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Die Welt · 1911-09-15 · 37 (15.9.1911) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
37 (15.9.1911)
Date
1911-09-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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978 lEH^ELT No 37 Rassenkongreß in London, dem auch ich beiwohnte, öffentlich ohne Ursprungshinweis meine Ideen über den Wert der höchstgezüchtet'en jüdischen Kulturrasse für die Fortentwicklung des Menschengeschlechts als neu verkündete. — Ich trat ihm damals nicht entgegen, ließ ruhig meine Ideen durch seinen Mund in die Versammlung und in die Presse fliegen, um nicht auf diesem, dem jüdischen Gehirn eines echten Edelmenschen wie Felix Adler entsprungenen Friedenskongresse der nichtjüdischen Welt das Schauspiel zu gönnen, wie ein Jude gegen einen Juden, ein Zionist gegen einen Zionisten auftritt, und weil ich bei Herrn Dr. Zollschan psychologisch unenträtselbare beste Motive für sein Verhalten gern und freudig annehme, da ich mich nämlich des Kapitels in dem nicht anthropologischen Teile seines Buches erinnern will, wo er so fein über den Ursprung der Religiosität der Juden sich ergeht und jenen Chamberlainschen Hohnruf, der auch mich immer mit der größten Entrüstung erfüllte: „Die Semiten seien bettelarm an wahrer Religion", so sinnig und so gernütstief zurückwies. Sollte ihn selber da so wenig die Religion erfüllen, daß er fähig wäre, geistiges Gut seiner eigenen Blutsgenossen zu usurpieren? Nimmer! Also kämpfen wir lieber gegen unsere gemeinsamen Feinde. Herr Dr. Zollschan hat mir ja in London gleich mit den ersten Worten, als ich ihn zum erstenmal sprach, noch zwei Tage vor seiner Rede auf dem Rassenkongreß spontan bekannt, daß er u. a. meinen Aufsatz aus der „Vossischen Zeitung" gelesen, der nebenbei gesagt aus dem September 1 904*) stammt und erst am 8. Januar 1907, jedoch selbst da noch unter redaktioneller Streichung des Wesentlichsten in einem sonst so liberalen Blatte abgedruckt wurde. Ich will es nun Herrn Dr. Zollschan nicht vorhalten, daß er diesen meinen Aufsatz dem Sinne nach in den für das Rassenobjekt wichtigsten Hauptteil seines erst Ende 1909 erschienenen Buches hineinprojiziert hat. *) „Mein Schädelfund zu Herford im Jahre 1904 und seine anthropologische Bedeutung" von Dr. med. Alfred Waldenburg. Hier auf dem Zionistenkongreß habe ich keine Veranlassung mehr, das auf dem Rassenkongreß um der gemeinsamen Sache willen vor jenem Forum bewahrte Schweigen fortzusetzen, obwohl Herr Dr. Zollschan gerade dort in London meine Rassenresultate bezüglich des jüdischen Inzuchtvolkes viel un verhüllter als hier in seinem jetzigen Referate ausgesprochen hat, wo er auch andere Punkte streift, die mit meinen Untersuchungen und der Rasse selbst nichts zu tun haben. Dort in London aber gab er das Resümee, hob er die Kernpunkte heraus, und die waren total die meinigen! Ich schwieg dazu und hätte vielleicht selbst hier weiter geschwiegen, da es mir im tiefsten Grunde widerstrebt, was schon mein Jahre langes Schweigen andern Leuten gegenüber, denen ich alles weniger als gleich gute Motive wie Herrn Dr. Zollschan zubilligen kann, zur Genüge beweist. Nun hat indes Herr Dr. Zollschan öffentlich und offiziell als Delegierter hier in Basel noch persönlich über eben diese Londoner Rede Bericht erstattet, die „Welt" hat diesen Bericht veröffentlicht: Als Nichtdelegiertem stand mir auf dem Zionistenkongresse selbst das Wort darauf natürlich nicht zu. Um so weniger aber darf, noch kann ich heute länger mit der Wahrheit zurückhalten. Die Rücksichten, die mich in London zum Schweigen bewogen, fallen