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Die Welt · 1911-09-08 · 36 (8.9.1911) · page 9

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
36 (8.9.1911)
Date
1911-09-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
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No. 36 DIE^ELT 951 Die Abstimmung erfolgt durch Händeaufheben. Auf Antrag von mindestens 50 Dielegierten muß namentlich, auf Antrag von mindestens 100 Delegierten geheim und schriftlich abgestimmt werden. Auf Antrag des E. A. C. hat namentliche oder geheime Abstimmung stattzufinden. Stimmengleichheit gilt als Ablehnung. V. Ordnungsbestimniungen } 26. Disziplinarmittel Wenn ein Mitglied die Ordnung veiletzt, wird es vom Piäsidenten unter Nennung seines Namens „zur Ordnung" gerufen. Entfernt sich ein Redner von dem Gegenstand der Verhandlung, wird er vom Präsidenten „zur Sache" germfen. Hat ein Redner steh zweimal in eitm Rede einen Ruf „xur Sache" oder „zur Ordnung" zugezogen, so ist bei einem drüten Verstoß ihm das Wort zu entziehen. D»er Redner ist nach der zweiten Rüge zu verwarnen. Im Falle gröblicher Verletzung der Ordnung kann auf Beschluß des Kongreßpräsidiunis der Kongreßpräsident das betreffende ftlitglied von der Sitzung ausschließen und dessen Entfernung aus dem Saale anordnen. Der Kongreß kann mit Dreiviertelmajorität <len Ausschluß des Mitgliedes aus dem Kongreß beschließen. Ein solcher Beschluß kann nur i n einer besonderen, ausschließlich zu diesem Zweck einberufenen Sitzung gefaßt werden. Wenn den Anordnungen des Präsidenten keine Folge geleistet wird, kann der Präsident die Sitzung aussetzen oder aufheben. VI. Schluß des Kongresses. § 27. Nach Erledigung der Geschäfte des Kongresses schließt <ias neugewählte E. A. C, den Kongreß. Der X. Kongreß Der Petersburger „Rasswjet" schreibt in Nr. 34: „Der X. Kongreß ist vorüber und wi r können sagen, daß wir schon lange keisien so schönen und in haitieichen Kongreß gehabt haben. Nach seiner Form und seinem Verlauf könnten wir den X. vielleicht mit die-m V. Kongreß vergleichen, dem glanzvollsten der Herzl-Epoche. Der X. Kongreß hat bewiesen, daß der Zionismus eine allgemein jüdische Sache, sowohl :seinem innern wie äußern Wesen nach, ist. Von der Tribüne des X. Kongresses herab hat der Zionismus itm gesamten Judentum und der ganzen Welt auf alle Fragen, die das Volk bewegen, geantwortet. Die Kulturarbeit ist kein zionistisches, sondern ein allgemein jüdisches Problem. Und ist denn das Verhältnis von Kultur und Religion zu einander leine allgemein jüdische Frage, ist die Behandlung der Emigration und Kolonisation keine Frage des ganzen Volkes? Das gesamte jüdische Leben umfaßt die Probleme der nationalen Kultur, der Organisation der Emigration und des Systems der Kolonisation. Der X. Kongreß, der dies alles behandelte, hat damit vor aller Welt bewiesen, daß der Zionismus das Judentum ist, aber Jas Judentum, das leben will, das sich nicht verleugnet und keinen Selbstmord verüben will. Man kann wohl über Einzelheiten andeier Meinung sein, aber man muß gestehen, daß der X. Kongreß der ganzen Welt die innere Kraft des Zionismus demonstriert hat." Der Artikel gibt dann die Beschlüsse des Kongresses wieder und fährt fort: „Es gibt nach dem Kongreß weder Sieger noch Besiegte. Gesiegt hat das Prinzip des aktiven Zionismus. Und da in unserer Organisatio»n das Gefühl der "Unterordnung und der Pflichttreue so stark entwickelt ist, so halben die Gegner dieses Prinzips nachgegeben, als sie einsahen, daß dieses Prinzip die Mehrheit hinter sich hat. Wenn die neue Leitung, unterstützt von allen Zionisten, in den nächsten zwei Jahren das Prinzip des aktirai Zionismus entwickelt, oder es zu verwirklichen beginnen wird, s-o sind wir sicher, daß der XI. Kongreß den X. an Würde und Hfrlie übertreffen wird, wenn auch der X. Kongreß schon so würdig od hoch war. Der X. Kongreß leitete eine neue Aera in der Geschichte des Zionismus ein. Das Fortblühen des Zionismus hängt ausschliesslich von uns allen ab, von allen Zionisten. Vorwärts an die Arbeit!" Eine Konferenz der zionistischen Jugend Während der Kongreßtage fand in Basel eine Jugendkonferenz statt, an der Vertreter des „Hapoel Hazair", Delegierte des Verband &s „Zeirei Zion" und eine Anzahl zionistischer Studenten aus Russland teilnahmen. Nach einigem kurzen Referaten und einer regen Diskussion wurden von der Konferenz folgende BescliLüsse gefaßt: 1.) die jüdische Jugend in der Diaspora zu organisieren und für eine allmähliche Übersiedlung nach Palästina vorzubereiten; 2.) die in Palästina bestehenden jüdischen Arbeiterverbände tataäftig zu unterstützen; 3.) die jüdische Arbeiterschaft in der Diaspora für eine zweckdienliche Auswanderung nach Palästina vorzubereiten und für die zukünftige Arbeitsproduktion im Lande auszubilden; 4-.) die Mitglieder der zu schaffenden Jugendorganisation sind moralisch verpflichtet, ihr Möglichstes zu tun, um nach Palästina zu übersiedeln.