Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 37 (15.9.1911)
- Date
- 1911-09-15
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE^KELT 9S-3 No. 37 wird auf die Aussichten eines rationellen Weinbaus und einer großzügiger Milchwirtschaft nebst Molkereibetrieb in dieser Gegend hingewiesen. Auch wiri das freundschaftliche Verhältnis hervorgehoben, das zwischen der jüdischen Bevölkerung in Hebron und ihrer arabischen Nachbarschaft besteht, im Gegensatz z. B. zu der teilweise recht unfreundlichen Beziehungen zwischen Juden und Arabern in Galiläa. Generalversammlung des hebräischen Lehrerverbandes in Palästina Atn 28. August fand in der Aula des hebräischen Gymnasiums in JaH a die siebente Generalversammlung des Verbandes hebräischer Lehrer in Palästina statt. Etwa 150 Delegierte liatten sich eingefunden- Es waren Vertreter aus Jaffa, Jerusalem, Tiberias, Beirut, Haifa und fast sämtlichen jüdischen Kolonien Judäas und Galiläa.5 erschienen. Auch der Direktor der jüdischen Gemeindeschule in Alexandrien u»4 der Lehrer der Allianceschule in A1 eppo nahmen an den Beratungen teil. Der Vorsitzende des Zentralkomitees, Josef Isarkowsky, erstattete Bericht liber die Tätigkeit des Letarerverbandes im abgelaufenen Jahre. Er wies insbesondere auf dte Gründung der ausgezeichneten pädagogischen Zeitschrift „Hachrinnuch" hin, dere?n bisher erschienene Hefte die rückhaltlose Anerkennung aller Fachkreise gefunden haben. Nach einer überaus lebhaften und vielseitigen Aussprache wurde ein von der Verbandsleitung vorgelegter Arbeitsplan für das nächste Jahr genehmigt. Es wurden auctoTerschiedene Beschlüsse betreffs des Ausgestaltung der Lehrerorganisation und der Gründung einer speziellen Leih- und Sparkasse für die Mitglieder des Verbandes gefaßt. Kerak am See eine jüdische Villenstadt in Palästina Lage. An der Stelle, wo der Jordan den Tiberiassee verläßt, bildet $r eine Art Halbinsel, die sich bis zu 15 Metern über de« See und über das umliegende Land erhebt. Die: Halbinsel gehört zu dem Boden der Farm Kinereth. Sie ist, wie der übrige Boden der Fa-rm Kinereth, Eige»1um des Jüdischen Nationalfonds und ist von diesem auf 98 Jahie an die Palestine Land Development Compainy verpachtet. Anscheinend war die Halbinsel in früherer Zeit durch einen Nebenarm des Jordans ganz vom Lande abgetrennt, Allmählich ist dieser Nebenarm zugeschwemmt und schließlich durch einen ini Jahre 1910 von der Palestine Land Development Company errichteten Damm ganz al-gedämmt worden, so daß aus dem alten Flußbett fruchtbares Ackerland geworden ist. Geschichte. Auf dieser Halbinsel stand in der Zeit, als der jüdischie Staat noch existierte, die befestigte Stait Tarichäa, die in römischer Zeit zerstört wurde. Aber ihre Spuren sind nicht verloren, Der Lauf ihrer Festungsvälle ist noch heute gut zu verfolgen. Die ganze Halbinsel ist mit Trümmern von behauenen Bausteinen übersät, und an vielen Stellen zeigen sich noch wohlerhaltene Fundamente von Gebäuden. Reste y<vn Säulen sind ringsum zerstreut; auch mächtige Quadersteine ans Basalt, in der Mitte durchbohrt, die einmal als Wasserleitung* röhre dienten und frisches Quellwasser aus dem Wadi Fedschas hierher brachten, zeugen (fiiarch ihre virtuose, bis heuite unnachahmliche Bearbeitung des harten Basaltgesteins von dem, was einst hier war. Landschaftliche Reize. In ganz Palästina gibt es vielleicht keinen Ort von so eigenartigem landschaftlichen Reiz wie diese Halbinsel Kerak. Ist an sich schon das gewaltige Wasserbecken des Tiberiassees in dem ron Natur wasserarmen Lande ein Naturschauspiel, das durch sdne wunderbaren Farben und die von Wellen, Nachen und Wasservögeln belebte Oberfläche den Sinn stets won neuem gelange nimmt, so ist die liK>he Halbinsel am Ufer des Sees wiederum wohl der schönste Punkt am See. Man genießl einen ungehinderten Ausblick über die ganze Fläche des Sees von Semach im Süden bis nach Tapcha und Kapernaum im Norden, und von da schweift der Blick ungehindert weiter bis zur Kette des Hermon, dessen Gipfel, bis in den Hochsommer hinein mit Schnee bedeckt, greifbar deutlich zu sehen sind. Auf der östlichen Seite des Sees, der an dieser Stelle etwa 2 Kilometer breit ist, erheben sich <Lie zerklüfteten Berge des Dscholan, die abends bis in die klein s-ten Risse und Fältcheti zu überschauen sind, wenn die Sonne auf der gegenüberliegenden Seite hinter der hohen Jordanterrasse untergeht und magische Lichtspiele auf Berg und Himmel zaubert. Ni.ch Süden folgt der Blick dem Jordan von der Stelle, wo er aus dem See austritt, landeinwärts. In gewundenem Laufe rauscht der Fluß mit starkem Gefälle, off kleine Kaskaden bildend, in seinem tiefei Bette und staut sich an den noch gut erhaltenen Pfeilern der Römerbrücke, die i na alter