Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 43 (27.10.1911)
- Date
- 1911-10-27
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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W 0\ I m i 4? 1136 DIE3$£E LT No. 43 Bosnien und Herzegowina Sarajewo. Der „Jüdische Nationalverein für Bosnien und Herzegowina" beginnt bereits im gesellschaftlichen Leben Sarajewos eine bedeutende Rolle zu spielen. Arn Samstag den 16. September eröffnete er seine Lokalitäten (Sahtijanuca ulica 3.) zur allgemeinen Benützung der Mitglieder. Nach einer kurzen Eröffnungsrede des Präsidenten Herrn Dr. Otto Horwitz hielt der Sekretär des Vereines Herr Siegfried Weber einen Vortrag über „Die nächsten Aufgaben und Ziele des Jüdischen Nationalvereines", und entwickelte in eingehender Weise das künftige Arbeitsprogramm des Vereines. Der Verein habe die Absicht, nach Tunlichkeit allwöchentlich einen populär-wissenschaftlichen Vortrag, jüdischen und anderen Inhalts, abhalten zu lassen. - Die ca. 800 Bände umfassende Vereinsbibliothek werde schon in allernächster Zeit eine bedeutende Bereicherung an jüdischen und anderen Werken erfahren. Die bereits zur Zufriedenheit funktionierende Turnsektion wird getestigt und durch Schaffung neuer Riegen weiter ausgebaut werden. — Es ist geplant, daß bei der nächsten Makkabäerfeier eine kleine Gruppe Turner auftreten soll, um zum ersten Male hier vor die jüdische Oeffentlichkeit zu treten. Die Lesehalle des Vereines, welche mehr als 100 verschiedene Zeitungen in neun Sprachen zur Verfügung stellt, wird ebenfalls noch durch Vermehrung der Bücher planmäßig ausgestaltet werden. Des weiteren will sich der Verein zur Aufgabe machen, die künstlich geschaffene Kluft zwischen den beiden Judengruppen Sephardim und Aschkenasim zum Verschwinden zu bringen. Eine Lücke im gesellschaftlichen Leben der hiesigen Juden bildet das Fehlen eines jüdischen Heimes, das in allen größeren jüdischen Zentren üblich ist. Der Verein will nun den Anstoß zur Schaffung eines solchen Heimes geben. Das Hauptgewicht seiner Tätigkeit müsse der Verein aber auf die Propagierung des jüdischen Nationalgedankens legen. Durch häufige Veranstaltung von Versammlungen und Diskussionen erwartet der Verein, daß sich die jüdische Masse in den Zionismus weiter vertiefen werde. Ueberall, wo es nur angeht, soll der nationale Charakter der Juden hervorgehoben und ihnen nationales Selbstbewußtsein beigebracht werden. Eine großartige Manifestation für den jüdischen Nationalgedanken soll die vom Vereine für den 16. Dezember d. J. im großen Vereinshaussaale geplante Makkabäerfeier sein, für die Herr Großrabbiner Dr. Ehrenpreis aus Sofia als Festredner gewonnen wurde. Der Referent ermahnte die zahlreichen Zuhörer, an der nationalen Wiedergeburt des jüdischen Volkes regen Anteil zu nehmen und erntete für seine Ausführungen reichen Beifall. Nach diesem Vortrage folgte ein Terzett der Herren: Salam. Alkalay, Hugo Hoff mann und Jungic; Fräulein Becker trug „Prinzessin Sabbath" von Heine, H. Rosenfeld einige Gedichte von seinem berühmten Namensvetter Morris Rosenfeld und E. K a j o n eigene Dichtungen vor. Zum Schlüsse wurde ein von etwa 80 Personen besuchter Kommers abgehalten, welcher die Teilnehmer bei Vorträgen und Gesängen bis in die tiefe Nacht vereinigte. Mostar. Im vergangenen Monat hielt hier im Auftrage des „Jüdischen Nationalvereines für Bosnien und Herzegowina'' in Sarajewo Herr Dr. Nison K a h a n, Mitglied der ungarländischen zionistischen Landesorganisation, einen Vortrag über Zionismus, welcher ziemlich gut besucht war. England Die halbjährliche Konferenz der English Zionist Federation fand vorigen Sonntag in London unter dem Vorsitz von Mr. Joseph Co wen statt. Die Tagesordnung enthielt folgende Punkte: 1. Antrag des Vorsitzenden im Namen der Exekutive: Die Delegierten auf dieser Konferenz der E. Z. F. sprechen ihr Bedauern aus über die letzthin stattgefundenen Angriffe auf ihre Glaubensgenossen in Süd-Wales und versichern sie ihres aufrichtigen Mitleids. 