Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 37 (15.9.1911)
- Date
- 1911-09-15
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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980 DIEÄELT No. 37 No. Missionar. Als dieser im Jahre 1904—05 eine Reise zu den Falaschas" unternehmen konnte, einen ersten Vorstoß als Kundschafter in das Gebiet unserer fernen Brüder, da waren seit Joseph Halevys erstem tastenden Versuch beinahe vierzig Jahre ungenutzt vorübergegangen. In dieser Zeit sind viele zehntausende von Juden dem Judentume verloren gegangen, und zwar nicht zum wenigsten durch die Schuld der Organisation, die nach ihren Satzungen dazu berufen ist, den Juden in allen den Ländern beizustehen, in denen sie in ihrer Eigenschaft als Juden leiden. Der Bericht, den Dr. Faitlovitch (1905) an den bekannten Nationaljuden, den Baron Edmond von Rothschild, erstattete, war wertvoll. Aber mehr Wert hatte es, daß Faitlovitch zwei junge Falaschas mitbrachte, die jüdische und europäische Bildung bekommen sollten, um sie später unter ihren jüdischen Landsleuten zu verbreiten, die nicht einmal mehr eine noch so geringe Kenntnis von der hebräischen Sprache hatten. Auch jetzt erklärte die Pariser Leitung der Alliance Israelite Universelle, daß sie in der Falascha- Angelegenheit nichts tun werde und nichts von den Falaschas wissen wolle. So entstand das Pro-Falascha-Komitee, das den Zweck hat, die Unterlassung der Alliance wieder gut zu machen. Um ihren Standpunkt zu rechtfertigen, sandte die Alliance ihrerseits eine Studienkommission nach Abessinien, bestehend aus dem jetzigen Oberrabbiner der Türkei Na'um und einem stud. med. Eberlin. Das war im Jahre 1908. Im selben Jahre aber ging das Pro-Falascha-Komitee an die Ausführung seiner Arbeit, indem es Dr. Faitlovitch zum zweiten Male nach Abessinien entsandte. Der Unterschied der beiden Expeditionen ist einfach erstaunlich. Man vergleiche den Bericht Fai'tlovitchs, der in seinem interessanten Buche „Quer durch Abessinien"*) vorliegt, mit dem, den die Alliance als das Ergebnis der Na'humschen Forschungen veröffentlicht hat. Auf der einen Seite ein flacher Bericht eines französisch liberalisierenden Rabbiners, auf der andern Seite wissenschaftliche Kenntnisse mit von nationaler Liebe durchglühter Energie. Wenn man liest, wie der französierte türkische Rabbi die religiösen Gefühle der *) Dr. Jacques Faitlovitch: Quer durch Abessinien. Meine zweite Reise zu den Falaschas. Mit 60 Illustrationen nach Originalaufnahmerl und einer geographischen Karte. Berlin, M. Poppelauer 1910. (XV, 188 S.) 8. brosch. Mk. 5.—, geb. Mk. 6.—, abessinischen Juden offen verletzt und dann dagegen das Geständnis der europäischen Missionare hält, das seit Fai'tlovitchs Anwesenheit unter den Falaschas ihre Missionstätigkeit absolut nicht mehr von der Stelle will, dann muß man, sei man nun religiöser oder nationaler Jude, die Wichtigkeit und die Erfolge der Faitlovitchschen Arbeit unter den abessinischen Stammesbrüdern erkennen. Es ist ein interessantes Buch, dieses „Quer durch Abessinien", obwohl es uns die wissenschaftlichen Tatsachen und Ergebnisse der Forschungen des jungen Gelehrten noch vermissen läßt. Wir erwarten von ihm noch eine ausführliche Ethnographie dieses versprengten, aber nicht mehr verlorenen Bruchstückes unserer Nation. Aber es ist ein Genuß, ihm auf seinen schwierigen