in Basel fort. Hier rede ich vor der Agora meines eigenen Volkes! Es ist mir angenehm von Zollschan selbst gehört zu haben, wie stark er sich durch meine Saat befruchten ließ, wie sehr er meine Grundideen und meine Resultate aufsog, so sehr ihm selbstverständlich alle Einzelheiten meiner Forschungen auch unbekannt waren. Meine leitenden Gesichtspunkte genügen, ihm und allen Künftigen den Weg zu zeigen nach dem einen Ziele, dem wir alle zustreben, auf das ich hinarbeite: Der jüdischen Rassenhochzucht in Palästina, der Individualentwicklung unseres selbststeigerungsfähigsten Höhenvolkes zum Besten des künftigen Menschengeschlechtes! [□□□□□□ w ffi^ FEUILLETON o □□□□□□ fr" ) QUER DURCH ABESSINIEN Von Dr. Heinrich Loewe, Berlin Die Palaschas Noch vor wenigen Jahren war der Name der Falaschas bei Juden nur dort bekannt, wo die romantische Neigung das Bedürfnis eingab, sich besonders für solche Juden zu interessieren, die man am besten mit einem gemeinsamen Namen die „exotischen Juden" nennen könnte. Dahin gehören die versprengten Reste unseres Volkes in der chinesischen Provinz Hünan, die aus Afghanistan gekommenen, jetzt alteinsässigen Juden von Bengalen, die wTeißen und schwarzen Juden sowie die Beni Israel von Indien, die Bergjuden des Kaukasus und die jüdischen Höhlenbewohner Nordafrikas. Manche Teile solcher abgesplitterten Bruchstücke sind in neuester Zeit in irgendwelcher Form wieder in das jüdische Gesamtleben eingetreten und nehmen wie die bucharischen und jemenischen Juden einen bedeutendem Anteil an der Neusiedlung des Israelvolkes im Lande Israel. So weit verstreut aber diese Reste des alten Kulturvolkes auch sind, so sehr sie bei ihren Stammesgenossen in Vergessenheit geraten mochten, so haben sie doch allezeit und allerorten das Bewußtsein der untrennbaren Zugehörigkeit zum jüdischen Stamme und die unverwüstliche Hoffnung für eine Wiederherstellung jüdischer Nationalherrlichkeit sich erhalten. Und auch die romantische Beschäftigung mit exotischen Judenstämmen ist ja ebenfalls nur ein Ausfluß der innigen Liebe zum Qesarntvolke, ein Ausdruck der jüdisch - nationalen Gesinnung. Je größer die Liebe zum jüdischen Volke, um so eifriger mußte diese Beschäftigung mit den versprengten Scharen sein, und je weniger Interesse für den nationalen Bestand vorhanden ist, um so weniger besteht die Neigung, sich um solche Juden zu kümmern, die dem europäischen Kulturkreis fernstehen. Trotz alledem hat sich der Zusammenhang aller Juden mit dem Volksganzen noch erhalten, und wo sich dieser Zusammenhang endgültig löst, wie bei den getauften Juden und ihren Nachkommen, da scheiden die sich Trennenden für alle Zeiten aus dem Volke aus. Mehr als alle andern Bruchstücke Israels, mehr sogar als die chinesischen Juden in der Provinz Hünan, wo die letzten Reste einer ehemals sehr zahlreichen und betriebsamen Judenschaft in Kai-Föng-Fu einem baldigen Ende entgegensehen, hat sich in historischer Zeit die abessinische Judenheit vom Gesamtkörper entfernt. Bis an den Beginn des XIX. Jahrhunderts war der Aufenthalt von Juden in Abessinien bei den europäischen und den meisten orientalischen Juden ganz in Vergessenheit geraten. Nur in Aden wußte man vielleicht von ihrer Existenz. Nur vereinzelte jemenische Juden sind mit ihnen in Berührung gekommen. Die Mitteilungen über eine große Judenschaft in Abessinien war ebenso überraschend, wie sie auf Unglauben stieß. Nach der andern Seite waren aber die abessinischen Juden ebenfalls durch keine bessere Kenntnis ihrer Stammesgenossen ausgezeichnet. Im Gegenteil hatte sich allmählich der

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