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Die Welt · 1911-09-15 · 37 (15.9.1911) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
37 (15.9.1911)
Date
1911-09-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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No. 37 '-- - DIE] dem erfreulichen Resultat, daß die überwiegende Mehrheit als Misraclii-Fraktioti in der zionistischen Organisation verbleibt, während eine verschwindende Minorität ihren Austritt ans der Qesamtorganisation erklärte. Bei der entscheidenden Abstimmung, die namentlich geschah, erklärten sich die Delegierten aus Rußland, Qalizien, Belgien, Berlin, Hamburg und Posen gegen den Austritt. Die sezessionierende Minderheit bildeten insbesondere die Frankfurter und die Ungarn unter Führung von Dr. Feuchtwanger und Del. Lebowitsch. Die Verhandlungen der geheimtagenden Konferenz, an der 35 Delegierte und einige Mitglieder des Frankfurter Zentralkomitees des Misrachi teilnahmen, n.athmen einen sehr lebhaften, häufig recht stürmischen Verlauf und waren durchweg von tiefem Ernst getragen. Die Teilnehmer waren sich der großen Verantwortlichkeit der Entscheidung bewußt, die sie zu trrifen hatten. Handelte es sich doch um eine Frage, die in der bisherigen Etitwickelung des Zionismus beispiellos dasteht! Beide Seiten verfochten ihren Standpunkt mit der größten Entschiedenheit. Zu den Wortführern der gemäßigten Richtung gehörten u. a. Rabbiner Reines-Lida, Redakteur M. Berlin-Berlin, Farbstein-Warschau und Dr. Jeremias-Posen. Die extreme Richtung vertraten insbesondere Dr. Feuchtwanger-Frankfurt a. M. und Lebowitsch aus Ungarn. Das Präsidium bildeten die Herren Hermann Struck-Berlin als Vorsitzender, Rabbiner Dr. Wilhelm Lewy-Charlottenburg und Dr. Franck-Hamburg. Als Schriftführer fungierten Herr Bart-Berlin für Deutsch und Herr Rüben Fahrn-Galizien für Hebräisch. Die Verhandlungen begannen mit dem Bericht des Zentralkomitees, der von Dr. Feuchtwanger erstattet wurde. In dem Berichte sowohl wie in den gesamten darauffolgenden Debatten stand die Separationsfrage im Mittelpunkte der Erörterungen. Im Laufe der Nachmittags Sitzung wurde ein an Herrn Struck persönlich gerichteter Brief des Herrn Professors Warburg verlesen, in dem der Vorsitzende des E. A. C. den Willen der zionistischen Leitung bekundet, den berechtigten Wünschen der Misrachisten in wohlwollendster Weise entgegenzukommen. Nach Schluß der Nachmittagssitzung beg-ab sich eine aus den Herren Dr. Feuchtwanger, Dr. Jeremias, Dr. Pranck und Holländer bestehende Kommission zum E, A. C, um mit ihm Verhandlungen zu führen. Die Mitglieder der zionistischen Leitung betonten wiederum ihre Bereitwilligkeit zum Entgegenkommen, sofern es mit den Kongreßbeschlüssen nicht im Widerspruch stände. Die Schlußsitzung der Konferenz begann sodann gegen 11 Uhr abends und brachte das oben mitgeteilte Resultat. Nachdem die Entscheidung gefallen war, beschloß noch die Majorität der Konferenz, den Sitz des Misrachi nach Hamburg zu verlegen. In das Zentralkomitee wurden die dort wohnhaften Herren Dr. Fianck, Dr. David und Dr. Möller gewählt. Außerdem soll in Berlin eine besondere Propagandazentrale unter der Leitung des Herrn Dr, Wilhelm Lewy «eingerichtet werden, für welchen Zweck ein belgischer Misrachist 5000 Mk. stiftete. ELT —- Q73 Elijahu Saphir gest. l. Sept 1911 (8. Elul 567L). Der großen Welt da. draußen war er fast ganz unbekannt, er, der es verschmähte, sich vorzudrängen, und der während seines ganzen Lebens nie die Grenzen Palästinas verlassen hat, Aber wir, die wir ihm und seiner Arbeit nahestanden, wußten, was wir an ihm hsatten. Um das Jahr 1870 in Jerusalem geboren, ergriff er den Lehrerberuf unl wurde Lehrer in der jungen Kolonie Pethach-Tikwali, wo er als einer der ersten für cEe Wiederbelebung der hebräischen Sprache als Unterrichts- und Umgangssprache schöpferisch wirkte. Aber sein Blick ging über diesen seinen Wirkungskreis hinaus. Er hat mir einmal erzählt, wie er von Unruhe erfaßt wurde, als er sah, daß die jüdische Kolonisationsarbeit auf Schritt und Tritt iarunter litt, daß die Juden die Qesetze des Landes nicht kannten und fast bei jedem Bodenkauf ratlos großen Schwierigkeiten gegenüberstanden. Damals nahm er sich vor, hkrin \Yandel zu schaffen, und er stürzte sich mit der ungeheuren Energie und den außerordentlichen Fähigkeiten, die ihm eigen y^aren, auf das Studiuni der Qesetze und der türkischen Sprache. In wenigen Jahren brachte er es dahin, daß er in Palästina als eine Autorität, man. kann sogar sagen, als die einzige Autorität auf dem Gebiete der türkischen Bodengesetzgebung anerkannt wurde. Diese Kenntnisse stellte er zunächst in den Dienst der Ica, deren Beamter er wurde und für die er die Kolonie Sedschera einrichtete, um später in den Dienst der neugegründeten Anglo Patestine Company überzutreten. Hier fand er ein reiches Feld für meinen rastlosen Tätigkeitsdrang. Bei aJlen Bodenkäufen, bei allen Prozessen, bei allen wichtigen Fragen Jes öffentlichen Lebens war sein Rat gesucht und seine Meinung entscheidend. Zu niemanden drängten steh Privatleute bei schwierigen Fragen in gleicher Zahl um Rat wie zu ihm. Dabei blieb er der stille bescheidene Mann, der eine fast mädchenhafte Schüchternheit und Schamhaftigfceit zeigte, wenn die Rede auf seine Verdienste kam. In einer rauhen Schak, die ihn dem Fernstehenden manchmal unliebenswiiidig erscheinen Ließ, steckte ein edler Kern. Er nahm au dem kleinsten Fortschritte des jüdischen Kolonisations-werkes liebevollsten Anteil und war immer bereit, in welcher Sache es auch war, seine Kraft bis zur Erschöpfung für die Kolonisationsarbeit hinzugeben. Wenn ihn auch sein Lebensweg in ^ine Stellung in mnserem Bankinstitute geführt hatte, sovergaß er doch nie seine frühere Tätigkeit als Lehrer. Die wärmsten Worte und das größte Feuer fand er dann, wenn es sich um Erziehungsfragen handelte. Er hat als Vertrauensmann des Hilfsvereins der Deutschen Juden dessen Kindergärten in Jaffa verwaltet, und er hat gerade in ler letzten Zeit in dei Herstellung eimer hebräischen Wandkarte von Palästina, eines Buches über alle palästinensischen Ortsnamen und einer Überset2iing des bekannten Auhagenschien Buches über Palästina ins Hebräische dem jüdischen Erziehungswerk in Palästina wertvolle Dienste geleistet. In der Nacht, die seinem plötzlichen Tode voranging, weilte er in einer Leserversammlung, und obwohl er sich in den letzten Tagen schon-schiedst gefühlt hatte, 2*

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