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Die Welt · 1911-09-22 · 38 (22.9.1911) · page 7

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
38 (22.9.1911)
Date
1911-09-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No. 38 DIE^ELT 1005 „wird man sich leicht Rechenschaft abgeben können über den Qeist, der uns bei unserer Arbeit leitet und über das, was wir sagen woollten, als wir die Mitglieder unserer Gemeinde einluden;, „gemeinsam mit uns an der Regeneration des ottoinanischeri Judentums auf nationaler Basis" mitzua fbeiten. Der Meäschliss dschismani wird glücklich sein, wenn es ihm gelingen sollte, einen Strom lebeniigen Interesses innerhalb der öffentlichen Meinung zugunsten eines so großen Problems zu schaffen, und wenn ihm die Mögii chkeit gegeben sein sollte, seine Lösung zu beginnen r' Eine Erklärung Dr. Zollschans Die „Welt" bringt in ihrer Nuimmer vom 15. September einen Artikel des Herrn Dr. Alfred Waldenburg, in welchem sich derselbe den Entdeckerruhm für den wissenschaftlichen Inhalt des Hauptteiles meines Buches zuschreibt und behauptet, daß meiiie Ideen und mein Material sein „geistiges Gut" seien. Inhaltlich Minliches dürfte er auf der meinem Basler Woitrag anschließenden Diskussion gesprochen haben. Durch ein wichtiges Gespräch damaJs daran verhindert, das Wesentliche seiner Ausführungen mit anzulii) ren, bin ich jetzt durch den Inhalt dieses Artikels ganz überrascht, Da ich damals nicht sachlich darauf erwiderte, will ich jetzt mit einigen Erklärungen darauf zurückkommen. Erstens, daß es mir bisher gamz gleichgültig war, wei in der Außenwelt als Entdecker und lErdenker der in meinein Buche ruhenden wissenschaftlichen Matesrialien fungieren würde; nur als festgestellte Tatsachen wLirken und die urng&benden politischen Verhältnisse nach Möglichkeit beeinflussen sollten dieselben, gleichgültig von welchem Autor immer zuerst klar erfaßt; jetzt aber muß ich, so sehr ich, wo es um ernste Dinge geht, jeder Prioritätshasch erei innerltidi fernstehe, durch diesen in die Öffentlichkeit entsandten, miclii»der unbefugten Annexion fremden literarischen Eigentums beschulilig<enden Artikel provoziert, ausdrücklich meine Priorität für aLl© jene Partien meines Bai dies — es sind die Hauptteile desselben — geltend machen, in ieraen ich nicht ausdrücklich einen ander« Autor anführe. Zweitens aber möchte ich ausdrücklich erklären, daß ich an keiner Stelle von Waldenburgschen Ideen irgendwie beeinflußt war. Für die objektiven Leser meines Buches werde ich imoM kein Wort des Beweises für diese Erklärung brauchen. Für die übrigen sei folgendes konstatiert: Es isti unrichtig, daß ich Herrn Dr. W. jemals zugegeben habe, daß ich mich durch seine Sa.at habe befruchten lassen. Das wäre auch schon aus dem Grunde ganz unmöglich, weil ich — soweit mir dieselben aus seinen Schriften bekannt — weder mit seinen I«deen noch mit seinen Methoden einverstanden bin. Es ist unrichtig, daß ich seinen Aufsatz in der „Vossischen Zeitung" über d.e=n Schädelfund zu Herfor«! in mein Buch hineinprojiziert habe. Ersfiens wäre mir derselbe äazu inhaltlich viel zu wenig belangreich gewesen, zweitens habe krt diesen Aufsatz, erst vor Jängstens 6 oder 7 Monaten durch einen Herirm Dr. W. bekannten Gewährsmann kennen gelernt. Es ist unrichtig, daß mir zur Zeit der ersten W'schen Publikationen 1902 und 1W die Rassenforschumg in der Art, v/:ie er sie betreibt, noch verschlossen war. lichtig ist, daß icrn dieser Art aus dem Wege gegangen bin, weil ich sie für nicht gut halte; richtig ist weiter auch, daß ich b ere'its im Jahre H898 in der Wiener jüd. akaid Verbindung „Uniitas" eine Rede hielte in welcher ich die Grundid-ee meines 11 Jahre später dem Druck (ibergebenen Buches über da_s „Rassenproblem" -entwickelte, und üa!5 Briefe aus dieser Zeit, im denen der Entwurf zu diesem Buche bereits auch schriftlich fixiert war, heiüe noch existieren um & eingesehen werden können. Und nach all dem sei endlich noch Bemerkt, daß den erwähntem Daten zufolge meine Ideen nicht nurr Herrn Dr. W. nicht entlelutat sein können, sondern daß sie, — soweit mir die seinigen bekannt sind, — mit denselben überhaupt nichts Gemeinsames haben. Gemeinsam ist