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Die Welt · 1911-09-22 · 38 (22.9.1911) · page 11

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
38 (22.9.1911)
Date
1911-09-22
Page
– (sequence 11)
Language
German
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wird spätestens bis Dezember 1911 offiziell begrindet und legalisiert. 2) Das Gesaamtkomitee der „Organisation für hebräische Sprache und Kultur" "bildet mit einigen zu kooptierenden Persönlichkeiten das Organisationskomitee der „Techiah". Im weiteren Verlauf der Verhandlungen vnirde häuptsächlich die Einberufung eines hebräischen Kulturkon gresses besprochen. Es herrschte darüber völlige Übereinstimmung, daß jetzt die Zeit gekommen sei, an die Verwirklichung dieses Planes zu schreiten, der einen Hauptpunkt des Anbeitsprogramms der „Histadruth" bildet. Von verschiedenen Seite« wurde auf den tiefgehenden Eindruck hingewiesen, den die hebräische Sitnuig des Zionistenkongresses ün der gesamten jüdischen Welt und darüber hinaus hervorgerufen hat Es wurde hierbei hervorgehoben, daß z. B. die „Times" jener Sitzung einem besonderen Artikel an hervorragender Stelle widmeten. Zugleich wurde jedoch betont, daß der hebräische Kwlturkongreß nicht allein eine Demonstration nach außen hin iarstelien sollte, sondern vor alleitu die Aufgabe hätte, die hebräischen Kulturprobleme Ln ihrer Tiefe »nd Mannigfaltigkeit zu erfassen und der gesamten hebräischen lewegung Ziel und Richtung zu weisen. Daraufhin wurde einstimmig; beschlossen, «die Einberufung des hebräischen ICulturkongresses für den Sommer 1912 vorzubereiten und dieses Bestreben in den Mittelpunkt der Tätigkeit und der Agitation der „Histadruth" zu stellen. Zu iiesem Zwecke soll demnächst eine besondere Broschüre über die Bedeutung des hebräischen Kongresses publiziert werden. Deutschland Köln. Im einer ungemein zahlreich besuchten Versammlung hat am H.Septeniber die hiesige Ortsgruppe derZionis tischen Vereinigung von den Beamten des von Köln scheidenden Zentralbureaus Abschied genommen. Der Vorsitzende, Herr Max Goldreich, besprach in der Eröffnungsrede die mannigfache M itarbeit der Beamten des Zionistisch Zentralbureaus a_uf allen Gebieten jüdisch-nationalen Lebens in Kbh und dankte ihnen in herzlichen Worten. Nach ihm nahm Herr D;a vi d Wolf f sonn das Wort zu einer längeren Ansprache, in welcher er ausführte, es sei ihm ein Bedürfnis, den Beamten, die jahrelang unter seiner Leitunig tätig waren, öffentlich seine Anerkennung iiuid seinen Dank für Ihre Tätigkeit aaszusprechen. Der Redner zog «inen Vergleich zwischen der Zeit der Verlegung des Zionistischen Zentralbureaus von Wien nach Köln und der heutigen Zeit." Die Zahl der Beamten ist in dieser Zeit £mz bedeutend gewachsen. Wenn man hierzu die große Zall der Beamten in London, in Konstantinopel und in Palästina rechnet und bedenkt, daß in so vielen Landesorganisationen ebenfalls Beamte im Dienste unserer Sacke stehen, so muß man zu der Oberzeugung kommen, daß wir vorwärtsgekommen sind und daß wii über einen ansehnlichen Stab won Männern verfügen, welche -ihre ganze Arbeitskraft und ihre ganz»e Energie dem zionistischen Ideale widmen, und einen solchen Beamitenstab kann sich nur eine solcJie Organisation gestatten, die wirklich arbeitet und sich in aufsleigender Linie entwickelt. Es werden jetzt bei uns Ansichten laut, daß die Organisation Nebensache wäre, daß nur der zionistische Geist uns zum Ziele fitkren kann. Das sind dieselben Ansichten, wie sie unsere Brüder vielfach im Osten bei der Erziehung ihrer Kinder anwenden: den Geist auf Kosten des Körp«eis zu entwickeln. Unsere Organisation ist der Orper des Zionismus, und je gesunder der Orper, desto mehr kann der Geist schaffen und wirken. Deswegen liabe ich bei der Übernahme der Leitung die größte Sorgfalt auf «ten Ausbau unserer Organisation verwendet, und wenn es in den sechs Jahren gelungen ist, unsere Organisation auszubauen und am! eine feste Grundlage zu stellen, so habe ich dies in erster Linie den jetzigen Beamten zu danken." Weiter legte Herr Wolffsohn (ten Beamten, die »ach Berlin getoen, als eine ihrer wichtigsten Pflichten ans Herz, unter allen Umständen und bei allen auftauchenden Fragen die strengste Objektivüat zu wahren und innerhalb^der Organisation keine Parteipolitik zin"treiben. Erschloß mit den Worten: „Ich möchte noch wiederholen, daß ich den scheidenden Eeamten von Herzen danke und e=rwarte, daß sie in Berlin dem Zionismus ebenso verzügliche Dienste leisten werden wie in Köln" Hierauf sprach der Vorsitzende des Jüdischen Turnvereins in Köln, Herr Salomon Linz, den Mitgliedern des Zentralbureaus, die in der Leitung des Turnvereins mitgewirkt hatten, den Dank seines Vereins für tie. langjährige Unterstützung und Mitarbeit aus. Herr S. üoofien