Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 44 (3.11.1911)
- Date
- 1911-11-03
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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No. 44 DIEE§XELT 1167 einen Delegierten, bis 50 zwei, bis 100 drei, bis 200 vier, über 200 Wahlberechtigte für jedes begonnene Hundert einen Delegierten mehr. Die Zusammenlegung mehrerer Vereine zur Vornahme der Wahl ist nicht zulässig; b) die Mitglieder des Zentralkomitees; c) je drei Mitglieder der Distriktsleitung; d) die für Westösterreich gewählten Mitglieder des A. C.; e) die Mitglieder des E. A. C. Das zionistische Zentralbureau für Westösterreich. Der Präsident: Adolf Böhm. Wien. Das abgelaufene Vereinsjahr war für den Verein „Theodor H e r z 1" Wien ein Jahr der mannigfaltigsten und doch einheitlichen Arbeit. Da sich seine Veranstaltungen seit mehreren Jahren aufs beste bewährt haben und breitere, sonst indifferente jüdische Kreise in den Bann modern-jüdischer Probleme gezogen wurden, hat der Verein auch im letzten Jahre einige große Vortragsabende veranstaltet. Zu Referaten hatte er Pasmanik und Buber gewonnen, welche, verschiedene Bahnen wandelnd, doch beide dazu beigetragen haben, den zionistischen Gedanken im weitesten Sinne des Wortes zu vertiefen und auszubauen. Beide übten den nachhaltigsten Eindruck auf das auserlesene Publikum, Pasmanik durch seine klaren logischen Ausführungen, die mehr dem Sozialen zugewandt waren, Buber durch seine intuitive Art, der das Individuum Mittel- und Ausgangspunkt bedeutet. Dadurch vermochten die Zuhörer, unter denen man mit Freude Männer wie Wassermann, Beer- Hoffmann, Schnitzler bemerkte, sich mit allen Regungen des jüdischen Gedankens der Gegenwart vertraut zu machen. Der Einfluß, den die beiden markanten Persönlichkeiten durch ihren vertrauten Verkehr mit den Vereinsmitgliedern auf letztere ausübten, ist nicht hoch genug einzuschätzen. Jedoch trachtete die Leitung, die jungen Kräfte des Vereins nicht zuviel für äußere Veranstaltimgsarbeit in Anspruch zu nehmen und legte vielmehr Gewicht auf den inneren Ausbau des Seminars. Um seine Mitglieder womöglich mit allen Gebieten des jüdischen Wissens bekannt zu machen, sorgte der Verein für Vorträge und Vorlesungen über jüdische Geschichte, hebräische und jüdische Literatur, Statistik und Kultlirprobleme. Beispielsweise wurden folgende Themen behandelt: „Das visionäre Element im alten und neuen Testament", „LJrsachen des Verfalles des Chassidismus", „Die inneren Triebkräfte im mittelalterlichen Rabbinismus". Der Verein hat aber nicht über der Vergangenheit die Gegenwart vergessen und informierte seine Mitglieder über die wirtschaftliche Lage der Juden in allen Ländern, über die Emigrantenbewegung, über die Kolonisation in Palästina usw. Sehr erfreulich ist es, daß unser Verein die Apathie, mit der die meisten jüdischen Wiener studentischen Korporationen dem Hebräischen gegenüberstehen, gründlich überwunden hat. Von der richtigen" Erkenntnis geleitet, daß die hebräische Sprache der Schlüssel zu unserer Kultur ist, übermittelte er die Kenntnisse dieser Sprache den meisten Vereinsmitgliedern. Diese Kursabende zogen auch zahlreiche Gäste an. Trotz dieser inneren Tätigkeit hat sich der Verein an der innerpolitischen Arbeit während der Zeit der Landtags- und Reichsratswahlen aufs regste beteiligt. Um mit den jüdischen Massen im engeren Kontakt zu bleiben, wurde das Vereinslokal in den IL Bezirk, Stefaniestraße 12, verlegt. England Manchester. Das literarische Semester des zionistischen Jugendvereins hat vorigen Freitag abend begonnen. Herr E. Morris, Delegierter des Liverpooler zionistischen Vereins, las einen Aufsatz über Palästina und seine Bevölkerung vor. Den Vorsitz führte Herr Chadwick. The Young Men's Zionist Society hielt ihre erste literarische Soiree vorigen Sonntag in Zion Hall ab. Herr Harold Carp führte den Vorsitz und musikalische Vorträge wurden von Miß Livingstone, S. Cohen, B. Cohen, A. Salornon und Miß Siiverstone gehalten. Liverpool. Vorige Woche fand eine spezielle Versammlung des Zionistischen Frauenvereins in Liverpool statt, um das Programm der Winterarbeit zu besprechen. Die erste öffentliche