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Die Welt · 1911-09-08 · 36 (8.9.1911) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
36 (8.9.1911)
Date
1911-09-08
Page
– (sequence 11)
Language
German
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No. 36 DiE^ELT 953 lassen erkennen, daß er den „Israelit" fldßig gelesen und benutzt hat. Nun, ich kenne die Sache ganz genau. Die Protestversammlung gegen den Brief des Odessaer Komitees hat in meinem Hause stattgefunden, und ich erkläre, so etwas Verlogenes, wie das, -was dem „Israelit" darüber aus Palästina berichtet wurde, habe ich noch nicht erlebt. Mi er nur ein Beispiel: Inn Nr. 15 des Israelit wird über die bekannte Jaskan-Versammlung in Jerusalem berichtet und es ist daselbst zu lesen: „Herr Lunz sag-te bei derselben Gelegenheit" Herr Jazkan mag vieles gesehen haben, aber er weiß noch nichts. Um kein Haar besser sei die Schwesteranstalt in Jerusalem. (Hamorüa Nr. 70.)" In der Nr. 70 des Hamoria steht aber kein einziges Wo-ri des von m r in Sperrschrift widergegebenen Satzes. Herr Lunz hat auch mir gegenüber in Gegenwart eines Zeugen entschieden ün Abrede gestellt, daß er obige Äußerung getan hat. Ich bin bereit, dies vor jedem Beth-Din zu beweisen. Der künftige Historiker aber mag wissen, mit welchen Mitteln Juden das erste hebräjsche Gymnasium in Palästina bekämpft und beklatscht haben. Jaffa, am 29. Tharnus. Jehoschuah Feldmann. Misrachi und Trennutigsorthodoxie (Von unserrn Frankfurter Korrespondenten) Wenige jüdische Kreise haben wohl den X. Kongreß mit einer solchen Spannungerwartet, wenige wohl über seinen Verlauf eine solche Freude empfunden, wie die Kreise der hiesigen — Trennungsorthodoxie, die im „Is raelit" ihr publizistisches Organ sehen. Denn <Hese Kreise oder richtiger gesagt die Führer dieser Kreise halten (Sie Zeit für gekommen, dem Zionismus wieder einen Schlag zu versetzen und ihm einen Teil seiner Anhänger abzugewinnen — den „Misrachi". Infolge der Annahme der Beschlüsse der Kultuikomrnission hält es der „Israelit" als unvereinbar mit den Überzeugungen eines -wahrhaft gesetzestreuen Juden, dem Zionismus noch fernerhin anzugehören. Und wohin sollten sich denn die gesetzestreuen Zionisten, die „Misrachisten" wenden, wenn nicht zu ihm? Und so begann er denn mit wirklich anerkennenswertem E iüer die Werbetrommel zu schlagen. Nur tat er es — ist es aus allzu großer Freude oder zu fester Sicherheit? — in einer recht plumpen und in die Augen fallenden Weise. Die bösen Misrachisten, die man noch einige Wochen vorher gar nicht genug verketzern konn te, wurden auf einmal „die lieben Brüder und Gesinnungsgenossen"; sie, die man frühei als fluchwürdige Verräter an der Sache des gesetzestreuen Judentums hingestellt hatte, verwandelten sich plötzkk zu Helden, die heroisch für die Fahne des Thorajudentums inneihalb der zionistisc&en Bewegung gekämpft haben und von dieser erdrosselt worden sind. Den Führern des „Misrachi" konnte man gar nicht genug Lob spenden, dem „Misrachi" selbst nicht genug schmeicheln; und warum all dies? Weil man in den ^Misrachisten" von heute die Anhänger des „Israelit" und seiner Richtung von morgen sieht..... Zu gleicher Zeit ertönte auch die Werbetrommel an einem Platze, an dem uneingeweihte Zuschaue sie niemals vermutet hätten—auf der Kai zel der Synagoge der „Israel. Religionsgesellschaft." Arn Sabbath nach dein Kongreß hielt Rabbiner Breuer wieder eine seiner bekannten geschmackvollen Hetzreden gegen den Zionismus, die in sich jenen Gleist des Friedens und der Wahrheit atmen, den zu verbreiten der ehrwürdige Rabbi für seine Pflicht hält. Diesnul glaubt er allerdings seinen ungehörigen Äußerungen die Spitze; aufsetzen zu dürfen, und so verstieg er sich zu der für jeden, der die Geistesrichtung dieses Rabbi nicht kennt' ungeheuerlichen Anmaßung, die Zionisten mit den „Kanaanitern" zu vergleichen. Dochn nach diesem Zornesausbruch folgte die Versöhnungsrede, ertönte die Werbetrommel, erschallte der Sirenenruf: in einer brüderlichen Ermahnung führte er den irregeleiteten Misrachisten zu Herzen, iyüe unmöglich es doch jetzt für sie geworden