gab den Empfindungen des Bureaus gegenüber Herrn Wolffsohn Ausdruck. Es sei manchmal nicht leicht gewesen und auch öfters sogar kaum ein Vergnügen, unter Herrn Wolffsohn zu arbeiten. Trotzdem hätte jeder Beamte immer mit Freude unter Herrn Wolffsohn gearbeitet, weil «r wußte, daß, wie hocl auch die Anspiüche waren, die er an seine Mitarbeiter stellte, er m sich selbst noclh tausendfach Mhere Anforderungen stellte. Ferner dankte Herr Hoofien den scheidenden Kameraden für die s-tets bewiesene Kollegialität und freundschaftliche Zusammenarbeit im Zentralbureau. Die Herren Adolf Pollak unl Julius Löyry nahmen von Herrn Wolffsohn und von den Mitgliedern der Kölcier Ortsgruppe im bewegten Worten Abschied. De* letztere Red ner gab für die aus dem Dienst ler Organisation scheidenden Beaiinten die Versicherung ab, daß auch sie weiterhin stets die zionistische Arbeit zu ihrem höchsten Lebensinhalt machen werden. Hen Dr. Martin Rosenblüth toastterte in launigen Worten auf die Ortsgruppe Köllig worauf der Direktor des Jüdischen Nationalfonds, Herr Dr. M. I. Bodenheim er, in warmen Worten dem Zeintralbureau Lebewohl sagte. sprachen sodann noch die Henen Direktor Lery und Herr Referendar Eisberg, letalerer im Auftrag der Kölner Mitglieder des V. J. St. Österreich Ciöding. Die jüd. akad. Ferialveibindung „Gamala" in Göding veranstaltete am 10. September d. J, einen Kommers, der m glänzender Weise vorberei tet, einen große» Erfolg zeitigte. De n Mittelpunkt des Abends bildete die Tendsnzrede, gehalten von unserm Delegierten beim X.Kongresse, Prof. Hugo Stern, die mit reichem Beifall aufgenommen wurde. Troppau. Die eigentliche Arbeitssaison des zionistischem Vereins „Jeschurun" wurde am 2. d. M. mit der Berichterstattung unsers Delegierten am X.Kongresse, des H Dr. Friedmann eröffnet. Herr Dr. Friedmann besprach die diversen Parteirichtungen, die beute die gesamte Organisation beherrschen, utiä die vor dem Kongresse den Gegnern gern Gelegenheit gab, von der Uneinigkeit der 2ionisten selbst in ihren Zielen und Bestrebungen zu sprechen. Mit um so größerer Freude und Genugtuung konnte der Referent von der selteraen Einmütigkeit und dem unermüdlichen Streben mih wirklicher realer Arbeit, dlas sämtliche Delegierte beherrschte, berichten. Uni wenn sich auch zwei große Parteigruppen im edlen Wertkampfe am Kongresse gegenüberstanden, so wurden doch die Brücken geselllagen, die alle vereint marschieren lassen. — Es halten sich zu «diesem Abende «eine große Zahl von Vereinsmitglieton und Gästen eingefunden. Der Vereinsausschuß hat beschlossen, neben den wöchentlich regelmäßig stattfindenden Ausschußsitzogen an jedean ersten Samstag; eines Monats eitlen Vortrags- und Diskussionsabend wie im Vorjah re zu veranstaltest! und damit das Veretnsleben zu rieben und gleichzeitig seinen Mitgliedern Gelegenheit zu geben, den zionistischen Problemen näher zu treten. Brief aus Konstantinopel (Yon unserm Berichterstatter) Die politische Lage Die letzten Wochen sind für die Türkei in verhältnismäßiger Ruh« abgelaufen, die nur von einigen unliebsamen Intermezzos unterbrochen wurde. Weder die Meinungsverschiedenheit innerhalb des Kabinetts bezüglich der ßudgetlfrage, die bald dem Kriegsmini s1er, bald den Fi ltanz min ister dem Rücktritt nahe braclite, noch die Demission des Stadtpräfekten ^cn Konstantinopel, die die Bevölkerung mit gerechter Besorgnis vor neuem Anwachsen der Choleraepidemie erfüSlte, hat den vielprophezeiten Starz des Kabinetts Hakki Pascha herbeigeführt. Es ist offenbar, daß alles: Weitere, d. h. die fernem innein Geschicke der Türkei, von dem Verlaufe des am 30. September stattfindenden SalonikE&r Jungtürk«e:nkongresses abhängen wird. Die radikal jungtiirkischen Elemente, die sich um den „Tauin" und die Salonikier Blätter „Rumeli" und „Stlah" scharen, scheinen von ziemlicher Siegesgewaßheit erfüllt. Wenigstens läßt die uhIit oder weniger ungenierte Aurt, mit der sie Jas gegenwärtige Kabinett, die Salonikier und sogai Mahmud Schefket Pascha kritisieren, darauf schlie-ßen. Sie verlangen eine «titschieden radikal gefärbte Regierung; sie finden, alle bisherigen Kombinationen hallten ihrer halben, farblosen Kompromißnatur wegen Fallit gemacht and das Land unbefriedigt gelassen. Jetzt sei es endlich an der Zeit, daß das Salonikier Zentralkomitee und seine engsten Freunde entschlossen die Zügel der Regierung ergreifen. Fortab soll der rein liberale Gedanke das Reich regieren, nicht ein halber oder ganzer Konservatismus. Den energischsten Musdruck hat diese Pirole in dem interessanten Demissionsschreiben des Konstant nopeler Stadtpräfekten gefunden, das zweimal mit eindringlichen Worten statuiert, das Reich s-si unmöglich nach konservativen Gedanken zu regieren. ,

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