Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 44 (3.11.1911)
- Date
- 1911-11-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1156 - -= DIE 2 Bewirtschaftung oder der Verpachtung ausfindig zu machen. Für die Nationalfondsgüter, die vom Nationalfonds selbst verwaltet werden, ist die beste Bewirtschaftungsmethode zweifellos in der Baumzucht gegeben, und so entwickelte sich die Kooperation von Nationalfonds und Oelbaumspende, die, mit verschiedenen propagandistischen Methoden geschaffen, nun zur fruchtbaren Zusammenarbeit gelangt sind. Mit dem Fortschritt unserer Arbeit stellte es sich heraus, daß wir neben dem Nationalfonds eine Gesellschaft brauchen, die ihren Bodenbesitz wieder veräußern darf, denn die Ueberlegenheit der nationalen gegenüber der philanthropischen Kolonisation besteht ja gerade in der Möglichkeit, besitzende Elemente ins Land zu ziehen. Daher wurde die Palestine Land Development Company gegründet, die ihre Kauf- und Parzellierungstätigkeit erfolgreich aufgenommen hat. Hier ergab sich nun wiederum die Möglichkeit der Kooperation mit dem Nationalfonds. Da dieser nur Ländereien erwerben darf, die in seinem Eigentum verbleiben sollen, so kann er nur schrittweise mit Käufen vorgehen. Dagegen ist es ihm unbenommen, durch Beleihung anderer Gesellschaften den Landerwerb durch Private zu fördern, und tatsächlich hat die Beleihung der P. L. D. C. den ersten größeren Erfolg dieser Gesellschaft ermöggELT --= No. 44 licht. Ebenso wurde im Falle der Jaffaer Häuserhuigenossenschaft verfahren, die Teil Awiw gründete, und mit Befriedigung kann die Verwaltung des , N. F. darauf hinweisen, daß sie durch ein sicheres, in regelmäßigen Raten zurückfließendes Darlehen diese wichtige Schöpfung ermöglicht hat. Alle unsere Gesellschaften sind nützlich und gehen von gesunden Prinzipien aus. Oppenheimers Siedlungsfonds, die Immobiliengesellschaft, die Wolffsohn-Stiftung für Arbeiterhäuser — sie alle entspringen tatsächlichen Bedürfnissen, und wenn wir fragen, ob wir noch weitere Institutionen benötigen, so ist die Antwort ein deutliches: Ja. Noch haben wir kein Agrarkreditinstitut, noch fehlt uns ein Fonds zur Lösung unserer großen kulturellen Aufgaben, und speziell für größere Landkäufe wird sich von Fall zu Fall die Bildung von besonderen Gesellschaften als praktisch erweisen. Durch kluge Ausnutzung der verschiedenartigen Interessen der Judenheit in allen Ländern wird es uns möglich sein, die nötigen Mittel zu schaffen. Dann aber müssen wir durch planmäßige Kooperation unserer Gesellschaften den größtmöglichen kolonisatorischen Fortschritt zu erzielen suchen. In dieser organisierenden, zusammenfassenden Tätigkeit erblickt die öffentliche Meinung des Zionismus eine der wichtigsten Aufgaben der Parteileitung. Zur Kolonisations- und Arbeiterfrage in Palästina Von S. Dyk. I. Palästina gehört zu den ariden Gebieten, d. h. zu den Ländern, die eine Regen- und eine absolute Trockenheitsperiode aufweisen. Diese Tatsache ist für die Land- und Gartenwirtschaft von ausschlaggebender Bedeutung und bedingt eine entsprechend angepaßte Betriebsweise. Die Niederschlagsmengen, die in den Monaten von Ende Oktober bis etwa Ende März fallen und je nach der geographischen Höhenlage 400—800 mm im Jahre erreichen, genügen vollständig zum Anbau von Kultlirgewächsen, für die auf dem Weltmarkt eine andauernde