Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 35 (1.9.1911)
- Date
- 1911-09-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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zu tun und dem Direktorium darüber schriftlich Bericht zu erstatten. Es fanden ferner auch Verhandlungen statt wegen Übernahme weiterer langfristiger Depots vom Nationalfonds zum Häuserbau für die Gesellschaft Nachlath Benjamin. Bericht über die vierzehnte ordentliche Generalversammlung des Jewish Colonial Trust (Jüdische Colonialbank) Limited An der Generalversammlung des Jewish Colonial Trust, welche am 14. August d. J. im Stadtkasino in Basel abgehalten wurde, nahmen 171 Aktionäre teil. Das Direktorium war durch die Herren Dr. N. Katzen elsohn, Joseph Cowen, M. Feldstein und H. Urysohn, der Aufsichtsrat durch seinen Vorsitzenden Herrn D. Wolffsohri vertreten. Herr Dr. N. Katzenelsohn, der Vorsitzende des Direktoriums, präsidierte. Der Vorsitzende erstattete den Bericht des Direktoriums für das Jahr 1910, welcher mit der von den Revisoren geprüften Jahresbilanz gedruckt den Aktionären vorlag. Bezüglich des Berichtes und der Bilanz wurden an das Direktorium und den Aufsichtsrat eine Anzahl Fragen gestellt. Es entspann sich dann eine längere Diskussion, auf welche sowie auf die Fragen der Vorsitzende des Direktoriums, Herr Dr. Katzenelsohn, und der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Herr Wolffsohn, ausführlich antworteten. Darauf wurde einstimmig der Bericht des Direktoriums und die Jahresbilanz angenommen und dem Direktorium Decharge erteilt. Die Generalversammlung beschloß ferner eine Dividende von 6 Pence pro £ 1.— Aktie auf Kupon Nr. 7 für das Jahr 1910 zu erklären. Herr J. H. Kann, welcher statutengemäß vom Direktorium zurücktrat, sowie die bisherigen Bücherrevisoren, wurden einstimmig wiedergewählt. Die Versammlung schloß mit Dankesvoten an den Vorsitzenden, das Direktorium und die Beamten. Deutschland Frankfurt a, M. Donnerstag, den 27. August fand eine Versammlung der hiesigen Ortsgruppe des Misrachi statt, die sich mit den Ergebnissen des letzten Kongresses beschäftigte. Der Delegierte der Frankfurter Misrachisten, Sekretär Braun, erstattete den Bericht über den Kongreß. Er gab seiner Unzufriedenheit über die neue Leitung Ausdruck und erklärte, daß der „Misrachi" ausnahmslos auf dem Boden des politischen Zionismus stehe. Er ging dann des näheren auf die vom Kongreß gefaßten Resolutionen in der Kulturfrage ein und gab seiner Ansicht Ausdruck, daß die Misrachifödderation nun nicht mehr der zionistischen Organisation angehören könne. Natürlich werden die Misrachisten auch weiterhin, wenn sie auch aus der Organisation austreten, gute Zionisten bleiben. Die sich anschließende lange Diskussion drehte sich hauptsächlich um die Frage, ob der „Misrachi" austreten solle oder nicht. Während die Majorität der übrigens schwach besuchten Versammlung sich für den Austritt erklärte — darunter auch die Herren Stern und Prof. Weyl — und für den Anschluß an die bisher zionistenfeindliche Orthodoxie eintrat, war die Minorität der Ansicht, daß man aus zionistischen als auch aus misrachistischeri Gründen in der Organisation verbleiben müsse. Interessant war eine Erklärung des Herrn Louis Kahn, wonach ihm ein in Frankfurt wohnender Führer der Orthodoxie erklärt habe, daß er in letzter Zeit viele Briefe erhalten habe aus orthodoxen Kreisen, die für die Gründung einer großen orthodoxen Organisation auf misrachistischer Basis eintreten. Schließlich wurden 2 Delegierte für die nach 2 Wochen in einer norddeutschen Stadt stattfindende Misrachikonferenz gewählt, die endgültig über das Weiterverbleiben oder den Austritt der Föderation entscheiden soll. Von den 2 Delegierten ist der eine— L. Kahn—für, derandere — Dr. Braun—gegen den Austritt. Österreich Brody. Verein jüdischer Hochschüler„Techijah". Neuwahlen: J. Weinberger, Präses; A. Je dl in, Vizepräses; A.Dobschütz, Schriftführer. Karlsbad. Jüd.