Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 37 (15.9.1911)
- Date
- 1911-09-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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974 DIEMKE LT No. 37 No. so fand er sich in der Mitte der Lefcrf##^aft doch so erhoben, daß er bis zum frühen Morgen Effieb und mehrmals in zündenäen Worten von der hohen Aufgabe der Lehrer in Palästina sprach. Jetzt ruht er auf dem Friedhofe in Pethach-Tikwah, jener Kolonie, in der er in seiner Jugend gewirkt und welcher er bis in seine letzten Tage hinein die größte Liebe und Anhänglichkeit bewahrt hatte. Wie ein kraftstrotzender Baum plötzlich vom Blitze gefällt wird, so ist Elijahu Saphir mitten aus seiner Tätigkeit heraus abberufen worden. Er kannte sein ganzes Leben lang keine Schonung für sich. Die 40 Jahre seines Lebens sind Jahre harter Arbeit gewesen, von keiner Erholungspause unterbrochen. Es war ihm nicht vergönnt, die Früchte durchwachter Nächte, in denen er für das jüdische Volk arbeitete, noch weiterhin für unsere Arbeit nutzbar zu machen. Viele Hoffnungen, die man an seine Arbeit knüpfte, sind jetzt mit ihm zu Grabe getragen. Sein Tod hat eine unausfüllbare Lücke hinterlassen. Er hat bis zum letzten Augenblicke dem jüdischen Volke Treue gehalten. Das jüdische Volk wird auch ihm Treue bewahren und seinen Namen als eines seiner besten Söhne im Lande unserer Sehnsucht niemals vergessen. Jaffa, 3. September 1911. A. Ruppin. Über das Ableben des Direktors der Anglo Palestine Company, Herrn Saphir, wird uns aus Jaffa berichtet: Herr Saphir hatte sich am 1. September morgens zur Bank begeben. Auf dem Wege dahin trat er in das Geschäft eines Freundes ein, um mit diesem einige Angelegenheiten zu besprechen. Mitten in der Unterhaltung verfärbte er sich und stürzte bewußtlos zu Boden. Ärztliche Hilfe war rasch zur Stelle, doch konnte man ihn nicht mehr ins Leben zurückrufen. Herr Saphir war, wie die später vorgenommene Untersuchung ergab, einem Gehirnschlag erlegen. Die Leiche wurde zuerst in Begleitung einiger Ärzte und Beamten der A. P. C. in die Wohnung und von da um 31/« Uhr nachmittags auf Wunsch der Hinterbliebenen nach Pethach Tik wah überführt. In dieser Kolonie, die der so jäh Verstorbene über alles geliebt hatte, sollte er zur letzten Ruhe bestattet werden. Fast die gesamte jüdische Bevölkerung Jaffas, viele Einwohner der Kolonien sowie zahlreiche Nichtjuden gaben ihm das letzte Geleite und bemühten sich, den Hinterbliebenen, der Frau, einem Sohn von 21, einer Tochter von 18 und einem Sohn von 11 Jahren, tröstend beizustehen. Generaldirektor Levontin erhielt in Wien die telegraphische Nachricht von dem plötzlichen Verscheiden des Herrn Saphir und reiste sofort nach Jaffa ab, wo er am 9. September eintraf. Offener Brief an Herrn Dr. Bodenheimer, Direktor des Jüdischen Nationalfonds, Köln Sehr geehrter Herr Doktor! Sie haben in der Debatte zum Bericht des Nationalfonds („Welt", Kongreßausgabe Nr. 3) auf dem Kongreß am Freitag Nachmittag folgendes gesagt: „Ais die Reklamation seitens der Misrachi-Föderation erfolgte, habe ich sofort an die Vertretung in Palästina telegraphiert: „Beachtet Kuks Ratschläge bezüglich Schmittah." Einen Kampf, wie ihn der Misrachi führt, darf man nicht mit solchen willkürlichen und frivolen Behauptungen auskämpfen. Man darf es nur auf dem Boden der Wahrheit tun. (Beifall.) Auch das ist ein Grundsatz des jüdischen Gesetzes." (Stürmischer Beifall.) Es ist dann dem Vorsitzenden des Kongresses am Sonntag Nachmittag folgendes Telegramm zugegangen: „Bitte Kongreß mitzuteilen. Ich protestiere mit tiefster Entrüstung gegen Bodenheimers falsche Darstellung der Schmittahangelegenheit und darauf begründete ehrenrührige Verdächtigung mangelnder Wahrheitsliebe gpgen Misrachi. Beweisende Dokumente werden Kongreß zugehen. Feucht wanger." Das Telegramm wurde dem Kongreß nicht bekanntgegeben. Am Montag Morgen hat Ihnen dann Herr Struck im Namen der Föderation Misrachi die Dokumente zur Verfügung gestellt. In diesen Akten, — soweit sie zum Beweise