Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1911-09-15 · 37 (15.9.1911) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
37 (15.9.1911)
Date
1911-09-15
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3315709-3316458-3316498--55038-3348850
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

No. 37 NEBELT \7 981 bemerken,die im großen Saal e des Hotel „Kirsch" stattfand. Trotzdem die Versammlung nicht durch Plakate angezeigt war, war der große Saal doch dicht besetzt Das Referat haJte Herr cand. phil. Moses Dickstein aus Czernowitz. Der Redner gab einen genauen Überblick über die Verhandlungen des X. Kongtesses in Basel und kam dann auf die Kulturdebatte des Kongresses zu sprechen. Die Sprache unserer Ahnen, so führte Herr Dicksteini aus, ist die hebräische gewesen. Hoffen wir, daß sie auch in Kürze die Sprache unserer Enkel auf eignem Boden in Palästina sein wird. Mächtig ist die hebräische Literatur. Mächtig ist aber auch die jüdische Literatur. Den Kampf gegen die jüdische Sprac hte sollten wir lieber den Gegnern unseres Volkes überlassen. Die „Jüdischisten" und die „Hebraisten" mögen gemeinsam zum Wohle unseres unterdrückten verfolgten Volkes und zur Forderung der erlösenden Idee des Zionismus wirken. Über das .„Jüdische" möge ans der Weg zum Hebräischen führen. Wir dürfen nicht die Schwächen in unserm Lager übersehen. Die Herren, die die jüdische Sprache bekämpfen, dabei aber das Hebräische vernachlässigen, führen einen unwürdigen Kampf. „Lernen Sie Hebräisch, studieren Sie Ch.,N. Bialik und die ganze hebräische Literatur, das wird der leste Kampf gegen „Jüdisch" sein." So schloß Herr Dickstein seine mit Beifall aufgenommenen Ausführungen. Es ist zu hoffen, daß auch weiter die zionistischen Versammlungen, die allwöchentlich Mittwoch 9| Uhr abends im Hotel „Kirsch" stattfinden, einen zahlreichen Besuch aufweisen werden. Auf allen Diskussionsabenden wurde fleißig fiii den Nationalfonds gesammelt. Prsemysl. Die Przemfsler zionistische Ortsgruppe betrauert das Dahinscheiden eines ihrer ältesten und bejahrtesten Mitglieder» des Herrn Heinrich Godel, gewes. Präsidenten «des Vereines „Zion". Der Verstorbene, ein Mann Ton großem jüdischen Wissen, schloß sich in den neunziger Jaliren der zionistischen Bewegung an, wurde zu einem ihrer eifrigsten Propagatoren und trat bald an die Spitze des Vereins „Zion", um den er sich durch seine Opferwilligkeit und Pflichteifrigkeit besondere Verdienste erwarb. Er erreichte ein Alter von 72 Jahren. Di&Przemjrsler Gesinnun gsgenossen werden dem guten Zionisten ein treues Andenken bewahren. Schweiz Basel. Am 9. Septeiraber hielt die zionistische Vereinigung ihre diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Aus dem detaillierten Geschäftsberichte ist ein sehr erfreulicher Aufschwung der Vereinigung zu bemerken, der sich u. a, durch eine starke Zunahme von Jung- und AJtmitgliedern (35) ausdrückt; 50 weitere N.-F.-Büchsen wurden aufgestellt, 800 Frs. den zionistischen Institutionen zugeführt und ein Konto für die Eintragung der Stadt Basel ins goldene Buch angelegt. Einen breiten Raum im Berichte nahmen naturgemäß die Vorarbeiten für den JC. Kongreß ein. Fiel doch der zionistischen Vereinigung Basel ei» großer und nicht gerade leichter Teil der Vorarbeiten zu, Arbdten, die man nicht mit dem guten Willen uni großen Arbeitseifer allein vollbringen kann, sondern solche, zu deinen auch — Geld gehört: die festlichen Veranstaltungen. Und daß sich die Vereinigung ihrer Aufgabe trotz mancher Schwierigkeit gut entledigt hat, werden ihr Delegierte und Gäste des Kongresses "bestätigen können, Im allgemeinen ist der Einfluß des Kongresses hie* sehr stark wahrnehmbar, trotz Quertreibereien von gewisser Seite- Der Friedenskongreß hat auch hier Frieden gestiftet, und filr das kommende deschäftsjahr eröffnen sich der zionistischen Vereinigung sehr günstige Perspektiven. Dem abtretenden Vorstand wurde Decharge erteilt, und den verehrten Vorsitzenden, Herrn Moritz Levy, Liestal, der sich um die zionistische Sache überhaupt und insbesoniwe als unermüdlicher Vorkämpfer in der Schweiz bleibende Verdienste erworben, ehrte die Versammlung durch ein Dankesvotum. Zum Vorsitzenden wurde Herr Dr. S. Brunesen wig, der Veranstalter der Festlichkeiten auf dem letzten Kongresse, gewählt und ihm eine achtgliedrige Kommission zur Seite gestellt. —Zu erwähnen ist noch, daß Mitte Oktober ein Kurs für Hebra isch eröffnet wird, zu dem bereits zahlreiche Anmeldungen vorliegen. Sodann referierte der Baseler Kongreßdelegierte Herr J. J. Weill über den X. Kongreß. Seine Ausführungen rteffen eine sehr rege Diskussion hervor, aus der wir nur einige Momente hervorheben können. Dr. Arnstein: Bs wird hier und da bemerkt, der X. Kongreß sei weniger imposant, weniger demonstrativ verlaufen, wie einige seiner Vorgänger. Aber das eben solid» wir begrüßen. Die zionistische Bewegung war damals jugendlichi und stürmisch, jetzt aber ist sie älter und