Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1911-09-15 · 37 (15.9.1911) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
37 (15.9.1911)
Date
1911-09-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3315709-3316458-3316498--55032-3348844
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

No. 37 DfEE^ELT 975 Erleichterungen für das Sdimittahjahr. Sie kennen wohl seine großen Verdienste um die junge Kolonisation, wenn Sie auch kaein Wort der Anerkennung dafiür gefunden haben- Warum, so frage ich Si&:| Herr Direktor, waren Rekriminatiotien unnötig gegen weit größere Kolonisationsurl&rnehmungen als «die des Nationalfonds, warum haben die Verwaltungen der Ica und von Rothschilds Kolonien dfca Vorschriften entsprochen und warum war es gerade der NationalF'onds, der doch Besitztum des ganzen jüdischen Volkes sein soll, der es nicht getan hat?! Den Vorwurf frivoler U »Wahrheit gegen den Misrachi haben Sie ja schon auf dem Kongreß zurückgenommen. Ich hege «Lie zuversichtliche Erwartung, daß Sie nun auctu eingestehen, daß wir objektiv und subjektiv nur wahre Angaben gemacht haben und daß der Irrtum auf Ihrer Seite li&gt. Mit Zionrsgruß Ihr sehr ergebener Dr. Feuchtwanger Vorsitzender der Föderation Misrachi. Erwiderung des Herrn Dr. Bodenheimer Köln, den 12. September 1911. An die Redaktion der „WSLT" Köln Auf den offenen Brief: des Herrn Dr.Feuchtwanger muß ich folgendes erwidern: Ich bedaure sehr, dem am Schlüsse des Briefes von Herrn Dr. Feuchtwanger ausgesprochenen Wunsche nicht nachkommen zu können, da sich derselbe in jedem Punkte seines Schreibens Jm Unrecht befindet. Ich habe .allerdings den Voiwurf der Frivolität der aufgestellten Behauptungen lediglich deshalb zurückgenommen, weil die betreffenden Redner min erklärt haben, daß die Tatsachen, auf die sie ihre Behauptungen stützten, ihnen ron einer ganz zuverlässigen Quelle, die sie mir nannten, mitgeteilt worden sei. Wenn ich das an mich gelangte Telegramm des Herrn Dr. Feuchtwanger vor dem Kongreß verlesen hätte, wozu übrigens nach Erledigung der Angelegenheit gar keine Veranlassung für das Kongreß- Präsidium vorlag, hätte ich gleichzeitig mitteilen müssen, daß Herr Dr. Feuchtwanger die Quelle gewesen ist, auf die sich die Redner berufen haben, und ich wäre in die unangehme Lage versetzt gewesen, meine Erklärung iem Herrn Dr. Feuchtwanger gegenüber, den ich persönlich hochschätze, aufrecht erüialten zu müssen, da Herrn Dr. Feuchtwanger, wenn man nicht eine außergewöhnliche Gedächtnisschwäche annehmen will, der ganze Hergang bekannt gewesen sein muß und er sich darum einer großen Leichtfertigkeit schuldig macht, wenn er derart haltlose Beschuldigungen gegen den Nationalfonds erhebt, die geeignet sind, denselben aufs schwerste zu schädigen. Nachdem auch von anderer Seite der Wunsch geäußert worden ist, durcli eine aktenmäßige Darlegung den Sachverhalt aufgeklärt zu sehen., und die Veröffentlichung des Kongießprotokolls noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird, so bin ich gerne bereit, diese Angelegenheit noch etwas ausführlicher aufzuklären, als dies im Drange der Komgreßverhandlungen geschehen konnte. In seinem offenen Briefe wirft Herr Dr. Feuchtwanger zwei verschiedene Dinge durcheinander, die scharf zu trennen sind. Das erste betrifft die Unterzeichnung eines Vertrages betreffs des Schmittah-Jahres, welche dem Herrn Rabbiner Kuk bezügLich der Ländereien des Nationalfonds zu übersenden war. Der zweite Punkt betriff t Reklamationen der Misrachi-Föderaition bezüglich angeblicher Verletzungen der von Herrn Rabbiner Kuk vorgesehenen Bestimmungen des Vertrages, Zu dem ersten Punkt hat der Generalredner der Misrachi, Herr Dr. Levy, wie er mir eiklärte, auf Gruiri der Information des Herrn Dr. Feuchtwanger, folgenden Angriff gegen den Nationalfonds gerichtet, indem er sagte: „Und nun müssen wür erleben, daß auf dem Boden des alten Palästina der Leiter des N. F. elf