Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 34 (25.8.1911)
- Date
- 1911-08-25
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 34 — die: Eine höhere Münze stellt der Bisch Iik dar. Dieser gilt nach Regierung*- und Postkurs ZLk Piaster, in Jerusalem 3 Piaster, in Jaffa 3 Piaster 5 Para. Man bekommt demnach in Jerusalem 9 Metalliks für 1 Bischlik, in Jaffa 10. Die Folge davon ist, daß alle Bischltks nach Jaffa ausgewandert sind, während die Metalliks nach Jerusalem wandern. Eine andere höhere Münze ist die MedschiJi, von der es aucti Teilwerte gibt, nimlich V2 Medschidi, */* Medscritdi und V« Medschidi. 1 Medschidi plt bei der Regierung 19 Piaster, bei der Post 20, in Jerusalem 23, in Jaffa 23 Piaster 5 Para, in Haifa 23 Piaster 10 Para usw. Weran einer nun durch die Post ein Paket bekommt und Zoll bezahlen muß, dann schlägt die Post wegen Kursunterschiedes 1 Piastei darauf. Vermutlich bezahlt aber die Post nichl in Medschidis, sondern in andern Münzen, so daß der Piaster eine Nebeneiiahme für die Post bedeutet. Eine schwierige juristische Frage entsteht unter solchen Verhältnissen z. B. in folgendem Fall: Ich führe f ür eine kleine Reisegesellschaft die Kasse. In Jerusalem wechselte ich 20 Francs 109 Piaster in Medschidis um. In Jaffa gebe fich diese aus und in Haifa rechne ich mit der Gesellschaft ab. Nach welchem Kurs muß nun abgerechnet werden? Doch damit ist die Mannigfaltigkeit der palästinensischen Münzscherze noch nicht erschöpft Es gibt auch noch russisches Geld: 1 Rubel schwankt im Werte zwischen 14 Piaster und 14 Piaster 10 Para. Dann gibt es sogenannte kleine Mdalliks, die in Jerusalem wie ein gewöhnliches Metallik gerechn et werden, in Jaffa dagegen z, B. nur die Hälfte gelten. Mit Hilfe dieser verschiedenen Münzsortea muß man dann eine geforderte Summe möglichst genau zu bezahlen suchen, was keine leichte Aufgabe ist. Die Regierung suchte zun acht diese Aufgabe zu erleichtern,, indem sie 5- und 2V*-ParastiEcke einführte. Dazu benützte sie Geldstücke, die früher als ganze oder halbe Kupferpiaster gedient hatten. Ein solches Parastück gilt nicht ganz 2 Pfennig, ist aber -viel größer als ein italienischer Soldo, hat also m ehr Metallwert als Prägungswert. Das hatten die Palästinenser als geborene Finanzgenies bald heraus. Sie schmolzen die Münzen ein und verkaufter sie als Knpfer, so daß schon heute ein großer Mangel an solcLen Münzen besteht. Aber die Leute wußten auch dafür Rat. Man nahm russische Kopekenstii cke oder österreichische oder ungarische 2-riellerstucke und gab sie für 5 Para aus. Ein Hellerstück gilt 2V2 Para. Da diese nun nicht so zahlreich 211 beschaffen sind, gaben verschiedene jüdische W«hitätigkeitsanstalt«en, die kleine Geldwerte für Almosen brauchten, kleines hebräisch bedrucktes Papiergeld im Werte von 21/2 Para aus. Solche Blättchen werden in «der Nähe derartiger Anstalten aiuch anstandslos angenommen. Die vernünftigste Idee hatten die deutschen Tempelgemeinden, eine I dee, die aber wohl wegen ihrer Einfachheit nur wenig Anklang und Verbreitung fand. Sie prägten nämlich Geldstücke im Werte von 10, 20 und 40 Para oder 1 Piaster. Diese Münzen sind aber wenig; eingeführt. Dank d iesem kompliziertem Münzwesen ist es möglich geworden, daß unzählige Geldwechsler nur von diesem einträglichen Gewerbe leben, zumal auch noch für das Einwechseln tou Kleingeld jedesmal eigenes. Wechselgeld bezahlt werden muß, Es ist jedoch zu hoffen, daß die jungtürkische Regierung auch hierin Wandel schaffen wird, wobei es allerdings nicht ohne Kämpfe seitens derjenigen abgehen wird, die aus dieser Babylonischen Verwirrung ihren Vorteil ziehen. Rosch Pinah In einem Artikel des „Osmanischen Lloyd" vom 12. August über Safed schreibt der Korrespondent über die jüdische Kolonie Rosch Pinab: „Mit Safed verbunden i&t eine jüdische Keolonie, Rosch Pinah genannt. Dieser Ort liegt im Osten, zirka eine Stunde von der Stadt entfernt, in der Nähe der Jordanebene. Wenn der Fremde diesen Ort betritt, so fallen ihm sofort die schönen Häuser, jedes mit einem liübschen Gärtchen davor, und die dazwischen gebauten Straßen auL Und soweit das Auge reicht, überall herrliche Obstwaldung oder anders bebaules Land. Hier können keine Araber wohnen, sagt sich der Fremde3 und wenn er not Ii erfährt, das jedes Haus seine Wasserleitung in der Küche hat, dann bestehen vollends keine Zweitfei mehr, daß er eine Anlage betreten hat, wie sie die Araber nicht zuwege gebracht haben" würden. Freilich, man zeigt dem Fremden auch ein Fabrikgebäude, in welchem früher Seidenindustrie betrieben wurde, das