Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 45 (10.11.1911)
- Date
- 1911-11-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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DIE BERLIN W.15, SACHSISCHE STR. 8. W ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XV. JAHRG. BERLIN, 10. November 1911 OT^ y'önn 'X IH&mö tD"* No. 45. Nach der Sitzung des Actions-Comites Die Neuordnung der zionistischen Organisation, die auf dem zehnten Kongreß vorgenommen wurde, hat sich Gewährt. Das ist der Eindruck, den die erste Tagung ies Großen Actions-Comites bei ihren Teilnehmern hinteraßt. Früher, als das Große A. C. aus sechzig bis siebzig Mitgliedern bestand, litt seine Arbeit schwer darunter, laß der Personenkreis, der sich zu den Sitzungen einand, immer wieder eine andere Zusammensetzung auf¬ Ties. Durch die Bestimmung des neuen Statuts, wolach die Zahl der Mitglieder des A. C. einschließlich les engeren A. C auf dreißig festgesetzt wurde, ist lieser Mangel im wesentlichen beseitigt worden. Dazu commt, daß das A. C. nicht mehr die Repräsentanz der Landsmannschaften und Föderationen ist — diese Funktion fällt dem neu geschaffenen Zentralausschuß zu — sondern daß es die eigentliche Parteileitung bildet und vom Kongreß so zusammengesetzt wurde, daß ihm die ersten Führer der zionistischen Bewegung angehören. Durch diese Neuordnung ist das Actions-Comite arbeitsfähig geworden. Von den fünfundzwanzig Herren, die ihm außer den Mitgliedern des Engeren A. C. angehören, waren zweiundzwanzig erschienen. Die drei übrigen waren aus zwingenden Gründen genötigt, der Sitzung fernzubleiben. Der organisatorische Fortschritt, der hiermit erreicht ist, kann nicht hoch genug angeschlagen werden. Nur aus der ständigen Zusammenarbeit einer an Zahl nicht zu großen Körperschaft kann jenes gegenseitige Vertrauen und jene Gründlichkeit in der Behandlung aller Fragen erwachsen, die zur kollegialen Leitung der Parteigeschäfte erforderlich sind. Schon jetzt läßt sich erkennen, daß dieses Vertrauen und diese Gründlichkeit fortan in den Beratungen des A. C. herrschen wird. Die Aussprache im engen Kreise unserer Besten wird Früchte tragen — das ist die erfreuliche Gewißheit, die uns diese erste Sitzung gab. Das Engere A. C. hatte die Vorbereitungen in umfassender Weise getroffen. Den Mitgliedern des A. C. war eine Woche vor der Sitzung ein ausführlicher Bericht zugegangen, der alles vorliegende Material enthielt und ein detailliertes Tätigkeitsprogramm entwickelte. Dadurch erübrigten sich längere Referate und die Debatte wurde sehr erleichtert. Die Hauptfragen, um die es sich in dieser Debatte drehte^ waren naturgemäß die politische Lage und die Methode der Palästinaarbeit. Aus den Beratungen ging hervor, daß die Ansichten über die Richtlinien der politischen Arbeit, wie sie von den Vertretern des Engeren A. C. entwickelt wurden, auf keiner Seite Widerstand erweckten. Freilich fehlte es in der fast zweitägigen politischen Debatte nicht an temperamentvollen Auseinandersetzungen, aber die Politik des E. A. C. wurde verstanden und gebilligt, weil ihre Grundzüge klar sind und überzeugend dargestellt wurden. Diese Politik hält an den Grundsätzen fest, die auf den Kongressen formuliert wurden und die politische Tätigkeit der letzten Jahre beherrschten. Die Entwicklung des Zionismus geht mit der Entwicklung der jungen Türkei Hand in Hand. Die Ereignisse der letzten Zeit berühren diese Wahrheit nicht, die ja fast eine Selbstverständlichkeit zu nennen ist, wenn die kulturelle und zivilisatorische Aufgabe, die der Zionismus sich gesetzt hat, richtig verstanden wird. Katastrophale Ereignisse liegen zwar stets im Bereich der politischen Möglichkeit, aber diese scheiden für das politische Kalkül naturgemäß aus. Rechnen wir mit den gegebenen Verhältnissen, so muß die Richtung unserer Politik unverändert beibehalten werden. Wir wünschen, daß unsere Arbeit von der Regierung und der Bevölkerung des osmanischen Reiches mehr und mehr verstanden und gewürdigt werde und wir hoffen, daß dieses Ziel sich durch zähes Festhalten an den Prinzipien unserer Arbeit erreichen läßt. Nach der bei uns herrschenden Ansicht gibt es kein besseres Mittel, die so dringend nötige Klarheit über uns zu verbreiten, als die entschlossene Fortführung der Palästinaarbeit. Die lebhafte, teilweise erregte Debatte, die sidh um die Palästinaarbeit entspann, rüttelte denn auch nicht an diesem Grundsatz. Nur über das „Wie" gab es Auseinandersetzungen, die in allen Mitgliedern des A. C. den Wunsch rege machten, mehr als dies bisher üblich war, in die Details der Arbeit einzudringen. Es wurde an dieser Stelle bereits die Forderung erhoben, eine Kooperation unserer Palästinagesellschaften herbeizuführen. Auch in der Sitzung des A. C. trat dieser Gedanke hervor und wurde zu einem Beschluß verdichtet, der dem Engeren A, C. den Auftrag erteilt, £iä£&AUU Ül