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Die Welt · 1911-11-03 · 44 (3.11.1911) · page 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
44 (3.11.1911)
Date
1911-11-03
Page
– (sequence 16)
Language
German
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1170 :-- D1EÄELT No. 44 deutschen Volke an den Lebensnerv greife"? Die „Neue Freie Presse". Und in der Sitzung vom 27. Oktober konnte man von deutschen Bänken den zornigen Ruf vernehmen: „Die Neue Freie Presse hetzt!" Die perverse Sucht der Assimilanten, dem nationalen Friedenswerk ein Bein zu stellen und päpstlicher zu sein als der Papst, ist wohl das Krasseste, was wir bisher an wahnwitziger Verbohrtheit der jüdischen Germanen erlebt haben. Es ist klar, daß es nur eine Möglichkeit gibt, diese ebenso lächerlichen wie gefährlichen Auswüchse zu paralysieren: Aufklärung der jüdischen Massen, die Herr Benedikt kühl ans Messer liefert, und eine große Organisation, die die Kraft hat, das ganze Judentum auf ihre Schultern zu nehmen. Und deshalb sind die Gewissenhaften eifrigst am Werk. Galizischer Brief Von H. B. Die neue galizische Landtagswahlreform, die vor einem Jahre zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Polen und Ruthenen geführt hat, soll nun jetzt eingeführt werden. Die beiden Nationen haben sich geeinigt und werden auf Grund des nationalen Wahlkatasters viele neue Mandate erhalten. Ueber die Juden, die 12 n«> der Bevölkerung ausmachen, ist man einfach zur Tagesordnung übergegangen. Anstatt der zwanzig Mandate, die ihnen jetzt zukommen, werden sie kaum vier oder fünf erhalten. Die jüdischen Laudtagsabgeordneten des Polenklubs sind selbstverständlich für eine Vermehrung der jüdischen Mandate nicht eingetreten. Am 25. Oktober wurden von der Statthalterei die Reichsratswahlen für die Wahlbezirke D r o h o b y cz und Z 1 o cz o w ausgeschrieben. Die Wahlen finden am 2S. November und eventuelle Stichwahlen am 6. Dezember statt. In Drohobycz kandidiert wieder Herr von Löwen stein, wenn er auch jetzt noch verschämt tut und erklärt, das Mandat nicht annehmen zu wollen. Er selbst bleibt hinter den Kulissen, aber seine Leute sind eifrig an der Arbeit. Der Bezirkshauptmann von Drohobycz hat erklärt, daß Löwcnstein g e w ä h 11 w e r d e n müsse, w eil es der Statthalter verlangt. Eine tendenziöse Broschüre gegen die Zionisten wird im Wahlbezirk verteilt, und wieder gibt es „Freibier und einen Bissen dazu". Löwenstein selbst läßt sich, wie gesagt, noch immer bitten, das Mandat anzunehmen. Die nächste Landeskonferenz der galizischen Zionisten wird am 21. und 25. Dezember in S t a n i s 1 a u stattfinden. Pater S t o j a 1 o w s k i, der Führer der Antisemiten in Galizien, ist gestorben. Viele Jahre hat er im politischen Leben des Landes eine bedeutende Rolle gespielt. Er hat eine polnische Bauernpartei ins Leben gerufen, deren Oberhaupt er war. Er war auch Gründer der „Kölko Rolnicze" (Organisation der Konsumgenossenschaften), durch die viele tausende jüdischer Existenzen zu Grunde gerichtet wurden. Wenn er auch' seine politischen Anschauungen im Laufe der Zeit in vielen Beziehungen wechselte, so blieb er doch bis an sein Lebensende ein eingefleischter Judenhasser. PALASTINA "öi& o o o || 3}^ Eine patriotische Kundgebung der Jaffaer ottomanischen Judenschaft Auf Veranlassung des Herrn S. D. Levontin, Direktors der Anglo-Palestine Company, fand in der hiesigen sephardischen Synagoge „Kehillath Jakob" am 15. Oktober d. J. ein Bittgottesdienst für das Wohlergehen des Sultans und den günstigen Ausgang des türkisch-italienischen Krieges statt. Oer Kommandant der Jaffaer Garnison, Izzet Bey, der Kaimakam, die Mitglieder des Komitees „Einheit und Fortschritt" und die Spitzen der Jaffaer Gesellschaft wohnten der Veranstaltung bei. Chacham Simon hielt eine hebräische, Dr. M o y a 1 eine arabische und Herr Abravaya eine türkische Ansprache. Oberrabbiner K u k richtete an die Versammelten den Appell, die vaterländischen Interessen