Wanderungen und Märschen zu folgen, seine glühende Liebe zu seinem Volke und den Bedrängtesten unter ihnen mitzufühlen und zu erkennen, daß es unsere Pflicht ist, diese treue Gemeinschaft aufrecht zu erhalten, die zwei Jahrtausende von der jüdischen Gesamtheit getrennt sich absolut treu zu ihr hält. Diese tüchtigen Schmiede und Töpfer, Bauleute und Bauern, Zimmerleute und Weber, die noch immer an den nationalen Zukunftsidealen des Volkes festhalten, die jetzt durch Fai'tlovitchs und seiner Falascha-Schüler Bemühungen wieder Kenntnisse der alten hebräischen Stammessprache bekommen werden, sollten nicht vergessen werden dürfen, wenn sich Israel bemüht, einen eigenen Herd zu bauen. Es war ein Lieblingsgedanke des früheren Vorsitzenden des Wiener Vereins „Zion" in der vorherrschen Zeit, Leopold Paul Löbl, die Falaschas in die zionistische Arbeit hineinzuziehen. Je mehr wir erkennen, daß die Hauptarbeit der Kolonisation von primitiven Menschen, jemenischen, marokkanischen, persischen und ähnlich bedürfnislos lebenden Juden geleistet werden muß, um so mehr werden wir auch von diesem Standpunkte aus die Wichtigkeit der Kultur- und Judaisierungsarbeit unter unseren abessinischen Volksbrüdern zu würdigen wissen. Dabei werden wir um Fai'tlovitchs Buch so wenig herumkommen wie um seine sonstige Tätigkeit zugunsten der Falaschas. Die romantische Vorliebe für exotische versprengte Bruchstücke unseres Stammes entspringt ausschließlich der nationalen Liebe zum jüdischen Volke. Die Tätigkeit für die Falaschas, die echte Juden sind und in Treue ihr Stammestum bewahren, gehört zu den nationalen Pflichten des sich selbst erkennenden und erneuernden jüdischen Volkes. o o o o o o o 1 o o o o ooolj AUS DER BEWEGUNG HI O O O O ( X o o o o o o o j Organisationsstatut. Zu dem Abdruck des Organisationsstatuts in Nr. 36 der „Welt" ist zu berichtigen, daß es im zweiten Absatz des § 74 (Statutenänderung) heißen soll: „Die §§ 1 und 74" (statt 75). Österreich Czernowitz. Die jüd. nai. akad. Verbindung „Hasmonaea" hat Mitte Juli die 20. Wiederkehr des Jahrestages ihrer Gründung begangen. Die Feier trug einen herzlichen intimen Charakter. Die Verbindung war die erste jüdisch-nationale Korporation an der Czernowitzer Universität und hat sich seit ihrem Bestände ein großes Verdienst um das Aufblühen des jüdischen Lebens in dem Lande erworben. Die Gründer der „Hasmonaea" waren zugleich die ersten Träger des Regenerationsgedankens in der Bukowinaer Judenschaft überhaupt, und seither stand die Verbindung, der inzwischen vier jüngere folgten, stets in der vordersten Reihe der Streiter für unsere Idee. Deshalb beglückwünscht die gesamte Organisation die wackere und erlesene Kämpferschar der „Hasmonaeä" zu ihrem Jubiläum und wünscht ihr von Herzen „ad rnultos annos", in denen sie auf den Wegen fortschreiten möge, die ihr ihre Gründer gewiesen haben. Aus Anlaß der Gründungsfeier hat die Verbindung beschlossen, den Mitbegründer Dr. M. Ebner durch die Eintragung in das Goldene Buch des N. F. zu ehren. Die „Emunah ",-Lemberg stiftete zu Ehren der jubilierenden Korporation zehn Ölbäume im Herzlwald. Die Sammlung der „Hasmonaea" für die Hinterbliebenen der Opfer von Drohobycz hat bisher die Summe von 626 K 40 h ergeben. Karlsbad» Auch hier ist das zionististische Leben etwas reger geworden. Das konnte man am 6. September in der Versammlung