Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 35 (1.9.1911)
- Date
- 1911-09-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nö. 35 WEDELT 925 Komitees in Saloniki zugeschrieben* wurde. Als dieser Artikel in der „Times" erschienen war, trat unser Gesinnungsgenosse Dr. Gaster Ln einer energischen Erwiderung diesen tendenziösen Ausstreuungen entgegen. Ihm antwortete dann der Wiener Korrespondent der „Times", der die Ausführungen des ersterwähnten Artikels unterstützte und bekräftigte. Nunmehr ergriff die jüdische Gemeinde zu Saloniki das Wort und sandte der „Times" folgende Erklärung: Saloniki, den 25. Juli 1911. An dem Herausgeber der „Times", London. Herr Direktor! Nachdem Herr Dr. Gaster aus London die falschen Behauptungen widerlegte, sei es der jüdischen Gemeinde von Saloniki erlaubt, in den Spalten Ihrer Zeitung die in allen Punkten unrichtigen Behandlungen, die ein in der Nummer vom 11. Juli erschienener, der „Zeit" in Wien entnommener Artikel und ein Brief von Herrn A. Syriotüs, der von Ihnen am 19. ds. Mts. veröffentlicht wurde, enthalten, zunichte zu machen. Diese sensationellen Einsendungen enthalten einen schweren Vorw urf gegen die Juden und gegen die Jungtürken. Wir sind nicht berechtigt, unsere Stimmen im Namen des Komitees „Union et Progr6s", das selbst Richter seiner Taten ist, zu erheben; es ist daher nicht unsere Aufgabe, dasselbe gegen die von Ihrem Korrespondenten erhobenen Beschuldigungen zu Terteidigen. Aber was wir entschlossen erklären können, ist, daß das Komitee „Union et Progres", welches aus den Helden, die Konstitation und Freiheit uns geschenkt haben, aus dem Lande ganz ergebenen Leuten, aufgeklarten und verständigen Männern, aus edelmütigen Herzen besteht, keinesfalls jüdische Köpfe und Weisheit nötig hat. Das ist eine neu-e Beleidigung gegen das Komitee, indem num es für denkunfähig halt und als wirkungslos betrachtet. Von de=n von Ihrem Korrespondenten als Hauptleiter des Komitees bezeichneten fünf Juden konnte der eine, Maitre Salem als fremder Untertan nie dem Komitee „Union et Progr6su angehören. Unter den übrigen vier Deputierten, Emanuel Carasso, Mazliah, Faraggi und Sasson gehörten oder gehören einige dem Komitee an, aber wir kennem keinen von ihnen als Mitglied des Salonikier Zentralkomitees. Wären sie es, würde doch ihre Anwesenheit in der Mitte einer auserlesenen Gruppe die Notwendigkeit eines Eingreifens in die GescMftsleitung nicht hervorrufen. Im übrigen sind im vorliegenden Falle diese Herren zu rillimlich bekannt, als daß die von ihren Verleumdern völlig erfundenen Beschuldigungen im Lande Glauben finden soll. Es ist also eine reine Erfindung, eine niedrige Verleumdung, den Juden eine überwiegende und unglücksbringende Rolle in 4en türkischen Angelegenheiten zuzuschreiben. Heißt es denn niclrt, den Samen der ZwEestracht und Uneinigkeit zwischen die verschiedenen Elementen des ottomanischen Kaiserreichs säen wollen, indem man den Juden and den DönmSs irgend einen Einfluß auf die Politik dieses Landes beizumessen sich bemüht? Und wäre es nicht die Pflicht der elementaisten Ehrlichkeit für Ihre Korrespondenten, solche wichtige Mitteilungen vor ihrer Veröffentlichung zu kontrollieren? Wenn ihre Erfinder, anstatt einzuführen, daß die Regierungsrnänner und Diplomatein über das Einmischen der Juden in der türkischen Politik flüstern, darüber erst vorsichtig Informationen bei den Konsilien in Saloniki oder bei den Botschaftern in Konstantinopel einziehen würden, dann Mtten sie sich zweifelsohne den Verdruß erspart, sich unter die Zahl der Judenfeinde begeben zu haben. Wir jirotestieren mit Entschiedenheit gegen die an unsere Glaubensgenosse« gerichteten verleumderischen Vorwürfe und wir fordern Herrn A. Syriotis auf, uns zu bezeugen, in welcher Weise dieses Boykottieren den Juden Salonikis von Nutzen war. Hatte er jemals eine jüdische Schiffahrts- oder Rhedergesellschaft gekannt, um den Profit, iesn letztere bei Durchführung des Boykotts haben konnte, erklären zia können? Weiß er denn nicht, daß die Judenheil Salonikis meistens aus Kaufleuten besteht und daß