Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 42 (20.10.1911)
- Date
- 1911-10-20
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Deutschland die Aufhebuno des Beschlusses zu — hat gewiß noch dazu beigetragen. Auf Vorschlag des „Tanin" ist eine Liga der Feindschaft gegen Italien gegründet worden. Alle Ottomanen sind aufgefordert, ihr beizutreten. Jedes Mitglied muß auf zehn Grundgebote der Liga schwören, bevor es autgenommen wird. Diese Gebote verpflichten es zum ewigen Boykott und Haß alles dessen, was italienisch ist, und gipfeln in der Verpflichtung, die Kinder in dem gleichen grenzenlosen Hasse zu erziehen. Es soll eine straffe Organisation mit Kongressen geschaffen werden, die am Jahrestage der italienischen Kriegserklärung tagen und immer neue Mittel zur Schädigung Italiens ausfindig machen sollen. Kein Zweifel: den Italienern wird ihr chauvinistischer Kolonialhunger teuer zu stehen kommen. Das Ende der Judenlegende Die Legende behauptete, daß es Juden sein sollten, die den Willen des jungtürkischen Comites leiteten. Dieser Unsinn fand Gläubige und Verbreiter in der ganzen Welt, besonders an der Themse . . . Nunmehr ist der einzige Jude, von dem man mit einiger Berechtigung behaupten konnte, daß er im Saloniker Comite eine gewisse Rolle gespielt habe, aus dem Comite „Union et Progres" ausgeschieden. Er hat aus dem Beschlüsse des eben verflossenen Kongresses, die Freimaurerei sei unvereinbar mit seinem Programme, diejenige Konsequenz gezogen, die ihm sein Gewissen vorschrieb, und seine Demission aus der Partei der Majorität gegeben. Dem engeren Saloniker Comite hatte er schon lange nicht mehr angehört. Emanuel Carassos Schicksal hatte es vor zweieinhalb Jahren gewollt, daß das Los ihn dazu verurteilte, der Deputation anzugehören, die Abdul Hamid seine Abdankung mitzuteilen hatte. Das hat man ihm, den Juden und dem Comite nicht vergessen können. Hoffentlich wird nun Europa Ruhe haben und die Saloniker Judenlegende ihr Ende finden. Tripolis und die — Zionisten Ist es nicht selbstverständlich, daß wir der Türkei die Tripolisaffäre eingebrockt haben? Wenn nicht, so muß es erfunden werden, um die Aufmerksamkeit von den Realitäten abzulenken und zugleich Rachebedürfnisse zu befriedigen. Man höre: Der „Alemdar" bringt folgende Offenbarung aus Paris: „Vorgestern abend hielten der Advokat und italienische Untertan Salem aus Salonik, der Bankier Modiano, Präsident der Alliance Israelite, und mehrere andere Personen im Grand- Hotel eine Sitzung ab und hatten einen Meinungsaustausch über tripolitanische Fragen. Im Laufe dieser Tagung diskutierte man lange über die Abtretung von Tripolis und Benghasi durch die Türkei, Provinzen, die dem Reiche keinen Nutzen bringen, sondern bisher nur als Deportationsstätten gedient haben, gegen eine Entschädigung von 60 Millionen Francs. Es wurde die Ausarbeitung' eines Rechtfertigungs-Memorandums über diese Affäre und seine Sendung an den Saloniker Kongreß beschlossen. Wir glauben eine patriotische Pflicht zu erfüllen, indem wir erklären, daß zwischen diesen Zionisten und den tripoli tan i sehen und übrigen ottomanischen Juden keinerlei Beziehung besteht. Wir hoffen fest, daß der Kongreß sich nicht mit solchen Albernheiten beschäftigen wird. Die Zionisten setzen dieser Tage ihre Zusammenkünfte mit großer Rührigkeit fort. Wir erfahren aus sicherer Quelle, daß in der gestrigen N a c h t s i t z u n g beschlossen wurde, die nötigen Summen zur Hilfeleistung der tripolitanischen und der nach Malta geflohenen Juden aufzubringen, einen Vertreter zu ernennen, der in Unterhandlungen mit Italien eintreten solle für den Fall, daß diese Provinz besetzt w e r d e , und Italien bei der Zahlung des Abtretungspreises an die Türkei im Betrage v o n 60 000 000 Franken Beistand zu