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Die Welt · 1911-09-15 · 37 (15.9.1911) · page 14

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
37 (15.9.1911)
Date
1911-09-15
Page
– (sequence 14)
Language
German
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984 DIES^ELT No. 37 Nachbarschaft von vielen jüdischen Kolonien. Die benachbarten jüdischen Kolonien Kinereth, Jemnra, Bedschen, Poria, Mesha, Melhamie, Sedschera, Medschdel bieten Gelegenheit zum Verkehr mit jüdischen Kolonisten und zur Kenntnis ihres Lebens. Ausflüge in das galiläische Bergland, in das wildromantische Jarmuktal oder in das Ostjordanland, Ruinenstätten am Ufer des Sees geben die Möglichkeit, hochinteressante Teile Palästinas kennen zu lernen. Auskünfte. Alle Anfragen und Aufträge in Sachen der Parzellierung sind zu richten an das Bureau der Palestine Land Development Company, Berlin W. 15, Bleibtreustraße 34/35. Häuser auf bäuerischem Grund und Boden errichtet haben, kein Wohnrecht hätten. Und so wurde denn einfach die Ausweisung der gesamten jüdischen Bevölkerung des Ortes angeordnet. Dieser Tage sprach nun beim Warschauer General-Gouverneur eine Abordnung der jüdischen Gemeinde Suchodnews vor, die um die Annullierung dieser Verfügung und um die offizielle Einreihung dieses Ortes in die Kategorie der Flecken ersuchte. Unter anderm wies die Abordnung darauf hin, .daß die Juden in Suchodnew neue Handels- und Gewerbezweige entwickelt haben, die auch der ursprünglich recht armen christlichen ßevölkerung zugute kamen. Generalgouverneur Skalon versprach, seinerseits das Gesuch der jüdischen Gemeinde^zu befürworten. Rußland Tolmatschow verläßt Odessa Der Stadthauptmann von Odessa, General. Tolmatschow, hat seine Demission eingereicht. Dem Vernehmen nach soll er zum Gouverneur in Kaluga ernannt werden. Die Ursachen der Demission Tolmatschows ist ein heftiger Konflikt, der zwischen ihm und dem Vorsitzenden der Odessaer Stadtduma Moissejow ausgebrochen ist. Die „patriotischen" Bürger- und Studentenorganisationen haben sich telegraphisch an den Zaren mit der Bitte gewandt, die Demission Tolmatschows nicht anzunehmen. Die „Nationalisierung" des Kredits in Rußland Obwohl der Direktor der Kreditkanzlei den Korrespondenten ausländischer Zeitungen mit aller Entschiedenheit versichert hat, daß die Frage der sogenannten „Nationalisierung" des Kredits überhaupt nicht zur Sprache komme, hat das Ministerium des Innern, — wie in gut unterrichteten Kreisen versichert wird, — die originelle Absicht durchaus nicht aufgegeben und gedenkt demnächst an die Realisierung dieser Idee allen Ernstes heranzugehen. Zunächst soll die Reichsbank „national" werden und bei der Diskontierung von Wechseln für die Juden eine gewisse Prozentnorm einführen. Noch weiß zwar niemand recht, in welcher Weise der Plan praktisch durchgeführt werden kann, und es scheint, daß dieses Vorhaben an dem Widerstand der Reiclisbank selbst scheitern muß. Von der Schulnot Die von Juden gegründete Wilnaer Handelsschule ist angewiesen worden, die Aufnahme von jüdischen Schülern von 50°o auf 15% zu reduzieren, während die zweite Jekaterinoslawer Handelsschule, die vom Verein jüdischer Handelsangestellter gegründet wurde und ausschließlich vom jüdischen Gelde unterhalten wird, die Verfügung erhielt, für das angehende Schuljahr überhaupt keine Juden aufzunehmen. Das Beste geschah aber in Krementschug. Hier wandte sich die Stadtduma an das Handelsministerium mit dem Ansuchen, für das angehende Schuljahr bei der Aufnahme von Juden in die Handelsschule die Prozentnorm nicht [anzuwenden. In Erledigung dieses Gesuches ordnete der Handelsminister an, in diesem Jahre den Juden die Aufnahme in die Krementschuger Handelsschule — völlig zu versagen. Judenausweisungen ohne Ende Die administrativen Judenausweisungen nehmen einen immer größern Umfang an und werden immer grausamer gehandhabt. Aus den GouvernementsBessarabien und Witebsk treffen täglich Schreckensnachrichten über die plötzliche Vertreibung unzähliger jüdischer Familien ein. In der Nähe von Jusowka gewähren die Behörden den aus den Dörfern ausgewiesenen Juden bloß eine Frist von zwei Tagen zur Ordnung ihrer geschäftlichen Angelegenheiten. In ihrer Verzweiflung nehmen viele jüdische Familien zum Schein das Christentum