sie weit davon entfernt sind Unruhen anzustiften, im Gegenteil, wäre es nur ihres Handels w&gen, den Frieden im Lande herrschen zu s-fchen? Noch einmal, wi* können nicht die geschworenen Feinde Israels belehren und wenta wir uns die Mühe gaben, ihre tendenziösen Anführungen hervorzuheben, ist's vor allem um der Wahrheit und Gerechtigkeit wiLlen und ferner wegen der Ehrenhaftigkeit und Offenheit Ihres Organe, das sie aufgenommen hat." Aus KonstantinopeH wird uns hierzu berichtet: Die antisemitische Aussaat der „Times" scheint leider in der Türkei aufzugeben. Senifer aliquid haeret. Eines der führenden griechischen Blätter un&eier Stadt, der „Neologos" gibt den ^kannten Artikel des Londoner Weltblattes wieder und fügt folgenden Kommentar hinzu, der auf die Auffassung in maßgebenden ICreisen der griechischen Nation ein helles Licht wirft. „Einige Übertreibungen mag es in der Darstellung des Wiener oder des Konstantinopeler Korrespondenten von dem jüdischen Einflüsse auf die herrschende Partei wohl geben. Aber gänzlich läßt sich doch dieser Einfluß nicht bestreiten, der sogar vom Ciroßwesir in seiner „famosen" Rede im Jüdischen Klub zu Saloniki stillschweigend anerkannt worden ist, als er zum großen Bedauern d«r übrigen Elemente erklärte, daß die Juden die einzigen treuen und ergebenen Freunde der Türkei sind und die einzigen infolgedessen, dessen Ratschläge und Empfehlungen gut aufgenommen wurden. (Das hat allerdings Hakki Pascha nicht gesagt. Anmerkung des Berichteffstatters.) Mag nun die besagte Seite nicht gerade die Ursache aller des Übels sein, die ihr der Korrespondent des Londoner Blittes zuschreibt, so gibt es doch gewisse Punkte und gewisse Tatsachen, die dem einen oder dem anderen Sitaatselemente schädlich s-bd und nur gewissen Interesseneinflüssen zugeschrieben werden können. Und die öffentliche Meinung, die sich niemals täuscht (sieS), sucht und findet den Urheber dieser Fakten auf Grund des unabänderlichen Prinzips, daß der der Schuldige sei, dem das Vergehetn nütze. Einige dieser Tatsachen sind mit Lärm in der Kammer hervorgezogen worden, weil sie die Staatsinteressen betrafen; andere wie der Boykott, sind der öffentlichen Meinung wohlbekannt, die hellsichtig genug ist, (!) die Hand zu entdecken, die die Marionetten in Bewegung setzt. Wir, die wir jene Wation lieben und achten, die mit der griechischen Nation die eimzige ist unter allen alten Nationen, die ihr historisches einheitliches Wesen durch alle Jahrhunderte hindurch bewahrt hat, wir erachten sie nicht verantwortlich für die Politik Einzelner, die ihr zugehörem. Im Gegenteil haben wir es als nötig erachtet, ihre lebhafte Aufmerksamkeit und die ihrer herrschenden Kreise auf jene Politik zu lenken, auf die Kommentare der ernstesten Blatter Europas, der britisclien besonders, und die großen Gefahren, die diese Politik in sich birgt." Man sieht also: in liebenswürdiger, es sei dahingestellt wie weit aufrichtiger Form eine entschiedene Verdammung. Wenn die griechische Welt allgemein so denkt, so steht es leider nicht zum besten um die griechisch-jüdischen Beziehungen. o o o o p o o 1 o o o o o o o AUS DER BEWEGUNG ([ O O O I 3> © o o o c o o Die Rbreffe Des 3ioruftifd)cn 3cntralbureaus, ber Rebaktion unt) Rbmirnftration Ur „Welt" unb bes Jübifcbcn Dcrlags lautet oom 1. Oktober ab: Berlin W. 15, Sädjfirdje Straße S. Sitzungen der Direktorien* der Banken Am 27. er. find im Haag eine Sitzung der Direktorien des Jewish Colonial Trust, der Anglo Palestine Company und der Anglo-Levantine Banking Company statt, an welcher die folgenden Herren teilnihmen: D- Wolffsohn, Dr. N. Katzenelsotin, J. H. Kann, Joseph Cowen, die Manager D. Levontin und T. Hirsch. Von den die weitere Öffentlichkeit interessierenden Beschlüssen heben wir die folgenden hervor: Der APC wurde die A_utorisation zur Annahme langfristiger Spardepots erteilt.—Die Statuten des Pensionfonds, für welche von den Beamten der APC eine Anzahl Vorschläge vorlagen, wurden in ihrer definitiven Form festgestellt. Herr Levontin wurde beauftragt, die vorbereitenden Studien zur Eröffnung neuer Filialen