leisten, wogegen Italien d e m z i o n i s t i s c h e n Komitee Ländereien in Tripolis abzutreten h ä 11 e." Die Genialität des „Alemdar" und die Sicherheit seiner Quellen sind nicht mehr zu übertreffen. Jetzt liegt alles, alles zutage! Der Zionismus, Italien, der jungtürkische Kongreß, Salem und Modiano — schlimmer konnten wahrhaftig alle miteinander nicht kompromittiert werden. Nur ein einziger dauert uns, die arme, arme Alliance Israelite, die alles Erdenkliche und Uebererdenkliche getan hat, um einen Strich zwischen sich und dem Zionismus zu machen, es nun erleben muß, einen ihrer Präsidenten unter die Schändlichsten der schändlichen Zionisten rangieren zu sehen. Ein Opfer der Cholera Vor einigen Tagen ist der Vizepräsident des Bet-Din, Rabbi Elieser Funes zu Balat, an der Cholera verstorben. Dem Hingeschiedenen konnte nicht einmal ein jüdisches Begräbnis bereitet werden. Eine wichtige Antwort der türkischen Regierung, die Sicherheit in Palästina betreffend Auf die wiederholten Schritte, die, infolge dringender Vorstellungen von palästinischer Seite, der Chachambaschi der Türkei bei der ottomanischen Regierung getan hat, ist ihm nun der offizielle Antworts-Takrir vom Großwesirate zugegangen. Die Antwort der Regierung ist von lebhaftem Wohlwollen für die Juden Palästinas und von Fürsorglichkeit um ihre Sicherheit getragen. Der Antrag, an verschiedenen Punkten des Landes Militärposten zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung anzulegen, ist akzeptiert, und die Bereitwilligkeit der jüdischen Kolonien und Gemeinden Palästinas, die hierzu nötigen Bauten auf eigene Rechnung zu übernehmen, mit gebührender Anerkennnung zur Kenntnis genommen worden. Jedoch lehnt die ottomanische Regierung diese pekuniäre Mithilfe ab, da es ihre eigene Pflicht sei, für die öffentliche Sicherheit alles Nötige aufzuwenden. Zum Zwecke der Ausführung ihrer Intentionen fragt schließlich die Regierung den Chachambaschi an, an welchen Punkten der Provinz den Juden die Anlage der Militärstationen erwünscht sei. Der Chachambaschi hat diese Anfrage dringlich an die jüdischen Instanzen in Palästina weitergegeben und wird ihre Antwort ehestens an die Regierung übermitteln. Brief aus Österreich (Von unserem Berichterstatter.) Die Probe auf das Exempel Die zu einer großen Tagung versammelten deutschböhmischen Abgeordneten, die über die Besetzung des nach dem Tode Dr. Eppingers, des gewesenen Führers der Deutschböhmen, erledigten Thrones eines Ober-Deutschböhmen beschließen sollten, haben bei dieser Gelegenheit sich beeilt, unsere Voraussagen bezüglich der Juden und ihrer Rolle im deutschböhmischen Streit prompt zu bestätigen. Wir hatten bereits früher ausgeführt, wie bei dem bevorstehenden Friedensschluß zwischen Deutschen und Tschechen die Juden vollkommen übergangen werden und das einzige Recht, das ihnen gnädig eingeräumt wird, darin besteht, auch fernerhin für die Erhaltung des Deutschtums materielle Opfer zu bringen. Bei besagter Tagung erhob sich ein in den weitesten Kreisen vollkommen unbekannter Herr namens I n g r i s c h , der vielleicht gerade deshalb, weil er in alle Geschäftsgeheimnisse nicht so genau eingeweiht ist, mehr von diesen verriet, als es dem deutschliberalen Geschäfte zuträglich ist. Er sagte wörtlich folgendes: „W as trennt uns (Deutschliberale) eigentlich von der radikalen Partei? Sprechen wir es offen aus: Nichts als die Judenfrage. Läßt sich denn aber die radikale Partei nicht auch die Unterstützung der Juden gefallen? Und der Antisemitismus? Was haben wir unternommen, um uns zu Juden knechten zu stempeln? Gewiß nichts. Man hat auf keinem Gebiete die Wahrnehmung machen können, daß wir uns in der Vertretung jüdischer Interessen exponiert hätten oder daß es auch nur verlangt worden wäre, uns dafür zu exponieren."