Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 43 (27.10.1911)
- Date
- 1911-10-27
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 43 DIE3§ffiLT 1137 nisse des letzten Kongresses ganz falsch interpretiert, ist diese Schwenkung doch sehr interessant. In dem Leitartikel der Nr. 22 vom 22. September heißt es: „Der politische (herzlianische) Zionismus wurde auf der Baseler Versammlung hauptsächlich durch die Stimmen der russischen Delegierten erstickt. Dies ist durch die Verlegung der Zentrale nach Berlin betont worden. Die Organisation hat den Nationalismus wenigstens vorläufig definitiv aufgegeben und wird für die wirtschaftliche, soziale, kulturelle und moralische Hebung der Juden in Palästina arbeiten. Hier schließt das erste Kapitel. Der „Israelite" ist bereit, mit der Federation of American Zionists zu diesem Zwecke Hand in Hand zu arbeiten. Er hat den jüdischen Neo-Nationalismus von Anfang an konsequent und beständig, wenn auch zeitweilig heftig bekämpft. Er hat nie Personen angegriffen, im Gegenteil, die Mehrzahl der zionistischen Führer waren persönliche Freunde des Chefredakteurs. Der „Israelite" beglückwünscht alle zu dieser Entwicklung und freut sich sehr, daß keine Gegnerschaft mehr seinerseits notwendig sein wird mit Bezug auf das, was viele als eine heilige Sache betrachtet haben." Der „Israelite" hat diesen beabsichtigten Wechsel in seiner Politik in keiner Weise angedeutet, aber vor Rosch Haschana hat Herr Dr. Gotthard Deutsch, einer der Redakteure des „Israelite", eine Aeußerung veröffentlicht, worin er allen Juden geraten hat, dem Jüdischen Nationalfonds das Geld zuzuwenden, welches sie gewöhnlich für Neujahrsgrüße ausgaben. Dr. Max Heller, der Leitartikel für den „Israelite" schreibt, ist einer der Vizepräsidenten der amerikanischen Federation. Am 25. September hat der Vorsitzende des Exekutiv- Comites der amerikanischen Federation einen Brief an die Redaktion des „American Israelite" gerichtet, worin er u. a. schreibt: „Ohne eine Diskussion in bezug auf die wirklichen Ergebnisse des 10. Zionistenkongreß einzuleiten, wollen wir unsere Befriedigung über Ihren Entschluß ausdrücken, den Sie in einem Leitartikel in Ihrer vorwöchentlichen Nummer kundgaben, Hand in Hand mft der Federation of American Zionists für die wirtschaftliche, soziale, kulturelle und moralische Hebung der Juden in Palästina zu arbeiten .... Wir hoffen, daß, indem Sie mit uns in der von Ihnen angedeuteten Richtung arbeiten, Sie unsere Aufrufe an die amerikanischen Juden fördern werden, mindestens so viel für Palästina zu tun, als von unseren Brüdern in Rußland getan wird, die von einer despotischen Regierung und wirtschaftlicher Unterdrückung gehemmt sind." Brief aus Konstantinopel (Von unserem Berichterstatter.) Jüdisches aus der Hauptstadt Die Pläne zum Bau neuer jüdischer Viertel anstelle der abgebrannten sind von dem Komitee der Hilfsgesellschaften bereits genehmigt. Es wird eine Baugesellschaft gegründet, die mit dem Bau von vierzig Einfamilienhäusern ihre Tätigkeit beginnen iWird. Jedes Haus wird zwei Etagen mit drei Zimmern und Zubehör enthalten und an 2000—2500 Franken kosten. Die Familien, die sich in den Besitz dieser Häuser zu setzen gedenken, werden aus dem Erlöse des Bauplatzes ihres niedergebrannten Hauses 15—25 o/0 in bar als Anzahlung an die Gesellschaft zu entrichten haben und den Rest in Form von Mietszins im Ablaufe von zehn Jahren zu amortisieren haben. Aus den so an die Gesellschaft zurückfließenden Geldern werden immer neue Häuser errichtet werden, so daß mit der Zeit eine totale Erneuerung der beiden Vororte B a 1 a t und H a s k ö j zu erwarten ist. Terrains stehen bereits zur Verfügung. In Hasköj hofft man, solche von der Alliance Israelite zu erwerben, die einen großen Bauplatz, ursprünglich für Schulbauten bestimmt, besitzt und bis nun hat brach liegen lassen. Juristen sind mit der Festlegung der gesetzlichen Basis für die Bäugesellschaft beschäftigt. Die Reform des jüdischen Schulwesens geht langsam, aber in befriedigender Weise ihrer Realisierung entgegen. Die große Kommission läßt sich ganz