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Die Welt · 1911-09-22 · 38 (22.9.1911) · page 5

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
38 (22.9.1911)
Date
1911-09-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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No. 38 D1E J würdftn die für Balat bisher aufgebrachten Gelder auf etwa lOOOOO Frs. ergänzen. Mit diesem Kapital ließe sich für die jüdi sehe Bevölkerung beider Stadtteile, -die durch das Goldene Horn getrennt, aber durch das gleiche H-eud verbunden sind, schon wirksame Hilfe schaffen- Leider ist rofauszusehen, daß die Bildung einer Baugesellschaft zur Herstellung der neuen jüdischen Quartiere, ohne die eke Unterbringung der Obdachlosen unmöglich ist, infolge der komplizierten türkischen Rechts Wirtschaft große umd langwierige Scherereien arerursaclien wird. Man ist aber beiraüht, die beste Form ftir möglichst s«cihnelle Erledigung dieser Aufgabe zu finden. Ira Hasköj leiden die Armen jetzt am meisten durch die nächtliche, bereits herbstlicle Kälte. An den Großrabbincr ging dieser Tage von den Spitzen der Hasköjer Bevölkerung folgendes Telegramm ab: „Die durch die Cholera und die Feuersbrunst zu Hasköj schwergeprüften Familien befinden sich im finsttersten Elend. Achtzig Familien liegen auf der Straße. Ihre Notschreie steigen zum Gimmel auf. Wir bitten Sie im Namen der Menschlichkeit, zu Hilfe zu komme» und so schnell als möglich in die Stadt zurückzukehren." Der Großrabbin&r begnügte sich damit, den Hasköjern in seiner telegraphischen Antwort zu empfehlen, für schleunige Ausfindigitiachung von Wohnungen für die Armen zu sorgen; das nötige Geld dafür liege im Großrabbinate bereit. In die Stadt aber ist er noch nicht zurückgekehrt. Bezeichnend für den Geist, der dort noch vielfach mistet, mag es sein, daß der Vorschlag, die obdachlosen achtzig Familien in den einstweilen geschlossenen jüdischen Schulen von Hasköj unterzubringen, vom— Kapukehaja des Qroßrabbinats lebfiaft bekämpft und zunichte gemacht wurde. Der Kapukehaja, Sigiior Moise Fresco, wohnt selbsst im Gebäude einer dieser Schulen, darum die Angst vor der armseligen Nachbarschaft. Während so die Juden sich mehr oder weniger eifrig an der Abstellung der schlimmen Not beteiligen, hat die Gen«ralkommission der Regierung unter «lern Vorsitze des Kammerpräsidenten Ahmed Risa Bej ihre Vorarft«eiten fast beendet und geht daran, die Verteilung der gesammelten Gelder, über eine Million Mark, zu beginnen, Auch auf «die jüdischen Geschädigten dürfte ein starker Prozentsatz fallen. Ahmed Risa hat bereist die Liste derselben von der Balater Korn imission eingefordert. Die Wiederbewaldung Palästinas K| Der ottomanische Agrikulturdirektor Theologos Pavlos in Jerusalem, hat der türkischen Regierung einen interessanten Bericht unterbreitet, der wieder einmal beweist, in wie richtigen Bahnen sich die kolonisatorischen Pläne der Zionisten bewegen. Das Dokument stelrt einweitaussdiauendes Projekt zur Wied erbewaldung Palistinas dar. Nach einer einleitenden Klage über die Mißwirtschaft im Porstwesen unter dem alten Regime und »ach lebhafter Schil derung der verbrecherischen Zerstörungspraxis, deren sich noch heute die einheimischen Bevölkerungen der ottomanischen Provinzen den Waldbestäinden, diesen Quellen der Lajideswohlfahrt und Laniesgesundheit schuldig machen, fährt der Bericht des Laidwirtschaftsdirektors fort: „.Wie ich bereits in meinen frühern Beirichten Ihnen darzulegen die Ehre hatte, setzt sich ei» großer Teil des Sandschaks Jerusalem aus Kalkbergen zusammen, wo die Rebenkultur der des Oliven- und des Feigenbaumes benachbart ist. Der Getreidebau ist hingegen