-akad. Klub. Chargen wählen: jur. cand. Paul Lenk X, phii. cand. Josef Schlesinger XX, med. Alfred Kohn XXX und Kassier. Sadagora. Akademische Vereinigung „Makkabaea". Chargenwahlen: iur. Efr. Gr am ir er X, pharm. H. Grünberg XX, iur. Math. Zim.bler XXX. Teplitz. Das Kartell Prager jüdisch-nationaler Verbindungen veranstaltet am 16. September in den Lindenhofsälen einen Festkommers, bei dem Herr Professor Dr. Alfred Engel die Festrede halten wird. Schweiz St. Moritz. Ein Komitee, an dessen Spitze die Herren Dr. E. Leszynsky und Dr. S. Hildesheimer standen, berief jüngst in St. Moritz eine zionistische Versammlung ein, zu der sich mehr als 200 Personen einfanden. Es sprach zunächst Herr Dr. H. Q. Heymann über die Beschlüsse des X. Kongresses und über den gegenwärtigen Stand der Palästinaarbeit. Hierauf Herr Lazarus Barth über die Bedeutung des Zionismus für das moderne Judentum. Reicher Beifall belohnte die Referenten sowie den jüdischen Schriftsteller J. L. Perez, der im anschließenden geselligen Teile einige Fabeln vortrug. Eine Sammlung ergab etwa Frcs. 90.—. Amerika New York. Die Begeisterung und das Interesse für den X. Zionistenkongreß war hier in New York weit größer, als in frühern Jahren für seine Vorgänger. Die ganze Kongreßwoche wurde mit der Veranstaltung großzügiger Massenversammlungen ausgefüllt. Vereine sowohl als auch zahlreiche Privatpersonen sandten Begrüßungstelegramme und Glückwunschschreiben an den Jubiläumskongreß. Eine ungewöhnliche Erscheinung ist die rege Teilnahme der orthodoxen Volkskreise an all den zu Ehren des X. Kongresses veranstalteten Kundgebungen. Das orthodoxe Element, das bisher der zionistischen Bewegung fern stand und jeder öffentlichen Diskussion über jüdischnationale Fragen aus dem Wege gegangen war, nimmt heuer aktiven Anteil an den Sammlungen für den National - fonds, an den Propagandaversammlungen und sonstigen Veranstaltungen. Woher dieser plötzliche Umschwung? Wenn man bedenkt, daß ungefähr zwei Drittel der jüdischen Bevölkerung New Yorks aus osteuropäischen Ländern stammen und mehr oder weniger orthodox gesinnt sind, so wird man begreifen, daß ein Zusammenarbeiten mit den amerikanisch erzogenen Führern der Föderation schon vermöge der tiefgehenden Unterschiede in den Sitten und der Lebensführung für diese Kreise nicht gut möglich war. Es war daher eine dringende Notwendigkeit, eine konservative Organisation zu schaffen, die den „Maskilim" modern genug und den „Frommen" jüdisch genug wäre. Eine solche Organisation besteht bereits, und wenn nicht alle Zeichen trügen, wird sie der Bewegung Tausende Anhänger zuführen, nämlich die unlängst gegründete Vereinigung „Misrachi". Am Tage der Eröffnung des X. Kongresses veranstaltete diese neue Vereinigung 'eine Massendemonstration im Educational- Alliance-Gebäude. Zahlreiche Vereine haben bereits ihren Anschluß an die Misrachi-Organisation angemeldet An der Spitze der Bewegung stehen Männer, die ganz besonders auf die sogenannten „Schul-Juden", deren Zahl in New York in die Zehntausende reicht, großen Einfluß ausüben können. Ansprachen in der obenerwähnten Misrachi-Versammlung hielten: Rabbi Judelowitz (Bayon'ne), Rev. Dr, B. Drachman, Leon Zolotkoff, Redakteur des „Tageblattes", G. Bublick, Rabbi M. Z. Rabinowitz und Professor Joseph Kahn. Rev. Büchier brachte eine Resolution ein, die dem X. Zionistenkongreß in Basel nebst den Delegierten der Föderation Misrachi Glückwünsche ausspricht und sie auffordert, auch weiterhin unentwegt für ihre hehren Grundsätze zu kämpfen. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Zu Mitgliedern des provisorischen Komitees wurden gewählt: Rev. Dr. Drachman, Rabbi Judelowitz, Mr. M. Daunay, gewesener Präsident der „Zion Benev. Society", Mr. Katzenellenbogen von der „Hebrew Publishing Co.", Rabbi M. Z. Rabinowitz, Dr. J. Willheim, Prof. M. Kaplan vom Lehrerseminar in New York, Mr. M. Chase, Mr. G. Bublick, Dr. J. Bluestone, Ex-Nassi des „Order Bnai Zion", Rev. Dr. Kowar aus Denver (Colorado), Mr. S. Neuhausen und Rabbi J. Neuländers (Yonkers).