Nachfrage herrscht. Die Hitze im Sommer übersteigt niemals die Höhe, bei der etwa der Anbau von Sommerkulturen ohne künstliche Bewässerung unmöglich wäre. Ich erwähne nur die Durrhapflanze und den mit so zarten Blättern ausgestatteten Sesam, die erst im Herbst abgeerntet werden, somit im Sommer wachsen und reifen. Der Boden unterscheidet sich in seiner Struktur und mineralogischen Zusammensetzung nur wenig von den Kulturboden Europas, und die durch klimatische Eigenheiten bedingten physikalischen Erscheinungen, wie Risse und Sprünge in der Ackerkrume und im Untergrund, können ohne viel Schwierigkeiten beseitigt werden: Wasserbestände und Wasserbeschaffung, wo solche für bewässerte Kulturen in Betracht kommen, sind in den ineisten Gegenden vorhanden, beziehungsweise leicht möglich. An Stellen, wo die Hebung des Untergrundwassers schwierig oder das Aufsammeln des Regenwassers nötig ist, bleibt dies eine Frage der Technik und der Rentabilität, nirgends aber ist die Beschaffung absolut unmöglich. Die arabische Methode der Bearbeitung und Ausbeutung des Ackergrundes — von einer Bewirtschaftung kann man schwer sprechen —■ ist die denkbar primitivste Art der landwirtschaftlichen Nutzung des Bodens. Der Hackenpflug und der „Piosch", die einzigen Geräte, blicken auf eine vieltausendjährige Vergangenheit zurück und scheinen noch lange nicht in die Museen wandern zu wollen. Der Araber nutzt und beutet den Boden aus, ohne ihm auch nur die nötige Luft, den notwendigsten Pflanzenrückstand zu lassen. Mit der Auffassung Hubert Auhagens, die Ackerweise der Araber beruhe auf Empirik, sei der Landesnatur angepaßt und empfehlenswert, da sie den Feuchtigkeitsgehalt der Ackerkrume hebt, kann ich mich ohne weiteres nicht befreunden. Diese Methode haben die Araber aus Indolenz beibehalten. Daß durch das flache Ackern auf Grund der Kapillarität die Feuchtigkeit des Untergrundes bis zur Ackersohle steigt, ist sicher richtig. Aber ebenso richtig ist es, daß eine tief durchgearbeitete, an organischer Substanz reiche Ackerkrume mindestens soviel Feuchtigkeit aufweist, wie die Hackenpflugkruine, schon ganz abgesehen von allen übrigen Vorzügen. Weil der Bodenbau und die Kultur der Pflanzen primitiv geblieben sind, ist auch die Viehzucht, wenn man hier von einer solchen überhaupt sprechen darf, noch sehr rückständig. Elende Rinder von der öröße eines Hundes, ganz primitive Fettsteiß- und Fettschwanzschafe, ebensolche Ziegen, etwas bessere Maultiere und Esel. Eine Ausnahme bilden die Pferde, die sich ihrem Typus und ihrer Aufzucht nach als Reittiere präsentieren. Schon der Umstand, daß auf den Märkten nur unkastrierte Exemplare zu kaufen sind, ist von Nachteil, denn ein Spannen von Hengst und Stute ist unmöglich, gemeinsames Weiden und gemeinsame Stallhaltung nicht ungefährlich. Werden 4—6 jährige Pferde — da meist Tiere in diesem Alter zu Angebot gelangen — nachträglich kastriert, so treten oft nachteilige Gesundheitserscheinungen auf. Die der fortwährenden menschlichen Pflege nicht unterworfenen Baumbestände treten nur in manchen Gegenden in kleiner Zahl und unschönen Exemplaren auf. Es sind dies meist wilde Eichen und Johannisbrotbäume. Die in größerer Ausdehnung vorhandenen Olivenhaine unterstehen einer dauernden Fürsorge und drücken dem sonst so kahlen Landschaftsbild ihren charakteristischen Stempel auf.