Monarte hat verstreichen lassen, bis er auf ein Schreiben des Rabbiners Kuk die Anweisung gegeben hat, daß auf den Gütern des N. F. das jüdische Gesetz geachtet wird. (Hört! Hört! bei den Misrachisten, Unruhe und Widerspruch.) Auf den Gütern des Ica und das Barons Rothscli ild wird das Schmrttah- Gesetz respektiert; auf den Gütern d»es N. F. hat man sich geweigert, diesen Respekt vor dem altjüdischen Religionsgesetz zu bek&itderu (Unruhe.) Erst »ach vieler Mühe hat mauti den Vorsitzenden des J. N. F. veranlassen können, den hierfür erforderlichen Vertrag zu unterzeichnen." Um dies klarzustellen, veröffentliche ich das Originalsdireiben des Herrn Dr. Thon vom 21. September 1909: «Jaffa, den 21. September 1909. Hauptbureau des Jüdischen Nationalends z. H. des Herrn Dr, M. Bodenheimer Köln a. Rh, Beifolgend übersenden wir Ilinen ein vom Jaffaer Fabbinat herausgegebenes Formular, welches unterschrieben werden muß, damit der Verkauf des Bodens für das Schmittah-Jalw nach den religiösen. Gesetzen gültig erfolgen kann. Der Unterzeichnete hat bereits ein solches Exemplar unterschrieben; da er jedoch keiab Vollmacht besitzt, Bod em für den Nationatfonds zu kaufen und zu verkaufen, verlangt das hiesige Rabfrinat eine Unterschrift vom Direktorium des Nationalfonds. Wir bitten Sie KLaher, das beiliegende Exemplar, mit Stempel und Unterschrift versehen, an uns retou rnieren zu wollen. Hochachtungsvoll! gez.: Dr. J. Tho»n.»" Nachdem icli mich vergewissert hatte, daß es sich in diesem Dokumente nur itan einen Verkauf der Form nach handelte, der nach dem für eden J. N.-F. geltenden Rechte keinen dauernden Eigentumsiibergi ng der betreffend&n Ländereien bedingt, der aber nötig war, um den Schmittah Vorschriften nach der Meinung des Herrn Rabbiner Kuk zu genügen, liabe ich sofort angeordnet, daß der unterschriebene Vertrag Herrn Kuk wunschgemäß überonittelt würde, und folgendes Schreiben an Herrn Dr. Thon gerichtet: 21. Oktober H909. An das Palistinaamt z. H. des Herrn Dr. J. Thon Jatfa. Selur geehrter Herr Doktor! Im Besitze Ihres geehrten Schreibens vom 21. September d. J. Nr. 146.^ samt dem beiliegenden Schriftstück des Rubbinats gestatten war uns, Ihnen letzteres in der Anlage unterfertigt zu retournieien, und zeichnen mit vorzüglicher Hochachtung gez.: Dr. Bodenheim er. Wenn Herr Dr. Feuchtwanger demnach behauptet, da 15 diese Differenz nicht aufgeklärt sei uni es kaum je werden wibrde, so scheint Herr Dr. Feuchtwanger die Dokumente, auf welche er sich selbst beruft, (Joch sehr schlecht zu kennen, da das Schreiben des Herrn Rabtwners Kuk, in welchem er Herrn Dr. Feuchtwanger gegenüber präzisiert, um welche Klagen es sich handle, si ch ausdrücklich auf den abgeschlossenen „Verkauf" bezieht. Hiermit dürfte der erste Punkt der auf dem Kongreß erhobenen Beschwerde erledigt sein- Was den zweiten Punkt betrifft, so handelt es sich hier um einen PrivatbrieF., den Herr Dr. Feuchtwanger. an Herrn Wol ff söhn gerichtet hatte. In diesem Brief erhebt Herr Dr. Feuchtwanger Beschwerde gegen den N.-F. wegen Vernachlässigung d«er Vorschriften bezüglich des Schmittah-Jahrs. Auf diesen Brief, der mir erst nach Rückfeunft des Herrn Wolffsohn von seiner Reise übergeben wurde, habe ich sofort, pnd zwar am 25. Mai, dusch den folgenden Brief «erwidert: 25. Mm 1910. Herrn Dr. J. Feuchtwaitger, Frauenarzt Frankfurt a. M. Selir geehrter Herr Doktor! Herr Wolffsohn übergab mir Ihren Brief, betreffend die Schemitta-Aingelegenheit in Palästina, zur Beantwortung. Es ist mir nicht bekannt geworden, da(3 auf den dem Nationalfonds gehörenden Ländereien in dieser Hinsicht irgendwelche Schwierigkeiten entstanden sind. Herr Rabbiner Kuk-Jaffa li&t sich durch Vermittlung des Palästinaamte seinerzeit deswegen mit uns in Verbindung gesetzt, und «Ii habe seitdem nicüits mehr darüber gehört. Die Verzögerung in der Beantwortung Ihres Brtefes ist 3

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.