nötig sind, — ist kein einziges Schriftstück enthalten, das sich nicht auch in Ihrer eignen Briefregistratur — als Kopie oder Original — vorfindet. Ich will Ihnen gleichwohl nicht den Vorwurf zurückgeben, daß Sie frivolerweise Tatsachen falsch mitgeteilt haben, um dem Misrachi wirksam entgegentreten zu können, — denn auf andere Weise wäre Ihnen dies nicht möglich gewesen. Ich nehme selbstverständlich nur an, daß Sie im Drange der Geschäfte des Kongresses sich des Verlaufs der fraglichen Angelegenheiten nicht mehr bewußt waren. Ihre Invektiven gegen den Misrachi bleiben aber auch dann unentschuldbar. Denn wir sind mit Ihnen nicht zum erstenmal zusammengestoßen, und Sie wissen sehr wohl, daß unsere Behauptungen stets bis auf das letzte Wort wahr gewesen sind. Sie haben dann dem Kongreß erklärt („Welt" Nr. 5): „...Ich habe mich nach Durchsicht der Akten davon überzeugt, daß die Misrachi-Delegierten allem Anschein nach in gutem Glauben gehandelt haben____" Diese, Ihre Erklärung, Herr Doktor, besagt und will den Anschein erwecken: Wohl haben die Misrachisten sachlich Unrecht gehabt und war meine, des Dr. Bodenheimer, Darstellung richtig, — es ist aber zuzugeben, daß den Misrachisten ein Irrtum unterlaufen und ihnen daher die bona fides zuzubilligen sei. Die Akten, Herr Doktor, die wir Ihnen vorlegten und dieSie selbst besitzen, — Sie sind also in der Lage, ihre Echtheit zu prüfen, — besagen aber doch gerade das Gegenteil: Nicht wir, die Misrachisten, sondern Sie, der Direktor des Nationalfonds, haben die Sachlage dem Kongreß falsch dargestellt. Sie haben behauptet, daß Sie sofort, als die Reklamation seitens des Misrachi erfolgte, an die Vertretung in Palästina telegraphiert hätten, während sich doch aus den Akten ergibt, daß ich ca. 4—5 Monate vorher, freilich privatim, an Herrn Wolffsohn persönlich geschrieben habe (der Brief ist Ihnen ja — wohl verspätet — übergeben worden) und daß Sie selbst mindestens fünf Wochen vor Abgang der Depesche von den Reklamationen des Misrachi Kenntnis hatten. Erst nach wiederholtem Briefaustausch und mündlichen Verhandlungen gelegentlich der Jahreskonferenz vorn 27.—29. Juni ist dann das Telegramm abgegangen, und zwar entsprang es nicht Ihrer Rücksicht und Fürsorge für die Einhaltung der religionsgesetzlichen Vorschriften, sondern ich verlangte diese Depesche mit Nachdruck, weil das Schmittahjahr bereits dem Ende nahe war, — tatsächlich war ja in jenem Zeitpunkt Ihre telegraphische Anweisung, „Kuks Ratschläge" zu befolgen, völlig gegenstandslos geworden. Sie hatten durch die Kopie eines Ihrer Briefe nach Jaffa nachgewiesen, daß Sie den von Herrn Rabbiner Kuk verlangten „Vertrag" (-)Ety) unterschrieben hätten, — ein Ihnen seinerzeit vorgelegter, in unsern Händen befindlicher] Brief von Rabbiner Kuk besagt es anders. Die Differenz ist nicht aufgeklärt und wird es wohl kaum je werden. Ich nehme aber Ihren Beweis als voll erbracht an. Dann trifft Sie der von uns erhobene Vorwurf in der Hauptsache um so schwerer. In diesem „Vertrage" — Sie werden sich wohl entsinnen, daß das Formular eines solchen Vertrags uns zur Unterlage unserer Verhandlungen auf der Jahreskonferenz diente — verpflichteten Sie sich, resp. den N. F. oder dessen Vertretung in Palästina, über die Zulässigkeit aller vorzunehmenden landwirtschaftlichen Arbeiten während des Schmittahjahrs vorerst die Erlaubnis des zuständigen Rabbiners einzuholen. Und darum hat es sich bei unsern Verhandlungen gehandelt, und das haben Sie nicht getan. Sie haben vielmehr nach Gutdünken alle Arbeiten vornehmen lassen und auch neue Pflanzungen angelegt usw. (s. Bericht des A. C. an den Zehnten Kongreß, S. 44). Dagegen haben wir Reklamationen erhoben und halten sie aufrecht. Sie wissen ja, daß Herr Rabbiner Kuk ein Mann weitausschauenden Blicks ist, voll glühender Liebe für unsere uralte Heimat, daß er ein warmes Herz besitzt für den neuen Jischub und daß sein ganzes Streben darnach geht, die junge Kolonisation nicht zu hemmen, sondern zu fördern. Daher auch seine religionsgesetzlichen L