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Die Welt · 1911-10-27 · 43 (27.10.1911) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
43 (27.10.1911)
Date
1911-10-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Und wenn man einmal schwört, muß man auch dienen. Der Talmud sagt: Respekt vor dem Herrscher, wie Respekt vor Gott . . . Nachdem er geschworen hatte, wurde ihm erlaubt, seine Habseligkeiten zu packen. Ein Soldat begleitete ihn in seine Wohnung und die alte Mutter, welche aus dem Nachbarstädtchen hereingekommen war, half ihm den Koffer iauf den Rücken laden. Am nächsten Tag fuhr die „Kompagnie" weg . . . Als die japanischen Kanonen auf Port-Arthur herabdonnerten, war Schulim schon ein „alter Soldat" und stand in vorderster Reihe auf dem Fort. An das Donnern der Geschütze und das Geschrei des Feindes war der Bocher längst gewöhnt und wurde auch nicht unruhig, als die Zahl der Kanonenfuttersoldaten neben ihm täglich kleiner wurde. Eines Tages aber traf ihn ein Geschoß am linken Fuß. Schulim wurde ins Spital gebracht. Als er das Bewußtsein wieder erlangt, sah er einen japanischen Arzt vor sich und wußte bald, daß ihm der Fuß amputiert werden mußte. „Herr der Welt, ein Krüppel bin ich!" Tränen rannen über seine bleichen Wangen und er murmelte still vor sich hin: Boruch dajan emes („Gelobt sei der gerechte himmlische Richter"). Der Arzt versuchte, ihn zu trösten, sprach aber nur wenig russisch. Da raffte sich Schulim auf und fragte: „Herr Doktor, sprechen Sie deutsch? ich spreche Jargon, das ist ein bissei ähnlich. Ich möchte Sie um etwas bitten." Der Japaner bejahte die Frage und frug nach dem Begehren des Soldaten. „Herr Doktor, seien Sie so gut: In der Kaserne des 103. Regiments steht mein Koffer. Darin ist nur ein Hemd und einige Paar Socken. Diese Gegenstände brauche ich nicht einmal. Aber unter den Sachen liegt ein blaues Samtsäckchen mit Zugschnüren. Das sind meine Tefillin. Seien Sie so gut, Herr Doktor, lassen Sie mir die Tefillin holen. Hier im Spital kann ich täglich beten." Seinem Wunsche wurde noch am gleichen Tage entsprochen. Und als ob die Kraft des Gebetes sichtbar werden wollte: Schulim konnte schon nach vier Wochen das Bett verlassen und sich mit einer Krücke langsam fortbewegen. Von nun ab betete er täglich stehend... Der Krieg war zu Ende. Schulim wurde wieder der russischen Heeresverwaltung zurückgegeben, erhielt eine Taipferkeitsmedaille und ein Freibillet bis Warschau. Es wurde ihm, als Zeichen besonderer Anerkennung, erlaubt, in Sibirien zu bleiben6). Schulim trat sofort die Heimreise an, mußte aber wegen zu starken Andranges auf der Bahn in einer kleinen Station absteigen und einige Tage warten. Da machte er zufällig die Bekanntschaft eines Juden. Im Verlaufe des Gespräches stellte es sich bald heraus, daß sie jaus einem Gouvernement und sogar entfernt verwandt waren. Der ältere Jude, ein vor vielen Jahren nach Sibirien Verbannter, lud Schulim zu sich ein und sah bald, daß der Soldat ein Talmudgelehrter war. „Weißt du was?", sagte er zum Krüppel, „zu Hause kannst diu doch nichts machen. Und bis du nach Hause kommst, dauert es drei Monate. Allein sollst du gar nicht fahren, es kann dir unterwegs was zustoßen. Ich will dir was sagen. Hier sind vielleicht fünfzehn jüdische Familien, die brauchen einen Vorbeter, Religionslehrer und Rabbiner in einer Person. Der Funktionär bezieht ein ganz gutes Gehalt. Bleibe hier und werde unser Rabbiner." Schulim war einverstanden und gründete sich auf diese Weise eine glückliche Existenz. Jüdisches Glück! ,:) Die Juden dürfen bekanntlich in Rußland nur innerhalb des westlichen Ansiedelungsrayons wohnen, wenn sie keiine Privilegien haben. o o o o o o o o o o o o o o AUS DER BEWEGUNG O O O O O O O 3> o o o o o The Jewish Colonial Trust (Jüdische Colonialbank) Ltd., London E. C. Bilanz per 30. September 1911 £ s. cL 5758 8 10 43 397 j 7 7 44 390| 12 7 42 752; 17 j 6 26 761 2 , 13 PASSIVA: Autorisiertes Kapital: 100 Gründeraktien ä £ 1. 1999 900 Stammaktien ä £ 1.— 100.- 1 999 900. s. d. £ 2 000 000.— 100.- 258 296.- Gezeichnetes Kapital: 100 Gründeraktien ä £ 1.- 296 Stammaktien ä £ 1.— Reservefonds....... Trattenkonto ....... Rediskontkonto ...... Acceptkonto....... Kreditoren........ Pensionsfonds...... Di videndenkt. 1902/4/6/7/8 (unbehobene Dividende) 1909 1910 Gewinn- und Verlustkonto 1910 (Vortrag) Einnahmen........... . 258 396 j - 2 780' 2 3 083 1 4 18 739! 18 44 390| 12 89 676! 2 687 12 678 3 960 6250 1262 13 458 455 364 1 10 AKTIVA: Kasse: Bar und bei Banken....... Wechsel- und Devisenkonto...... Debitoren gegen Akzepte (wie nebenstehend) . The Anglo-Palestine Company Ltd., Jaffa . . The Anglo-Levantine Banking Company Ltd., Konstantinopel........... Debitoren: a. Nostri 49 676.—.1 b. Lori und Diverse 97 519. 2.7 c. Gegen Unterpfand 7 262 18.9 Effektenkonto £ 93 766 Aktien Anglo-Palestine Co. Ltd. £ 27 550 2Va°/o Consols ä 79l/2 £ 15000 Aktien Anglo-Levantine Banking Co. M 10000 Aktien Palästina Industrie Syndikat R 500 Russische Anleihe Mobiliar.............. Ausgaben............__ 154 458: 1 j 5 130 977 1 4 527 6 340 455 364 10

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