auch durch Beisteuer zu den Kosten der Landesverteidigung zu fördern. Hierauf wurden in feierlicher Weise verschiedene Psalmen, sowie spezielle Gebete für die Wohlfahrt des Heeres und alier Bürger des ottomanischen Reiches vorgetragen. Die Oeffnung der heiligen Lade vollzog der Kommandant der Garnison. Dieser sprach zum Schluß der jüdischen Gemeinde den Dank der Heeresverwaltung aus und hob die musterhafte vaterländische Gesinnung hervor, die die ottomanische Judenlieit zu allen Zeiten bekundet hat. Er ermahnte die Angehörigen der verschiedenen Bekenntnisse zum gegenseitigen Einvernehmen und zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe in diesen bewegten Zeitläuften. Protest der Jerusaiemer Bevölkerung Die Notabein der Jerusalemer Gesellschaft, und zwar sowohl die führenden mohammedanischen Kreise wie die geistlichen und weltlichen Vertreter der christlichen Bekenntnisse und der jüdischen Bewohnerschaft veröffentlichen einen Protest gegen das Vorgehen Italiens in der Tripolisaffäre. Der Protest ist u. a. auch vom; Chachambaschi B e t i t o und von dem Präsidenten der ottomanisch-jüdischen Gemeinde Valero unterzeichnet. Ein jüdischer Turnverein in Jerusalem Vor einem halben Jahre hat eine Anzahl jüdischer Turner in Jerusalem unter dem Namen „Bar Giora" eine Vereinigung zur Verbreitung des Turnens und der Leibesübungen unter der jüdischen Jugend Jerusalems gegründet. Dieser Verein hat sich nun vor kurzem dem Verbände „Maccabi" angeschlossen und ist bestrebt, als Ortsgruppe dieses Verbandes die behördliche Genehmigung für seine Tätigkeit zu erlangen. Christliche Auswanderung aus Palästina Aus B e t h 1 e h e m wird gemeldet, daß dieser Tage 70 christliche Familien von dort nach Südamerika ausgewandert sind. > Behördlich genehmigte Rabbinerwahlen Die Zentralregierung in Konstantinopel hat die Wahl folgender Rabbiner bestätigt: Rabbi Jakob Massalton, Vakil Chachambaschi in Beirut, Rabbi Benzion U s i e 1, Vakil Chachambaschi in Jaffa und Rabbi Salomo Elieser A 1 f a n - d a r i, Vakil Chachambaschi in Safe d. Die offizielle Ernennung von Rabbi Moses Franco aus Rhodos zum Chachambaschi von Jerusalem soll demnächst erfolgen. Zu seinem Nachfolger in Rhodos soll Rabbi Nissim Danon aus Beirut ernannt werden. Rußland Zur Kiewer Ritualmordhetze Trotzdem der Belastungszeuge, dessen Aussage zur Verhaftung des Juden B e i 1 i s und zur Erhebung der Mordanklage gegen denselben Anlaß gab, seine ursprüngliche Aussage vollinhaltlich zurückgenommen hat, wird Beilis immer noch in Haft gehalten. Inzwischen ist er im Gefängnis s c h w er erkr a n k t. Von irgendwelchen Indizien, die die schwere Mordanklage auch nur entfernt rechtfertigen würden, kann natürlich nicht die Rede sein. Aber man hat es eben, nach altem Hamanschen Rezept, nicht bloß auf Mendel Beilis abgesehen. Den Herren der Situation kommt die dunkle Affäre überaus gelegen. Es ist daher nicht zu erwarten, daß diese Dunkelheit so bald aufgehellt wird. So oft man an einem Punkte angelangt war, wo sich einiges Licht über die rätselhafte Affäre zu verbreiten schien, erfolgte regelmäßig von höherer Stelle eine Intervention, die die Untersuchungsbehörde von neuem auf die richtige Bahn" verwies. In jüngster Zeit wird der ,,Ritualmord" wieder zu gewissen durchsichtigen Zwecken gehörig ausgeschlachtet. Die Publizisten der „Nowoje Wremja", „Semschtschina" e tutti quanti feiern ihre wildesten Orgien — und auf den Juden Kiews lastet nach wie vor der lähmende Alb der Pogromfurcht. Dieser Tage ist die Saizewsche Ziegelfabrik, in deren Hofe der Mord angeblich begangen worden sein soll, ein Raub der Flammen geworden. Das Dubrowinsche Organ ,,R u ß k o j e Snamj a" versichert nun, daß hier eine Brandstiftung vorliege. Die Behauptung des Patriotenblattes dürfte diesmal ausnahmsweise der Wahrheit entsprechen. Es fragt sich nur, w e r an der Einäscherung der Saizewschen Fabrik ein Interesse hatte ....

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