besonders die Schaffung des Lehrer- und Rabbiner-Seminars angelegen sein. Die Ausarbeitung der Pläne ist einem kleineren Kollegium, bestehend aus Rabbiner Dr. Markus und Nissim Effendi Hamon, übertragen worden und ist so gut wie abgeschlossen. Genaueres über das interessante Projekt ein anderes Mal. Gegen die zahlreichen Mädchenbekehrungen zum Islam, die besonders in Saloniki Anlaß zur Besorgnis gegeben haben, und die nicht selten auf Verführung, zuweilen selbst auf Raub, zurückzuführen waren, hat der Chachambaschi endlich Schritte getan. Er hat, um seinem Eintreten besseren Erfolg zu sichern, ein Zusammengehen aller Patriarchate in dieser Frage herbeigeführt, die ebenfalls über dieselbe Not zu klagen hatten. Es haben bereits mehrere Besprechungen der Vertreter der Patriarchate im Großrabbinate stattgefunden, und man erhofft einen Erfolg der bevorstehenden gemeinsamen Intervention bei der Regierung. Freilich, bei dem jetzigen allgemeinen , Tohuwabohu ist nichts vorauszusagen. Der Geiz der Konstantinopeler Juden hat sich wieder einmal in recht häßlicher Weise manifestiert. Der Appell des Großrabbiners zur Sammlung von Hilfsgeldern für die abgebrannten 600 jüdischen Familien von Aid in hat kaum 5 Pfund zusammengebracht; die Subskription der „Aurorea etwa 6 Pfund. Im ganzen sind 11 Pfund und 67 Piaster zusammengekommen, was — wie die „Aurore" mit bitterer Ironie berechnet — etwa 30 Para pro Kopf der Abgebrannten, d. h. 12 Pfennige, ausmacht. Ein trauriges Resultat, fürwahr. fgj PALÄSTINA jjffi Chederah. Am 18. Tischri verschied hier der Kolonist Israel Feinberg. Der Verblichene gehörte zu den Gründern von Rischon le Zion und Katra. In beiden Kolonien hat er in der ersten schweren Zeit tapfer mitgearbeitet. Bei Ueberfällen war er stets einer der ersten, die zum Schutze der jungen Siedlungen herbeieilten. Nachher ist er nach Jaffa übergesiedelt und gehörte zu den ersten Freunden des hebräischen Gymnasiums, dessen Aufsichtsrat er als tätiges Mitglied angehörte. Auch in privaten Angelegenheiten war er stets hilfsbereit. Seit einigen Jahren hatte er sich in unserer Kolonie niedergelassen und hat nicht wenig zur Hebung von Chederah beigetragen. Unsere Kolonisten und mit uns alle Freunde des neuen Jischuw werden ihm ein treues Andenken bewahren. Zum Direktor der hiesigen Volksschule wurde der bekannte Pädagoge und hebräische Schriftsteller Israel B e 1 k i n d bestellt. Herr Beikind wird hier die Herausgabe seiner populärwissenschaftlichen Monatsschrift für die Kunde Palästinas „Harnmeir4k fortsetzen. Postsendungen nach Merchawja. Die Freunde und Verwandten der Arbeiter in Merchawja (Foule) werden ersucht, Briefe und Pakete folgendermaßen zu adressieren: Merchawja pres de Caiffa, Palestine und dann den Namen des Empfängers hinzuzufügen. Der dritte Band von Ben-Jehudas großem hebräischen Wörterbuch Mit der jüngsten Lieferung des im G. Langenscheidschen Verlag in B e r 1 i n erscheinenden Thesaurus totius Hebraitatis von Elieser Ben-Jehuda liegt der dritte Band dieses großangelegten Werkes abgeschlossen vor. Derselbe reicht bis zum Artikel „Charada". Zur Feier dieses literarischen Ereignisses versammelten sich im Hause des Autors in Jerusalem eine Anzahl jüdischer Gelehrter und Schriftsteller, die Herrn Ben-Jehuda zu den Fortschritten des bedeutsamen nationalen Werkes beglückwünschten. Es waren aus diesem Anlasse auch zahlreiche ^Glückwunschtelegramme eingelaufen. Das regelmäßige Erscheinen der weiteren Lieferungen des Wörterbuchs kann als gesichert gelten. Aus der palästinensischen Kolonie Artuf Die im Jahre 1896 von sephardischen Juden aus Bulgarien gegründete Kolonie Artuf (hebräischer Name: Har-Tow) an der Bahnlinie Jaffa-Jerusalem entwickelt sich sehr gut. Der früher kommunistisch bewirtschaftete Boden ist jetzt aufgeteilt, und die Streitigkeiten mit den in Bulgarien zurückgebliebenen Genossen sind endgültig geschlichtet. Vor kurzem versammelte sich die Jugend der Kolonie, um über die geistige Hebung der Bewohnerschaft Rat zu pflegen. Es soll eine Bibliothek und Lesehalle, ferner ein Kursus zur Pflege der hebräischen Sprache