteile der P. L. D. C. Im Anschluß an das Palästina-Referat erstattet Dr. L e v i n das Referat über die kulturellen Aufgaben. Er führt aus, daß die zionistische Organisation mit anderen Organisationen philanthropischer Natur auf dem Gebiet des Schulwesens heute nicht konkurrieren könnte. Wenn sich die zionistische Organisation aber damit befaßt, die schulentlassene Jugend zu fördern und durch Einrichtung von Volksuniversitäten und Fortbildungskursen im Orient Einfluß zu gewinnen, so wird sie in rascher Zeit und mit verhältnismäßig geringen Mitteln einen großen Einfluß auf die orientalische Judenheit gewinnen und sie in unserem Sinne erziehen. In Palästina selbst haben wir die wichtige Aufgabe, die Organisation der jüdischen Lehrer und die hebräische Presse zu fördern. Für diese großen und wichtigen Aufgaben haben wir keine Mittel, aber das E. A. C. betrachtet es als seine Aufgabe, die Mitte! hierfür zu schaffen. An die beiden Referate schloß sich eine lange Debatte, die am Montag vormittag noch fortgesetzt wurde. k rr**$m*i!!t^