ein sehr beschränkter. Das Volk, das sein wahres Wohl nicht kennt und die zahlreichen Vorteile der Existenz dieser Pflanzungen für die Zukunft nicht in Geduld zu erwarten weiß, zieht ihnen den Genuß sofortiger Erträge, so minimal er auch sein möge:, konsequent vor. Es entwurzelt hundertjährige Bäume:, um sie auf dem Markte als Brennholz loszuschlagen und sich so das tägliche Brot oder die für Steuern notwendigen ftELT — 1003 Summen zu verschaffen. Exzellenz kennen ja die Stagnation der fiskalischen E iiinahmen und die ökonomische Entwertung des Landes, von denen diese Abholzungen begleitet sind. Erst zerstört der Bauer die Oliven- und die anderen Fruchtbäume, dann seBbt die Sträucher, und so wird die Nacktheit unserer Berge mehr und mehr gesteigert. Sicherlich ist Brennholz ein Element zum Leben von erster Notwendigkeit; aber die Zerstörung der Bäume vernichtet ebem das Brennholz, vermehrt die Dürr^ und vermindert die Reinheit der Luft, zu schweigen von der schweren Unordnung, die das in den gesamten landudrtschaftlichen und ökonomischen Verhältnisse n des Landes hervorruft. Zwei Hauptmaßnahmen wären zu treffen, um dieses Obel abzustellen: 1. durch ein strenges Gesetz wäre das Fällen jedes Fruchtbaumes zu verbieten, 2. es wäre an die schleunige Bildung einer Brennholz-Import-Gesellschaft zu schreiten. Diese Gesellschaft müßte einerseits durch das Verbot des Baumschlages, anderseits durch Reduktion der leider s«hr bedeutenden Transporttarife Unterstützung finden. Ferner sollte gesetzlicherweise die jährliche Anpflanzung von fünf bis sehn Bäumen durch jeden Bauer anbefohlen und zu diesem Zwecke Jahrespreise in Münzen oder fiskalische Erleichterungen für die bestgeliimgenen Pf\m zungen ausgeset2it werden. Indem der Stuat für solcle nützliche Ermutigung Opfer bringt, bereitet' er sich gleichzeitig eine Eruchtbare Kompensation für die nahe Zukunft vor durch die Erträge der künftigen Wälder. Unser Gouverneur hat die Schaffung einer Pflanzschile zum Zwecke dei unentgeltlichen Verteilung der Pflanzen bereits verwirklicht. Weitere ähnliche Pepinier«eti müßten durch den Staat geschaffen, gefördert oder subventioniert werden. Unser Gouverneur hit auch die Abholzungen bereits verboten, aber zur wirksamen Ausführung dieser Malinahmen und zugleich zur Überwachung der neuen Pflanzungen müßten staatliche Walihüter ernannt werlen. Auf einer Reise, die: wir in Begleitung S. Exz. des Gouverneurs nach Jaffa .gemacht haben, sahen wir Dünen, dieTausende Dunams bedecken. Diese Dünen konnten vom den jüdischen Kolonisten der Umgebung bewaldet werden, wenn die Regierung ihnen die Konzession hierzu erteilen würde. Die Bewaldung dieser Dünen, mit Methode und Nutzen — durcli diese erfahrenen jüdischen Landwirte durchgeführt, — wird das Vorrücken dieser beweglichen Dünen aufhalten, die dielenachbarten Wirtschaftböden zu verschlingen drohen, wird die Fieberatmosptäre dieser Gegenden sanieren und dem ganzen Suidschak das nötige Brennholz liefern. Ich erlaube mir also dringend darauf zu bestehen, daß diesen Kolonisten durch das kompetente Ministerium die Konzession auf Bewaldurag dieser Dünen zugesprochen werde. Die in diesen Exposö aufgezählten Tatsachen beziehen ■sieht nur auf die Regionen Hebron, Jerusalem, Jaffa und Gaza. Für die Gegend von Barseba können diese MaB regeln, da die neuen Pflanzungen gewisse Pflege erfordern, erst später, nach Unterdrückung d&s dort herrschenden Nomadenlebens und nach Vornalme von Brunnenbohrungen, angewendet werden. Ich bitte Sie also, Exzellenz, im Namen des Fortscliitts, mein Expose im wohlwollende Berücksichtigung zu ziehen."

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