Versammlung wird folgenden Sonntag von Rev. J. Raffalovich mit einer Ansprache eröffnet werden. — In einer Versammlung des zionistischen Mädchen-Vereins hielt Miß Alexander unter dem Vorsitz von Miß A. Levenson ein Referat. — In einer Versammlung des Zionistischen Jugendvereins sprach Mr. Sydney Silverman, Sekretär im Ehrenamt, über „Der Jude in der englischen Literatur". Edinboroiigh. Der Zionistische Kultur-Verein in Edinburg hat in Verbindung mit dem Zionistischen Mädchen-Verein vorigen Sonntag eine Soiree veranstaltet. Eine Sammlung zu gunsten der Bibliothek des Vereins ergab die Summe von 2 £. — Herr P. M. Raskin, Leeds, der bekannte Dichter, wird nächsten Sonntag den ersten Vortrag der Saison halten. — Der N. F. und andere zionistische Institute werden gelegentlich der Gottesdienste, die in den Beth Hcrzl Zion Hall an hohen Feiertagen stattgefunden haben, Zuwendungen erhalten. Der Verein, der seine Versammlungen in dieser Hall abhält, wird die Propaganda der neuen Saison bald beginnen. Rumänien Galatz. Wie im vorigen Jahre hat Herr Prof. J. G o 1 d e n t a 1 aus G a 1 a t z auch während der diesjährigen Sommerferien eine dreimonatige Vortragstournee zur Verbreitung des zionistischen Gedankens unternommen. In allen 32 Orten, wo er während dieser drei Monate Vorträge hielt, wurden seine Ausführungen über verschiedene zionistische Themata mit großem Beifall aufgenommen, und die Folgen waren sehr erfreulich. In zwölf Orten wurden neue zionistische Vereine gegründet, in vier Orten zionistische Mädchenvereine ins Leben gerufen und in zahlreichen Städten die schon bestehenden Vereine reorganisiert und zur neuen Tätigkeit angespornt. Außerdem hielt Herr Prof. Goldental auf spezielle Einladung auch mehrere Vorträge in Radautz. Durch diese hingebungsvolle Tätigkeit im Dienste unserer Sache hat sich Herr Güldental den Dank der rumänischen Gesinnungsgenossen in hohem Maße erworben. Südafrika Johannesburg. Die Herren Leopold Keßler, London, und J. Zuckermann, Kapstadt, die als Delegierte für Südafrika am X. Zionist. Kongreß in Basel teilgenommen haben, erstatteten in einer großen Versammlung in der Zionist Hall in Kapstadt einen Bericht über den Kongreß. Herr Advokat Alexander, der den Vorsitz führte, las einen Brief von Rev. A. P. Bender vor, der die interessante Mitteilung enthielt, daß der Senat der Universität von Kapstadt beschlossen hat, das Hebräische zusammen mit Geschichte und Griechisch als alternatives Prüfungsfach für das Immatrikulierungsexamen anzunehmen. Dieser Beschluß ist das Resultat einer Aktion, die vom Vorstand der südafrikanischen zionistischen Föderation ausgegangen ist, und die Nachricht vom Erfolg wurde von der Versammlung mit Begeisterung aufgenommen. In jhrem Berichte hoben die Herren Keßler und Zuckermann hervor, welche große Rolle auf dem letzten Kongreß die Verbreitung der jüdisch-nationalen Kultur und der hebräischen Sprache gespielt habe. Ferner wurde auf die Bedeutung hingewiesen, die die Zionisten in Südafrika gemäß ihrer Zahl bei der Unterstützung der verschiedenen zionistischen Institutionen haben. Den Delegierten wurde für ihre Berichte herzlichst gedankt. Brief aus Konstantinopel (Von unserem Berichterstatter.) 5 Die türkische Flotte und die Juden Die ottomanischen Juden haben ihre patriotischen Gefühle so oft bewiesen, und das ist von hervorragenden politischen Faktoren der Türkei so oft anerkannt worden, daß eine starke Anteilnahme der Juden an dem Aufbau der türkischen Flotte, der augenblicklich den Osinanen mehr als alles am Herzen liegt, nicht zweifelhaft sein konnte. Wenn nun aber doch die Resultate dieses Interesses an der gemeinsamen Sache bisher so geringfügige gewesen sind, daß die alltürkische Flottenkommission sich kürzlich an den Großrabbiner wenden mußte, um eine Vermehrung der jüdischen Anstrengungen herbeizuführen, so lag das an dem mangelhaften Organisationsvermögen, das neben schneller Erschlaffung der Tatkraft ein negatives Charakteristikum der orientalischen Judenheit ausmacht. Zwar individuell war sicherlich auf jüdischer Seite genügend, ja eher über als unter dem Durchschnitte des allgemeinen Bürgermaßes, für die Flotte aufgebracht worden