Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 38 (22.9.1911)
- Date
- 1911-09-22
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1008 DIE3$£ELT No 38 The Jewish Colonial Trust (Jüdische Kolonialbank) Limited Bekanntmachung Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß eine außerordentliche Generalversammlung des Jewish Colonial Trust (Jüdische Kolonialbank) Limited, in Berlin W., Sächsische Straße 8, am Montag den 6. November 1911, um 10 Uhr vormittags stattfindet, auf welcher die nachstehende Resolution vorgeschlagen werden wird. Sollte diese: Resolution von der notwendigen Majorität angenommen werden, so wird sie einer zweiten außerordentlichen Generalversammlung, welche später einberufen wird, behufs Bestätigung unterbreitet werden. Resolution: „Daß die Statuten in folgendender Weise geändert werden: Am Ende des Artikels 136a sollen die folgenden Worte hinzugefügt werden: „Alle Dividenden, sowohl bisherige, als auch zukünftige, welche fünf Jahre nach ihrer Erklärung nicht behoben sind, können durch Beschluß-des Direktoriums zugunsten der Companie für verfallen erklärt werden, mit der Maßgabe jedoch, daß dieser Beschluß erst drei Jahre nach dem Datum der öffentlichen Bekanntmachung, gemäß § 152 dieser Statuten, in Kraft treten soll." In Gemäßheit der Statuten müssen Vollmachten nicht später als am 3. November 1911 im registrierten Bureau der Gesellschaft, Brook House, Walbrook, London, E. C, niedergelegt werden. In Gemäßheit der Statuten und der vom Direktorium diesbezüglich getroffenen Bestimmungen müssen Besiter von Inhaberaktien, welche ihr Stimmrecht ausüben wollen, ihre Aktienzertifikate im registrierten Bureau der Gesellschaft, Brook House, Walbrook, London, E. C, spätestens am 3. November 1911 deponieren, um dagegen die zum Einlaß und zur Abstimmung berechtigenden Depotscheine in Empfang zu nehmen. .Im Auftrage des Direktoriums H. Neumann Sekretär. Brook House, Walbrook, London, E. C, den 8. September 1911. Föderation Misrachi Über die bereits in der Vorwoche gemeldete Konferenz der Föderation Misrachi, geht uns seitens des Zentralkomitees folgender offizieller Bericht zu: Am Sonntag den 10. September (17. Elul) tagte in Berlin die von dem Zentralkomitee einberufene außerordentliche Konferenz der Föderation Misrachi. Die Tagesordnung bildete die Stellungnahme der Föderation gegenüber den Beschlüssen des X. Kongresses. Das Zentralbureau hatte seine Stellungnahme in zwei der Konferenz zur Entscheidung vorgelegten Anträgen präzisiert. Diese Anträge lauteten: 1. Infolge der Fruchtlosigkeit seiner jahrelangen Bemühungen, dem jüdischen Religionsgesetz in der zionistischen Organisation praktische Geltung zu verschaffen und insbesondere durch die auf dem X. Kongreß beschlossene Einbeziehung kultureller, religiöse Fragen eng berührender Unternehmungen in das Arbeitsgebiet der zionistischen Organisation sieht der „Misrachi" die Voraussetzungen für seine Zugehörigkeit zur zionistischen Organisation nicht mehr für gegeben und erklärt seinen Austritt aus ihr. 2. Der Misrachi hält an seinen bisherigen Grundsätzen fest und erklärt sich als selbständige Organisation. Entsprechend der, Bedeutung der Tagesordnung war die Konferenz von einer großen Anzahl Delegierter aus Deutschland, Rußland, Ungarn, Galizien, Holland, Belgien und der Schweiz besucht. In einem ausführlichen Referat begründete Herr Dr. Feuchtwanger, Frankfurt a. M., die oben erwähnten Anträge. Die lebhafte und angeregte Debatte ergab Im Prinzip volle Obereinstimmung der Delegierten. Es wurde allseitig anerkannt, daß durch die nunmehr vom Kongreß sanktionierten Kulturbestrebungen die Sachlage insofern verändert sei, als der Boden neutraler Arbeit wirtschaftlicher und sozialer Natur aufgegeben und die Möglichkeit gemeinschaftlicher und friedlicher Arbeit erheblich erschwert wordtn sei. Die Anträge des Zentralbureaus