an. So haben u. a. ein Greis von 75 und eine Greisin von 80 Jahren, denen aufgetragen worden war, ihr Heimatsdorf innerhalb zweier Tage zu verlassen, ihre Zuflucht zur Taufe genommen. Der Gouverneur von Wologda hat an einem Tage zweihundert jüdische Familien ausgewiesen. Die Betroffenen — meist kleine Kaufleute und Handwerker — sind größtenteils seit Jahrzehnten unangefochten im Gouvernement ansässig; viele von ihnen sind dort sogar geboren. Und dabei verkündet der Gouverneur, daß die Ausweisung der 200 Familien nur als bescheidener Anfang gedacht sei. Über die zweihundert Familien zählende jüdische Bevölkerung des Fleckens Suchodnjew, Gouvernement Kelzi, Russ. Polen, wurde vor kurzem urplötzlich die Ausweisung verfügt. Die Behörde besann sich darauf, daß dieses Städtchen offiziell noch immer als „Dorf" bezeichnet werde, daß demnach die Juden, die hier ihre gp^ NACHRICHTEN Verband der Deutschen Juden Der Verband der Deutschen Juden wird seine diesjährige (vierte) Hauptversammlung am S.November im Neuen Königlichen Operntheater (Kroll) zu Berlin abhalten. Ein hebräischer Kindergarten in Damaskus Zum Leiter der jüdischen Gemeindeschule in Damaskus wurde Herr Abraham Alm ali ah aus Jerusalem, vormals Direktor der jüdischen Gemeindeschule in Konstantinopel, ernannt. Herr Almaliah knüpfte die Annahme der Stelle an die Bedingung, daß die Gemeinde einen Kindergarten mit hebräisch er Unterrichtssprache einrichte. Auf diesen Vorschlag ging die Gemeindeleitnng bereitwillig ein, und der hebräische Kindergarten ist bereits vor kurzem eröffnet worden. Der neue Schulleiter, der in seiner frühern Amtstägkeit in hervorragender und überaus erfolgreicher Weise für die Verbreitung der hebräischen Sprache tätig war, hofft in Damaskus ein besonders günstiges Arbeitsfeld für seine Bestrebungen zur Hebraisierung der sephardischen Schuljugend zu finden. Grabschändung auf dem jüdischen Friedhof in Larissa Große Aufregung bemächtigte sich der jüdischen Gemeinde in Larissa, als man vor kurzem auf dem jüdischen Friedhofe den Leichnam des dort bestatteten Mose Cohen-Bambaci ausgegraben fand. Die rechte Hand war der Leiche abgetrennt worden. Die Polizei leitete eine strenge Untersuchung ein, die zur Verhaftung zweier griechischer Bauern führte. Es scheint, daß diese Leichenschändung auf die abergäubischen Vorstellungen der griechischen Landbevölkerung zurückzuführen ist. Weit verbreitet ist z. B. der Aberglaube, daß die rechte Hand eines Toten bei Erkrankung des Kleinviehs von heilkräftiger Wirkung sei. „Jüdischer Besuch höflichst verbeten* Im Seebade Binz auf der Insel Rügen hatte der Gastwirt Potenberg, der auch der Gemeindevertretung angehört, vor seinem Gasthof in der Nähe des Bahnhofes zwei Schilder mit der Aufschrift: „Jüdischer Besuch verbeten!" angebracht. Der Zentralverein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens richtete deshalb eine Beschwerde an den Landrat und ersuchte ihn, der öffentlichen Beleidigung der Juden durch dieses Plakat ein Ende zu machen. Der Landrat hatte auch eine „ernste" Rücksprache mit Herrn Potenberg. Die Folge des amtlichen Eingreifens war überraschend. Das beleidigende Plakat wurde abgeändert und lautete nunmehr: „Jüdischer Besuch höflichst verbeten!" Da in dieser Fassung von einer „beleidigenden Form" der Ankündigung keine Rede sein konnte, war allen weitern Beschwerden die Spitze abgesprochen... Die Schilder mit der „höflichen" Absage sind so angebracht, daß sie jedem Besucher von Binz ins Auge fallen. Der antisemitische Gastwirt hat also seinen Willen durchgesetzt, und der Landrat hat die öffentliche Beleidigung einer anerkannten Konfession gesühnt... Übertritte jüdischer Mädchen zum Islam Wie die in Saloniki in spaniolischer Sprache erscheinende Zeitung „Epoca" mitteilt, sind in diesem Jahre nicht weniger als 32 jüdische Mädchen in Saloniki zum Islam übergetreten. Der Grund dieser beklagenswerten Erscheinung liegt in der durchaus unjüdischen Erziehung, die die jüdischen Eltern in der Regel ihren Töchtern angedeihen lassen. Die Zustände hinsichtlich der Mädchenerziehung in Saloniki erinnern vielfach an die Verhältnisse in Galizien, wo bekanntlich ebenfalls gewaltsame und freiwillige Taufen jüdischer Mädchen häufig vorkommen.

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