ums beiden nur der K impf gegen die bis vor kurzem herrschende These von der Inferiorität der jüdischen Rasse. Gegen den geschmackvollen Vergleich, ich sei der „Gehinimagen" Dr. Ws. und meine in dem Buch enthaltenen Ausführungen ein Peptonat aus Waldenburgs und Semons Ideen, sei bezügli cIx Ws. auf das eben erwähnte, bezüglich Semons, der mir über ilas Buch übrigens einen fast schwärmerischen Brief geschrieben hart, auf meine Bemerkung in der Fußnote S. 298 meiner II. Auflage hingewiesen. Übrigens dihrfte mein Buch auf lkeinen seiner Leser den Eindruck gemacht Iwfben, daß ich die verwendeten Autoren verleug tue oder gar, daß icl die von mir gefu -»denen neuen Tatsachen, Zusammenhänge utii Gesetzlichkeiten aJs, obwohl ich ja dazu zweifellos das Recht gell abt hätte, von mirentdeckt in den Vordergrumd habe bringen wo lEen. Und auch aus den seither von mir gehalten esti Reden kann nienand diesen Eindruck gewonnen haben. Wie iich schon in meinem ersten Vorworte erwähnte, wollte ich, auch uniter Verzicht auf die Zuerkennung persönlichen Verdienstes, einzig die zwingende Macht der Argumente allein ihre volle Kraft entfalten lassen, seiist auf die Gefahr hin, dem großen Publikum sals bloßer Sammler und Kompilator erscheinen zu müssen. Auch j&tat noch könnten mich "diese sonderbarem Angriffe, da sie sich ja selttst genügend charakterisieren, persönlich ganz kalt lassen. Aber meinien Freunden und dem „aliquid Semper . ." bin ich die Klarstellu ng schuldig und de sTialb gehe ich jetzt., wie eingangs erwähnt, über meinen frühern Standpunkt hinaus und requiriere die integrierenden Te ile des in dem Bu che entwickelten Systems als mein eigenstes, volles geisüges Eigentum. Was Herrn Dr. W. betrifft, so fände ich, da er seit fast eiiwm Dezennium ohne die Satisfaktion derr öffentlichen Anerkennung an ungefähr der gleklien Materie wirklich mühevoll und selbstvergessen gearbeitet hat, s-eine Verstimmung ja menschlich begreiflich. Diese Verstimmung soLlte ihn aber docli nicht soweit führen, andeeie ohne hinreichende Prüfung der „Usurpation" fremden Eigentums zu beschuldigen. Zu dieser Erklärung hielt ich mich für verpflichtet und fleh betrachte mit dieser Erklärung für nieine Person die Angelegenheit für erledigt. Wien, 18. September 1911. Dr. Ignaz Zollscham O ff O[□□□□□□ o o iv- FEUILLETON Die hebräische Bühne in Jaffa Yon J. Puschmann. □□□□□□ 3 Seit die hebräische Sprache begonnen hat, in Palästina eine lebende Sprache zu werden, die Sprache der Konversation und des Unterrichts, die Geschäftssprache und die Sprache des abstrakten Denkens, seit dieser Zeit versuchten es Lehrer' in den Kolonien, von Zeit zu Zeit für die Schüller Theaterstücke in hebräischer Sprache aufzuführen. Der Hauptzweck war damals, die Belebung der Sprache und nicht der Kunsit, da man ja von Kindern nichts künstlerisch Hervorragendes fordern konnte. Doch als sich im Laufe der Zeit die hebräische Sprache derart entwickelte, daß sie zur Umgangssprache einer nicht geringen Zahl der Einwoliner des Landes wurde, begann man auch in den Städten liebräische Theaterstücke aufzuführen; docto auch hier war der Hauptzweck nicht die Kunst, sondern die Unterstützung irgendeines Instituts oder sonst ein wohltätiger Zwecft . Die erste Aufführung im hebräischer Sprache Und vor sechs Jahrein in Jaffa statt; die Initiatüve dazu ging von Äen Lehrern der Mädchenschule in Jaffa aus. Sie übersetzten das Schauspiel „Uriel Acosta" und führten es i:tn arabischen Theder auf. Dieser ersite Versuch gelang vorzüglich: Der Saal war gedrängt voll und nach Abzug der Ausgaben, «d ie 500 Francs betragen, verblieb für de n» Fonds der Schule ein Betnag von 800 Francs, Der Eindruck war damals mächtig, die Begeist erung überstieg alle Grenzen und noch lange nachher wurde ron dieser Aufführung gesprochen. — D ie Erkenntnis, daß in Jaffa *tin großes Publikum sei, das hebräische Theaterstücke versteht und nach ihnen verlangt, veranlaßte eitrige junge Leute aus Jaffa., einen Verein der Liebhaber der dramatischen Kunst zu gründen, der nur um der Kunst willen Au fführungen veranstalten sollte. Doch im Anfang seines Bestandes entstand die Sprachenfra^e.

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