sei, noch Zionisten zu bleiben, wo sie doch jetzt erkennen müßten, daß es nur einen Anisweg gebe, den schon Samson Raphael Hirsch für alle Zeiten vorgezeichnet hat: die Trennung. Man sieht also, wie eifrig von Seiten der Trennungsorthodoxie gearbeitet wird, um die Misrachisten hinüber zu ziehen. Und man begnügt sich nicht mit Schmeicheleien und guten Worten; nian macht sogar Versprechungen. Man stellt den Misrachisten privat und öffentlich in Aussicht, im File ihres Austritts aus der zionistischen Organisation eine neue orthodoxe Organisation nach dem Programm des „Misrachi" zu gründen; von anderer Seite wird den Misrachisten der Anschluß an die vor nicht zu krsger Zeit" von Oberralbbiner Lern er-Altona gegründete „Moiriah" empfohlen und — last not least — wird auch der alte Lieblingsplan einiger Führer der Trennungsorthodoxie zur Gründung «iner Weltorganisation d«eir gesamten Orthodoxie aufgenommen und propagiert. Sehen wir niui zu, wie es sich in der Tat mit all diesen Plänen und Versprechungen verhält. Daß eine neue große orthodoxe Organisation gegründet werde, darf von vornherein als ausgeschlossen gelten. Es fehlen hierzu sowohl die Männer als aucl die Mittel, als auch dies Stimmung innerhalb der Orthodoxie selbst. An einer solchen Organ isation müßte ja die jüdische Orthodoxie Rußl itids in erster Linie beteiligt sein, wenn sie überhaupt irgendwelche Bedeutung erlangen w3U, und abgesehen von all den innern Gegensätzen und Hindeirai ssen ist dies schon einfach darum nicht möglich, weil die russische Regierung die Gründung einer solchen Organisation nicht zulassen wird; war doch schon ein mal der Versuch dazu gemacht worden und aus diesem Grunde gescheitert. Daß eine neue orthodoxe Organisation mit dem Programme des „Misrachi" ins Lei^n gerufen werden wird, ist ebenso ausgeschlossen. Bleiben also nur noch zwei Möglichkeiten: Die Misrachisten, die aus de^nZionismus austreten sollten, werden der „Moilah" oder—und dies ist Jas wahrscheinlichere— der „Freien Vereinigung für das orthodoxe Judentum" beitreten. Bekanntlich besitzt bliese Vereinigung seit einigen Jahren eine PaLästinakommission und hält auch in PeUch-Tikwah eine Ta lmud-Thoraschule aus. Aber selbst wenn sdae austretenden Misrachisten der „Moriah" beitreten sollten, so würden sich schließlich dieselben Führer, die heute die Freie Tereinigung leiten, bald der „Moriah" bemächtigen und es wäre dann dieselbe Sache mit anderer Etikette. In WiMichkeit gibt es also nur ein Los für die austretenden Misrachisten: sie werden siel zu Trabanten der Herren — richtiger gesagt ies Herrn — vom „Israelit" degradieren müssen und für sie die Kastanien aus dem Feuer holen. Daß der „Misrachi" oder besser gesagfi die Leitung des „Misrachi" in Frankfurt a. M. sich sehr wohl dac* verführen lassen kaum, hat die Erfahrung gezeigt; es gab vor wenigen Jahren eine Zeit, in der der „Misrachi" es getan hat und die Beteiligten, die steh dann die Finger -recht empfindlich verbannt und dem Schm&rze darüber später recht kräftigen Ausdruck gegeben haben, weri&n sich dessen noch recht wohl entsinnen.... ,. Es ist darum wohl möglich, daß dieselben Herren diesmal dasselbe wiederholen kömnen und es ist gut und notwendig, vor d.e* Tagung der Misra_chikonferenz die gesamte Misrachiföderation a_uf diese unumgänglichen Folgen eines etwaigen Austrittes hinzuweisen....... Denn darin liegt eben der Haken der ganzen Sache, an dem die Kalkulation der Herren vom „Israelit " scheitern wird, daS der ganze „Misrachi* im seinen Anschauungen und in seiner Geistesrichtung nicht identisch ist mit den Frankfurter Misrachisten. Frankfurt ist eine einzigartige Stadt in der Welt. Der Geist, der die hiesige Orthodoxie beherrscht, ein Geist intoleranter Trennungssucht und kleinlic hier Verdammungspolitik, ist nirgendwo anders wieder anzutreffen.. Und dieser Geist beeinflußt auch — bewußt oder unbewußt — in sehr starkem Maße die hiesigen MisracMs-ten. Und für diese — dies empfinden hier die zionistischen Kreise — ist tatsächlich kein Platz mehr in der Organisation vorhanden, und

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