Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 44 (3.11.1911)
- Date
- 1911-11-03
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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1172 D!E2^ELT No. 44 mann, die mannigfachen vorliegenden Projekte seien für die zur Verfügung stehenden Mittel zu umfangreich, es erscheine zweifelhaft, ob es der A. I. K. O. gelingen werde, so bedeutende Summen, wie sie dies gehofft habe, zu erhalten, und eine Anlehnung an andere ähnliche jüdische Organisationen, wie den Esra, sei zur Verringerung der Verwaltungsspesen und zur Schaffung eines großen Kolonisationsvereins zweckmäßig. Darauf erklärte Herr Dr. Isidor Ginsberg, der bisherige, und Herr Kommerzienrat Gerson Simon, der derzeitige Vorsitzende der A. I. K. O., sie wünschten gleichfalls eine derartige Anlehnung und würden binnen kürzester Zeit dahingehende Verhandlungen beginnen. Hoffentlich führen diese Verhandlungen bald zu einem positiven Ergebnis. Es wird die Aufgabe unserer Freunde sein, hierfür zu sorgen und eine weitere Zersplitterung des palästinensischen Kolonisationswerkes zu verhindern. Organisation für hebräische Sprache und Kultur Die von unserer Organisation in Berlin eingerichteten K'M'se haben begonnen. Sie finden zu folgenden Zeiten statt: ehrstätte W., Charlottenburg, Bleibtreustr. 39, nahe Savignvplatz, Gemeindeschule: Dienstag abends i/29 bis 10 Uhr; I.. ehrstätte C, Berlin C. 2, Monbijouplatz 10, Höhere Mädchenschule: Sonntags vormittags i/212 bis 1 Uhr. Der Eintritt in die Kurse kann noch jetzt ohne Nachteil für die Teilnehmer wie für uns stattfinden. Wir wiederholen d-her noch einmal die dringende Aufforderung, sich wenn ir;cud möglich an unseren Kursen zu beteiligen. gez. H e r z b e r g. Theodore Roosevelt über die Frage des amerikanisch-russischenoHandelsvertrages Großes Aufsehen erregt in amerikanischen politischen Kreisen ein Artikel, den der gewesene Präsident der Vereinigten Staaten, Theodore R o o se v e 11, in Nr. 7 des „Outlook" vom 14. Oktober d. J. veröffentlicht. Bekanntlich weigert sich die russische Regierung trotz den klaren Bestimmungen des amerikanisch-russischen Handelsvertrags vom Jahre 1832 und trotz wiederholten nachdrücklichen Einspruchs der Vereinigten Staaten, die Pässe amerikanischer Juden, die zu Handelszwecken nach Kußland reisen wollen, zu visieren. Da alle Vorstellungen der amerikanischen Regierung nichts fruchten, wird in weiten Kreisen der Union der Gedanke propagiert, der Kongreß möge den Handelsvertrag mit Rußland kurzerhand a b s c h äffe n. Zu diesem Zwecke hat sich ein nationales Bürgerkomitee gebildet, das eine großangelegte Agitation im ganzen Lande einleiten, Massenversammlungen veranstalten und Petitionen an den Kongreß in diesem Sinne richten will. Roosevelt hält nun auch seinerseits die Annullierung des amerikanisch-russischen Handelsvertrags, wenn Rußland bei seiner Weigerung verharren sollte, für unvermeidlich, schlägt aber vor, ehe Amerika sich zu dieser äußersten Maßregel entschließe, die Entscheidung des H a a g e r Schiedsgerichts über die sinngemäße Auslegung der betreffenden Klausel des Handelsvertrags anzurufen. Rußland vertritt nämlich den eigentümlichen Standpunkt, daß der Handelsvertrag ihm nicht die Verpflichtung auferlegen könne, den amerikanischen Juden weitgehendere Rechte einzuräumen als seinen eigenen jüdischen Untertanen. Demgegenüber beruft sich Amerika auf den unzweideutigen Wortlaut des Vertrags, der eine solche Interpretation nicht zulasse. Zur Schlichtung einer derartigen Streitfrage vorwiegend rechtlicher Natur ist nach Roosevelts Meinung der Haager Schiedsgerichtshof ganz besonders berufen. Sollte Rußland sich aber — fährt Roosevelt fort — der schiedsgerichtlichen Austragung widersetzen, so würde es eben dadurch vor aller Welt kundtun, daß der amerikanischen Regierung kein anderer Ausweg übrig bleibt als die Aufhebung des Handelsvertrags. "Schillers „Räuber" auf der jüdischen Bühne; Um das jüdische Theaterpublikum mit dem ersten Schillerschen Drama bekannt zu machen, hat vor kurzem Herr Eisik Wein stock, Redakteur des „Lemberger Tagblattes", das Trauerspiel ins Jüdische übersetzt. Die Erstaufführung findet im Lemberger jüdischen Theater am 10. November statt. Jüdische Opfer des Bombardements von Benghasi Bei der jüngsten Beschießung von Benghasi durch die Italiener wurden einige Juden englischer Staatsangehörigkeit, die im englischen Konsulat Zuflucht gesucht hatten, getötet, andere mehr oder minder schwer verwundet. Ein Telegramm aus Malta besagt ferner, daß die Araber in Benghasi vor dem Bombardement die Häuser der Juden plünderten. Schülerstreik in einer jüdischen Ackerbauschule Vierzig von den fünfzig Zöglingen der bekannten jüdischen Ackerbauschule in Woodbine (New Jersey) haben einen förmlichen Ausstand organisiert und weigern sich seit Wochen beharrlich, die Vorlesungen der Anstalt zu besuchen. Der Grund liegt in Mißhelligkeiten, die seit längerer Zeit zwischen dem Leiter der Anstalt, Mr. H. Geller, und der überwiegenden Mehrzahl der Schüler bestehen. Mr. Geller ist ein durch und durch assimilierter Jude, der dem Seelenleben und der ganzen Denkweise der meist aus Rußland stammenden Zöglinge fremd, ja feindlich gegenübersteht. Aus diesem Grunde war es schon früher wiederholt zu ernsten Konflikten gekommen, die aber niemals eine so sdharfe Form angenommen hatten wie der jetzige „Streik". Die Streikenden haben sich an die New Yorker Jewish Community (Kehiilah), sowie an die Federation of American Zionists mit der Bitte um Einleitung von „Friedensverhandlungen" gewandt. Erstere lehnte jedoch eine Intervention ab, da die Ackerbauschule sich im Staate New Jersey, also außerhalb ihres Tätigkeitsbereichs befindet. Ernennung eines Juden zum belgischen Konsul Der König der Belgier hat unseren ausgezeichneten Gesinnungsgenossen Mr. Clarence J. de Sola in Montreal, der bisher den Rang eines belgischen Vizekonsuls bekleidete, zum Konsul des Königreichs Belgien in Canada ernannt. Mr. de Sola ist bekanntlich Präsident des Canadischen Zionistenverbandes. Die Stadtverwaltung von Alexandrien und der Jom-Kippur Der Magistrat von Alexandrien hat beschlossen, von nun au das Rathaus der Stadt Alexandrien am jüdischen Versöhnungsta.g geschlossen zu halten. Der Beschluß gelangte am jüngsten jom-Kippur bereits zur Ausführung, was unter der dortigen Jüdischen Bevölkerung große Befriedigung hervorrief. Auch die Börse von Alexandrien war am Jom-Kippur streng geschlossen. Eine Geschichte der Jargonliteratur in französischer Sprache Im Verlage jouve & C i e. ist soeben unter dem Titel H i s t o i r e de 1 a litterature j u d e o - a 11 e m a n d e" eine umfangreiche Darstellung der Jargonliteratur und ihrer Geschichte aus der Feder von Dr. M. P i n e s erschienen. Dem stattlichen, 5S0 Seiten starken Oktavbande ist eine Vorrede von Prof. Charles A n d 1 e r , dem bekannten Germanisten von der Sorbonne, vorangeschickt. Einstellung ei nes^ Verfahrens wegen Beschimpfung der jüdischen Religion Die Leipziger Staatsanwaltschaft hatte bekanntlich neuerdings auf Betreiben des Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens Strafantrag gegen den Herausgeber des „Hammers" und dessen Mitarbeiter Phil. Stauff gestellt wegen zweier Aufsätze in Nr. 206 und 210 des „Hammers", worin eine Beschimpfung der jüdischen Religionsgemeinschaft erblickt wurde. Laut Beschluß des Königlichen Landgerichts I zu Leipzig ist die Eröffnung des Verfahrens abgelehnt worden, mit der Begründung, daß die in den fraglichen Aufsätzen beanstandeten Ausdrücke, wie der ganze Zusammenhang ergebe, sich nicht auf eine Religionsgemeinschaft, sondern auf die „Juden als Volk und Rasse" bezögen. Sie seien zum anderen Teile nicht beschimpfend, sondern enthielten lediglich — eine Kritik verschiedener Sätze der jüdischen Religion.