Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1911-11-03 · 44 (3.11.1911) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
44 (3.11.1911)
Date
1911-11-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3315709-3316458-3316505--55191-3349010
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

DIE BERLIN W.15, SACHSISCHE STR. 8. ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XV. JAHRG. BERLIN, 3. November 1911 urrfai!? rDnn 'X fiffmD 2"* f]^2 No. 44. Kooperation unserer Palästinagesellschaften Die zionistische Organisation hat erst seit kurzer Zeit begonnen, sich der Kolonisationsarbeit in Palästina zuzuwenden. Erst seit der Gründung des Palästinaamtes sehen wir zielbewußte Anstrengungen, die Kolonisation in größerem Maßstabe in die Wege zu leiten, und seit diesem Zeitpunkt (ist in unserer Partei eine lebhafte Diskussion über die Mittel und Wege entstanden, die uns unserem Ziele näherbringen sollen. Wir brauchen an dieser Stelle nicht mehr des längeren auseinanderzusetzen, warum wir in der ländlichen Siedlung, in der Schaffung von größeren und kleineren Outsbetrieben und Plantagenwirtschaften, das Hauptziel unserer Kolonisationsarbeit erblicken. In uns allen lebt die Erkenntnis, daß nur der Besitz des Landes, die tatsächliche Herrschaft über den Grund und Boden, die Möglichkeit einer großen jüdischen Siedlung gewährt, daß die Entwicklung einer an Leib und Seele gesunden jüdischen Jugend, die Verwurzelung unseres Volkstums in Palästina, die Belebung unserer Sprache von der „Schaffung eines geschlossenen jüdischen Wirtschaftssystems durch Rückkehr zur Landwirtschaft" (Ruppin) abhängt. Diese Rückkehr aber ist nicht leicht. Je mehr wir uns mit der Kolonisationstätigkeit befassen, um so klarer erkennen wir die Schwierigkeiten unserer Aufgabe, und aus der technischkolonisatorischen Arbeit ergeben sich Erfahrungen, die von den Leitern unserer Institutionen, soweit sie der Kolonisation dienen, sorgfältig beachtet werden müssen. In manchen Kreisen unserer Gesinnungsgenossen wird Klage darüber geführt, daß die Zahl dieser Institutionen sich kaum mehr übersehen lasse, und wir hörten Stimmen der Kritik, die sich gegen die fortgesetzten „neuen Gründungen" wandten. Es ist richtig, daß wir viele Institutionen haben, aber keine einzige ist überflüssig. Das Wirtschaftsleben ist ein sehr komplizierter Mechanismus und für seine verschiedenartigen Bedürfnisse sind zahlreiche Organe notwendig. Nur muß dafür gesorgt werden, daß diese Organe stets in richtiger Weise zusammen, niemals unabhängig voneinander.oder gar gegeneinander, arbeiten. Und das ist nur möglich, wenn die allgemeinen Richtlinien unserer Palästinaarbeit klargestellt sind, denn nur dann wird eine Abgrenzung der Tätigkeit unserer Gesellschaften und ein gedeihliches kooperatives Wirken möglich sein. Wenn ein solches System der Kooperation, dessen Anfänge wir bereits wahrnehmen, zur Grundlage unserer Palästinaarbeit :gemacht wird, so werden die Klagen über die große Zahl unserer Gründungen bafd verstummen. Es ist eine alte Erfahrung unserer Agitatoren, daß man von dem jüdischen Volk für ganz bestimmte palästinensische Zwecke, für die eine besondere Gesellschaft gebildet wird, viel leichter Geld bekommt als für einen allgemeinen Fonds, und schon deshalb können wir auf das System der Neugründungen nicht verzichten. In dem einen Lande findet man Interesse für eine Ackerbauschule, in dem anderen für eine Landkaufsgesellschaft, und es wäre ein großer Fehler, wenn wir die verschieden gerichteten 'Interessen der geographisch und sozial getrennten Gruppen der Judenheit bei unserer Werbetätigkeit nicht berücksichtigen wü rden. Aufgabe der Parteileitung ist es, alle Institutionen und Gesellschaften, die von uns geschaffen wurden, mit fester Hand zur systematischen Zusammenarbeit zu vereinigen. Dann wird es sich 'zeigen, wo das System Lücken zeigt, welche Neugründungen nötig, welche Institutionen in der nächsten Zeit besonders zu fördern sind. Nur auf diese Weise wird es möglich, den Landesorganisationen und Föderationen Weisungen für die Agitation zu geben und in der Partei das Bewußtsein zu erwecken, daß wir uns nicht in Einzelheiten verlieren, sondern planmäßig an der Stärkung unserer Position in Palästina arbeiten. Unser wichtigstes kolonisatorisches Instrument ist der Jüdische Nationalfonds. Als er gegründet wurde, verfügte die zionistische Organisation noch nicht über die kolonisatorischen Erfahrungen, die wir im Laufe der letzten Jahre gesammelt haben. Nur der allgemeine Gedanke des .Landkaufs, der Wunsch, für das jüdische Volk Grund und Boden in Palästina zu erwerben, führte zu seiner Gründung. Es zeigte sich aber sogleich, daß mit dem Kauf des nackten Bodens noch kein kolonisatorischer Fortschritt erreicht war. Nach dem Statut des Nationalfonds darf er seinen Besitz nicht wieder veräußern, er muß ihn also selbst bewirtschaften oder verpachten, und damit ergab sich sogleich die Notwendigkeit, die rationellste Methode der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.