aber jetzt leer steht und fast wie ein Zeuge des Rückschritts zum Himmel ragt Schade! Hoffentlich bedeuiet das nicht den Anfang vom Krebsgang der Kolonie. Sehr malerisch haben diie Einwohner von Rosch Pinah ihren Friedhof in eine felsige Schlucht hinein gebettet. Schlanke Cypressen ragen zum Himmel empor, und zwischen diesen Wicken die einfachen Grabsteine durch. Ein herrliches Motiv zu einer stimmungsvollen Komposition nach Böcklinscher Art." £ELT 903 Von der Kolonie „Achusah" Inder von amerikanischem Juden gegründeten Kolonie„Achusah", für die eine große Bodenflache auf der Anhöhe Dsalaik;a gegenüber d&in Genezarethsee angekauft worden ist, hab&i die Arbeiten schon begonnen. Das Areal der neuen Kolonie wird 3500 Dunam umfass&u. Die Kolonie grenzt an die bereits bestehenden jüdischen Ansiedlungen Milharnie, Jemma und KineretL Der Boden eignet sich insbesondere für Baumkulturen, das IClima wird als sehr gesund geschildert. Einstweilen sind einige fiolzbaracken für die neuen Ansiedler errichtet worden, auch hat man mit der Pflügung des Bodens begonnen und trifft die notwendigen Vorkehrungen für die BepfLanzung größerer Pmellen mit Oliven, Mandelbäumen und Weinreben. Ferner wird ein großes Gebäude errichtet, das Wohnräume für die Arbeiter, Vorratskammern, Stallungen usw. enthalten wird. Endlich sind auch die Arbeiten für die Erbohrung zweier Brunnen in Angriff genommen worden. Arztwahl in einer palästinensischen Kolonie In der galiäischen Kolonie Jemma bei Tiberiis wurde Frau Dr. med, Blumenfeld zum Koloniearzt gewählt. Wahl eines Chacham=Baschi in Jaffa Am 11. August wurde in Jaffa in einer Versammlung der Vertreter des Waad-Ha'ir, der jüdischen Kolonien und des Komitees der ottomanischen Juden der Chachairn Benzion Usiel aus Jerusalem zum Chacharnbasclii von Jaffa, und zwar vorläufig für ein Jahr gewählt. Chachann Usiel ist in Jerusalem geboren, spricht französisch, hebräisdi, arabisch und türkisch und genießt bei den Behörden großes Ansehen. Rußland Die Juden und der Militärdienst in Rußland Mit dem Aufgebot des ganzen amtlichen Apparates wird gegenwärtig die Organisation militärischer Jugendwehren in Rußland betrieben. Und seitdem 6000 „Knaben-Soldaten" vor dem Zaren auf dem Marsfelde in Parade gestanden haben, — der jüngste „Rekrut" 6 Jahre 9 Monate: alt —, verschwindet die Frage der Jugendvehren gar nicht mehr aus den Spalten der Blätter. Sämtliche Kiibenkompagnien in Fußland, die heute schon nach vielen Hunderten zählen, haben das; eine gemein, daß sie k&ine JudenknabetL aufnehmen. In den jüdischen Gesellschaftskreisen hat man diese Erscheinung nicht unbeachtet gelassen. Man sieht in derselbem eine; weitere vorbereitende Maßregel für das von den rechten Parteien mit der größten Hartnäckigkeit verfolgte Ziel, die Juden "won der Ableistung der Wehrpflicht zu „befreien" und damit die Rechtsgrundlage für die Beibehaltung der Rechtsbeschräakungen für die „Bürger zweiter Klasse" zu gewinnen. Die Erreichog dieses Zieles ist nicht etwa bloß ein Lieblingswunsch der russischen Reaktion; das Kriegsministerium selbst steht der Befreiung der Juden vom Militärdienst durchaus sympathisch gegenüber. Angesichts dieser Sachlage wollen die Juden nicht passiv bleiben. Die jüdische Gemeinde in Kischinew hat die Initiative ergriffen, und es ist eine Deputation!>&stehend aus jüdisch en Teilnehmern des russisch-japanisc hen Krieges nach Pelersburg entsandt vorden, um beim Kriegsminister und Minister des Innern die Erlaubnis zu erwirken, in Kischinew und Odessa jüdische Knaben kompagnien ins Leben zu rufen. Die reaktionären Blätter beschwören die Regierung, diese „jüdische Hinterlist" zu vereiteln. Die Juden, schreiben sie, möchten nur deshalb Jugend wehren gründen, um Kämpfer für die Resolution heranzubilden. Es würden ähnliche Organisationen entstehen,, wie seinerzeit die „RoteGarde" in Finnland. Bei der gegenwärtigen ju<lenfeindlichen Stimmung in den russischen Regierungskreisen ist es denn auch als sicher anzunehmen, daß die Regierung die Genehmigung zur Bildung jüdischer Jugend wehren versagen wird. Massenausweisung jüdischer Qetreidehändler in Rußland In der Station Wolnowacha, in der Nähe von Mariampol, hat die Ausweist ng aller Juden begonnen. Die Station Wolnowacha ist ein wi chtiger Bahnknotenputikt, wo viele jüdische G^treidehändler und Kommissionäre leben. En Kiew hat eine Versammlung der ortsansässigen Kaufmannschaft stattgefunden, die beschloß, die Regierung zu bitten die vielen gänzlich ungesetzlichen Ausweisungen von Judem und die Konfiskation ihrer Waren einzustellen, weil dieser