männlicher geworden and so auch ihr Auftreten. Wir können nur wünschen, daß die nächsten Kongresse noch nüchterner werden. — J. A. Rom: Als Msrachist bedaure er den Verlauf der Kuiturdebatte im Kongreß, afcer dennoch muß er sich entschieden gegen den Austritt des Misrachi aussprechen. Nur innerhalb der Organisation kann der IWlisrachi seine Ziele erreichen, Herr Rom wendete sich auch gegen eine Kleinkolonisation. — M. Lev j: Die neue Leitung Heerde politisch nicht minder täffg sein wie praktisch. Wir müssen die Leitung mit allen Kräften unterstützen, daß sie ihr Versprechen: einlösen könne. — Erst nach Mitternacht erreichte die mitunter selir lebhafte Diskussion durch eine Resolution Ziwi, die einstimmige Annahme fand, ihr Ende: „DEe in einer Versammlung der zionistischen Vereinigung Basel anwesenden Zionisten appellieren an das zionistische Solidaritätsgefühl des „Misrachi'c und sprechen die Erwartung aus, daß der in Aussicht gestellte und von feindlicher Seite erhoffte Austritt aus der Organisation unterbleibe." Die Resolution wurde telegraphiscli Herrn Heimann Struck in Berlin übermittelt, Türkei Saloniki. Soeben ist hier das dritte Herl der „Bibliothek der jüdischen Familie" erschienen, einer Sammlung, die von hiesigen nationaljilischen Kreisem herausgegeben wird und die Hebung des national-halturellen Selbstbewußtseins der ser*riardischen Judenheit bezweckt Dieses Heft trägt den Titel „Beiträge zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Saloniki" und behandelt den denkwürdigen Überfall auf die jüdische Bevölkerung Salonikis am 14. ElluL 5377" (1617). Eine Räuberbande stürzte sich damals auf die von der Messe in Dolia in grolter Anzahl heimkehrenden jüdischen Kaufleute von Saloniki, beraubte sie und richtete ein entsetzliches Blutbad unter ihnen an. Zur Erinnerung daran wurde der 14-. Ellul zum Fasttag für die Jaden Salonikis eingesetzt. Die Broschüre schildert eingehend die Lage der türkischen Juden zur Zeit jenes denkwürdigen Ereignissen und wirft auch interessante Streiflichter auf die geistigen und nationalen Bestrebungen der Vorfahren zahlreicher noch heute im ortomanischen Reiche lebender spaniolischjüdischer Familien. Wiener Brief (Von unserm Berichterstatter). Mit gespanntester Aufmerksamkeit sind die Zionisten Österreichs wie die der ganzen Welt den bedeutsamen Verhandlungen des Kongresses gefolgt, Allenthalben gibt sich eine Befriedigung über die Erfolge und namentlich über den ei ridrucksvollen Verlauf der Tagung kund. Die gesamte Presse nahm von dem Kongreß Keaintnis, — die ernste, indem sie, ahne zu den Verhandlungen od ihren Ergebnissen Stellung zu nehmen, die einzelne» Phasen mnd Resultate registrierte, — dagegen konnte ein kleiner, und es sei konstatiert, der weniger beachtete Teil der Presse wi« bei vielen frühern Anlässen es auch jetzt sich nicht versagen, hämische, boshafte, vom Geiste Mauscheis diktierte Bemerkungen an den Kongreß zu köpfen. In diesen Chor stimmten auch di e jüdisch-issimilatorische» und sich sogar national nennenden „Interessenvertreter des gesamten Judentums" ein, indem sie mit heuchlerischer fVliene „ernste Referate" über den fCongreß brachten, dieder Eingeweihte als Ausfluß des seit Henls Tagen sattsam bekannten „wohlwollenden" Tones kennt. Allen diesen fehlt der Blick ins Unendliche, sie haften am Tage und kleben am Augenblicke. Wer von uns könnte heute schon behaupten, daß alLe Wege, die wir seit den Tagen des moderne«, sich selbst bestimmenden Judentums gegangen sind, die richtigen waren, und ob die sich als richtig erweisen, die wir gehen? W&s aber jeder von uns weiß, ist, daß das Ziel unverwischbar ist, dfciti wir «zustreben, da.S der Gedanke Herzls lebt und mächtig wirlrt und immer weitere Kreise unseres Volkes in seinen Bann zieht, — und darum ist uns trotz aller „wohlwollendenw Kritiker, als die sich diese Herren so gerne aufspielen, nicht bange, und wir hoffen, daß ihre Wünsche uns auch ferner nichl schaden werden. — Seit den Tagen des ersten Kongresses zu Basel lebt das jüdische Volk ein neues Leben. Wie ein« mächtige Fenersäule leuchtet uns die Idee voran, und wird au«c"h die Geschichte manchen von uns begangenen Weg als einen nicht zweckmäßigen in spätem Tagem erwiesen haben, — wir geben, und das ist Gewähr für das Erreichen. Den Ernst des Willens und die Kraft zur Tat haben die Zionisten Österreichs als kostbarstes Vermäclitfois übernommen, und unbescliidet der Kritik des Tages, sind sie immer den Weg gegangen, «den sie in ihrer ehrlichen Überzeugung als den notwendigen erkannt haben. Ihre Kraft ist ungeschwächt, sie ist vielmehr gewachsen, sie hat manches Hindernis und Vorurteil aus dem Wege geräumt und ist aucli entschlossen, in Zukunft diesen Weg zu gehen. Als typisches Beispiel beobachteten wir — um nur eiues zu nennen — die Entwicklung des Gedankens der Selbstbestimmung und Selbstvertietung im Rahmen <ter Volksvertretung im

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.