wurden durch Majoritätsbeschluß abgelehnt in einem Stimmenverhältnis von 22:12 bei einer Stimmenthaltung. Bestimmend für das Votum der Mehrheit war die Überzeugung, daß die Verantwortung für die Entwicklung der Kultur in Palästina in traditionell-gesetzestreuem Geiste fortbestehe, daß gerade in diesem Zeitpunkte diese Bestrebungen in einer der parlamentarischen Struktur der Bewegung entsprechenden festgefügten Organisation ihren Ausdruck finden müssen und daß dieser die Grundsätze des traditionell-gesetzestreuen Judentums vertretenden Fraktion die Pflicht der Fürsorge für die Erfüllung, der in Resolution 2 der Kulturbeschlüsse erklärten Grundsätze obliege. Diese Überzeugung fand in der von der Majorität angenommenen Resolution dahin Ausdruck, daß der Misrachi unverändert an seinem Programm festhält und fest entschlossen ist, seiner Erfüllung mit vermehrter Energie nachzustreben. Die Konferenz nahm fast einstimmig den von der Minorität eingebrachten, dem Frieden und der gemeinsamen Arbeit dienenden VermittlungsVorschlag an, beschloß, sofort in Verhandlung mit dem E. A. C. einzutreten behufs genauer Feststellung von Garantien im Sinne der Resolution 2 der Kongreßbeschlüsse und beauftragte das Zentralbureau, den Standpunkt und die Interessen des Misrachi in energischster Weise zu wahren. Der Beschluß der Frankfurter Konferenz wurde erneuert und die Leitung der Föderation nach Hamburg-Altona verlegt. In das Zentralbureau wurden die Herren Dr. Frank, Rechtsanwalt, David und Ref. Möller gewählt. Der neugewählten Leitung wurde das Recht der Kooptation gewährt. Die endgültige Zusammensetzung des Zentralbureaus soll seinerzeit bekannt gegeben werden. Zuschriften sind zu richten an Dr. Frank, Altona, Markstraße 33. Berlin. Die Berliner Misrachigruppe hielt am M.September im Burghotel eine Versammlung ab. Die Delegierten erstatteten eingehend Bericht über den Verlauf der Misrachikonferenz. Daran schloß sich eine längere Debatte, die sich in der Hauptsache um die Frage des weiteren Verhaltens des Misrachi gegenüber der zionistischen Organisation drehte. Zum Schluß wurde eine Resolution angenommen, nach der sich die Versammlung mit dem Resultat der Konferenz völlig einverstanden erklärte. Konferenzen der „Histadruth Ibrith" (Von unserm Berliner Berichterstatter) In den hiesigen Hebraistenkreisen herrscht in jüngster Zeit eine zuversichtliche Stimmung. Der letzte zionistische Kongreß hat bewiesen, daß die auf die Renaissance der hebräischen Sprache gerichteten Bestrebungen von erfreulichem Erfolg begleitet sind und im Lager des Nationaljudentums fruchtbaren Boden gefunden haben. Diese Erkenntnis spornt namentlich die Führer der „Histadruth Ibrith" an, ihre Wirksamkeit zur Förderung der hebräischen Sprache und Kultur noch intensiver zu gestalten und an die Realisierung von umfassenden Unternehmungen heranzutreten. Insbesondere treten hierbei zwei bedeutsame Werke in den Vordergrund: der großangelegte Verlag „Techiah" und der hebräische Kulturkongreß. Diese beiden Gegenstände wurden hier vor kurzem in zweitägigen Konferenzen eingehend behandelt, an denen folgende Mitglieder der „Histadruth" teilnahmen: Dozent Dr. Baneth, Dr. Jakob Cahan, Dr. Eliasberg, Berthold Feiwel, S. Hurwitz, Dr. Schemarja Lewin, Josef Lin, Dr. Heinrich Löwe, Leo Motzkin, A. Podlischewsky, Jacob Ramberg, Jacob Scheskin, N. Sokolow und Hillel Zlatopolsky. Einige Mitglieder der „Techiah", die am Erscheinen verhindert waren, ließen sich durch anwesende Mitglieder vertreten. Der erste Teil der Verhandlungen hatte hauptsächlich die Frage der definitiven Begründung der Verlagsgesellschaft zum Gegenstand. Nach erschöpfender Erörterung und Darstellung des bisherigen Ganges und gegenwärtigen Standes der Angelegenheit wurden diesbezüglich folgende Resolutionen gefaßt: 1) Die Gesellschaft zur Herausgabe von hebräischen Werken „Techiah"