— Die von der Konferenz bestimmten Zentralorgane werden insbesondere mit der Organisation des „Hipoel Hazair" in Verbindung stehen. Nochmals einige Worte zur Ehr' und Wehr der palästinischen Schulen Auf Herrn Sterns Erwiderung in Nr. 28 der „Welt" will ich nur insofern zurückkomtnen, als ich annehmen m können glaube, daß seine Ausführungen nur auf mangelhafter ICenntnis der in Betracht kommenden palästinischen Verhältnisse beruhen. Herr Stern kommt nochmals auf die Meinung des Dr. Jakob Thon, daß die Religionslehre einzig und allein vom Lehrer abhängig gemacht werden soll, 2urück und ruft emphatisch aus: „Also die Einführung eines wichtigen Unterrichtsgebteles soll lediglich von subjektiven Momenten bestimmt werden, statt von objektiven, im Zwecke des Unteirichtes und dem Wesen des Lehrgegenstandes liegenden Gründen bedingt zu werden . . . Aber der Verfasser war ein Beamter der zionistischen Organisation, und da war es bei der unüberwindlichen Schwierigkeit, gerade auf d iesem viel umstrittenen Gebiete amtliche unJ private Meinungen auseinanderzuhalten, eine Notwendigkeit, der subjektiv anarchischen Lehrplantheorie aus Palästina eine objektiv-wissenschaftliche (fehlt der Gegensatz: „aus Europa") entgegenzustellen." Der Irrtum des Herrn Stern besteht dari n, daß er Thons Worte zu einer akademisch-abstrakten Theorie, losgelöst von lokalen Bedingungen und Erfahrungen, erhebt, wählend Dr. Thon gewisse gegebene palästinische Verhältnisse, die sieht wohl in nächster Zukunft nicht ändern werden, im Auge hat undciur für sie seine Theorie aufstellt. Dr. Thon sagt nämlich in seine-m Aufsatz weiter ganz deutlich, worauf es irirn ankommt: „Dagegen soll vor einer offiziell opportunistischen religiösen Erziehung nur gewarnt werden. Der Schüler spürt leicht Unaufrichtigkeit heraus, wodurch des Lehrers Autorität leicht erschüttert wird und wendet, sich von ihm mit Erbitterung ab." Freund, wir haben es erlebt. Wir Subjektivanarchischen sind nänLich ein wenig objektiv. Wir gehen von den gegebenen Tatsachen aus. Und Tatsache dst es, daß in Palästina noch immer ein Mangel an Lehrkräften herrscht und die in Betracht kommenden Kandidaten nicht immer vom Hause aus „Glauben besitzen". Da jedoch von mancher Seite offiziell religiöse Erziehung verlangt wird, so wird nolens volens, eine, gelinde gesagt, Unaufrichtigkeit groKgezüchtet, die gerade in Palästina, wo man einander vielleicht mit übertriebener Aufrichtigkeit dient, allen Beteiligten peinlich zu werden beginnt. Es ist ja gewiß anzuerkennen, daß Männer wie Dr .Moses Auerbach und Dr. Schlesinger hierherkommen, um hier ih rer Weltanschauung zum Siege zu verhelfen. Jedoch allzu dicht gesät sind auch diese Männer nicht, sonst würde auch die Tachkemomischule in pädagogischer Beziehung anders dastehen, als sie in Wirklichkeit jetzt darste lit. Die meisten ziehen es vor, von Europa aus uns mit ihren Ratschlägen zu beglücken, anstatt hierherzukommen und selbst mitzuwirken. Das ist nicht bloß auf dem Gebiete des Schulwesens der Fa.ll... Zu meiner Zeit zählte man in Berlin allein über 30 zionistische Ärzte. Die Zahl hat sich gewiß inzwischen vergrößert. Nichtsdestoweniger .herrscht seit Jahr und Tag in Palästina ein Mangel an jüdischen Ärzten. Ich glaube, Herr Stern wird es nunmehr nicht verübeln, wenn Leute, die kein akademisches Programm entw ickeln wollen, sondern die gegebenen Verhältnisse berücksichtigen, im Interesse aller die Behauptung aufstellen: „Religionslehre hängt in ihrer Wirkung allein von der Persönlichkeit des Lehrers ab, der unter den gegebenen Verhältnissen einzig über ihre Zweckmäßigkeit in unsern Schulen entscheiden kann." Herr Stern schreibt: „Herr F. wirft mir gojische Betrachtungsweise vor. Das ist schlimm; aber ich habe gezeigt, daß ich davon frei bin. Ich werfe aber seinen Freunder — und das ist viel schlimmer — gojische: Handlungsweise vor. Denn wie anders kann man diese Abschaffung eines uralten Gebrauches (den der Kopfbedeckung) bezeichnen denn als Assimilation an gojische Sitten. Noch dazu in Palästina!" Nun, nichts lag mir so fern, als Herrn Stern gojische Betrachtungsweise vorzuwerfen- Ohne ihn zu kennen,

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