2. Antrag des Vorsitzenden im Namen der Exekutive: a) Die E. Z. F. spricht Herrn David Wolffsöhn ihren herzlichsten Dank aus für seine unermüdliche und fruchtbare Tätigkeit im Interesse des Zionismus als Präsident der Zionistischen Organisation und drückt ihre Befriedigung darüber aus, daß er noch weiter tätigen Anteil an der Leitung der Bewegung nehmen wird; b) die Versammlung des Zentralkomitees der E. Z. F. spricht ihr Vertrauen zu den vom X. Kongreß gewählten Führern der Bewegung aus und macht es zur Pflicht der Federation, die Arbeit des E. A. C. für die Förderung der zionistischen Sache mit allen Mitteln zu unterstützen; c) die Frage der Anerkennung des Order of Ancient Maccabaeans als Sonderverband. Aus dem Jahresbericht geht hervor, daß im letzten fahre an Schekelgeldern £ 215.9.0 gesammelt wurden. Die Anträge der Exekutive zu 1 und 2 a—b wurden angenommen. Die Frage der Anerkennung des Order of Ancient Maccabaeans wurde bis zur Entscheidung durch das E. A. C. vertagt. Belgien Antwerpen. Am 26. September fand eine Generalversammlung des Antwerpener Misrachivereins „Benei Zion" statt. Als Delegierter der Berliner Tagung erstattete Herr S. Wolff ausführlichen Bericht über den genauen Verlauf der Konferenz, indem er zu den bei derselben aufgetauchten Fragen seine eigene Stellungnahme präzisiert. Er hofft, daß die im Anschluß an die Konferenz mit dem E. A. C. geführten Verhandlungen bei der nächsten Sitzung des G. A. C. zu einem befriedigenden endgültigen Resultate führen werden, in welchem Falle jeder streng-fromme Jude nach wie vor mit Vertrauen im Zionismus arbeiten kann. Er habe nämlich bei den Verhandlungen mit dem E. A. C. den Eindruck gehabt, daß bei demselben für die Anschauungen und Wünsche des Misrachi volles Verständnis besteht, und der Wille, letzterem möglichst entgegenzukommen, ernst ist. Die Führung des Misrachi liege in guten Händen, er habe zu dessen Leitung, mit Herrn Dr. Frank an der Spitze, volles Vertrauen. Es obliege allen Misrachisten, denen es um die Sache des Zionismus ernst ist, dieselbe tatkräftigst zu unterstützen. Eine der wichtigsten Aufgaben des Misrachi wird es sein, das Schulwesen in Palästina im Sinne der Tachkemoni bald weiter auszubauen, sowie weitere positive Arbeiten zu unternehmen. Herr R. Cohn, der ebenfalls in Berlin war, dankt im Namen des Vereins dem Referenten für seine Ausführungen, die von dem Verlauf der Konferenz ein solch anschauliches Bild geben, daß er es für überflüssig erachtet, irgend etwas hinzuzufügen. In einer darauffolgenden Aussprache sprechen sich einige Mitglieder befriedigt über den Verlauf der Konferenz aus, da sie zur Klärung der Lage Nützliches beigetragen habe. Denn einerseits hat sie der obersten Leitung klar zum Bewußtsein gebracht, daß der Misrachi streng darauf achten wird, daß der Zionismus nicht in irreligiöse Bahnen gerät, andererseits ist der Beweis erbracht worden, daß der Misrachi im Zionismus eine Kerntruppe bildet, auf die man absolut bauen kann, solange er mit der Religion, in der es naturgemäß keine Konzessionen geben kann, nicht in Konflikt geraten ist. Schließlich findet folgende Resolution Annahme: „Die Generalversammlung des „Benei Zion" erklärt sich mit den Beschlüssen der Misrachikonferenz einverstanden und erwartet, daß die mit dem A. C. schwebenden Verhandlungen zu einem Resultate führen, die es dem Misrachi ermöglichen, in der Organisation weiter zu wirken." Herr Cohn richtet sodann einen Appell an die Versammelten, daß sie ihre Kraft mit erhöhter Intensität in den Dienst des Misrachi stellen sollen. Wir müssen nicht nur unsere verlorenen Kräfte wieder gewinnen, sondern wir müssen eine imposantere Macht werden, damit unser Einfluß nach allen Richtungen hin zur Geltung komme. Im Namen des Vorstandes schlägt er vor, die Zahl der Vorstandsmitglieder des Vereins von 6 auf 9 zu erhöhen. Der Antrag wird angenommen, und die Herren S. Wolff, S. Gottdiener und Rosenzweig werden in den Vorstand gewählt. Eine Reihe von Herren, die bis jetzt nur rnisrachistische Schekel entrichtet hatten, lassen sich als Mitglieder des Vereins aufnehmen, um Gelegenheit zu haben, eifriger die Ziele des Misrachi zu fördern. Austritte sind in Antwerpen von den über 400 misrachistischen Schekelzahlern nicht erfolgt. Amerika „The American Israelite" in Cincinnati, das führende Organ des Reform-Judentums in Amerika, das bisher den Zionismus heftig befehdete, ist jetzt dem Zionismus günstiger gesinnt und hat sich bereit erklärt, mit der Federation of American Zionists für die wirtschaftliche, soziale, kulturelle und moralische Hebung der Juden in Palästina zusammen zu arbeiten. Wenngleich der „American Israelite" die Ergeb-