Zeit auf vielen großen Bogen den Fluß überspannte. Verbindungen. Hier oder nirgends in Palästina wäre der geeignete Platz für eine Ansiedlung reicher europäischer Juden. Die Verbindungen nach allen Richtungen sind vorzüglich. In etwa einer halben Stunde ist jetzt mittels Wagens oder Bootes die Bahnstation Semach zu erreichen, von der aus inan in den komfortablen Wagen der Hedschasbahn binnen drei Stunden in Haifa sein kann. In der andern Rdchtung bringt die Eisenbahn den Reisenden in neun Stunden nach Damaskus, der Metropole Syriens. Die Stadt Tiberias, in der die Juden die Mehrheit der Bevölkerung bilden, ist zu Wagen und zu Boot noch nicht eine Stunde entfernt. Mit dei Indienststellung eines guten Motorbootes wi r<i die Fahrtdauer nach Semach und Tiberias sich nur noch auf ein« viertel bzw. auf eine halbe Stunde belaufen. Herzls Projekt. Wenn Theodor Herzl einst von dei Errichtung ein^r modernen jüdischen Villemstadt am Tiberias-See geträumt und sie in „Altneuland" so reizroll geschildert hat, so kann kein Ort in gleichem Maße wie Kerak für die Gründung einet solchen Stadt in Frage kommen. Tiberias tei durch die Anhäufung von mehr als 10,000 Menschen auf engem Räume und durch die Armut seiner Bevölkerung für absehbare £fcit gehindert, sich zu einer modernen Stadt zu entwickeln. Kein Europäer mit höhern Kulturansprüchen könnte es in der engen und schmutzigen Stadt längere Zeit aushalten. Es bleibt also, wenm man gleichzeitig eirae Eisenbahnverbindung in der Nähe haben will, für die Anlage einei Stadt nur das Seeufer zwischen Tiberias und Semach übrig, und auf dieser Strecke findet sich kein Punkt von gleich schöner Lage wie die Halbinsel Kerak. Hier könnte der Herzische Traum verwirklicht werden. Es sind dazu weder groß* Mittel noch besonders große Anstrengungen erforderlich. Die alten. Steine würden zum großen Teil ein vorzügliches Baumaterial abgeben. Wasser zum Bau ist durch den See in unbegrenzter Menge vorhanden. Schorn mit 10,000 bis 20,000 Frcs. (je nach den* Größe) würden sich schöne Villengebäude aufführen lassen. Größe d«s Terrains. Die Halbinsel ist über 200 OCDO Quadratmeter groß und hat für mindestem 200 Villen mit Gärten Platz. Etwa 30 Villen würden sich direkt aan See aufführen lassen, Man kann sich schon jetzt ausmalen, wie schön das Landschaftsbild sich gestallten wird, wenn von dem hohen Ufer Villen und Gärten herunteischauen, wenn Treppen von den Häusern bis zum Niveau des Sees hinunterführen und kleine Nachen den Verkehi von Villa zu Villa vermitteln. H e i 1 q u eil e n. Die heißen Schwefelquellen bei Tiberks, die seit dem Altertum berühmt sind und in ihrer Heilwirkung bei Rheumatismus und andern Leiden den Vergleich mit den bekanntesten europäischen Schwefelbädern aushalten, könnten mit Motorboot in etwa 20 Minuten erreicht wercFen. Das würde wata - scheinlich bald Jazu Anlaß geben, auf der Halbinsel ein Sanatorium oder Hotel zu errichten, dessen Gäste die Säder bequem benutzen könnten, ohne doch nötig zu haben, bei den Bädern selbst zu wohnen, deren Umgebung ganz reizlos ist- Aus Palästina selbst würde ein solclies Sanatorium oder Hotel viele Besucher haben, und auch aus dem Auslande würde es wahrscheinlich bald Besucher heranziehen. Außerden Tiberiasbädern sind auch die heißen Quellen vom El Hammi, die im Altertum sehr geschätzt und besucht waren (noch heute finden sich dort die Ruinen eines großen Theaterrs aus römischer Seit), von der Station Semich mit der Bahn nur eine halbe Stunde entfernt und können dbshalb bequem benutzt werden. Klima. Ein frischer Wind weht fast stets vom Hermon und See herüber und macht, mit Ausnahme der Sommermonate, den Aufenthalt trotz mancher heißen Sirökkotage sehr angenehm. Die Temperatur wetteifert im Winter mit der Rivie ra und Ägypten, da der Tiberiassee durch seine exzeptionell tiefe Lage (ca. 200 Meter unter dem Spiegel des Mittelländischen Meeres) besonders mildes Winterkiima hat Der Thermometer zeigt yotri November bis Mäiz durchschnittlich 15—20 Grad Celsius, um \on April an auf 20—25 und im Sommer bis 30 und mehr Grad zusteigen. Die Temperatur des Wassers im See erlaubt das Baden fast während des ganzen Jahres. Lebensmittel. Durch die unmittelbare Nähe der Farmen Kinereth und Uimdjuni ist die Versorgung mit frischer Milcli, Butter, Geflügel, Eiern und Gemüse gewährleistet. Der See liefert beinahe das ganze Jahr hindurch äußerst schmackhafte Fische, düe weithin berühmt: sind. Der Fischreichtum ist so außerordentlich, daß man z. B. im Jordan, dicht an seinem Ausfluß aus dem Se«&, die Fische mit einem einzigen Netz zu Hunderten fangen kann. Sport. Sportfreunde haben durch Ingeln, Rudern, Segeln, Schwimmen, Jagd auf Wasservögel, Ritte und Fußwanderungen unerschöpfliche Abwechselung.